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Karlsruhe 3D-Kino an der HfG: "Avatar" bald auch aus Karlsruhe?

Die Karlsruher Hochschule für Gestaltung (HfG) stellte am Donnerstag ihr jüngstes und gleichzeitig außergewöhnlich ambitioniertes Projekt vor: Mit dem Institut "Expanded 3 Digital Cinema Laboratory" soll Karlsruhe zur Wiege des 3D-Kinos werden und internationale Standards setzen.

"Wir stehen am Anfang einer visuellen Revolution", erklärt Ludger Pfanz, Leiter des frisch gegründeten Pionierprojekts, und vergleicht die neue 3D-Technik mit der Einführung des Farbfilms vor gut 70 Jahren. Obwohl immer wieder mit der 3D-Stereoskopie experimentiert wurde, sei erst durch die Digitalisierung der Filmproduktion eine optimale Bildsynchronisation möglich geworden. So entstünden keine störenden Abweichungen mehr, die einst bei vielen Zuschauern Kopfschmerzen hervorriefen.

Doch Pfanz will sich nicht auf den technischen Rahmen versteifen. "Jeder beschäftigt sich mit der Technik, keiner mit der inhaltlichen Gestaltung." Im Vordergrund stehe vielmehr die Entwicklung neuer Erzählformen, die Raum und Tiefe als Gestaltungsinstrumente einbinden. "Technische Gestaltungsmittel können unglaubliche emotionale Effekte haben, wenn sie von Grund auf erforscht und gezielt eingesetzt werden", so Pfanz.

3D für künstlerische Anwendungen nutzen

Ab sofort will der ehrgeizige Institutsleiter gemeinsam mit HfG-Studenten 3D-Filme entwickeln und die neuen Möglichkeiten ausloten. Mit 500.000 Euro Anschubfinanzierung vom Land Baden-Württemberg sind die Mittel für die notwendige Ausrüstung bereits vorhanden. Pfanz möchte nun noch einen Antrag auf EU-Fördergelder einreichen, mit der der Personalstock erweitert oder Kongresse und Workshops veranstaltet werden sollen.

Unterstützt wird das Projekt auch durch das Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM), das vom Innovationspotential der 3D-Visionäre profitieren will: "Es werden jetzt Künstler hier vor Ort in dieser neuen Technik ausgebildet. Die bringen natürlich ganz neue Impulse ein", erläutert ZKM-Geschäftsführerin Christiane Riedel. Es gehe dabei nicht um die Technik, sondern darum, wie diese für künstlerische Anwendungen genutzt werden kann. "Wir wollen nicht, dass die 3D-Technik ausschließlich kommerziell besetzt wird", so Riedel.

Ein tonangebender 3D-Standard aus Karlsruhe?

Doch längst nicht alle Unterstützer des 3D-Instituts stehen dem kommerziellen Nutzen skeptisch gegenüber. So betonte Ralf Schütten, Präsident der mit Ludger Pfanz' Institut kooperierenden Kary Multimedia AG aus Karlsruhe, den Nutzen der räumlichen Darstellung etwa auch in der Medizintechnik oder für die Werbewirtschaft. So etwa könnte eine Parfümflasche in einem Werbespot dem Zuschauer entgegenfliegen und den Gedanken provozieren: "Dich will ich kaufen!"

Ob die "rasante technische Entwilcklung", die Ludger Pfanz beschreibt, die 3D-Stereoskopie zum Erfolg führt oder ob sich in Karlsruhe gar ein technischer Standard entwickelt, "nach dem sich dann alle richten", wie Schütten hofft, ist ungewiss. Bis 2014 jedenfalls will Pfanz in der Lage sein, live von der HfG in 3D zu senden. Auf die Frage, ob es "Avatar" dann auch aus der Fächerstadt geben könnte, antwortet er mit einem Augenzwinkern: "Viel besser."

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Kommentare (1)
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  •   tok
    (7205 Beiträge)

    26.02.2010 08:17 Uhr
    Ist cool
    wenn ich das nicht verwechsel steht von dem Zeug im Moment schon einiges im ZKM, bzw. Produkte davon.
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