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Karlsruhe Hochrisikospiele im Wildpark: Fans, Verein oder Land - wer zahlt künftig die Polizeieinsätze beim KSC?

Wenn der KSC auf Kaiserslautern trifft, dann ist diese Partie meist ein Hochrisikospiel. Mehr Beamte - mehr Kosten, die dem Land entstehen. Doch der Verein zahlt keinen Cent dafür, sondern das Land und der Steuerzahler. Die Verantwortlichen setzen derweil auf andere Mittel und Wege, um Gewalt und hohe Kosten zu verhindern.

Fußballvereine dürfen bald zur Kasse gebeten werden, wenn es um die Kosten von Polizeieinsätzen bei Hochrisikospielen geht. Hintergrund ist ein Gerichtsurteil aus Bremen: 425.000 Euro, so viel will die Stadt Bremen von der Deutschen Fußball Liga (DFL) für einen Polizeieinsatz bei einem Hochrisikospiel zwischen Werder Bremen und dem HSV. Die DFL klagte, das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) urteilte jedoch, dass es rechtens sei, der DFL die Kosten dafür in Rechnung zu stellen. Heißt: Auch dem Karlsruher SC könnte eine saftige Rechnung ins Haus flattern, bedenke man die zahlreichen Derbys oder "High Risk"-Spiele, die der Verein hat. Allein in der abgelaufenen Saison waren es vier: Waldhof, Lautern, Rostock und das letzte Spiel der Saison gegen den Halleschen FC. Wie viele es in der neuen Saison werden kann noch nicht abgeschätzt werden. 

Bild: Thomas Riedel

 

Partien zwischen zwei Vereinen sind dann Hochrisikospielen, bei denen aufgrund "allgemeiner Erfahrung oder aktueller Erkenntnisse die hinreichende Wahrscheinlichkeit besteht, dass eine besondere Gefahrenlage eintreten wird", so schreibt die der Deutsche Fußball-Bund (DFB) in den Richtlinien zur Verbesserung der Sicherheit.

7 Millionen Euro für eine Spielzeit an Einsatzkosten

Diese Feststellung, dass Begegnungen ein erhöhtes Risiko haben, liegt allerdings beim Heimverein. Der trifft die Entscheidung, Spiele als Hochrisiko einzustufen, jedoch erst, wenn Gespräche mit allen Sicherheitsorganen getroffen wurden. Wenn der Stempel "High Risk" dann auf dem Spiel prangt, sind mehr Polizeibeamte im Einsatz - und das kostet Geld. 

Bild: Thomas Riedel

Insgesamt lag der Kostenaufwand für Fußballspiele in der Saison 2017/2018 in Baden-Württemberg bei 9,1 Millionen Euro. Diese beinhalten: 120.573 Einsatzstunden bei Spielen der ersten drei Ligen, Raum- und Ausstattungskosten inklusive sowie dem Verwaltungsaufwand. Ausgenommen sind die Rüst- oder Fahrzeiten, wie das Innenministerium (IM) des Landes auf Nachfrage von ka-news.de mitteilt. Macht bei 106 Begegnungen in einer Saison etwa 1.137 Einsatzstunden der Polizei. 

"Stadionallianzen" sollen helfen, damit es nicht eskaliert

"Uns geht es nicht ums Kassemachen, denn nicht das Geld löst unsere Probleme. Wir müssen das an der Wurzel packen", so Innenminister Thomas Strobl über das Urteil aus Leipzig. Mit dem Projekt Stadionallianzen habe man einen erfolgreichen Weg eingeschlagen. Das wurde im Juli 2017 initiiert. Das Ziel der Stadionallianzen ist, die Zusammenarbeit zwischen den Sicherheitsakteuren der jeweiligen Spielorte zu intensivieren und zu verbessern. 

Innenminister Thomas Strobl (CDU).
Innenminister Thomas Strobl freut sich über den Erfolg der Stadionallianzen. | Bild: Fabian Sommer/Archiv

Heißt konkret: Vor jedem Spiel treffen sich alle Verantwortlichen von Polizei, Verein und Fans oder Kommunen zu einem Gespräch. "Diesen erfolgreichen Weg wollen wir weiter gehen!" Was das Projekt so erfolgreich macht? "Weil an allen relevanten Fußballstandorten im Land ein maßgeschneidertes Konzept entwickelt wurde, dass den regionalen Bedürfnissen und Besonderheiten gerecht wird", so das IM gegenüber ka-news. 

Konkrete Maßnahmen, die von dem Projekt bisher ergriffen wurden, waren unter anderem die verstärkte Nutzung präventiver Maßnahmen, etwas die sogenannte Gefährderansprache, Aufenthaltsverbote oder Meldeauflagen. So wurden außerdem Fanbriefe im Vorfeld verschickt, Konfliktsituationen bei An- und Abmarsch der Fans entschärft oder die Infrastruktur verbessert, sprich: Der Umbau des Wildpark aber auch beim SC Freiburg erfolgen in enger Abstimmung mit der Kommune, dem Verein und der Polizei. Durch diese Aktion wurden bereits etwa 30.000 Einsatzstunden eingespart (Spielzeit 2017/2018). 

Wer stört, bekommt Stadionverbot

Das sieht auch der Karlsruher SC so. "Das Projekt ist sehr gut angelaufen. Klar ist, Gewalt und andere Straftaten lehnt der KSC ab. Wir als Verein sanktionieren ebenfalls, nicht nur die Justiz, wenn die Tat und der Täter bekannt sind", so Ingo Wellenreuther, Präsident des Karlsruher SC, gegenüber ka-news.de.

Ingo Wellenreuther (CDU)
KSC-Präsident Ingo Wellenreuther. | Bild: ps

Was sind die Sanktionen für Störer? "Wenn jemand identifiziert wird, der im Stadion einen Schaden verursacht hat, und der Verein für diesen Schaden vom Täter einen Ersatz verlangt", ergänzt Florian Kornprobst, Pressesprecher des KSC.

"Oder wenn gegen den Verein wegen eines Vergehens im Stadion eine Verbandsstrafe seitens des DFB ausgesprochen würde, und der KSC sich diese Strafzahlung vom Täter vollumfänglich oder zumindest zu einem Teilbetrag erstatten lassen wollte. Als Sanktionsmittel kommt ferner ein örtliches Stadionverbot in Betracht, das der KSC als Hausrechtsinhaber zeitlich befristet für seine Heimspiele ausspricht!"

Pyrotechnik beim Spiel des KSC gegen den SV Waldhof Mannheim im April 2018. (Archivbild) | Bild: Tim Carmele

Dem steht die Entscheidung des Vereins gegenüber, dem sogenannten Fan ein bundesweites Stadionverbot auszusprechen. "Bundesweite Stadionverbote gelten als Präventivmaßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit in den Stadien und werden in der Regel auf Antrag der Strafverfolgungsbehörden nach Anhörung des Betroffenen durch den Verein, bei dem die vorgeworfene Tat erfolgt war, ausgesprochen", so Kornprobst weiter. Jedoch kam es in der vergangenen Spielzeit zu keinen solchen Sanktionen, der Karlsruher SC sah keinen Anlass, einen Täter zu sanktionieren. 

KSC gibt schon viel Geld für Prävention aus

Ingo Wellenreuther betont außerdem, dass der Verein bereits viel Geld in die eigenen Sicherheitsleute und Ordnungsdienste investiert. "Wir geben viel Geld für soziale Projekte aus und es gibt einen runden Tisch mit allen Beteiligten. Wir wollen präventiv tätig sein!"

Ein Polizeihubschrauber im Einsatz. (Symbolbild) | Bild: Thomas Riedel

 

Und es könnten noch mehr Kosten auf den KSC zukommen, wenn man sich die 420.000 Euro Forderung aus Norddeutschland anschaut. "Die Rechtslage ist noch nicht abschließend geklärt, eventuell muss sich zum Schluss das Bundesverfassungsgericht damit befassen", sagt Wellenreuther. Daher habe man sich im Wildpark noch keine Gedanken gemacht, ob und wenn ja, wie man eventuelle Mehrkosten umlegen könnte.

Auf die Fans, diese Antwort kommt sicherlich vielen in den Sinn, immerhin sind sie es ja, die die Einsätze notwendig machen. "Die Entscheidung darüber, ob dem Verein die Kosten in Rechnung gestellt werden können, ist Ländersache. Doch unser Innenminister des Landes, Thomas Strobel, hat erklärt, dass er keine Rechnung für Polizeieinsätze stellen möchte - das begrüßen wir!" 

Umlage der Mehrkosten auf die Fans? Bitte nicht!

Dass eventuell der Verein - und am Ende die Fans - die Kosten schultern müssen, das schmeckt Marco Fuchs, dem Vorsitzenden der Supporters Karlsruhe, ebenfalls nicht. "Das halten wir nicht für gerechtfertigt, denn es ist doch so: Die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit ist Aufgabe der Länder, des Staates und nicht die eines Vereins oder privatwirtschaftlichen Unternehmens", sagt er gegenüber ka-news.de.

Marco Fuchs
Marco Fuchs, Vorsitzender der Supporters Karlsruhe, der Dachvereinigung aller KSC-Fanclubs. | Bild: Anya Barros

"Eine Umlage auf die Ticketpreise lehnen wir klar ab, denn das wäre eine pauschale Verurteilung aller Fußballfans!" Er hat auch gleich eine Idee, wie Hochrisikospiele "preisgünstiger" werden könnten. 

Marco Fuchs fordert, dass die Polizei die Einsatztaktiken neu überdenken solle. "Bei aller Brisanz und Rivalität, warum beim Spiel gegen Kaiserslautern kostenintensive Wasserwerfer vorgehalten werden müssen, ist uns ein Rätsel. Das Auffahren solcher Technik und viel Personal trägt wenig zur Deeskalation bei!" Was wirklich helfe, sei aus seiner Sicht die Kommunikation mit den Fans.

Noch vor Anpfiff ging die Pyrotechnik im Block bei den Fans aus Halle los.
Noch vor Anpfiff ging die Pyrotechnik im Block bei den Fans aus Halle los. | Bild: Caro Reisenauer

"Wir rufen immer, speziell vor brisanten Spielen, in den Fankreisen zur Besonnenheit auf, damit sich die Fans nicht provozieren lassen und versuchen so, alle Beteiligten einzubinden. Doch ein Stück weit muss man auch Eigenverantwortung zulassen - das kann ebenfalls deeskalierend wirken!" Der Vorsitzende der Supporters weiß aber auch, dass die Verantwortung und die Einflussnahme "beim direkten Verhalten jedes Einzelnen endet". 

 

ka-news Hintergrund:
Wenn sogenannte Fans bei Fußballspielen randalieren, kann das einen Großeinsatz der Polizei zur Folge haben und diese Mehrkosten für die Einsatzkräfte könnten in Zukunft der Deutschen Fußball Liga (DFL) und somit den Vereinen in Rechnung gestellt werden. "Für den besonderen Polizeiaufwand aus Anlass einer kommerziellen Hochrisiko-Veranstaltung darf grundsätzlich eine Gebühr erhoben werden", sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Bier. Damit wurde das Urteil des Oberverwaltungsgerichts Bremen "im Wesentlichen" bestätigt. 

In diesem Fall ging es um eine Partie zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV, das Nordderby. Die Stadt Bremen stellte der DFL die Kosten des Einsatzes, etwas mehr als 420.000 Euro, in Rechnung, die DFL klagte dagegen. Mit dem Urteil des Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) in Leipzig ist nun klar, dass eine Beteiligung der DFL an den Kosten rechtens sei. Der Fall wurde allerdings wieder an das Oberlandesgericht Bremen zurückgegeben. An einer Grundsatzentscheidung zur Kostenbeteiligung bei Hochrisikospielen ändert das aber nichts. Bisher waren die Kosten vom Staat, also vom Steuerzahler, getragen worden. 

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  •   andi79
    (2997 Beiträge)

    04.07.2019 20:22 Uhr
    @ka plus:
    generelles Feedback zu ka-news plus bezogen auf diesen Artikel:

    für ein plus würde ich ein deutliches plus an Information in Richtung investigativen Artikel erwarten. z.B. wie setzen sich die Einsatzkosten denn genau zusammen bzw. wie werden sie ermittelt, auf welche rechtliche Begründung will man sich beziehen bzgl. der Kostenübernahme, usw. usw. usw. Sprich nicht nur Aussagen zitieren sondern diese auch zu hinterfragen... echter Journalismus eben.... da darf so ein Artikel auch gern mal 2€ kosten statt 69 cent. Oder wenn genügend zusammen kommen auch gern ein Monatsabo für 10-15€, bei dem Artikel fehlte mir persönlich jetzt aber der Mehrwert (oder eben da plus) für den ich auch wirklich bereit bin zu zahlen.
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  •   andi79
    (2997 Beiträge)

    04.07.2019 19:27 Uhr
    ich denke
    es ist schlichtweg rechtlich gar nicht möglich die kosten umzulegen, da wenn das gehen würde es pauschal gemacht werden müsste, sprich z.B. jeder Faschingsumzug müsste die Polizeikosten zahlen womit diese komplett unmöglich gemacht werden würden. Es ist einfach ureigene Aufgabe der Polizei für Sicherheit zu sorgen, und genau dafür wird sie Steuerfinanziert. Alles andere nennt sich Sicherheitsdienst.
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