Kultur in Karlsruhe | Stadtmuseum Die Geschichte einer wechselhaften Nachbarschaft

PARTNER DER WOCHE - Noch bis zum 28. April 2019 zeigt das Stadtmuseum im Prinz-Max-Palais die Verflechtungen zwischen Karlsruhe und Elsass-Lothringen seit 1871.

Die Ausstellung spannt den Bogen von der Annexion Elsass-Lothringens 1871 durch das deutsche Kaiserreich bis zur Rückgabe der „Reichslande“ 1918 an Frankreich und untersucht jeweils die Folgen für die badische Landeshauptstadt. So gründeten Karlsruher Geschäftsleute wie etwa der Kaufhausinhaber Max Knopf Filialen im Elsass, die nach dem Ersten Weltkrieg wieder aufgegeben werden mussten. Daneben wurde Elsass-Lothringen ein Absatzmarkt für die Karlsruher Industrie, einige Architekten aus Karlsruhe beteiligten sich auch an der dort nun einsetzenden reichen Bautätigkeit.

Die wirtschaftlichen und kulturellen Verflechtungen der badischen Residenz mit dem Nachbarland werden in der Ausstellung dargestellt. Die Folgen der Trennung nach dem Ersten Weltkrieg bilden den anderen Schwerpunkt der Präsentation. Nun kamen zahlreiche Flüchtlinge aus dem benachbarten Elsass-Lothringen nach Karlsruhe. Die Stadt musste knapp ein Fünftel der etwa 32.000 Elsass-Lothringer aufnehmen, die nach Kriegsende flüchteten oder ausgewiesen wurden. Daneben war der Verlust dieses Absatzmarktes für die Karlsruher Industrie ein wesentlicher Grund für die wirtschaftliche Stagnation der Stadt in der Weimarer Republik. Nach der erneuten Annexion von Elsass-Lothringen 1940 war die Verlegung der Hauptstadt nach Straßburg von Gauleiter Robert Wagner bereits beschlossen. Der andauernde Krieg und dann die deutsche Niederlage verhinderten aber die Umsetzung dieses Plans. Die Ausstellung endet mit einem Blick auf die aktuelle Bedeutung des Elsass und Lothringens für Karlsruhe.

Karikatur auf die Ausweisung der reichsdeutschen Elsässer, die bei Breisach den Rhein überqueren
Karikatur auf die Ausweisung der reichsdeutschen Elsässer, die bei Breisach den Rhein überqueren | Bild: Dreiländermuseum Lörrach GrGeXVIII 83

Zusamène

Die Stiftung Centre Culturel Franco-Allemand Karlsruhe beteiligt sich an der Ausstellung des Stadtmuseums mit dem Projekt "Zusamène", das drei neue Arbeiten der in Paris lebenden Künstler Tami Notsani und Laurent Mareschal umfasst: Tami Notsani, französisch-israelische Photographin, porträtierte deutsch-französische Paare hier in Karlsruhe, in Paris und Straßburg. Prominente wie Serge und Beate Klarsfeld verkörpern ebenso wie Unbekannte Seite an Seite eine emotionale Verbundenheit, die sich aktuellen, partikularistischen Strömungen beiderseits des Rheins widersetzt. Eine Auswahl der Paare ist von 8. bis 18.11 in den Straßen des Viertels Krutenau in Straßburg zu sehen.

Laurent Mareschal hat zwei Installationen konzipiert, die sich mit Prozessen der Übersetzung und des gegenseitigen Verstehens beschäftigen: ein digital animiertes
Gedicht aus dem 1. Weltkrieg sowie eine in Karlsruhe aufgenommene Soundarbeit, in der Deutsche Französisch sprechen und umgekehrt. Stereotypen des "Anderen" werden hier durch aktive Begegnung - schon während der Produktion der partizipativen Arbeiten - ausgeräumt.

 

Weitere Informationen sowie die Öffnungszeiten des Stadtmuseums finden sich hier.

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Kultur in Karlsruhe (Partnerangebot): Karlsruhe besitzt eine lebendige Kulturlandschaft, die Geschichte und Gegenwart, Kunst und Technik verbindet. Die Stadt besticht mit erstklassigen Ausstellungen, einer großen Bandbreite in der Hochkultur von Oper bis Ballett, bedeutenden Galerien, zahlreichen Museen sowie einer aktiven Kleinkunst- und Alternativszene. Ob für Kinder, Jugendliche, Erwachsene oder Senioren – die Kultur in Karlsruhe bietet Unterhaltung und Bildung für Jedermann und fördert das Wir-Gefühl der Menschen in unserer Stadt.
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