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Karlsruhe KSC feiert gegen Spitzenteam Kiel einen "geklauten Sieg" - die Analyse zum Spiel

Nach dem Pokalmärchen gegen den FC Bayern unter der Woche hieß der Liga-Alltag für die Störche von Holstein Kiel am Sonntag Karlsruher SC. Und die Störche waren durchaus gewarnt, nachdem der KSC bereits in der Vorwoche mit Greuther Fürth ein Spitzenteam besiegte. Nach 90 Minuten erlebte das Holstein-Stadion wieder ein verrücktes Fußballspiel, das am Ende der KSC dank Robin Bormuth für sich entscheiden konnte.

Wieder Spektakel, wieder viele Tore und am Ende gewinnen die Karlsruher. So lassen sich die Auftritte des KSC bisher in diesem Jahr zusammenfassen. Der KSC bleibt mit dem dritten Sieg im dritten Pflichtspiel in 2021 weiter ohne Punktverlust und kann sich zudem als "Triple-Bezwinger-Bezwinger" feiern lassen.

Kiel wirft die Bayern aus dem Pokal

Breite Brust und etwas müde Beine, so durfte sich Christian Eichner und sein Team durchaus auf Holstein Kiel eingestellt haben, nach den 120 Minuten inklusive Elfmeterschießen in dem die Nordlichter unter der Woche im Nachholspiel des DFB-Pokal den haushohen Favoriten und Triple-Gewinner Bayern München ausschalten konnten.

Während Christian Eichner die gleiche Elf wie gegen Fürth ins Rennen schickte, musste sein Kieler Kollege Werner dreimal tauschen im Vergleich zum Pokalauftritt unter der Woche. Und tatsächlich schienen sich fehlende Kräfte der Störche bemerkbar zu machen, denn bereits nach sechs Minuten durfte der KSC die Führung bejubeln - wie bereits gegen Fürth schafften die Badener die schnelle Führung, diesmal durch Linksverteidiger Heise.

Philip Heise (KSC 16) schießt den Ball aus der Flanke.
Philip Heise (KSC 16) schießt den Ball aus der Flanke. | Bild: Carmele | TMC-Fotografie

Der 29-Jährige nutze einen Abpraller von Kiels Schlussmann Gelios, der zunächst noch einen Fernschuss von Wanitzek parierte. "Kiel hatte keine so leichten Beine wie wir. Sie hatten am Mittwoch ein sehr, sehr gutes und schweres Spiel. Für uns war das natürlich ein Vorteil, aber ich glaube Kiel hat das heute sehr, sehr gut gemacht. Man hat einfach gesehen, dass sie eine sehr gute Qualität haben in ihren Reihen", zollte Heise dem Gegner nach der Partie seinen Respekt.

Kiel mit viel Spielkontrolle, KSC effektiver

Doch Kiel übernahm,  wie zu erwarten war, auch mit viel Selbstbewusstsein, in der Folge die Spielkontrolle, konnte sich im Vergleich zur Vorwoche aber immer wieder durch eigene Entlastungsangriffe selbst Spielaktionen verschaffen. Gegen spielerisch starke Kieler musste sich der KSC aber vornehmlich auf ein ausgeglichenes Mittelfeld und ein kompaktes Verteidigen bemühen. Serra und Reese, Kiels Offensivspieler, verpassten in der Mitte der ersten Halbzeit gleich mehrfach den Ausgleich, der zu diesem Zeitpunkt verdient gewesen wäre.

Erst vor der Pause wurde auch Karlsruhe wieder etwas mutiger, bei Kiel hatte man nun wieder den Eindruck, dass sich das etwas kräftezehrende Match gegen die Bayern in den Gliedern der Störche bemerkbar machte. Die Blau-Weißen drückten nun auf den zweiten Treffer: Hofmann setzte den Ball zunächst an den Pfosten, eine Minute später fand Karlsruhes Top-Knipser seinen Meister in KSV-Schlussmann Gelios, der einen Kopfballversuch parierte.

Duell zwischen Philipp Hofmann (KSC 33) gegen Toni Leistner (HSV 37)
Duell zwischen Philipp Hofmann (KSC 33) gegen Toni Leistner (HSV 37) | Bild: Carmele | TMC-Fotografie

Aus der folgenden Ecke machte es dann Hofmanns Mannschaftskollege Thiede genauer, der den Ball per Kopf von Hofmann mustergültig verlängert bekam und die Kugel beinahe zeitgleich mit dem Pausenpfiff unter die Latte zum 2:0 platzierte. Der Eichner-Elf reichen im Grunde zehn dominante Minuten im ersten Durchgang, die Heise und Thiede zum scheinbar beruhigenden Vorsprung nutzten.

Doch das Spektakel von Holstein sollte da erst noch so richtig seinen Lauf nehmen: So ruhig es der KSV nach dem Seitenwechsel angehen ließen, so brandgefährlich wurde die Werner-Elf aus dem Nichts. Gersbeck verhinderte mit einer Glanztat nach 55 Minuten vorerst den Anschlusstreffer. Doch kurze Zeit später brach Serra den Bann und traf nach einer Stunde zum verdienten Anschluss. Innenverteidiger Bormuth hatte sich im Abwehrzentrum verschätzt und konnte Kiels Angreifer so nicht mehr entscheidend am Anschlusstreffer hindern.

Müde Beine, klarer Kopf

Das Spiel war nach dem Tor wieder offener, auch was Räume anging. Denn der KSC versteckte sich nicht vor dem Tabellenzweiten und wollte Offensiv weiter mitreden. Die Kieler hatten ihre Angriffsbemühungen weitestgehend über die linke Seite verlagert. Fast alles lief über Links, um dann in der Mitte den kopfballstarken Serra in Szene zu setzen. Ähnliches probierte der KSC mit seiner Sturmkante, Philipp Hofmann.

Zwei Teams, ähnliche Spielideen: Den Mittelstürmer durch Direktabnahmen oder zum Ball festmachen in Szene setzen, so dass die Mitspieler aus den Halbräumen im Mittelfeld nachrücken konnten. 13 Minuten vor dem Ende ging diese Spieltaktik beim KSV dann schließlich auch auf. Serra stand in der 77. Minute genau da, wo er stehen musste und hatte wenig Mühe den Ball von der linken Seite über die Linie zu drücken. 2:2, womit der KSV den Karlsruher Vorteil endgültig eliminiert hatte. Wie schon zweimal gegen die Bayern am Mittwoch, war es Kiel wieder gelungen zurück ins Spiel zu kommen.

Karlsruhe mit dem Lucky Punch ins Glück

Der Spielqualität tat dieses Tor gut, denn der KSC glaube auch weiterhin daran drei Punkte von der Ostsee mit in den Süden zu nehmen. In der 86. Minute machte Bormuth seinen kleinen Stellungsfehler beim 1:2 wieder gut und den Wahnsinn perfekt: Eine Heise-Freistoßflanke erwischte der Defensivspieler punktgenau mit dem Kopf und setzte den Schlusspunkt in einer abwechslungsreichen Begegnung, gegen starke und selbstbewusste Kieler.

"Es fühlt sich jetzt natürlich gut an. Wir haben nochmal einen Lucky Punch gesetzt in den letzten fünf Minuten, das fühlt sich immer sehr, sehr gut an. Aufgestützt habe ich mich beim Tor meiner Meinung nach nicht. Sonst hätte es der Schiedsrichter ja auch nicht gegeben. Ich bin ja einen Ticken größer als mein Gegenspieler, von daher war das, denke ich, ein regelkonformes Tor. Das hat der Schiedsrichter auch sehr gut erkannt", ordnete Bormuth den Spielverlauf und die Entstehung seines Treffers nach dem Spiel ein.

Nächster "Dreier" gegen Spitzenteam

Somit kann der KSC nach Fürth das nächste Spitzenteam der Zweiten Liga knacken und sich über weitere drei Punkte im Kampf um den Klassenerhalt freuen. Zum Tabellenkeller kann der KSC sein Punktepolster somit weiter ausbauen und rangiert mit 25 Punkten nun auf Platz sechs - hinter Kiel und Fürth.

"Es ist schön, dass wir jetzt auf Platz sechs stehen. Aber wir haben unser Saisonziel und sind jetzt gut beraten, dass wir das weiter so behalten", ordnete Robin Bormuth die derzeitige Situation nach seinem Siegtreffer ein. Am Samstag im Baden-Württemberg Derby gegen Heidenheim wird der KSC dennoch wieder alles daran setzen die Siegesserie in 2021 weiter auszubauen.

 "Das Ding haben wir uns heute geklaut!"

Trainer Christian Eichner sprach auf der anschließenden Pressekonferenz von einem "glücklichen Auswärtssieg in Kiel". "Das Ding haben wir uns heute geklaut", so Eichner, der aber auch deutlich machte, dass solche Spiele dazu gehören. "Im Fußball ist es so, dass manchmal auch die glücklichere statt die bessere Mannschaft gewinnt. Dafür gilt es sich aber nicht zu schämen. Wir hatten auch schon viele Spiele in der das Glück nicht mit meinen Jungs war", erklärte Eichner.

Christian Eichner (KSC Trainer) betritt gut gelaunt das Stadion.
Christian Eichner (KSC Trainer) betritt gut gelaunt das Stadion. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

"Dass wir gewonnen haben, liegt daran, dass wir Philipp Hofmann vorne haben, der die Bälle fest gemacht hat und dass wir sie gnadenlos bestraft haben", erklärte Heise aus seiner Sicht den Hauptfaktor des KSC-Sieges. Die lange Rückfahrt aus dem Norden fällt nach so einem Sieg somit deutlich einfacher: "Wir treten die lange Heimreise mit drei Punkten sicher einfacher an, als mit ein oder null Punkten, was auch zu jeder Zeit möglich gewesen wäre", ordnete Eichner damit nochmal deutlich den offenen Spielverlauf der Partie ein.

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  •   FCKSUV
    (604 Beiträge)

    18.01.2021 17:48 Uhr
    3 Punkte eingesackt,
    das wie und warum juckt mich nicht.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Ringo.Ginsterburg
    (159 Beiträge)

    18.01.2021 16:17 Uhr
    Ich liebte ein Mädchen in Kiel,
    bis endlich der Schlusstreffer fiel.
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  •   107
    (767 Beiträge)

    18.01.2021 19:11 Uhr
    "Ich liebte ein Mädchen in Heidenheim,
    +++ Das Posting ist themenfremd und wurde daher von der Redaktion gesperrt +++
  •   schwarzvoraugen
    (4026 Beiträge)

    18.01.2021 23:00 Uhr
    Ich liebte ein Mädchen in Heidenheim
    +++ Das Posting ist themenfremd und wurde daher von der Redaktion gesperrt +++
  •   ka76199
    (227 Beiträge)

    18.01.2021 15:46 Uhr
    Wo könnte
    diese Truppe schon stehen, wenn sie in den ersten drei Spielen auch getroffen hätten ⚽⚽⚽⚽⚽
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  •   Waterman
    (6557 Beiträge)

    18.01.2021 14:04 Uhr
    "Triple-Bezwinger-Bezwinger"
    Wer bezwingt nicht gerne ein Triple...

    Aber, Ehre, wem Ehre gebührt:

    Triple-Sieger-Besieger-Bezwinger!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Rundbau-Gespenst
    (12417 Beiträge)

    18.01.2021 07:22 Uhr
    gewonnen:
    das Glück des Tüchtigen...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
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