Kultur in Karlsruhe | Generallandesarchiv Karlsruhe Ritter – Landespatron – Jugendidol. Markgraf Bernhard II. von Baden

PARTNER DER WOCHE: 1769 – vor 250 Jahren – wurde Markgraf Bernhard II. von Baden seliggesprochen. Wer war dieser Mann, der im Sommer 1458 in Moncalieri bei Turin der Pest erlag?

Das Generallandesarchiv Karlsruhe nähert sich in seiner Ausstellung "Ritter – Landespatron – Jugendidol. Markgraf Bernhard II. von Baden" der Person Bernhards und legt diese von den zeitgenössischen Zuschreibungen frei. Vom 21. Mai bis 22. November tritt Bernhard den Ausstellungsbesuchern als Projektionsfläche für politische Ziele wie die Kreuzzugsbewegungen und Türkenkriege, als Integrationsfigur für den katholischen Bevölkerungsteil Badens und als Schutzpatron des „christlichen Abendlandes“ in der Zeit des Kalten Krieges entgegen.

Der jung verstorbene Bernhard avancierte zum adligen Vorbild eines  christlichen Ritters. In Moncalieri wurde schon bald von Wundern berichtet, die man der Fürsprache des Markgrafen zusprach. Im 18. Jahrhundert, als Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden als „Türkenlouis“ militärische Triumphe gegen die Osmanen auf dem Balkan errang, wurde Bernhard als Held gefeiert, der für einen Kreuzzug zur Befreiung der heiligen Stätten im Orient geworben habe. Man machte ihn zu einem Helden der Kreuzzugsbewegung, obwohl er nie das Heilige Land betreten hatte.

Linolschnitt des seligen Bernhard von Baden, 1947 | Bild: Vorlage: Generallandesarchiv Karlsruhe

Das drohende Erlöschen der katholischen Linie der badischen Markgrafen 1771 vor Augen, wurde Bernhard zum konfessionellen Schutzpatron der katholischen Bevölkerung in den vereinigten badischen Markgrafschaften. In Bernhard kreierte man einen „politischen  Heiligen“, der als Landespatron des Großherzogtums Baden und Mitpatron der neu errichteten Erzdiözese Freiburg für die Belange der katholischen Bevölkerung eintrat, sei es im badischen Kulturkampf, sei es in anderen politischen Konflikten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er zum Vorbild einer jungen Generation, die vor den Trümmern der NS-Diktatur stand. Im aufziehenden Ost-West-Gegensatz galt er vielen als Schutzpatron im Kampf gegen den Kommunismus. Die Bedrohung des „Abendlandes“ durch eine neue „Gefahr aus dem Osten“ im Kalten Krieg konnte mühelos an das Bild des tapferen Kreuzzugsritters anknüpfen.

Die Ausstellung im Generallandesarchiv zeichnet anhand wertvoller Exponate aus dem In- und Ausland den Wandel im „Bild eines Heiligen“ zwischen Mittelalter, Neuzeit und Zeitgeschichte nach.

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