Ötigheim/Rastatt Durch diese hohle Gasse

Der Freiheitskämpfer Wilhelm Tell, gespielt von Jochen Neupert, bei der Aufführung in Ötigheim (Foto: pr)
"Durch diese hohle Gasse muss er kommen." Wer kennt ihn nicht, diesen Satz aus Schillers "Tell", dem großen Meisterwerk des schwäbischen Dichterfürsten über den eidgenössischen Meisterschützen und Freiheitskämpfer. Seit Ende Juni schon geben die Volksschauspiele in Ötigheim bei Rastatt den "Tell".

Ein Stück mit Tradition: das Schweizer Nationaldrama, das dieses Jahr zum 100-jährigen Bestehen der Festspiele insgesamt elfmal auf "Deutschlands größter Freilichtbühne" aufgeführt wird, lockte am selben Ort schon im Jahr 1910 100.000 Besucher an. Und machte, so sagen die Veranstalter, Ötigheim zum "Telldorf".

Das Schauspiel von Friedrich Schiller, für Ötigheim inszeniert von Hannes Beckert, bildet im Jubiläumsjahr der "Volksschauspiele" das Hauptstück. Tell, der auch sinnbildlich das Freiheitsstreben Schillers - der lange unter seinem württembergischen Landesherren litt - beschreibt, obsiegt auch in Ötigheim: gespielt von Jochen Neupert, dem in Göppingen geborenen Schauspieler, der seit vier Jahren zum festen Ensemble des Badischen Staatstheaters gehört. Was 1910 in der Wochenzeitung "Deutsche Welt" geschrieben wurde über die erste Ötigheimer Inszenierung, könnte auch heute noch gelten.

Mit Schillers Stück wieder das halbe Dorf auf der Bühne

"Die Massen selbst zeichneten sich dadurch aus, dass in ihnen nicht nur Erwachsene, Choristen und Choristinnen vertreten waren, sondern alle Lebensalter bis zu den Kindern herunter. Wie das lebte und sich an der Handlung stumm beteiligt, das war ein Meisterstück!" Mit dem Stück von Schiller steht wieder das halbe Dorf Ötigheim auf der Bühne. Der Klassiker, der nach 1910 auch 1911, 1913, 1920/21, 1927/28/29 und 1932/33 - zuletzt 1976 und 1988 - erneut gespielt wurde, gehört zu Ötigheim, wie Wilhelm Tell zum Freiheitsstreben der Schweizer Kantone Uri, Schwyz und Unterwalden.

Die Bewohner von Uri, Schwyz und Unterwalden treten zum Schwur zusammen. (Foto: pr)
Die Bewohner der Bergregionen litten, so in aller Kürze der Handlungsstrang, zu Tells Zeit unter der willkürlichen Herrschaft der Landvögte, allen voran Reichsvogt Hermann Geßler (in der aktuellen Inszenierung im Wechsel gespielt von Reinhard Danner und Fritz Müller). Doch so leicht sind die Schweizer nicht in ein Schema zu pressen. Die Einwohner werden gezwungen, einen Hut auf einer Stange zu grüßen. Strafe droht dem, der dies missachtet. Wilhelm Tell, ein einfacher Landmann, schert sich nicht darum und wird festgenommen. Das Schicksal nimmt seinen Lauf. Es kommt zum legendären Schuss mit der Armbrust, Tell soll den Apfel vom Kopf seines Sohnes schießen. Ganz am Schluss trifft der Pfeil Tells jedoch - nicht ganz unerwartet - den Landvogt Geßler.

Wer das imposant inszenierte Schauspiel und die legendären Alltagssprüche Schillers ("Die Axt im Hause erspart den Zimmermann") erleben will, hat dazu abermals Gelegenheit an den beiden kommenden Samstagen, 5. und 12. August (jeweils 20 Uhr), und Sonntagen, 6. und 13. August (jeweils 17 Uhr). Wegen der großen Nachfrage soll das Stück 2007 abermals aufgeführt werden. Telefon der Theaterkasse: 07222/968790.

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