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Karlsruhe 100 Jahre Bauhaus in Karlsruhe: Alker Block und Altes Hochschulstadion

Das Bauhaus wird 2019 100 Jahre alt, und der künstlerische, designtechnische und vor allem auch architektonische Ansatz und Einfluss der Einrichtung kann historisch nicht hoch genug eingeschätzt werden. Immer freitags nimmt ka-news.de seine Leser mit auf eine Reise durch Karlsruhe. Denn auch in der Fächerstadt kann man Spuren der berühmten Avantgarde-Institution erleben. Wussten Sie eigentlich, dass der legendäre Architekt/Designer/Hochschullehrer Egon Eiermann sein Büro im Alker Block hatte?

Das Moderne (oder auch das Neue) Bauen ist auch in der Fächerstadt weit verbreitet, verbunden mit dem revolutionären Gedankengut des legendären Bauhauses und seinem Gründer Walter Gropius. In Karlsruhe finden sich vielfältige und bemerkenswerte Beispiele für Architektur der Moderne.

Diese gebaute Avantgarde mit dem Anspruch auf modernes Design und Funktionalität findet sich hier in Wohnbauprojekten, in öffentlichen Gebäuden, aber auch in Hoch-/Schulgebäuden, Kirchen und Privathäusern.

In Teil eins der ka-news.de-Serie haben wir uns mit der Historie des Bauhauses und der "Grand Tour der Moderne" befasst. In Teil zwei ging es dann um das Rheinstrandbad, das Naturschutzzentrum und das Zentrum für Kunst und Medien (ZKM).

Teil drei der Serie behandelte die Matthäuskirche, die Hardtwaldsiedlung und das Bundesverfassungsgericht. In Teil vier haben wir uns mit dem Landratsamt, der Schwarzwaldhalle und dem Zoologischen Stadtgarten auseinandergesetzt. Jetzt ist Teil fünf an der Reihe, es geht um den Alker Block und das Alte Hochschulstadion - also thematisch eine reine Alker-Folge!

Alker Block - benannt nach seinem Architekten

Mit Alker Block wird die 1930 von Professor Hermann Reinhard Alker erbaute geschlossene Blockrand- bebauung des Quartiers zwischen der Ebert-, Klose-, Schnetzler- und Schwarzwaldstraße bezeichnet - benannt nach seinem Architekten, der von 1927 bis 1930 auch das Stadion der Technischen Universität (heute KIT) baute.

Anders als die meisten Architekten des Neuen Bauens wählte Alker keine stringente Zeilenbauweise, sondern gruppiert die Mehrfamilienhäuser als homogene Großform geschickt um einen großen gemeinsamen Innenhof.

Alker Block
Alker Block | Bild: Hendrik Bohle

Die Bebauung wirkt wie eine klassische Blockrandbebauung, doch setzt sich dieser Blockrand aus Zeilenbauten und Verbindungselementen zusammen. Bei Blockbebauungen sind die Eckgebäude immer schwierig, da dort die Belichtung und Belüftung der Räume problematisch ist.

Alker löst dies über die abgetreppten Geschosse mit vorgelagerten Terrassen. Mit dieser Lösung stellt er der Zeilenbauweise des Neuen Bauens, das ein Jahr vorher in Karlsruhe im Dammerstock prominent eröffnet wurde, eine eigene Lösung der Frage nach zeitgemäßem Wohnbau entgegen.

Auch in der Grundrissgestaltung der einzelnen Wohnungen geht Alker einen anderen Weg als das Neue Bauen. Für das Neue Bauen ist die Reduktion/Einsparung der Flure wichtig, da diese nur als Verkehrszonen genutzt werden und keine Funktion haben. Darum gibt es oft ein Wohnzimmer als zentrales Durchgangszimmer zur Erschließung der weiteren Räume.

Alker Block
Alker Block | Bild: Hendrik Bohle

Alker orientiert sich auch hier an Vorhandenem und übernimmt die Tradition der Diele. Diese ist durch große Doppelflügeltüren bei Bedarf mit dem angrenzenden eher kleinen Wohnraum zu verbinden, so dass ein großer Raum entsteht. Im Alker Block hatte übrigens Egon Eiermann sein Büro, auch heute wohnen und arbeiten hier viele Architekten.

Altes Hochschulstadion - Tribünengebäude bietet 800 überdachte Sitzplätze

In den 1920er Jahren war Sport in aller Munde. Darum sollten auch Studierende der Technischen Hochschule Fridericiana (heute KIT) die Möglichkeit zu sportlicher Betätigung bekommen. Hermann Reinhard Alker ging beim hochschulinternen Wettbewerb als Sieger hervor.

Besonders an diesem von Alker gebauten Zweckbau ist das Tribünendach. Mit seiner Größe und innovativen Bauweise symbolisierte das Stadion damit den neuen Stellenwert, den der Sport für die Studierenden beziehungsweise die Gesellschaft dieser Jahre einnahm.

Innenansicht Altes Hochschulstadion
Innenansicht Altes Hochschulstadion | Bild: (c) Stadtarchiv, 8_PBS_oXIVd_75

Unter den Tribünen befindet sich eine Sporthalle mit spitzbogig zulaufenden Stichbögen, die dem Raum einen fast sakralen Charakter verleihen. Der Innenraum der Turmhalle unter der Tribüne erinnert durch seine Tagwerkkonstruktion aus massiven Betonbögen an einen Kircheninnenraum.

Das bis heute erhaltene Tribünengebäude des Stadions (Bauzeit 1927 bis 1930) bietet 800 überdachte Sitzplätze. Die elf Meter weit auskragende Tribünenüberdachung wird von einer damals innovativen Stahlbetonkonstruktion getragen. In den Jahren 1993 bis 1995 wurde das Gebäude umfassend renoviert.

 

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  •   malerdoerfler
    (5596 Beiträge)

    05.08.2019 09:57 Uhr
    Es macht den Eindruck, dass
    Karlsruhe nun doch langsam einen Sinn für seine Gechichte und seine historischen Bauten entwickelt und diese nicht weiterhin blindlings dem Fortschritt opfert.

    Eine gute Entwicklung.
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