Karlsruhe Der ka-news-Kino-Tipp: "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri"

Jeden Freitag gibt's eine kräftige Dosis Kultur, verabreicht von ka-news-Kulturredakteur Toby Frei, und zwar in der Kolumne "Kultur-Tipp". Heute: Sam Rockwell, Woody Harrelson und vor allem die stets großartige Frances McDormand in einem Film - was soll da bitte schiefgehen?

Mildred Hayes (Frances McDormand) ist eine gestandene, vom Leben durchaus gezeichnete Frau, die den brutalen und unaufgeklärten Vergewaltigungsmord an ihrer Tochter nicht verarbeiten und akzeptieren kann. Eines Tages startet die verbitterte Kleinstadt-Verkäuferin eine aufsehenerregende (Plakatierungs-)Aktion. Um es vorwegzunehmen: McDormand spielt die gebrochene Seite ihrer Figur gewohnt und schlicht brillant - die "Oscar"-Nominierung ist aber so was von gerechtfertigt!

Er hat eine ganz spezielle Atmosphäre, dieser Film mit dem recht sperrigen Titel "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri", dahinter versteckt sich ein Drama mit leiser Dramatik, mit Traurigkeit aber auch einer kräftigen Kelle schwarzen Humors und expliziten Gewalt-Szenen - zwischendurch gibt's einen Exzess in "Taxi Driver"-Manier, selbst die Kamera-Führung ist eine ähnliche. Es gibt kein einfaches Schwarz/Weiß bei diesem Streifen, kein klar gezirkeltes Gut und Böse - es sind (neben dem superben Ensemble) die Grautöne, die überzeugen.

Aufwühlend, beeindruckend: Ein großer kleiner Film!

Widmen wir uns mal der Sahne-Schauspielriege, sie machen den Film aus: Frances McDormand (auch bestens bekannt aus "Fargo") haben wir ja schon höchstlobend abgearbeitet, und auch der Hollywood-Veteran Sam Rockwell liefert als Officer Dixon eine tolle (und bereits vielfach prämierte) Performance ab. Rockwell besetzt ja des Öfteren eine Rolle des Unsympathen, in diesem Fall bleibt er als streitbarer und latent rassistischer Polizeibeamter ambivalent. Auch hier gibt's 'ne "Oscar"-Nominierung als "Bester Nebendarsteller" obendrauf, selbstredend, den "Golden Globe" hat er bereits.

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri
Three Billboards Outside Ebbing, Missouri | Bild: ps

Erfahrener und vielschichtiger als Woody Harrelson kann man eigentlich kaum agieren. Seine filmische Vita reicht von "Ein unmoralisches Angebot" über "Larry Flint" bis hin zum "Planet der Affen"-Sequel - "Three Billboards" ist indes ein echter Karriere-Höhepunkt, kein Zweifel. Auch für ihn hagelt es nun eine "Oscar"-Nominierung für den "Besten Nebendarsteller". Zurecht!

"Three Billboards" könnte auch ein Coen-Film sein

Die Filmmusik von Carter Burwell (ebenfalls "Oscar"-nominiert) ist stark Americana-lastig, aber das passt natürlich in die (filmische) Gegend, es ist ein Idyll mit großen Verwerfungen, wir befinden uns narrativ in tiefster US-Provinz. Tolle, teilweise elegische Bilder kommen vom erstklassigen Kameramann Ben Davis, das Werk könnte auch (atmosphärisch) ein Coen-Film sein!

Dem noch vergleichsweise jungen (aber bereits renommierten) Regisseur Martin McDonagh ist hier ein kleines Meisterwerk gelungen, anhand einer erstklassigen Akteurs-Riege gibt er ein klassisches Stück Erzählkino zum Besten, dem das offene Ende gut zu Gesicht steht. Der "Golden Globe"-Gewinn und die "Oscar"-Nominierung für den "Besten Film" sind mehr als verdient, man darf gespannt sein, wie die Academy Anfang März entscheidet - es war ein gutes Film-Jahr, keine Frage, es wird spannend!

"Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" läuft in Karlsruhe im Filmpalast am ZKM und in der Schauburg.

Ich wünsche Ihnen ein schönes und vor allem kulturelles Wochenende!

Ihr Toby Frei

www.schauburg.de
www.filmpalast.net

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (0)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
Sie sind der Erste, der einen Kommentar schreibt – vielen Dank!
Schreiben Sie Ihre Meinung
Ein neues Posting hinzufügen
Fett Kursiv Link Zitat
Sie dürfen noch Zeichen schreiben