HfG GRADUATES 21/22 - All we as
02.-19.06.2022

HfG GRADUATES - All we as präsentiert Filme, Installationen, Magisterarbeiten, Performances, Dokumaterial und Rekonstruktionen. Sie sind Qualifikationsarbeiten zur Erlangung eines akademischen Grades – doch für was stehen diese Arbeiten noch? Als Ergebnisse meist umfangreicher Kollaborationsprozesse sind sie Zeugen des gemeinsamen Spielens und Ausprobierens. HfG Graduates fokussiert diese Verbindungen und Überschneidungen, auf der Suche nach dem, was wir nur gemeinsam denken, umsetzen und ausstellen können.
Als temporäre Allianzen eröffnen unterschiedliche Formen des Zusammenschlusses Räume für gegenseitiges Lernen, Unterstützung und Kritik. Diese Variationen finden Ausdruck im Titel All we as. All we as leaves ist eine Zeile aus “Plainwater” (1995) der Lyrikerin Anne Carson. Wir erweitern sie zu All we as light, All we as clouds, All we as moss, All we as waves, machen sie zu den Titeln für die thematischen Felder der Ausstellung:

Bild: Shuaiting Zong


Vom zyklischen Verlauf des Sonnenlichts, das Kommen und Gehen von Liebe, über idiosynkratische Praktiken des Archivierens, hin zu Orten und Situationen, die nur noch in der Erinnerung bestehen und einer Rekonstruktion bedürfen. Der Themencluster All we as leaves beschäftigt sich mit Verlust, Nostalgie und die Melancholie des wieder auflebenden Vergangenen.

  • Mit bestehenden und zu entwerfenden sozialen Räumen und damit auch Gemeinschaften setzen sich Abschlussarbeiten aus dem Cluster All we as waves auseinander: Utopische Designs, die auf architektonischer Ebene eine neue Antwort auf die Frage “Wer ist der Mensch?” formulieren: Das Ringen um Orte der Versammlung, die Sichtbarkeit von Frauen im Stadtbild Karlsruhes oder die Hyper(un)sichtbarkeit normierter Körper werden hier verhandelt.
  • Daran lässt sich gut All we as moss anschließen. Diese Gruppe beschäftigt sich mit dringenden ökologischen Fragen, die Auswirkungen auf unser menschliches Selbstverständnis haben (müssen). In diesem Sinne laden die Arbeiten auf unterschiedliche Weise dazu ein, ein neues Verhältnis zu den uns umgebenden menschlichen und nicht-menschlichen Entitäten zu entwickeln und uns von ihnen überraschen und affizieren zu lassen.
  • Transformative Prozesse aus einer technologischen Perspektive zu untersuchen eint die Werke in All we as clouds. Medien wie TikTok, YouTube oder die Kassette werden nicht nur bezüglich ihrer Rollen in unterschiedlichen Konflikten beobachtet, sondern auch in ihrer Funktion, Bild und Sprache vom Körper abzulösen. Letzteres wird auch zum Gegenstand performativen Experimentierens - was passiert mit Kommunikation, wenn wir versuchen Nähe auf Distanz zu halten? Künstliche Intelligenzen lernen, reproduzieren und manipulieren Bildsprachen und Wahrnehmung. Was heißt dann Kreativität und wie wird sich Arbeit daran anpassen?
  • Das vierte Cluster All we as light stellt Fragen nach dem Zeigen der Dinge: Wie und in welchen Kontexten wird etwas gezeigt? Wer entscheidet über das, was gezeigt wird? Und wie wirkt sich das auf die Wahrnehmung aus? Zeigen kann witzig sein, Wahrnehmungsbedingungen verändern und Geschichten erzählen. Zeigen ist aber auch, und das wird ebenso deutlich, nie neutral und wird häufig zum ideologischen Instrument gemacht.
    Bild: Leonie Mühlen

Vom vom 2. bis 19. Juni 2022 werden unter dem Titel HFG GRADUATES 21/22 – All we as – Diplome, Magister- und Promotionsarbeiten der HfG in den Lichthöfen ausgestellt. Auch das Begleitprogramm ist in enger Zusammenarbeit mit Alumni entstanden und umfasst Führungen mit dem Kurator*innenteam, Workshops u.a. mit Severin Geißler und Mäks Rößmöller, Special Screenings der Filmdiplome mit anschließenden Gesprächen, Performances u.a. von Mustafa Büyükcoskun, Lukas Fütterer und Zhou Pei, Lesekreise von Carmen Westermaier, eine Lesung Carina Obrecht, sowie Panel Discussions mit unseren Gästen, wie z.B. dem Computergrafiker Vincent Schüßler.

 

Evi Künstle - Umbau HfG, 1993
Evi Künstle - Umbau HfG, 1993 | Bild: Evi Künstle

Munitionsfabrik - Ausstellung zur Geschichte eines ungeheuren Raums
02.06.-12.09.22

Die Ausstellung „Munitionsfabrik“ untersucht die Geschichte der einst „größten Waffenfabrik der Welt“. Sie beleuchtet die Transformationen und Brüche dieses „ungeheuren Raums“ und hinterfragt die Entwicklung des Areals der ehemaligen Waffenfabrik bis in die heutige Zeit.
Der Hallenbau A – in dem sich heute die Staatliche Hochschule für Gestaltung (HfG), das Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) und die Städtische Galerie befinden – wurde während und für den Ersten Weltkrieg vom „Blitz-Architekten“ Philipp Jakob Manz als Produktionshalle der Deutschen Waffen- und Munitionsfabrik in Karlsruhe errichtet. Mit 30.000 Fabrikarbeiterinnen war diese Fabrik während des Zweiten Weltkrieges so groß wie eine Kleinstadt. Während der NS-Zeit mussten hier unter unmenschlichen Bedingungen Zwangsarbeiterinnen aus ganz Europa arbeiten. Durch die Munition und Waffen, die hier produziert wurden, ist der Ort verwickelt mit diversen Kriegen und Konflikten in der Welt. Nach dem Niedergang der industriellen Produktion dienten die leerstehenden Räumlichkeiten von 1981 bis 1989 Karlsruher Künstler:innen als Arbeits- und Präsentationsflächen. Das darin erkannte kreative Potential führte in der Folge zum Einzug der Institutionen ZKM, HfG und der Städtischen Galerie.
Recherchematerialien aus verschiedenen Archiven, wie dem Stadtarchiv Karlsruhe, dem Generallandesarchiv Karlsruhe und diversen Bildarchiven zeichnen die Geschichte dieses „ungeheuren Raums“ nach. Künstlerische und dokumentarische Projekte von Studierenden, Alumni und (ehemaligen) Professor:innen der Hochschule für Gestaltung repräsentieren kritische Auseinandersetzungen mit dem Ort und seiner heterogenen und kontroversen Geschichte. Die Ausstellung entsteht im Rahmen des 30-jährigen Jubiläums der HfG. Zur Ausstellung wird eine Publikation in der Reihe „Munitionsfabrik“ erscheinen.

Evi Künstle - Umbau der HfG, 1994
Evi Künstle - Umbau der HfG, 1994 | Bild: Eva Künstle
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