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Karlsruhe Ein Wahrzeichen wird lebendig: Warum KSC-Fan Tommy den "Nackten Mann" macht

Der "Nackte Mann" kehrt vor das KSC-Stadion zurück - allerdings nicht als das steinerne Wahrzeichen, das über 60 Jahre lang zu jedem Heimspiel die Fans vor dem Haupteingang begrüßt hat, sondern als Mensch aus Fleisch und Blut. Was zunächst wie ein skurriler Scherz klingt, hat einen ernsten Hintergrund.

Der "echte Nackte Mann" wird nach seinem Abbau im November 2019  derzeit restauriert. Er soll nach dem Ende der Bauarbeiten - derzeit für Mitte 2022 vorgesehen - zum neuen KSC-Stadion wieder an seinem Platz stehen.  Der Platz ist derzeit frei - belegen will ihn an einem Tag KSC-Fan Tommy Grimm und damit selbst in die Rolle der bekannten Figur schlüpfen.

Was im ersten Moment nach einem seltsamen Scherz klingt, hat einen ernsten Hintergrund: "Die KSC-Fanclubs der Region und ich möchten mit der Aktion Geld sammeln und dadurch Hilfsbedürftige in der Corona-Krise unterstützen", so Grimm.

Stolz und Wehmut

Dass ausgerechnet er das geschichtsträchtige und inoffizielle Wahrzeichen der Blau-Weißen verkörpern darf, darauf ist er schon ein klein wenig stolz, wie er gegenüber ka-news.de verrät. "Es schwingt aber auch viel Wehmut mit. Jahrzehntelang war der 'Nackte Mann' der Treffpunkt der Fans - wenn ich dann erst dort stehe, werden bestimmt viele Erinnerungen wach."

Grimm ist eingefleischter KSC-Fan: Schon mit acht Jahren besuchte Grimm zusammen mit seinem Großvater zum ersten Mal ein Spiel des KSC, seitdem ist er Dauergast im Wildpark. Und bald auch auf dem Sockel vor dem Stadion.

Tommy Grimm im Stadion. | Bild: Nackter Mann 2020

Ganz nackt werde er dabei aber nicht sein: "Ich werde mir eine Toga anziehen, mich auf acht übereinander gestapelte und blau-weiß geschmückte Europaletten stellen und die Fahnen der KSC-Fanclubs schwenken - genau an der Stelle, wo der Sockel des 'Nackten Mannes' stand", erklärt Grimm im Gespräch mit ka-news.de.

Bild: Melissa Betsch

Die Idee zu der ungewöhnlichen Aktion stammt von den blau-weißen Fanclubs, die sich auch im Rahmen der KSC-Nachbarschaftshilfe im Stadt- und Landkreis engagieren. "Wir hatten in einer Telefonkonferenz beschlossen, dass wir uns gerne noch mehr einbringen würden", sagt Tommy Grimm. "Als dann die Idee mit dem 'Nackten Mann' aufkam, habe ich sofort begeistert zugestimmt."

Spendenziel nach wenigen Tagen erreicht

Das Spenden-Ziel waren 1.894 Euro - angelehnt an das Gründungsjahr des Karlsruher FC Phönix. Am Donnerstag, 16. April, startete das Team um Grimm die Aktion - wenige Tage später war das Spendenziel bereits erreicht: Am darauf folgenden Mittwoch wurden die 1.894 Euro überschritten. "Auf der Homepage steht noch eine ältere Zahl, das Aktualisieren dauert immer einige Tage", so Grimm am Mittwoch im Gespräch mit ka-news.de.

"Nackter Mann" Statue vor dem Wildparkstadion.
Der "Nackte Mann" wachte über 60 Jahre über den Haupteingang des Karlsruher Wildparkstadions - bis er im November 2019 abgebaut wurde. | Bild: Tim Carmele

Doch trotz Zielerreichung sind Spenden weiterhin gerne gesehen: "Pro 100 Euro, die zusätzlich zum Mindestbetrag zusammenkommen, stehe ich fünf Minuten länger auf dem Sockel", erklärt der Fußballfan. Zusätzlich wollen die Initiatoren am Tag der Aktion weitere Spenden sammeln.

Ein Großteil des gesammelten Geldes soll der Hilfsaktion "Fußball macht satt" zukommen, das Ultra 1894, das Fanprojekt Karlsruhe, der KSC und die Supporters zur Unterstützung Obdachloser in Corona-Zeiten ins Leben gerufen haben. Hierbei wird Essen an entsprechende Hilfestellen für Bedürftige ausgefahren.

Der restliche Erlös wird in weitere Hilfsprojekte fließen, die allerdings noch nicht ausgewählt wurden. "Das Geld wird aber eins zu eins dort ankommen. Es ist toll, was die Fanclubs hier in kurzer Zeit zusammen umgesetzt haben. Durch die Corona-Krise sind wir noch näher zusammengerückt", sagt Grimm.

"Sollten unseren Humor nicht hinter Schutzmasken verbergen"

Dass vielleicht so mancher KSC-Fan, der ihn an dem Tag fahnenschwenkend auf den Paletten stehen sehen wird, nicht ganz so glücklich über die ungewöhnliche Spendenaktion sein könnte, das sorgt den Fanclubsprecher nicht.

Bild: Melissa Betsch

"Es gehört natürlich schon ein wenig Mut dazu und dass es Kritik geben wird, damit rechne ich. Aber ich gehe auch davon aus, dass 90 Prozent der Menschen die Aktion positiv aufnehmen werden", sagt er und ergänzt: "Trotz der Krise sollten wir unseren Humor nicht ganz hinter den Schutzmasken verbergen."

Wann Grimm den Sockel als "Nackter Mann" erklimmen wird, steht noch nicht fest. Bislang ist unbekannt ob und wann die Fußballsaison fortgesetzt wird. Bis zum ersten Heimspiel könnten Monate vergehen.  Zuschauer können erst dann wieder Fußballspiele besuchen, wenn Bund und Länder entsprechende Lockerungen für Großveranstaltungen in der Corona-Verordnung beschließen. Nach momentanem Stand wird dies wohl nicht vor dem 31. August der Fall sein. "Aber: Ein Mann, ein Wort. Egal wann und egal bei welchem Wetter - das ziehe ich durch", sagt Tommy Grimm.

Gespendet werden kann online unter www.nackter-mann-2020.de

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  •   NackterMann
    (718 Beiträge)

    26.04.2020 09:03 Uhr
    ...finde ich gut,
    ...daß ich einen Stellvertreter bekomme.

    Ich finde ich habe mir lange genug die Beine in den Bauch gestanden und verdiene etwas Erholung und Wellness zwinkern

    Bis bald euer Naggiger !
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  •   max
    (222 Beiträge)

    25.04.2020 19:59 Uhr
    Bravo Tommy,
    ich stimme dir zu; der nackte Mann muss wieder an seinen alten Platz. Nur einen Wunsch habe ich lieber Tommy, du kannst dich auch dort hinstellen, aber nicht nackt. Das steht dir nicht in der Öffentlichkeit. Es könnten dich eventuell einige verwechseln.
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