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Karlsruhe KSC-Stadion kann rechtzeitig fertig werden - "wenn der Totalunternehmer endlich Leistung zeigt"

2022 soll das neue Wildparkstadion fertiggestellt sein, doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. Wie liegt der Neubau im Zeitplan? Was passiert aktuell auf den Baustellen und was steht als nächstes an? ka-news.de hat sich vor Ort umgeschaut und die Fortschritte unter die Lupe genommen.

Seit November 2018 entsteht am Adenauerring das neue KSC-Stadion. Aber erst seit Ende vergangenen Jahres geht es mit dem Bau des eigentlichen Stadionkörpers so richtig voran auf der Großbaustelle. Das zeigt sich besonders an der ehemaligen Gegengerade, an deren Stelle aktuell die Osttribüne entsteht: Treppen, Dachkonstruktion, Stützbalken - optisch erkennt man schon eine nahezu fertige Tribüne.

Bild: Lena Ratzel

Doch beim genaueren Hinsehen wird klar: Im Inneren wartet doch noch einiges an Arbeit. Betritt man das Wildparkstadion, findet man sich auf einer Promenade unter der eigentlichen Tribüne wieder.

Bild: Lena Ratzel

Im äußeren Ring entstehen aktuell Kioske, Verkaufsstände sowie Lagerräume. Im inneren Ring, direkt in der Schräge der Tribüne, werden die Stadionbesucher später die Toiletten finden. Dort beginnt man bereits mit dem Innenausbau und der Elektronik.

Bild: Lena Ratzel

Insgesamt werden rund 34.300 Zuschauer den Karlsruher SC live im Stadion anfeuern können, davon über 21.000 von Sitzplätzen aus. Dafür werden seit Montag die ersten der nagelneuen Sitzschalen auf die Osttribüne montiert. Aus überwiegend blauen und vereinzelt weißen Sitzen wird so der Schriftzug "Karlsruher SC" entstehen.

Bild: Lena Ratzel

Über der Tribüne erhebt sich bereits in großen Teilen die Dachkonstruktion, welche die Zuschauer künftig vor Wettereinflüssen schützt. Gut erkennbar: Im vorderen Ring wird das Dach lichtdurchlässig sein. Dafür wurden transparenten Platten aus Polycarbonat verbaut. Hat das im Sommer nicht einen Treibhauseffekt auf die Zuschauerränge?

Bild: Lena Ratzel

Sorgen vor einer übermäßigen Wärmeentwicklung braucht man laut Werner Merkel, Betriebsleiter des Eigenbetriebs Fußballstadion im Wildpark (Eibs) nicht haben. Der Grund: Nach hinten wird das Dach mit Trapezblech abgedunkelt.

Frank Nenninger, Oberbauleiter und Kasig-Geschäftsführer (r.) und Eibs-Betriebsleiter Werner Merkel. | Bild: Lena Ratzel

Der kleine Teil mit den durchsichtigen Platten diene vor allem dem Erhalt des Grüns im Stadionrund. "Der Rasen ist ein Naturprodukt und braucht Licht", erklärt Merkel im Gespräch mit ka-news.de.

Aber nicht nur im, auch um das neue Stadion wird derzeit fleißig gewerkelt: Der ehemalige Fanshop ist mittlerweile abgebaut und wurde provisorisch an die Einfahrt zum Wildparkstadion versetzt. Auf dem Platz nun freien Platz werden derzeit Container errichtet, die im Laufe der nächsten Wochen als Kabinen für Spieler und Schiedsrichter dienen.

Bild: Lena Ratzel

Negative Auswirkungen der allseits präsenten Corona-Krise spüre man bisher trotz der nicht - im Gegenteil: Die Pandemie und die damit verbundenen Geisterspiele seien zum Großteil sogar ein Segen für die Großbaustelle. Der Grund: Aufgrund einer Ausnahmegenehmigung der Deutschen Fußball Liga (DFL) darf die für ein Zweitligaspiel normalerweise vorgeschriebene garantierte Mindestanzahl von 15.000 Zuschauerplätzen unterschritten werden. "So kann flexibler gearbeitet werden, ohne überall Provisorien errichten zu müssen", so die Stadion-Verantwortlichen.

Bild: Lena Ratzel

Dennoch: Ganz ohne Zeitverzögerung kam auch der Neubau des Wildparkstadions bisher nicht aus. Erst vor einer Woche wurde bekannt: Die Eröffnung der Osttribüne im September verzögert sich. Das liegt allerdings nicht an Corona, sondern an fehlerhaften Stahlteilen für den Bau des Tribünendachs.

Bild: Lena Ratzel

"Ein neuer und angepasster Zeitplan befindet sich derzeit in Abstimmung", vermeldete der Eibs in seiner Pressemeldung dazu und ließ dabei Raum für Spekulationen, ob die Eröffnung des Stadions im Sommer 2022 einzuhalten ist oder nicht.

Bild: Lena Ratzel

Klare Worte findet hierzu Frank Nenninger, Geschäftsführer der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig) und Oberbauleiter: "Das Stadion ist in der vorgesehenen Zeit baubar", sagt er im Gespräch mit ka-news.de. Dennoch sei der Zeitplan eine "harte bauvertragliche Auseinandersetzung zwischen den Partnern". 

Bild: Lena Ratzel

Ebenso klare wie auch kritische Worte richtet Nenninger daher an den Stadion-Totalunternehmer, BAM Sports: "BAM ist gefordert und muss Leistung zeigen. Wir haben unsere Arbeit geleistet und nun liegt es am Totalunternehmer, das Werk so abzuliefern, wie es vorgegeben ist."

Werner Merkel, Betriebsleiter des Eigenbetriebs Fußballstadion im Wildpark (l.) und Kasig-Chef Frank Nenninger. | Bild: Lena Ratzel

Weiter steigende Kosten erwartet der Kasig-Chef in diesem Zusammenhang allerdings nicht mehr: "Mehr Geld bekommt der Totalunternehmer nicht, sie bekommen eher etwas abgezogen." Erst im Mai wurde bekannt, dass das 123 Millionen Euro teure Bauprojekt noch einmal 20 Millionen Euro mehr kosten wird als geplant.

Bild: Lena Ratzel

Auf die im nächsten Schritt anstehenden Bauarbeiten im Wildparkstadion selbst haben die Verhandlungen zwischen den Vertragspartnern aber erst einmal keine sichtbaren Auswirkungen: Das zweite Baufeld, die Südtribüne, ist von ihrem Provisorium befreit worden und steht nun zur Bebauung bereit. Bis spätestens Mitte 2021 soll die neue KSC-Stehplatztribüne hier - nach bisherigem Zeitplan - fertig sein.

Bild: Lena Ratzel

Indes bereitet sich die Geschäftsstelle des KSC auf den Umzug von der Haupttribüne in eine Containerlandschaft auf Platz sechs vor. Die ebenfalls auf der Haupttribüne untergebrachte Leitstelle der Einsatzkräfte wird in ein Provisorium auf der Osttribüne ziehen, denn: Auch bei Geisterspielen muss eine Leitstelle vorhanden sein.

Bild: Lena Ratzel

Sind diese Umzüge geschafft und die Osttribüne bezugsfertig, so kann die Haupttribüne abgerissen werden. Als Stichtag hatte man dafür Anfang Dezember 2020 angepeilt - ob der aufgrund der Verzögerung auf der Osttribüne noch zu halten ist, ist noch offen.

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KSC-Stadion: Aktuelle Nachrichten zum KSC-Stadion und dem geplanten Um- und Neubau im Wildpark. Alle Informationen zu Fläche, Miete und Größe und alle Neuigkeiten zum städtischen Eigenbetrieb und dem Vergabeverfahren.
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  •   Winston_Smith
    (709 Beiträge)

    28.08.2020 01:03 Uhr
    Also mir gefällt das ja alles wirklich gut
    Ok, das Kasiggeschwalle - falls richtig zitiert - brauchts wohl eher nicht.
    Davon abgesehen entsteht da was Großes für KA-Verhältnisse, und im Vergleich zu dem, was man sonst so rausknallt, auch noch für recht kleines Geld. Zumal sich das Land ja auch beteiligt.
    Werner Merkel = Glücksgriff
    👍
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  •   jmiles
    (145 Beiträge)

    27.08.2020 16:15 Uhr
    Aha!
    Wenn der Totalunternehmer jetzt schon weiß, dass er was abgezogen kriegt, er aber höhere Forderungen hat ... da sind ja richtige Diplomaten am Werk in Karlsruhe Stadt. Gibt´s keine Schlußrate ??? ... "Wer gut essen will darf den Koch nicht beleidigen!"
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  •   FCKSUV
    (499 Beiträge)

    27.08.2020 13:06 Uhr
    Wenn eine Kasig von "Leistung"
    schwadroniert, entbehrt das nicht einer gewissen Komik. grinsen
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  •   Waterman
    (6471 Beiträge)

    27.08.2020 13:59 Uhr
    Welches Großprojekt
    haben sie denn geleitet, um sich eine solche Anmerkung zu gönnen.
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  •   Gegenspieler67
    (127 Beiträge)

    27.08.2020 19:39 Uhr
    Keine Sorge
    Beim FCKSUV sind solche Fragen zwecklos, er ist der selbsternannte Pausenclown vom FCK... 😉
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  •   ALFPFIN
    (7400 Beiträge)

    27.08.2020 09:14 Uhr
    "wenn der Totalunternehmer endlich Leistung zeigt"
    Hat die Stadt (und der KSC) im Vertrag mit dem Totalunternehmer
    Stadien- und Sportstättenbauer BAM Sports GmbH nicht genaue Vorgaben gemacht auch in Bezug auf Zeitvorgaben und entsprechender Leistung?
    Offensichtlich scheinen da die vertraglichen Bedingungen, die vorgegeben wurden eher ungenau zu sein, wenn der Zeitplan
    zu einer "harte bauvertragliche Auseinandersetzung zwischen den Partnern". führt.
    Na, ja, da kann man wohl einige Beispiele in den letzten Jahren anführen,
    die zu ähnlichen Problemen geführt haben.
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  •   Chris23
    (600 Beiträge)

    27.08.2020 11:59 Uhr
    Solche Verträge sind nicht so einfach
    Es gibt beim Bau fast immer wünsche und änderungen zur ursprünglichen Planung, der KSC hatte ja die Stadt auch dafür verklagt das sie zwar änderungswünsche vertraglich äußern dürften aber auch unkosten für dessen Kalklulation/Planung tragen müsste wenn sie die nicht abnehmen.
    Wenn jetzt aber einer Nachfragt ob man dort eine andere Säule machen könnte, heißt das dieses Gewerk steht. Dafür ist dann nicht das Bauunternehmen verantwortlich ... Die setzen ja bei solchen Wünschen nicht die ursprünglich geplanten Säulen ein, um diese dann wieder abzureisen wenn man ein Konzept mit weniger erarbeitet hat. Die Änderung kann die Bauzeit verlängern, aber auch der Stop des Baus. hier ist aber unklar wieweit man auch verzug bei anderen Gewerken begründen kann, und ob man nur die 1 Woche verzug begründet die sie ungeplant haben oder ob sie dann noch 2 Monate bekommen da die Handwerker nun andere Termine haben ... Wer ist schuld am verzug ist ein beliebtes Spiel bei fast allen projekten.
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  •   Waterman
    (6471 Beiträge)

    27.08.2020 13:55 Uhr
    Üblich und oft
    die einzige Quelle noch Geld zu verdienen, da meistens der billigste Bieter den Zuschlag erhält und entsprechend knapp angeboten werden muss.

    Mängel oder Versäumnisse in der Planung oder einfach nicht vorhersehbare oder notwendige Änderungen in der Bauphase führen dann eben zu Nachträgen mit Zeitverlängerung und mit oder ohne Kosten für den Bauherrn.

    Viele verdrängen gerne, dass der Bauherr das Risiko (und damit allfällige Kosten) der Baumaßnahme trägt.
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  •   Chris23
    (600 Beiträge)

    27.08.2020 14:13 Uhr
    Insbesondere beim Städtischen Bau
    Hier muss der billigste genommen werden, das heißt das an imemr die günstigste Lösung die zur Ausschreibung passt anbietet und dann bei dem begehungen doch gerne versucht dem Bauherren von einer wertigeren Lösung überedet. (die mittelfristig auch nicht unbedingt teurer ist auch wenn man bei der Umsetzung draufzahlt)

    Hat mir zumindeste eine mir bekannte Bauingeneurin gesteckt, die das Schweizer system besser findet bei dem primär das zweit günstige Angebot anvisiert wird. Das verhindert etwas das man übertreibt bei einsparungen.

    Hier fällt mir auch noch ein weiterer Kosten-/Zeittreiber ein, bei der Kombilösung oder bei Stuttgart 21 gab es ja probleme bei der Tunnelbohrung die zu aufpreisen geführt wird. Hier wird auch oft ein idealfall von sehr guten Boden für dem Bau berechnet, und dann wenn es eintrifft dem günstigsten Preis zu zahlen das heißt aber auch sobald er mal etwas schlechter ist gibt es verzug (da anderes werkzeug nicht vorort ist) und extra Kosten.
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  •   kommentar4711
    (2754 Beiträge)

    27.08.2020 10:17 Uhr
    ANTWORT AUF "WENN DER TOTALUNTERNEHMER ENDLICH LEISTUNG ZEIGT"
    Wurde vermutlich von den gleichen Juristen der Stadt aufgesetzt wie die Verträge zur Stadthalle und dem Staatstheater. Wundert einen da noch was?
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