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Karlsruhe Diskussion zu "Kultur für alle" in Karlsruhe: Wo stehen wir heute?

"Kultur für alle". Mit diesem Diktum hat der am 1. Juni 2018 ­ver­stor­bene Kultur­po­li­ti­ker Hilmar Hoffmann schon in den 1960er und 1970er Jahren partei­en­über­grei­fend Gehör gefunden und ein neues Verständ­nis von Kultur­po­li­tik begründet.

Beim letzten thematischen Kulturfrühstück im Cafe Besitos am Markt­platz vor der Sommerpause sitzt Tom Selzer, Macher des Kohi-Kulturraums in der Südstadt. "Kultur für alle - vom Angebot zur Parti­zi­pa­tion" lautete das interessante Motto des Morgen-Hocks, es ergab sich eine lebhafte Konversation!

Wie üblich eröffnete Kulturamtsleiterin Susanne Asche die Diskussion mit einigen einleitenden Worten und dem bereits verwendeten Zitat vom verstorbenen Hilmar Hoffmann: Kulturteilnahme dürfe nicht von Schicht oder Klasse abhängig sein - dies mal als potenter und zentraler Ansatz!

Welche Anstrengungen unternehmen die Karlsruher (Sub-)Kultur-Institutionen, um das Motto umzusetzen? Zu Beginn meldeten sich die Macher des Kulturhauses Mikado, hier könnten Mitglieder die Vereinsräume für Projekte nutzen - also Kultur für alle! Auch Tom Selzer äußerte sich: "Wir bieten eine große Bandbreite an verschiedenster Kultur und Spektren, alles zum selben Preis!" Auch das ibz und die VHS Karlsruhe hieben in die gleiche Kerbe, im Programm sei für "alle etwas dabei", ob Familien, junge Eltern oder auch Migranten.

Belschner: "Bauen auf ehrenamtliches Engagement!"

Bernd Belschner, Geschäftsführer vom Tollhaus, sagte, man sehe sich als soziokulturelles Zentrum mit überregionaler Ausstrahlung, setze auf einen Treffpunkt mit gemischtem Publikum, fördere Sparten wie beispielsweise Neuen Zirkus und baue auch auf viel ehrenamtliches Engagement. So erreiche man am besten "Kultur für alle".

Auch Direktor Eckart Köhne vom Badischen Landesmuseum trug seinen Teil zur Debatte bei: "Wir haben freitagnachmittags ab 14 Uhr für unsere Besucher bei den Sammlungsausstellungen kostenfrei geöffnet, das ist gelebte 'Kultur für alle', wir wollen alle Schichten mitnehmen! Ein Beispiel für gelebte Kultur für alle ist auch die Konzertreihe "Musik im Rathaus".

Ein vielbesprochener Ansatz beim Kulturfrühstück war auch, dass man schon in den Schulen/Kitas ansetzen müsse, wenn man etwas Nachhaltiges erreichen wolle; auch Kooperationen verschiedener Einrichtungen seien immens wichtig. Ein leuchtendes Beispiel sei die überaus gelungene und erfolgreiche Zusammenarbeit von Kohi und Literarischer Gesellschaft bei Lesungen in der Südstadt. Man müsse "raus aus den Zentralen, rein ins Dezentrale", so Asche bei einem Einwurf.

Selzer: "(Sub-)Kultur muss man pflegen!"

Ein weiteres Bonmot und treffender Satz kam von der Kulturamtsschefin: "Höderlin und HipHop für alle", man müsse jeglicher Kultur(sparte) auf Augenhöhe begegnen. Verschiedene Biographien ergäben verschiedene kulturelle Ansätze! Ein weiteres erfolgreiches Unterfangen sei "Open Codes", die überragende und interaktive Ausstellung des ZKM, schon jetzt ein Klassiker in der Veranstaltungsarchitektur der Fächerstadt.

Auch die Karlsruher Museumsnacht (Kamuna) ist so ein Beispiel, eine Idee, bei der "Kultur für alle" gelebt wird, sozusagen eine "Demokratisierung von Kultur". Zur Wahrheit gehöre aber auch, da waren sich alle einig: Auch bei größter Anstrengung wird man nie alle Kreise ansprechen können. Belschner dazu: "Kultur hat eine gesellschaftspolitische Funktion", verändere sich! Zum Finale meldete sich noch einmal Tom Selzer vom Kohi zu Wort: "(Sub-)Kultur muss man pflegen, den Begriff jederzeit neu prüfen!"

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Kommentare (2)
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  •   Malerdoerfler
    (4610 Beiträge)

    28.07.2018 20:02 Uhr
    Kultur?
    Hä?
    Nicht jeder weiß, was darunter zu verstehen ist.
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  •   IchKA
    (593 Beiträge)

    28.07.2018 08:58 Uhr
    Dieses Kulturfrühstück entwickelt sich immer
    mehr zum Verlautbarungsgerede von mehrheitlich Kulturinstitutionen und was sie alles tun. Werbung und Selbstbeweihräucherung in eigener Sache. Ein paar wenige Bürger sind dazu die stumme Garnierung als Alibi, dass das doch eine Bürgerveranstaltung wäre.
    Die Vorschläge von Frau Asche zur Dezentralisierung der Kultureinrichtungen und die Erkenntnisse, dass es (wieder mal das abgegriffenen Wort) "Nachhaltigkeit" in Kitas und Schulen braucht sind Plattitüden und entpuppen sich wieder einmal als schlichtes Blabla, ebenso wie die Erkenntnis des Tages, dass "man nie alle Kreise ansprechen wird können." Wäre man nie draufgekommen.
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