Karlsruhe Bruder Rectus beim MPS Karlsruhe: "Die Szene ist wie eine große, friedliche Familie - es gibt nie Probleme!"

Auch wenn es vielleicht nicht unbedingt jedermanns Sache ist, es ist schon ein beeindruckendes Erlebnis, beim Mittelalterlich Phantasie Spectaculum (MPS) dabei zu sein. So ist es auch in Karlsruhe. Ein Bericht aus dem Schlossgarten von Toby Frei.

Der erste Eindruck: Mann, ist das groß! Ein überwältigendes Bild, man wird schier erschlagen ob der Masse an Leuten und Ständen. Natürlich ist dies auch eine kommerzielle Veranstaltung, klar, aber auch mannigfaltiges Handwerk wird geboten. Es ist fast schon eine kleine Gemeinde, die sich da im Schlossgarten tummelt und verteilt.

Es herrscht eine ganz spezielle Atmosphäre hier - bunt, tolerant, friedvoll, aber natürlich auch extravagant, wenn man das so beschreiben will. Für (langjährige) Anhänger ist das MPS - trotz des recht knackigen Eintrittsgeldes - das jährliche Nonplusultra, hier trifft sich die lokale, regionale, ja nationale Szene. Auch für Neulinge ist das ein echtes visuelles/auditives Erlebnis! Besonders die fantasievollen Kostümierungen sind eine tolle und inspirierende Sache.

Bild: Paolo Costanzo

Natürlich gibt's auch genretypische Musik für die Lauscher, die Größen der Szene sind in Karlsruhe live am Start. Als da wären: Versengold, Saltatio Mortis, D'Artagnan, Heavysaurus (grandiose Typen!), Feuervögel und Cultus Ferox - echtes Futter für die gutgelaunte Meute vor den Bühnen und Zucker für den Affen, ganz liebevoll gemeint natürlich!

Bild: Paolo Costanzo

Im Anschluss an die fulminante, sonntägliche "Morgenmesse" bitte ich die sogenannte "Heilige Dreischeußlichkeit" (Bruder Rectus, "Der Tod", der hässliche Hans) zum kurzen Gespräch!

Was macht das MPS für euch aus?

Bruder Rectus: "Das Mittelalterlich Phantasie Spectaculum ist zu einer Art Familie geworden, die Besucher kommen von überall her, man freut sich, sich zu sehen. Ich selbst bin bereits seit 15 Jahren dabei! Das MPS ist ein friedliches Festival, hier gibt es so gut wie nie Probleme!" Am Ende hat Bruder Rectus noch ein augenzwinkerndes Bonmot anzubieten: "Egal, was passiert: Gott will es!"

ka-news.de-Kulturredakteur Toby Frei im Gespräch mit Bruder Rectus
ka-news.de-Kulturredakteur Toby Frei im Gespräch mit Bruder Rectus | Bild: Paolo Costanzo

"Der Tod" meldet sich daraufhin zu Wort: "Für mich ist das MPS zur zweiten Heimat geworden, eine ganz eigene Welt, man kann hier wunderbar den Alltag vergessen, einfach genießen und eintauchen. Es ist Urlaub für Herz und Seele." Der Akteur ist 12 Jahre als Darsteller aktiv, seit zehn Jahren als "Der Tod" mit dem MPS auf Tour.

Der hässliche Hans fügt hinzu: "Wir betrachten uns als Akteure, als Walking Acts. Wir freuen uns über den direkten Kontakt mit unserem Publikum - siehe die morgendliche Messe!" Der Mann spielt übrigens fünf Instrumente, das nur nebenbei. Und im Vertrauen: Der hässliche Hans ist mit seinen strahlend blauen Augen gar nicht so hässlich ...

Auch Besucherin Bettina Heiler fühlt sich wohl auf dem MPS und war schon in mehreren Städten mit dabei. Man kennt die anwesenden Leute, zudem gebe es auch immer wieder neue und interessante (aber auch arrivierte) Bands zu entdecken und genießen.

Bettina Heiler beim MPS Karlsruhe
Bettina Heiler beim MPS Karlsruhe | Bild: Paolo Costanzo

Dem Mittelalter-Fan gefällt das MPS so gut, dass sie bereits mehrere Jahreskarten ihr eigen nennt. Karlsruhe ist in ihren Augen aber ein "eher kleines" Fest, es gebe kein Ritterturnier wie beispielsweise in Speyer.

Bruder Rectus ist mit Mutterwitz gesegnet

Rekurrieren wir noch einmal auf die morgendliche Messe (zelebriert von der "Heiligen Dreischeußlichkeit"): Es ist ein echtes Erlebnis, Bruder Rectus ist mit sprichwörtlichem Wort- und Mutterwitz gesegnet und ein rhetorisches Naturtalent, die Veranstaltung eine veritable Zwerchfell-Attacke!

Bild: Paolo Costanzo

Auch seine zwei Mistreiter gehen zum Lachen nicht in den Keller - wenn es nicht so banal klingen würde, würde ich sagen, die drei Akteure betreiben bestes Stand-Up!

Bild: Paolo Costanzo

Was ist das für ein sympathischer, ja authentischer Menschenschlag, diese Mittelalter-Liebhaber, das muss mal betont werden und lässt sich als überaus positives Abschluss-Fazit ziehen. Zum Finale ein kleines Geständnis: Ich war ja bis dato kein großer Mittelalter-Fan - jetzt und nach diesen Erlebnissen und tollen Persönlichkeiten bin ich geradezu bekehrt!

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