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Karlsruhe Die 100-jährige Geschichte des Badischen Landesmuseums: Kunst zwischen Krieg und dem digitalen Wandel

Das Badische Landesmuseum hat trotz seiner relativen "Jugend" schon turbulente Zeiten hinter sich. Grund genug, sich die Vita der Karlsruher Kunst- und Kultur-Institution einmal näher anzusehen und chronologisch aufzuarbeiten.

Ein Jahr nach Abdankung Großherzog Friedrichs II. gründete die badische Regierung am 21. November 1919 das Badische Landesmuseum, das ins ehemalige Residenzschloss einziehen sollte. Als Bestand wurden ihm die seit dem 16. Jahrhundert zusammengetragenen markgräflichen und großherzoglichen Sammlungen für Altertumskunde (Archäologie des Mittelmeerraums sowie "Vaterländische Altertümer" aus Baden), für Völkerkunde und badische Volkskunde sowie die Sammlungen des Kunstgewerbemuseums zugewiesen.

Wenig später wurden die "Karlsruher Türkenbeute" und schließlich 1936 das Münzkabinett eingegliedert. Auf diese ursprünglichen Bestände stützt sich bis heute das Sammlungskonzept des Badischen Landesmuseums.

Gründungsdirektor Hans Rott initiierte bereits im September 1920 eine erste Sonderausstellung, noch bevor das Landesmuseum am 24. Juli 1921 eröffnet wurde. In den historischen Räumen des Schlosses waren von nun an die archäologischen und kulturgeschichtlichen Schausammlungen für die Öffentlichkeit zugänglich. Ab Herbst 1923 wurde die "Karlsruher Türkenbeute" im ehemaligen Gartensaal des Schlosses präsentiert, 1924 war die volkskundliche Abteilung im Dachgeschoss eingerichtet. Mit der Einrichtung des Münzkabinetts im rechten Seitengebäude waren seit Juni 1936 alle Sammlungen des Museums für Besucher zu besichtigen.

Zweiter Weltkrieg dramatischer Einschnitt fürs Museum

Der Zweite Weltkrieg stellte einen dramatischen Einschnitt für das Landesmuseum dar. Am 1. Dezember 1939 wurde es geschlossen. Die seit August 1939 unter dem kommissarischen Direktor Ludwig Moser zögerlich angelaufene Evakuierung der Objekte wurde nach einem ersten Luftangriff auf das Karlsruher Schloss, bei dem am 24./25. April 1944 die ehemalige Schlosskirche in Brand gesetzt wurde, mit Nachdruck, jedoch vielfach ohne die eigentlich notwendige dokumentarische Sorgfalt vorangetrieben.

Karlsruher Schloss bis 1918 Sitz der badischen Großherzöge | Bild: Badisches Landesmuseum

Die Bestände wurden in das Gefängnis Pfullendorf, in die Schlösser von Salem, Langenstein und Baden-Baden sowie in das Salzbergwerk Heilbronn ausgelagert. Nicht transportable Kulturgüter wurden in die Keller des Museums verbracht. Die Mitarbeiter wurden nach Neuhausen bei Pforzheim evakuiert. Am 27. September 1944 brannte bei einem Luftangriff auf Karlsruhe das Schloss bis auf die Außenmauern nieder.

Provenienzforschung ermittelt ursprüngliche Besitzer

Während des "Dritten Reichs" hatte das Badische Landesmuseum zahlreiche verfolgungsbedingt entzogene Kunst- und Kulturgüter erworben und diese bis weit in die Nachkriegszeit hinein in seine Sammlungen integriert. Die Aufgabe der heute am Landesmuseum etablierten Provenienzforschung ist es, durch Rückgabe der betreffenden Objekte an die ursprünglichen Besitzer oder deren Erben dieses Unrecht aufzuarbeiten und wiedergutzumachen.

Schlossruine - 1944 völlig ausgebrannte Schlossanlage, nach dem 2. Weltkrieg
Schlossruine - 1944 völlig ausgebrannte Schlossanlage, nach dem 2. Weltkrieg | Bild: Badisches Landesmuseum

Die amerikanische Militärregierung berief 1945 Arthur von Schneider als Direktor. Im Juni desselben Jahres kehrten die Museumsmitarbeiter nach Karlsruhe zurück. Noch im Herbst 1945 begann die Bergung der in die Keller verbrachten Sammlungsgüter. 1946 bis 1951 wurden die ausgelagerten Bestände nach Karlsruhe zurückgeführt und die Restaurierungswerkstätten schließlich ab 1948 nach und nach wieder arbeitsfähig.

Ab 1952 Wiederaufbau des Schlosses

In der kriegszerstörten Stadt war an den Wiederaufbau des Schlosses zunächst nicht zu denken. 1948 wurde dem Badischen Landesmuseum das Großherzogliche Palais an der Kriegsstraße als neuer Standort zugewiesen. Als aber der Deutsche Bundestag 1950 den Bundesgerichtshof mit Sitz in Karlsruhe gründete, beanspruchte dieser das Gebäude. Das Landesmuseum musste den gerade angelaufenen Einzug abbrechen. Neues provisorisches Domizil wurde die Telegraphenkaserne in der Hertzstraße.

Karlsruher Schloss - Wiederaufbau, nach dem 2. Weltkrieg
Karlsruher Schloss - Wiederaufbau, nach dem 2. Weltkrieg | Bild: Badisches Landesmuseum

Arthur von Schneiders Nachfolger als Direktor des Badischen Landesmuseums, Rudolf Schnellbach, begann unmittelbar nach seiner Berufung im Jahr 1952, sich für den Wiederaufbau des Schlosses (einschließlich des rechten Seitengebäudes) als Museum zu engagieren, wovon schon seine Publikation "Unser Haus ist ausgebrannt" zeugt. Tatsächlich wurde von 1952 bis 1954 zunächst der Schlossturm wieder errichtet und zwischen 1955 und 1958 der Mitteltrakt rekonstruiert, in dem am 29. Mai 1959 die partielle Wiedereröffnung des Badischen Landesmuseums stattfand.

Sitz des Museums abermals in Frage gestellt

Als 1960 das im Prinz-Max-Palais untergebrachte Bundesverfassungsgericht nach einem neuen Standort suchte, geriet das Karlsruher Schloss in den Blickpunkt. Dadurch wurde der Sitz des Museums vorübergehend abermals in Frage gestellt. Doch letztlich konnte im März 1965 das Schlosscafé eröffnen, das zu den ersten Museumscafés in Deutschland zählt. Am 13. Juni 1966 wurde das nun vollständig wieder aufgebaute Karlsruher Schloss mit dem neu eingerichteten Museum feierlich eingeweiht.

Luftaufnahme Schlossanlage - Wiederaufbau, nach dem 2. Weltkrieg
Luftaufnahme Schlossanlage - Wiederaufbau, nach dem 2. Weltkrieg | Bild: Badisches Landesmuseum

Die architektonische Konzeption des Wiederaufbaus verfolgte das Ziel, den barocken Außenbau des Karlsruher Schlosses detailgenau wiederherzustellen, den Innenraum aber unter Aufgabe der barocken Zimmerfluchten als zeitgemäßes Museum zu gestalten. Der Heidelberger Architekt Dieter Quast sorgte durch das Einziehen von Spannbetondecken dafür, dass das Gebäude große, neutrale Ausstellungssäle mit jeweils zirka 650 Quadratmetern Fläche erhielt. In diesen Sälen konnte die neue Konzeption verwirklicht werden: Die Meisterwerke der Sammlung wurden nach Epochen geordnet wirkungsvoll präsentiert.

Museum mit großen Sonderausstellungen

Als erste große Sonderausstellung nach dem Zweiten Weltkrieg veranstaltete das Landesmuseum 1955 die Ausstellung zum 300. Geburtstag des "Türkenlouis" Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden, in deren Zentrum die "Karlsruher Türkenbeute" stand. In der Folgezeit machte sich das Museum mit großen Sonderausstellungen zu Themen der Antike sowie zur Kunst- und Kulturgeschichte, insbesondere des Oberrheins, international einen Namen. Im Jubiläumsjahr 2019 stellt die Große Landesausstellung "Kaiser und Sultan" - Nachbarn in Europas Mitte 1600-1700" die "Karlsruher Türkenbeute" mit aktuellen Fragestellungen zum Austausch der Kulturen zwischen Orient und Okzident erneut in den Fokus einer Sonderausstellung.

Die Karlsruher Türkenbeute, ab 1923 im Gartensaal ausgestellt
Die Karlsruher Türkenbeute, ab 1923 im Gartensaal ausgestellt | Bild: Badisches Landesmuseum

Im März 1958 verabschiedete der baden-württembergische Landtag das Gesetz über die Vergabe von Toto-Lotto-Geldern zugunsten der staatlichen Museen. Es entstand der "Zentralfonds für die Anschaffung von Spitzenwerken der Kunst für die staatlichen Kunstsammlungen", mit dessen Hilfe das Badische Landesmuseum nun seit einem halben Jahrhundert seine Bestände mit herausragenden Werken ausbauen kann. Eine bedeutende Erweiterung seiner Sammlungen erfuhr das Museum 1995 im Rahmen der Versteigerung der Sammlungen der Markgrafen und Großherzöge von Baden durch das Auktionshaus Sotheby's in Baden-Baden.

Landesmuseum hat Außenstellen und Zweigmuseen

Die Zahl der im Badischen Landesmuseum verwahrten Objekte wird aktuell auf zirka 500.000 geschätzt. Seit den 1950er-Jahren veröffentlicht das Museum seine Sammlungen in Bestandskatalogen, Bildheften und Sammlungsführern. 2001 begann die digitale Erfassung der Bestände. Schon 2003 stellte das Landesmuseum in Kooperation mit dem Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) in Karlsruhe das innovative "Virtuelle Museum" zum Thema "Die Türkenbeute" mit interaktiven 3D- und Zoom-Aufnahmen online. Heute werden die Sammlungen in verschiedenen digitalen Katalogen und Internetportalen publiziert.

Impression Badisches Landesmuseum, Schloss Karlsruhe
Impression Badisches Landesmuseum, Schloss Karlsruhe | Bild: Schoenen

Im Laufe der Zeit erhielt das Badische Landesmuseum mehrere Außenstellen und Zweigmuseen. Aktuell sind es in Karlsruhe das Museum beim Markt und das Museum in der Majolika. In Bruchsal unterhält das Badische Landesmuseum das Deutsche Musikautomaten-Museum. Hinzu kommt die Außenstelle Südbaden als Forschungsstelle und Archiv zur Volkskunde Badens, dem das Keramikmuseum Staufen angeschlossen ist. Das Landesmuseum betreibt auch das Klostermuseum Hirsau, das Schloss Neuenbürg und das Klostermuseum Salem.

Das Ziel: Der Besucher als Nutzer

Auf die Direktoren Ernst Petrasch und Volker Himmelein folgte ab 1992 Harald Siebenmorgen. In seiner Amtszeit wurden die Sammlungsausstellungen des Landesmuseums sukzessive neu eingerichtet. Die enge Verbindung historischer und kulturgeschichtlicher Fragestellungen sowie die szenischen Präsentationen einer Vielzahl von Objekten waren charakteristisch für seine Konzeption. Am 1. Januar 2003 wurde das Badische Landesmuseum als erstes der baden-württembergischen Landesmuseen Landesbetrieb mit Susanne Schulenburg als Kaufmännischer Direktorin.

Eckart Köhne, Direktor des Badischen Landesmuseums sowie Präsident des Deutschen Museumsbundes
Eckart Köhne, Direktor des Badischen Landesmuseums sowie Präsident des Deutschen Museumsbundes | Bild: Tim Carmele

Es ist nun an Eckart Köhne, der 2014 das Amt des Wissenschaftlichen Direktors übernahm, das Karlsruher Schloss mehr als ein halbes Jahrhundert nach seiner Wiederherstellung durch die dringend notwendige bauliche Generalsanierung zu führen und mit einer zeitgemäßen Museumskonzeption, die den Besucher als Nutzer in den Fokus der Museumsarbeit stellt, neu zu gestalten.

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  •   Waterman
    (6317 Beiträge)

    11.02.2019 08:53 Uhr
    Ein sehr schönes Museum
    Immer einen Besuch wert, auch dank der spannenden und interessanten Sonderausstellungen.

    Schönstes Exponat: die Badische Flagge auf dem Turmspitz grinsen
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  •   Route66
    (1758 Beiträge)

    11.02.2019 14:14 Uhr
    Mykene
    Ist auf jeden Fall einen Besuch wert.
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