Karlsruhe Der ka-news.de-Kino-Tipp: Regisseur Sam Mendes gelingt mit "1917" ein Meisterwerk des Kriegsfilms

Jeden Freitag gibt's eine kräftige Dosis Kultur, verabreicht von ka-news.de-Kulturredakteur Toby Frei, und zwar in der Kolumne "Kultur-Tipp". Heute: Darf man überhaupt von einer Poesie des Krieges sprechen? Ja, man darf, sieht man den Film "1917" - geradezu ein rauschhaftes Kino-Erlebnis!

Liebe Film-Fans!

"1917" ist eher ein militärisches Kammerspiel als ein reiner Kriegsfilm, das ist auch und hauptsächlich das Verdienst der fulminanten und zugleich intimen Kameraarbeit von Roger Deakins. Was die Intensität des Streifens noch einmal erhöht, denn man ist immer und zu jeder Zeit mitten im subjektiven Geschehen um die beiden Protagonisten George MacKay (Lance Corporal William Schofield) und Dean-Charles Chapman (Lance Corporal Tom Blake) und ihrer riskanten Mission.

Kurz zum Inhalt:  Zwei Soldaten werden mit einer wichtigen Nachricht hinter die feindlichen Linien geschickt und verlieren sich zunehmend im apokalyptischen Gewirr des Geschehens. Dass ein Krieg (in diesem Fall der Erste Weltkrieg) vor Brutalität und Schmerz nur so strotzt, ist selbstredend und ein offensichtlicher Teil dieses nackten Werks.

Feine Gastauftritte von Firth und Cumberbatch

Der Aufwand, welcher für diesen Film betrieben wurde, ist unbeschreiblich. Dadurch, dass die Kamera fast ohne Schnitt auskommt, musste alles temporär genauestens aufeinander abgestimmt werden. Grandiose Darsteller tragen zudem den Film, die erwähnt durchgehende Kamera und die stimmungsvolle Filmmusik machen das Ganze dann mehr als rund.

Ein paar kurze, aber gelungene Gastauftritte von Colin Firth und Benedict Cumberbatch tragen ihr Scherflein zum Gelingen bei, die beiden stellen sich in aller Kürze ganz in den Dienst des Films. Und George MacKay gelingt eine Meisterleistung als Getriebener, erinnert an die Performance von Leonardo DiCaprio in "The Revenant", übrigens damals auch Oscar-prämiert!

2020 ein äußerst starkes Film-Jahr

Querverweise auf Kubricks "Full Metal Jacket" und  Coppolas "Apocalypse Now" (die Bildsprache!) sind sicher nicht so geplant, trotz alledem finden sie statt. Thomas Newman hat die Filmmusik komponiert, wie immer ein toller Score, episch und breit, mit akzentuierten Spannungsbögen.

Die zahlreichen Oscar-Nominierungen für "1917" (vor allem in den Premium-Kategorien) sind mehr als verdient, 2020 ist unter anderem mit "The Irishman", "Joker" und "Once Upon A Time In Hollywood" sowieso ein äußerst starkes und konkurrenzreiches Jahr.  Man darf gespannt sein auf Anfang Februar. Und: Sam Mendes gehört spätestens mit diesem Streifen (sein zweiter Kriegsfilm nach "Jarhead" in 2005) zu den diesjährigen Granden (Scorsese, Phillips, Tarantino) von Hollywood.

Also: "1917" ist eine echte Tour de Force, auch für die Zuschauer. Der Film endet in einer Sequenz kurzer, aber voller Ruhe, und man kann erstmals nach zwei Stunden stetiger Adrenalinzufuhr runterfahren. Und ist glücklich ob dieses beeindruckenden Films.

Ich wünsche unseren Lesern ein schönes und vor allem kulturelles Wochenende!

Ihr Toby Frei

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