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Kultur in Karlsruhe | Naturkundemuseum Flusspferde am Oberrhein - wie war die Eiszeit wirklich?

PARTNER DER WOCHE - Flusspferde am Oberrhein? Heute schwer vorstellbar; vor mehr als 115.000 Jahren gab es sie aber schon, wie zahlreiche Knochen- und Zahnfunde belegen. In der Großen Landesausstellung führt das Naturkundemuseum Karlsruhe auf eine Zeitreise in die wechselvolle Vergangenheit des Klimas am Oberrhein und eröffnet mit beeindruckenden Objekten einen ungewohnten Blick auf die damalige Tier- und Pflanzenwelt.

Auf einer Gesamtfläche von fast 700 m² veranschaulichen geologische Belege, Tier- und Pflanzenpräparate, Originalfossilien und imposante Modelle, wie es in der Zeit von vor etwa 126.000 bis vor 11.700 Jahren im Oberrheingebiet aussah.

 

Eiszeitalter – immer eisig?

Seit 2,6 Millionen Jahren leben wir in einem Eiszeitalter – das heißt, beide Pole sind mit Eiskappen bedeckt. Dabei ist das Klima jedoch nicht immer eisig kalt, Kalt- und Warmzeiten wechseln sich ab. Die letzte abgeschlossene Warmzeit, das Eem, begann vor etwa 126.000 Jahren und endete vor etwa 115.000 Jahren. In dieser Zeit waren die Jahresmitteltemperaturen mehrere Grad höher als heute. Die darauffolgende Kaltzeit, das Würm, dauerte von vor 115.000 Jahren bis vor 11.700 Jahren und war deutlich kälter als heute – Eiszeit, wie wir sie uns vorstellen. Seit dem Ende des Würm leben wir in der sogenannten Holozän-Warmzeit mit relativ milden Wintern und gemäßigten Sommern.

Aber woher wissen wir, wie das Klima in der Vergangenheit war, und wie entstehen Eiszeitalter überhaupt? Welche Informationen gibt es über die Tier- und Pflanzenwelt? Mit interaktiven Stationen, anschaulichen Grafiken und außergewöhnlichen Exponaten gehen wir diesen Fragen im ersten Bereich der Ausstellung nach. Wir erklären, wie es zu Eiszeitaltern kommt und was das Besondere des Oberrheingebiets während der letzten Kalt- und Warmzeit war. Dazu werden unterschiedliche Klimazeugen vorgestellt, die Auskunft über die Entwicklung des Klimas und dessen Einfluss auf die Ökologie des Oberrheingebiets geben: Spuren in der Landschaft, im Boden und in Gesteinen, Bodenprofile und Pollendiagramme zur Bestimmung der damaligen Pflanzenarten und andere Belege eiszeitlichen Lebens.

 

Modell eines Waldnashorns
Modell eines Waldnashorns | Bild: Staatliches Museum für Naturkunde Karlsruhe

Mammut oder Waldelefant?

Beide – wenn auch nicht zur gleichen Zeit. In der Kaltzeit zogen Mammuts, Wollhaarnashörner, Steppenbisons und Riesenhirsche durch die Steppenlandschaft am Oberrhein. Während der letzten Warmzeit dagegen war es sogar etwas wärmer als heute, und so lebten hier damals mächtige Waldelefanten, Waldnashörner, Wasserbüffel – und eben auch Flusspferde!

Der zweite Ausstellungsbereich führt mit raumfüllenden Dioramen auf eine Reise in die Vergangenheit unserer Region: Beginnend mit der Eem-Warmzeit geht es im Verlauf des Saales in die Würm-Kaltzeit, wobei jeweils auf einer Seite die Sommer-, auf der gegenüberliegenden die Winterzeit dargestellt ist. In einer stimmungsvollen Inszenierung, die der Landschaft am Oberrhein zwischen Vogesen und Schwarzwald nachempfunden ist, stellen wir hier typische Pflanzen und Tiere aus Warm- und Kaltzeit vor. Originalfunde, Präparate und eigens angefertigte lebensgroße Modelle von Wollhaar- und Waldnashorn, Europäischem Wasserbüffel und Flusspferd vermitteln auf eindrucksvolle Weise ein Bild der damaligen Tierwelt.

Herausragende Einzelobjekte wie die Schädel von Höhlenlöwe und Höhlenbär, Stoßzähne von Waldelefant und Wollhaarmammut oder das mächtige Geweih eines Riesenhirschs ergänzen die Dioramen.

Neben diesen ausgestorbenen Großtieren zeigen wir eine Vielzahl von anderen Tieren und Pflanzen, die wir teils auch heute noch kennen. Dabei werden die unterschiedlichen Lebensweisen und Überlebensstrategien unter extremen klimatischen Bedingungen thematisiert. Dazu gehören unter anderem Aspekte wie Nahrungssuche oder die verschiedenen Möglichkeiten der Überwinterung.

Auch frühe Menschen haben ihre Spuren hinterlassen. Vermutlich vor ca. 200.000 Jahren tauchten die ersten Neandertaler in Europa auf, vor etwa 40.000 Jahren erreichte dann der anatomisch moderne Mensch (Homo sapiens) unseren Kontinent. Steinwerkzeuge, Fossilien und Schädelabgüsse zeugen in der Ausstellung von ihrer Existenz.

 

Weitere Informationen zur Ausstellung und zum Naturkundemuseum gibt es hier.

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