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Karlsruhe Ausstellung im ZKM: Holografie - das vergessene visuelle Phänomen

Das Glas auf dem kleinen Podest ist eindeutig zerbrochen. Geht man einen Schritt, dann scheint es plötzlich wieder ganz zu sein - dank eines Hologramms. Am Freitag, 5. Juli, um 19 Uhr startet im ZKM eine Ausstellung zu Holografie - ein bis zur Einführung von 3D-Filmen lange Zeit in Vergessenheit geratenes Bilderzeugungsverfahren, bei dem Wissenschaft, Technik und Kunst eine Symbiose eingehen.

Jeder hat schon einmal ein Hologram gesehen: auf einer Scheckkarte, einem Personalausweis, einem Geldschein oder am Horizont - in Form eines Regenbogens. Das Geheimnis ist Lichteinstrahlung aus einem bestimmten Winkel.

Auf diese Weise kommt es zum Beispiel zu folgendem Phänomen: Aus einem großen iPad-ähnlichen Bildschirm, der aus der Ferne betrachtet einfach schwarz aussieht, schlüpft bei näherer Betrachtung plötzlich eine Frau mit schickem Hut, wie ein Huhn aus dem Ei. "Sie scheint mit mir zu Flirten. Wenn ich weiterlaufe verfolgt mich ihr Blick", scherzt Bernhard Serexhe, Kurator der Ausstellung am ZKM.

Nicht nur 3D-Effekte

Holografie beinhaltete aber mehr als nur 3D-Effekte, es sei ein hochkomplexes technisches Phänomen, meint der Kurator. So findet sich in der Ausstellung beispielsweise ein eindimensionales Kunstwerk, das wenn man daran vorbeiläuft die Farben wechselt. "Besonders ist auch, dass wenn man ein Hologram zerbricht, in den einzelnen Teilen immer noch die Grundinformationen zu erkennen sind. Außerdem braucht man keine 3D-Brille", so Dieter Jung, ein Künstler, von dem einige Werke in der Ausstellung zu sehen sind.

Holografie könne schlafende Empfindungsebenen wecken, die vorher unbenutzt waren, meint der Künstler. Das habe etwas gespenstisches, nicht vorstellbares, so Jung weiter. Das Bild - wie zum Beispiel vom dem plötzlich wieder heilen Glas - entstehe laut Serexhe nur im Kopf. "Macht man das Licht aus, ist da nichts als eine Glasscheibe", sagt er.

Vergessenes Phänomen

"Das ZKM hat einen Schatz ausgegraben und ihn von der Dunkelheit zurück ans Licht gebracht", freut sich Jung. Nach der Entdeckung der Holografie als analoge, dreidimensionale Abbildungstechnik durch den Wissenschaftler und Nobelpreisträger Dennis Gábor vor 65 Jahren habe sich das Verfahren zunächst bis in die 80-er großer Popularität erfreut.

"Eine Holografie-Ausstellung in der Städtischen Galerie im Prinz.-Max-Palais in Karlsruhe im Jahre 1986 hat innerhalb kürzester Zeit 70.000 Besucher angelockt", erzählt Serexhe. Einige der damals ausgestellten Werke seien jetzt in der Ausstellung im ZKM zu sehen. Die Entwicklung der digitalen Medien habe die Holografie in der Zwischenzeit für eine Weile in den Hintergrund treten lassen.

Holografie als Hoffnungsträger für Entwicklungen?

"In den 80ern hat man Holografie als Hoffnungsträger für Entwicklungen gesehen, als Zukunftsmedium. Das tut man jetzt wieder", weiß Bernhard Serexhe. Die Zukunft der Holografie sei enorm. Man könne Filme und Bilder stärker vermarkten, wenn man sie in 3D zeigt und es könnte ein von Massenmedien nutzbares Verfahren entwickelt werden, etwas in 3D darzustellen. Jung hat vor kurzem eine Konferenz besucht, bei der Wissenschaftler aus der ganzen Welt anwesend waren, die intensiv an der Entwicklung holografischer Techniken arbeiten. Es gebe mehrere Institute, die aktuell holografisches Fernsehen entwickeln.

Seit den 90-ern beherbergt das ZKM laut Serexhe eine der größten Holografie-Sammlungen mit wichtigen Werken. Erst jetzt bekommt die Öffentlichkeit diese zu sehen. "Wir sind spät dran - dessen sind wir uns bewusst. Das ZKM hat sich zuvor, wie die Öffentlichkeit, auf digitale Medien konzentriert. Außerdem war die Sammlung nicht ganz intakt. Es war eine technisch hochkomplexe, aufwendige und teure Restauration nötig, für die wir von der Stadt Karlsruhe einen Zuschuss erhalten haben", berichtet Serexhe. In den letzten drei ein halb Jahren habe man sich mit der Restauration beschäftigt. Das Ergebnis kann bis zum 12. Januar 2014 im ZKM entdeckt werden.

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