Karlsruhe 100 Jahre Bauhaus in Karlsruhe: Matthäuskirche, Hardtwaldsiedlung und Bundesverfassungsgericht

Das Bauhaus wird 2019 100 Jahre alt, und der künstlerische, designtechnische und vor allem auch architektonische Ansatz und Einfluss der Einrichtung kann historisch nicht hoch genug eingeschätzt werden. Immer freitags nimmt ka-news.de seine Leser mit auf eine Reise durch Karlsruhe. Denn auch in der Fächerstadt kann man Spuren der berühmten Avantgarde-Institution erleben. Wussten Sie eigentlich, dass die Matthäuskirche ein Alker-Bau ist?

Das Moderne (oder auch das Neue) Bauen ist auch in der Fächerstadt weit verbreitet, verbunden mit dem revolutionären Gedankengut des legendären Bauhauses und seinem Gründer Walter Gropius. In Karlsruhe finden sich vielfältige und bemerkenswerte Beispiele für Architektur der Moderne.

Diese gebaute Avantgarde mit dem Anspruch auf modernes Design und Funktionalität findet sich hier in Wohnbauprojekten, in öffentlichen Gebäuden, aber auch in Hoch-/Schulgebäuden, Kirchen und Privathäusern.  In Teil eins der ka-news.de-Serie haben wir uns mit der Historie des Bauhauses und der "Grand Tour der Moderne" befasst .

In Teil zwei ging es dann um das Rheinstrandbad, das Naturschutzzentrum und das Zentrum für Kunst und Medien (ZKM). Jetzt ist Teil drei an der Reihe: Wir beleuchten die Matthäuskirche, die Hardtwaldsiedlung und das Bundesverfassungsgericht.

Matthäuskirche - einst als Notkirche genutzt

Die Matthäuskirche ist eine von den Architekten Hermann Reinhard Alker und Hermann Zeit entworfene und konzipierte, minimalistisch-funktionale, 1927 als evangelisch geweihte kleine Kirche. Die sakrale Einrichtung galt lange nur als Notkirche der Südweststadt. Grund dafür war die Inflation, weshalb keine größeren Baumaßnahmen möglich waren. Das Gebäude gilt als Alkers erster und bedeutendster Kirchenneubau.

Interieur Matthäuskirche
Interieur Matthäuskirche | Bild: Hendrik Bohle

Die Konstruktion besteht größtenteils aus einem Leichtbausystem aus Holz, wie es auch im Industriebau verwendet wurde. Alker nahm hier gewissermaßen vorweg, was dann 20 Jahre später Otto Bartning in seinem Notkirchenprogramm realisierte - den Bau von 48 seriell gefertigten Sakralbauten.

Matthäuskirche
Matthäuskirche | Bild: Stadtarchiv, 8_BA_Schlesiger_A34_111_2_41

Künstlerisch wurde die Kirche von Emil Sutor (Kruzifix und Engel in der Vorhalle) und August Babberger gestaltet. Die Bodenfliesen trugen ein Muster aus roten Ziegeln, die Wände waren hingegen in graublauen Tönen gehalten, für die Decke wurde ein braunrotes Muster gewählt. Die Fenster hatten grünblaue Töne. 1972 und 2008 (vom Architekten Hans Robert Hiegel) wurden bei Renovierungen jeweils die Innenräume maßgeblich und neu gestaltet.

Hardtwaldsiedlung - jedem Haus ein eigener Nutzgarten

Vor 100 Jahren wurde die erste Siedlung der Gemeinnützigen Baugenossenschaft Hardtwaldsiedlung (1919 als Mieter- und Handwerker Genossenschaft gegründet) in der heutigen Nordstadt in Auftrag gegeben. Das Architekturbüro Pfeifer & Großmann wurde mit dem Bebauungsplan beauftragt. Die Straßen sind dabei vorwiegend in Nord-Süd-Zeilen angelegt.

Hardtwaldsiedlung, Friedrich-Blos-Straße
Hardtwaldsiedlung, Friedrich-Blos-Straße | Bild: ka-news

Zu jedem Haus gehört dabei ein eigener, großer Nutzgarten. Die Gärten liegen einander zugewandt und sind durch Fußwege, sogenannte "Mistwege", miteinander verbunden. Den "Kopf" und heutiges Erkennungszeichen der Siedlung bildet der Waldring mit seiner halbkreisförmigen Doppelhaus-Bebauung.

Bundesverfassungsgericht - ein transparentes Rechtsgebäude

Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) ist eine Institution, die Karlsruhes Bild im Land und in der Welt positiv prägt - nicht umsonst wird die Fächerstadt (inklusive dem Bundesgerichtshof und der Bundesanwaltschaft) gemeinhin die "Residenz des Rechts" genannt und über die badische Metropole (leicht augenzwinkernd) gesagt: "Karlsruhe hat viele Gesichter, jedes dritte gehört einem Richter!"

Bundesverfassungsgericht
Bundesverfassungsgericht | Bild: Uwe Stohrer, Freiburg

Im Jahr 1951 nahm das Bundesverfassungsgericht erst im Prinz-Max-Palais und dann ab 1969 im "Baumgarten-Bau" seine Tätigkeit auf. Erbaut vom Berliner Architekten Paul Baumgarten, befindet sich die Einrichtung in direkter Nähe zum Karlsruher Schloss und zeichnet sich durch seine fünfteilige, waagerecht orientierte Architektur aus.

Aus Speise-Casino wird Bürotrakt

Die typischen, großen Fensterflächen verleihen dem höchsten Gericht der Republik die passende und sprichwörtliche Transparenz. Baumgarten hat bewusst keinen Justizpalast entworfen, sondern ein offenes Gebäude.

Der Erste Senat beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe verkündet ein Urteil
Der Erste Senat beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe verkündet ein Urteil | Bild: Uli Deck

Der Plenarsaal befindet sich dabei im höchsten Gebäudeteil. Jener am südlichen Ende diente bis Mitte der 1990er als öffentlich zugängliches Speise-Casino, das heute für weitere Büros genutzt wird. Seit 2007 sind die wissenschaftlichen Mitarbeiter im Anbau mit begrünter Fassade des Berliner Architekten Michael Schrölkamp untergebracht. Der Baumgarten-Bau wurde von 2011 bis 2014 grundsaniert.

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