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Karlsruhe Wellenreuther weiter im Amt: Das hat der Präsident für den KSC bisher erreicht

Nach neun Jahren im Amt könnte es am Samstag für Noch-Präsident des KSC, Ingo Wellenreuther, eng werden: Zum ersten Mal seit 2010 hat er einen Herausforderer bei der Wahl des neuen Präsidiums. Sollte er nicht mehr gewählt werden - welches Erbe hinterlässt der studierte Jurist beim Karlsruher SC? Eine Rückblick auf Erfolge und Misserfolge.

Es war ein Mittwoch, als der KSC am 17. November 2010 zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung (MGV) eingeladen hatte. Der Grund dafür: Zwei Monate zuvor war der Präsident des Vereins, Paul Metzger, zurückgetreten, ein Nachfolger musste gefunden werden.

Der "Retter in der Not": Ingo Wellenreuther. Seither bekleidet er das Amt des KSC-Präsidenten, wurde zwei ;al wiedergewählt (2013 und zuletzt im September 2016) - immer ohne Gegenkandidaten. Eine lange Amtszeit, auf die der gebürtige Karlsruher nun zurückblicken kann - und in der er viel geschafft hat. 

  • Trainer
    Während Ingo Wellenreuther Präsident des Vereins war, hat der Karlsruher SC jede Menge Trainer verschlissen: elf an der Zahl. Den Anfang macht Markus Kauczinski, der zum ersten Mal für drei Wochen als Ersatz von Vorgänger Markus Schupp die Profis coachte - der war unter Wellenreuther als Interimspräsident nach sechs sieglosen Spielen entlassen worden. Danach gab Uwe Rapolder ein kurzes Gastspiel im Wildpark oder Jörn Andersen, der es auf gerade mal 141 Tage im Amt bringt. Einer der erfolgreichsten Trainer in der Ära Wellenreuther ist Markus Kauczinski. Mit ihm wäre der KSC fast in die 1. Bundesliga aufgestiegen - beinahe hätten die Blau-Weißen einen Durchmarsch aus Liga 3 hingelegt.
    Ebenfalls ein kurzes Intermezzo legten Tomas Oral und Marc-Patrick Meister hin, beide waren nur fünf beziehungsweise vier Monate im Amt. Mit Alois Schwartz, der seit August 2017 den KSC trainiert, ist mit dem Aufstieg in die 2. Liga nun wieder Konstanz im Wildpark eingekehrt.  
  • Sportdirektoren
    Bei den Sportdirektoren ging es in den letzten neun Jahren etwas gemäßigter zu. Hier sind zwar nur drei Namen zu nennen, dafür aber vier "Amtszeiten": Seit Januar 2010 war Arnold Trentl der sportliche Leiter des Vereins, im Mai 2011 wurde er von Oliver Kreuzer beerbt.
    Sportdirektor Oliver Kreuzer spricht während einer Pressekonferenz.
    Sportdirektor Oliver Kreuzer spricht während einer Pressekonferenz. | Bild: Ronald Wittek (dpa)
    Der ging bekanntermaßen 2013 zum Hamburger SV, sein Nachfolger wurde Jens Todt. Nachdem der Karlsruher SC Ende 2016 akut abstiegsbedroht war, wurde er vom Verein freigestellt. Nur wenige Tage später kehrte dann Oliver Kreuzer wieder zum KSC zurück. 
  • Auf- und Abstiege
    In den letzten neun Jahren spielte der Karlsruher SC drei Saisons in der 3. Liga, zuletzt gelang der Aufstieg 2019 wieder in die zweite Bundesliga. Mit Sicherheit ist das nicht der alleinige Verdienst von Coach Alois Schwartz, sondern auch von Präsident Wellenreuther, der immer an den gebürtigen Nürtinger geglaubt hat.

  • Stadion
    Es war ein langer steiniger Weg zum neuen Stadion im Wildpark, der schon lange vor Ingo Wellenreuthers Amtszeit begonnen hatte. Erste konkrete Debatten gab es 2005 und 2006, erste Entwürfe gab es jedoch schon 2000 von dem vor knapp einem Monat verstorbenen Designer Luigi Colani. 
    Bild: ka-news

    Im Jahr 2010, als Wellenreuther zum KSC-Präsidenten gewählt wurde, war es ruhig in der Stadion-Debatte. Erst 2012, pünktlich zum Wahlkampf, den sich Wellenreuther mit Frank Mentrup liefert, nahm die Diskussion erneut Fahrt auf. Zwischen 2011 und 2013 wurden lediglich Teile der Tribüne saniert. 2013 nehmen der neue Oberbürgermeister Mentrup und der Verein die Gespräche wieder auf, im September dann die Entscheidung: Das Stadion bleibt im Wildpark. Wenige Monate später, im Mai 2014, wurden die Pläne konkreter, ein Jahr später verständigten sich der KSC und die Stadt Karlsruhe auf die Rahmenbedingungen des Projekts. 
    Ein historischer Tag aus Sicht des Karlsruher SC war dann der 19. Juli 2016: Der Gemeinderat stimmte für das neue Stadion! Der Rest ist fast Geschichte: Nach einigen Querelen und vielen Diskussionen war im November 2018 Spatenstich für den Neubau des Stadions. 

    Geplantes KSC-Stadion aus der Vogelperspektive (Animation).
    Geplantes KSC-Stadion aus der Vogelperspektive (Animation). | Bild: agn/BAM Sports GmbH

    Vieles ist in Sachen Stadionbau unter der Federführung von KSC-Präsident Wellenreuther entstanden, aktuell auch der Streit, unter anderem um die Einsicht in die Unterlagen mit dem Totalunternehmer. 

  • Ausgliederung
    Ebenfalls unter Ingo Wellenreuther angegangen und schlussendlich auch durchgeführt: die Ausgliederung der Profis, der U19- und U17-Mannschaften aus dem Verein. Nachdem bereits seit Ende 2018 verstärkt darüber diskutiert wurde, war es dann Ende Juni 2019 so weit: Bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im Wildpark haben die Mitglieder mit über 88 Prozent für eine Ausgliederung gestimmt. "Es ist ein historischer Tag für den KSC", so Präsident Wellenreuther nach der positiven Abstimmung. 
  • Nachwuchsleistungszentrum (NLZ)
    Der Karlsruher SC und sein Nachwuchsleistungszentrum sind bekannt und bringen immer wieder große Talente hervor, etwa die Eigengewächse Florent Muslija oder Matthias Bader, um nur zwei Namen stellvertretend für die KSC-Talentschmiede zu nennen. Das NLZ im Wildpark wurde erst 2018 erneut vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) zum vierten Mal in Folge mit drei Sternen ausgezeichnet - eine Auszeichnung, die es von den beiden Verbänden seit 2007 gibt.
  • Fananleihe
    Wenn man über das Thema Fananleihe spricht, fällt auch das Wort Nachwuchsleistungszentrum (NLZ). 2,5 Millionen Euro wurden von den Fans eingesammelt, nach 31 Tagen war die volle Summe erreicht. Mit dem Geld will der KSC vor allem die Trainingsmöglichkeiten der Jugend ausbauen. "Wir sind begeistert davon, wie die gesamte KSC-Familie unsere erste Fananlage angenommen hat und damit den Verein erstmals auf diese Art und Weise unterstützt", so Ingo Wellenreuther im Namen des KSC-Präsidiums, nachdem die volle Summe erreicht wurde. 
  • Mitgliederzahlen
    Seit Ingo Wellenreuther im Präsidium des KSC ist, haben sich die Mitgliederzahlen stark entwickelt: Waren es 2010 etwa 5.100 Mitglieder, sind es nun über 9.000. 
  • 2. Mannschaft
    Mit dem Abstieg in Liga 3 zur Saison 2017/2018 kam auch die finanziellen Sorgen. Eine Konsequenz aus fehlenden (TV-)Einnahmen: Der Karlsruher SC meldete in Frühjahr 2018 seine zweite Mannschaft ab, die Nachwuchsspieler sollten beim SV Schielberg eine Kooperation eingehen. Doch diese scheiterte, die Zusammenarbeit wurde nicht richtig angenommen.  Im Sommer 2019 kehrte der KSC II dann zurück: Fans und Mitglieder bildeten eine Freizeitmannschaft, eine Fanmannschaft wurde ins Leben gerufen. Die Mannschaft startete in der aktuellen Saison in der Kreisklasse C. 
  • Sponsoren
    Etwas weniger Wechsel gab es während der Wellenreuther-Ära in Sachen Hauptsponsor. Nachdem sie die EnBW als Sponsor 2010 zurückgezogen hatte, prangt seither das Logo von Klaiber Markisen auf der Brust der KSC-Spieler. Im Jugendbereich und bei den Frauen ist die EnBW weiterhin Hauptsponsor. 
    Nach der Vertragsunterzeichnung: Michael Becker, Bereichsleiter Marketing, Vertrieb & Digitalisierung, Ralf Klaiber, Inhaber und Geschäftsführer von KLAIBER MARKISEN und  KSC-Präsident Ingo Wellenreuther (v.l.n.r.).
    Nach der Vertragsunterzeichnung: Michael Becker, Bereichsleiter Marketing, Vertrieb & Digitalisierung, Ralf Klaiber, Inhaber und Geschäftsführer von KLAIBER MARKISEN und KSC-Präsident Ingo Wellenreuther (v.l.n.r.). | Bild: KSC/PR
  • Vermarktung
    Erst im Februar dieses Jahres hatte der KSC mitgeteilt, dass der Vertrag mit Vermarkter Lagardère - dieser kümmert sich unter anderem darum, dass Sponsoren gefunden werden - gekündigt wurde.  Der Verein hatte die Zusammenarbeit beenden wollen, die Antwort darauf war eine Klage der Vermarkterfirma. Im September wurde vor dem Landgericht Karlsruhe verhandelt, bisher ohne ein Urteil. Das könnte am 15. November in Karlsruhe fallen. 

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