Karlsruhe Der ka-news-Kino-Tipp: Vice - Der zweite Mann

Jeden Freitag gibt's eine kräftige Dosis Kultur, verabreicht von ka-news-Kulturredakteur Toby Frei, und zwar in der Kolumne "Kultur-Tipp". Heute: "Vice - Der zweite Mann" war 2019 oscarnominiert als "Bester Film", und das zurecht - hier kommt wirklich alles Gute zusammen!

Liebe Film-Fans,

Politik ist ein schmutziges Geschäft, man ahnte/wusste das schon - in "Vice" wird es dem Betrachter aber nochmal schonungslos präsentiert und aufs Brot geschmiert. "Vice" ist eine Film-Biographie und gleichzeitig großes Erzählkino, das natürlich auch und vor allem durch seine durchweg brillanten Akteure besticht. Die Story dreht sich in durchaus satirischer Art und Weise um die Vita des hochrangigen Politikers und skrupellosen Beraters Dick Cheney.

Primus inter pares ist die Titelfigur Christian Bale: Die Performance des 45-Jährigen ist höchst nuanciert und eine echte Offenbarung, Gestik, Mimik, da stimmt einfach alles - der "Golden Globe" und die Nominierung für den "Oscar" sind natürlich verdient. Wie Bale den Weg Cheneys vom Saufaus und Schläger zum amerikanischen Vize-Präsidenten schauspielerisch interpretiert und begleitet, ist großes Kino.

Auch kleinste Nebenrollen prominent besetzt

Auch über die Nebendarsteller wie den großartigen Sam Rockwell (als George W. Bush) und (verblüffenderweise!) Steve Carell als unappetitlichen und sexistischen Donald Rumsfeld brauchen wir nicht zu reden, das ist schauspielerische Klasse. Auch Amy Adams als Lynne Cheney spielt die karrieresüchtige Ehefrau des Vize überzeugend (und oscarnominiert). Verblüffend: Auch kleinste Nebenrollen sind höchst prominent (Naomi Watts, Alfred Molina) und exquisit besetzt.

Ich muss noch einmal auf Christian Bale rekurrieren: Der Mann betreibt für seine Rollen einen Aufwand, dass es geradezu körperlich weh tut. Für "Der Maschinist" hungerte er sich aufs Skelett herunter und gab völlig fett- und kalorienarm den körper-fanatischen "American Psycho"; die perfekte Maske macht ihn nun zum korpulenten Dick Cheney - das ist nicht Schauspielerei, das ist Schauspielkunst!

Der Schnitt des Films beeindruckt

Kommen wir zur imposanten Technik, die unbedingt erwähnt werden muss: Der Schnitt des Werks erfolgt im Clip-Stil und verleiht dem Streifen eine faszinierende Schnellig- und Geschwindigkeit, und das, obwohl hier theoretisch trockener Zeitgeschichts-Stoff präsentiert wird. Beeindruckend!

So bleibt "Vice" agil, rast- und atemlos, spannend bis zum Ende! Auch hier hat die Academy für den verantwortlichen Hank Corwin eine Nominierung ausgesprochen. Der "Oscar" aber für das "Beste Make-Up und die besten Frisuren" ging selbstredend an den besprochenen Film, das wird auch dem Laien ersichtlich.

"Vice" - ein zukünftiger Klassiker!

Es gab ja schon einige sehenswerte Polit-Bio-Pics in der Kino-Geschichte, man denke an "JFK" oder den wunderbaren "Nixon". Hier aber dreht sich alles - virtuos und raffiniert gestrickt - um Dick Cheney und den "Krieg gegen den Terror", auch die berühmte Fake-News-Rede von Colin Powell vor der UN-Generalversammlung zum Thema Massenvernichtungswaffen im Irak - ein echter Klassiker der politischen Weltgeschichte - wird zelebriert und ausgeleuchtet.

Man muss das final einfach nochmal unterstreichen: "Vice" ist ohnehin ein großartiger Film, mit der Leistung Christian Bales und seiner Mitstreiter aber wird er zum zukünftigen Klassiker. Der Streifen läuft in Karlsruhe in der Schauburg.

Ich wünsche unseren Lesern ein schönes und vor allem kulturelles Wochenende!

Ihr Toby Frei

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