Kultur in Karlsruhe | Generallandesarchiv mit brieff und sigel – Formen der Schriftlichkeit im Mittelalter

PARTNER DER WOCHE - Ab dem 14. November zeigt das Generallandesarchiv kostbare Schätze in seiner neuen Sonderausstellung: Zahlreiche Manuskripte zeichnen die Verbreitung und Bedeutung von Schriftlichkeit im Mittelalter nach.

Im Mittelalter nahm die pragmatische Schriftlichkeit aus unterschiedlichsten Gründen immer mehr zu. Kaiser, Könige, Päpste und andere weltliche und geistliche Mächtige stellten auf Wunsch der Empfänger Urkunden aus, um damit eine gewisse Rechtssicherheit zu gewährleisten. Urkunden der Könige Heinrich III. und Heinrich IV., der Päpste Urban II. und Paschalis II., des Bischofs von Konstanz, des Abtes des Klosters Reichenau aber auch des Pfalzgrafen bei Rhein zeigen diese Praxis der Rechtssicherheit eindrucksvoll.

Besitz- und Rechtsaufzeichnungen der Klöster bilden den zweiten Schwerpunkt der Ausstellung, in dessen Mittelpunkt zum einen der Rotulus Sanpetrinus des Klosters St. Peter auf dem Schwarzwald steht, zum anderen das in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts entstandene Tennenbacher Güterbuch.

Im Laufe der Zeit veränderten sich auch die Formen der Schriftlichkeit. War das 999 von Kaiser Otto III. ausgestellte Marktprivileg für Villingen noch ein Prachtstück mit einer Bleibulle, so ist die 1418 für den Ort Emmendingen ausgefertigte königliche Markterhebungsurkunde nur ein eher bescheidenes Stück Pergament. Im Laufe der Jahrhunderte begann man immer mehr, auch Alltägliches schriftlich zu regeln. Erb- und Heiratsverträge der adligen Familien nehmen zu. Und bei Herrschaftswechsel oder gar Verkauf einer Herrschaft wurden diese zuvor akribisch erfasst und deren Wert taxiert. Stücke aus der Herrschaft Hachberg belegen dies eindrucksvoll. Um die Originale zu schonen oder deren Existenz auf Reisen nicht zu gefährden, fertigte man in zunehmendem Maße Kopien in unterschiedlichsten Formen an.

Anniversarbücher und Nekrologien überliefert das Totengedächtnis der damaligen Zeit. Hier finden wir die in der betreffenden Kirche begrabenen Personen notiert sowie deren Todestag. Auch die Organisation des menschlichen Zusammenlebens wurde zunehmend schriftlich fixiert. Sogenannte Dingrodel oder Weistümer, Gemeindestubenordnungen oder die Regelung von Frondiensten sind aussagekräftige Beispiele für diesen Rechtsbereich.

Manchmal kommt es auf das „Kleingedruckte“ an. Dreht man eine Urkunde um, so finden sich auf der Rückseite oft weiterführende, mehr oder weniger zeitgenössische  Hinweise.

Die Ausstellung zeigt wertvolle Exponate aus den Magazinen des Generallandesarchivs, die in vielen Fällen in großen kulturgeschichtlichen Ausstellungen in ganz Europa zu sehen waren. In der Präsentation in Karlsruhe werden diese Spitzenstücke mittelalterlicher Schriftlichkeit erstmals in einer Ausstellung zusammen erfahrbar.

Auch prachtvolle Siegel sind in der Ausstellung zu sehen
Auch prachtvolle Siegel sind in der Ausstellung zu sehen | Bild: Generallandesarchiv Karlsruhe

 

Zwischen Fakten und Fiktion – Wie man historische Romanwelten erschafft

Vortrag von Rebecca Gablé am 20. November um 18 Uhr

Historische Romane erfreuen sich großer Beliebtheit, die nach Ansicht der Autorin Rebecca Gablé über puren Eskapismus hinausgeht und viel mehr dem Bedürfnis des Publikums nach Informationen über die Vergangenheit geschuldet ist.

In ihrem Vortrag zeichnet Gablé die Entwicklung des historischen Romans nach, den Wandel seiner gesellschaftlichen Funktion und der Erwartungen seiner Leserschaft. Sie gibt Einblicke, wie aus einer historischen Persönlichkeit, einem bestimmten Ereignis oder einer Fragestellung eine Romanidee entsteht, und zeigt anhand kurzer Textbeispiele aus ihren Romanen, welche erzählerischen Techniken zum Einsatz kommen, um die Lebens- und Erfahrungswelt des Mittelalters dem heutigen Publikum nahezubringen. Sie verrät, wie es gelingen kann, Leserinnen und Leser in einer immer schneller getakteten Gegenwart über tausend Seiten lang zu fesseln und für eine Vergangenheit zu faszinieren, mit der wir doch augenscheinlich gar nichts mehr gemeinsam haben.

Rebecca Gablé, geboren 1964, studierte Literaturwissenschaft, Sprachgeschichte und Mediävistik in Düsseldorf, wo sie anschließend als Dozentin für mittelalterliche englische Literatur tätig war. Heute arbeitet sie als freie Autorin. Ihre historischen Romane und ihr Buch zur Geschichte des englischen Mittelalters wurden Bestseller und in viele Sprachen übersetzt.

 

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