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Kultur in Karlsruhe | Naturkundemuseum Karlsruhe "Neobiota - Natur im Wandel" im Naturkundemuseum

PARTNER DER WOCHE: Der aktuelle Wandel in der Natur ist das Thema der Großen Landesausstellung „Neobiota – Natur im Wandel“, die ab dem 17.11.2021 im Naturkundemuseum Karlsruhe gezeigt wird.

Waschbär, Riesenbärenklau, Tigermücke – immer mehr neue Arten scheinen in unsere Region zu kommen. Manche sind eine Bereicherung, aber nicht alle erweisen sich als unproblematisch. Wie sieht es tatsächlich aus mit dem Wechsel in der Zusammensetzung der Arten am Oberrhein? Und wie könnte es in Zukunft weitergehen? Diese Fragestellungen stehen im Zentrum der Ausstellung. 

Die Natur verändert sich ständig. Der Mensch hat jedoch schon früh Einfluss auf diese natürliche Entwicklung genommen und sie in jüngerer Zeit durch die Ausweitung der globalen Handels- und Transportwege und durch den Klimawandel beschleunigt. In einer immer stärker vernetzten Welt reisen viele Tier- und Pflanzenarten, aber auch Pilze und Bakterien mit Hilfe des Menschen um die ganze Welt. Dabei kommt der Region am Oberrhein im Südwesten Deutschlands eine besondere Rolle zu: Hier werden neu ankommende Arten häufig zuerst gefunden. Die milden Temperaturen und das Aufeinandertreffen wichtiger Verkehrswege wie Straßen und Flüsse machen die Oberrheinregion zu einem Hotspot des Wandels in der Natur.


DIE AUSSTELLUNG 
Die Ausstellung zeigt, auf welche Weise Tiere, Pflanzen und Pilze zu uns kommen, welche Auswirkungen diese Arten auf ihren neuen Lebensraum haben und wie die Zukunft aussehen könnte. Mit beeindruckenden Exponaten wie eigens angefertigten Präparaten und Großmodellen in einer atmosphärischen Inszenierung lädt die Ausstellung zu einem erlebnisreichen Rundgang ein. Anhand von zahlreichen Beispielen aus der Tier- und Pflanzenwelt werden die Themen der einzelnen Bereiche anschaulich erläutert. Eine Besonderheit des Naturkundemuseums Karlsruhe ist, dass auch lebende Tiere in die Ausstellung integriert sind – so können die Besuchenden die Natur noch unmittelbarer erleben. 

In mehrere Bereiche gegliedert geht die Karlsruher Schau den wichtigsten Themen und Fragen nach und 
vermittelt so einen umfassenden Überblick über dieses hochaktuelle und spannende Thema. Zu den Themenbereichen werden beispielhaft einige Arten vorgestellt – sei es als Präparat, wie die „fliegenden“ Gänse, die unter der Saaldecke schweben, oder als lebende Tiere: So sind unter anderen in extra eingerichteten Aquarien Kalikokrebse, Aale, Katzenwelse und Buchstaben-Schmuckschildkröten zu sehen. 

Alles heimisch? 
Was verbirgt sich hinter Bezeichnungen wie Neobiota, einheimische und invasive Arten und Rückkehrer? Am Eingang der Ausstellung werden die wichtigsten Begriffe anhand von ausgewählten Tieren und Pflanzen erläutert. Das Ende der letzten Kaltzeit, der Beginn der Landwirtschaft in der Jungsteinzeit, die Expansion des Römischen Reiches und das Zeitalter der europäischen Entdeckungen ab 1492 sind Eckpunkte, an denen Begriffe wie einheimische oder indigene Arten, Archäobiota oder Neobiota festgemacht werden. Aber wer ist tatsächlich neu hier, und wer gehört schon länger zu unserer Region, als wir denken? Manche Antworten werden vielleicht überraschen. 

Kulturfolger 
Seit langer Zeit spielt der Mensch eine bedeutende Rolle bei der Verbreitung von Arten, wie in der Ausstellung deutlich wird. Schon mit dem Beginn der Sesshaftwerdung wurde die Landschaft verändert, um freie Flächen für die Landwirtschaft zu gewinnen – so entstand neuer Lebensraum für viele Arten. Landschaftsmodelle lassen die Veränderungen nachvollziehen. Die frühen Ackerbau betreibenden Kulturen führten neue, domestizierte Tiere und Pflanzen ein. Mit der Vorratshaltung und den Siedlungen kamen Nutznießer wie Hausmaus oder Hamster als Kulturfolger. Auch die Römer haben viel Neues gebracht: Ob Weinreben, Salat, Knoblauch oder Obst – römische Lebensart wurde nach Germanien importiert und bereichert noch heute unseren Speiseplan. 

Wege aus der Ferne 
Auf welchen Wegen gelangen Tier-, Pflanzen- und Pilzarten in neue Regionen? Einige wurden vom Menschen gezielt eingeführt: Sie wurden in der Land- und Forstwirtschaft eingesetzt und als Haustiere oder Gartenpflanzen mitgebracht. Waschbär und Nutria beispielsweise wurden in Pelzfarmen gehalten, von wo einige entkommen sind und sich erfolgreich in der freien Natur vermehrt haben. Manche Lebewesen kommen aber auch versteckt in Handelswaren, im Saatgut oder über Verkehrsmittel wie Flugzeuge, Schiffe oder Autos zu uns. Parasiten und Krankheitserreger reisen verborgen in ihren Wirten. Und nicht zuletzt spielt der menschengemachte Klimawandel eine Rolle: Die steigenden Temperaturen ermöglichen wärmeliebenden Arten das Vordringen in neue Gebiete. 

Neue Vielfalt 
Die meisten Neuankömmlinge fügen sich unauffällig in die bestehenden Ökosysteme und erhöhen die örtliche Artenvielfalt. Manche können jedoch heimische Arten verdrängen und zu einer Bedrohung für die vorhandene Biodiversität werden und Ökosysteme verändern, aber auch wirtschaftliche Schäden anrichten oder gesundheitliche Folgen für den Menschen haben. Neobiota mit negativen Auswirkungen auf die Natur werden als invasiv bezeichnet. Zu sehen sind hier das große Präparat des Riesenbärenklaus, ein Diorama mit einem Waschbär sowie lebende Kalikokrebse – eine neue Art, die unsere Kleingewässer geradezu leerfrisst. 

Wald im Wandel 
Ein eigener Bereich ist dem Wald gewidmet, der besonders unter dem aktuellen Klimawandel sowie unter 
parasitischen Pilzen und Insektenbefall leidet. Doch was können wir tun, um den Wald zu erhalten? 
Lösungsansätze werden im Anpflanzen gebietsfremder Arten, aber auch einheimischer Bäume gesucht, die den neuen Bedingungen standhalten können. 

Rückkehrer 
Von vielen Menschen werden auch in der Vergangenheit in Deutschland ausgerottete einheimische Arten, wie Luchs, Biber und Wolf, als fremd wahrgenommen. Herausragende Präparate erlauben einen genauen Blick auf diese Tiere, die man in der freien Natur kaum zu Gesicht bekommt. Nach langer Abwesenheit finden sie nun ihren Weg zurück – sie sind jedoch nicht immer willkommen. Die Ausstellung liefert Informationen für die oftmals kontroverse Diskussion zum Umgang mit diesen Arten. 

Exportiert 
Die Ausbreitung von Arten ist keine Einbahnstraße. Es kommen nicht nur neue Arten in unsere Region – auch aus Mitteleuropa sind zahlreiche Lebewesen in andere Regionen der Erde gelangt, wo ihr Erscheinen durchaus problematische Folgen haben kann. Dabei hat der Mensch ebenfalls seine Finger im Spiel, wie am Beispiel der Rothirsche in Neuseeland oder der Starenplage in Nordamerika deutlich wird. 
 
Ausblick 
Wie wird es zukünftig weitergehen? Fest steht, dass weiterhin neue Arten ins Land kommen werden und 
ehemals heimische Tiere möglicherweise ihren Weg zurück zu uns finden. Manche Neulinge werden sich als Bedrohung, andere als Bereicherung unserer Artenvielfalt erweisen. Und in Zukunft wird der 
menschengemachte Klimawandel die bedeutendste Rolle für den Wandel in der Natur spielen. 

AUSSTELLUNG UND MEHR 
In der Ausstellung gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich dem Thema auf verschiedenste Weise zu nähern: Filme und Tierstimmen, Riech- und Hörstationen und Objekte zum Anfassen machen die Ausstellung mit allen Sinnen und für alle Besuchergruppen erlebbar. Mitmachstationen und digitale Spiele laden dazu ein, selbst aktiv zu werden. Mit einem Audioguide für Kinder und Erwachsene lässt sich die Ausstellung mit Hörgeschichten erkunden. Ein Audioguide wird als App zur Nutzung auf dem eigenen Gerät angeboten. 
Darüber hinaus bietet das Naturkundemuseum ein vielseitiges Begleitprogramm: Vorträge, Exkursionen, 
Führungen, Workshops und verschiedene Angebote für Kinder greifen die Themen der Ausstellung auf. 

PARTNER 
Wissenschaftliche Beratung leistete der Fachbereich Biologie der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe sowie das Landwirtschaftliche Technologiezentrum Augustenberg, Karlsruhe. Das Naturkundemuseum dankt dem Förderverein Freunde des Naturkundemuseums Karlsruhe e.V. für die großzügige Unterstützung u.a. bei der Anschaffung von eigens angefertigten Modellen für die Ausstellung. Die Ausstellung wurde von zwo/elf – Büro für Gestaltung aus Karlsruhe unter der Maßgabe möglichster 
Ressourcenschonung entworfen und gestaltet.

Alle Ausstellungstexte sowie zusätzliche Informationen zu zahlreichen Arten sind ab Mitte November 
auf der Website zu finden: www.neobiota2021.de

Mehr zum Thema
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