33  

Karlsruhe Niederlage gegen Lagardère: KSC muss Schadenersatz an Vermarkter zahlen

Der Karlsruher SC hat vor dem Oberlandesgericht (OLG) Karlsruhe am Mittwoch eine empfindliche Niederlage einstecken müssen. Nach einem langwierigen Rechtsstreit mit dem Vermarkter Lagardère Sports steht nun fest: Der Verein bleibt weiterhin an die Agentur gebunden - und muss nun Schadenersatz zahlen.

Es ist das - voraussichtlich endgültige - Ende eines monatelangen Rechtsstreits: Am Mittwochmorgen hat das OLG Karlsruhe entschieden, dass der KSC den Vertrag mit seinem Vermarkter Lagardère Sports - der inzwischen als Sportsfive Germany GmbH firmiert - nicht kündigen kann. 

Um was wurde gestritten?

Der Verein hatte den Vertrag, der ursprünglich bis 2027 datiert war, im Dezember 2018 aufgrund eines "beschädigten Vertrauensverhältnisses" zum 31. März 2019 gekündigt. Nach Streitigkeiten der Parteien folgte am 7. März 2019 eine erneute Kündigung durch den KSC. Die Vermarktungs-Agentur hatte diesen widersprochen und Klage gegen den KSC beim Landgericht Karlsruhe eingereicht.

(Symbolbild)
(Symbolbild) | Bild: Carsten Kitter

Nachdem der Verein dort im November 2019 gescheitert war, hatte er Berufung beim Oberlandesgericht Karlsruhe eingelegt - und ist nun auch in zweiter Instanz gescheitert. Die Begründung des Gerichts: Beide Kündigungen sind nicht rechtskräftig.

Was hat das OLG entschieden?

Der Grund: Wie die Vorsitzende Richterin Hannelore Hemmerich-Dornick am Mittwoch während der Urteilsverkündung erklärt, "hatten beide Parteien einen wirksamen Kündigungsausschluss vereinbart", weshalb die erste, im Dezember 2018 ausgesprochene, Kündigung nicht gültig ist.

Richterin Hannelore Hemmerich-Dornick bei der Urteilsverkündung am Mittwoch. | Bild: Carsten Kitter

"Zwar lässt sich das gesetzlich vorgesehene Recht zur Kündigung nur durch eine individuelle, im Einzelnen ausgehandelte Vereinbarung der Parteien und nicht durch Allgemeine Geschäftsbedingungen ausschließen. Dieser rechtliche Gesichtspunkt steht jedoch der Wirksamkeit der einschlägigen Vertragsklausel nicht entgegen, da Lagardère diese nicht einseitig gestellt hatte. Außerdem waren die Vertragsbedingungen im Einzelnen zwischen den Parteien ausgehandelt worden", heißt es in einer Pressemeldung des OLG.

Auch die zweite Kündigung sei demnach rechtlich nicht wirksam. Wie schon das Landgericht festgestellt hatte, habe es hier keinen Grund für eine außerordentliche Vertragskündigung gegeben. Lagardère hatte in einer E-Mail an Sponsoren und Partner des KSC unrichtig behauptet, der KSC habe zuvor Gesprächsangebote zur Kündigung ausgeschlagen. 

"Dieser Verstoß führte jedoch nicht zur Unzumutbarkeit, den Vertrag fortzusetzen, zumal die vorangegangene E-Mail des KSC ebenfalls eine unzutreffende Tatsachenbehauptung enthalten, nämlich eine einvernehmliche Auflösung des Vertrags suggeriert hatte", erklärt das OLG weiter. 

Wie geht es jetzt weiter? 

Das Urteil des OLG ist nun voraussichtlich das endgültige im Rechtsstreit des KSC mit Sportsfive. Der Senat hat die Revision des Urteils beim Bundesgerichtshof nicht zugelassen, heißt es in der Meldung weiter. Der Karlsruher SC hat kann aber innerhalb eines Monats nach der Zustellung des schriftlichen Urteils Beschwerde gegen diese Nichtzulassung erheben. Darüber müsste dann der Bundesgerichtshof unterscheiden. 

Sollte der KSC das Urteil hingegen annehmen, bleibt er also weiter an seinen Vermarkter gebunden. Zudem kommen Schadenersatzzahlungen auf ihn zu. In welcher Höhe sich diese bewegen, wurde am Mittwoch nicht entschieden. "Über die Höhe des Schadensersatzes können sich die Parteien verständigen, andernfalls müsste ein neuer Rechtsstreit geführt werden",  erklärt Klaus Stohrer, Sprecher des OLG Karlsruhe, am Mittwoch.

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (33)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   bekama
    (98 Beiträge)

    17.10.2020 18:48 Uhr
    Es werde Licht....
    viele Dinge kommen auch wenn sie nicht offen ausgesprochen werden, früher oder später trotzdem ans Tageslicht.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   bekama
    (98 Beiträge)

    17.10.2020 18:40 Uhr
    Finger in die Wunde...
    was nun Herr Becker?
    Haben sie das Dilemma auch mit zu verantworten?
    Wer von der Mannschaft kommt denn jetzt in die Verkaufsvitrine um die Fehler (Schadenersatz) dieser Herren auszubügeln, die vorzeitige Kapitalbeschaffung mit PH ging ja in die Hose. Die Vorahnung war ja da bei Herr Becker, aber die Kostendeckung auf Kosten anderer im Verein ging voll daneben, Gott sei Dank!
    Immer schön vor der eigenen Türe kehren, gell.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Gelegenheits-Kommentator
    (22 Beiträge)

    15.10.2020 12:42 Uhr
    Sage keiner, daß
    die KSC-Oberen nicht lernfähig sind. War der ursprüngliche Kölmel-Vertrag zeitlich nicht befristet, theoretisch also unbegrenzt, so hat man jetzt doch ein festes Laufzeit-Ende (2027) vereinbart. Chapeau!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   schwarzvoraugen
    (3588 Beiträge)

    15.10.2020 02:54 Uhr
    Investieren in die Zukunft
    als bekennender Fananleihenzeichner habe ich gestern mehrere Aufforderungen zur Zeichnung vom KSC Aktien erhalten.

    Meine sehr geehrten Herren der KSC Führung:

    Meine Liebe zum Verein besteht seit Jahrzehnten. Ich bin mit dem KSC gefühlt zig mal auf- und abgestiegen, habe noch mehr Trainerwechsel und unsinnige Transfers erlitten.

    Bei der Ausgabe der Fananleihe haben Sie meine Unterstützung unmittelbar erhalten, wohl wissend dass ich diesen Betrag wahrscheinlich nicht wiedersehen würde. Ihre erste Zinszahlung habe ich stolz zur Kenntnis genommen, Ihren Sachzins unmittelbar re-investiert.

    Mein Name wir in Fontgrösse 10 oder 12 stolz den Mannschaftsbus zieren. Das Symbol zählt, weniger was Sie daraus machen.

    Meine Liebe zum Verein geht so weit, dass ich auch Aktien gezeichnet hätte und eine weitere Schmuckurkunde der Sammlung hinzuzufügen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   schwarzvoraugen
    (3588 Beiträge)

    15.10.2020 03:06 Uhr
    nun zum „hätte“
    Nach der heutigen Meldung werde ich keine Aktien zeichnen, den Betrag dann besser spenden für sinnvolle Zwecke. Die Dilettanz in der Vereinsführung ist haarsträubend. Der Umgang mit Ihnen anvertrauten Geldern zeigt dass hier Helden am Werk sind die von ordnungsgemässen kaufmännischem Handeln so viel Ahnung haben wie ich von der Atomphysik.

    Wer bindet sich vertragsmässig an einen Dienstleister mit unverantwortlicher Vertragsdauer, schliesst die Kündigung vertragsmässig aus und prozessiert dann unter Aufwand nicht vorhandener finanzieller Mittel gegen genau diesen Vertrag?

    Genau hier zeigt sich die Unfähigkeit der handelnden Akteure. Der geschiedene Präsident hat sicherlich die Hauptverantwortung, aber er war ganz sicher nicht alleine handelnd.

    Die betriebswirtschaftliche Unsinnigkeit ist weiter am Werkeln und genau damit verspielen Sie jedes noch vorhandene Restvertrauen und Zuversicht.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   jojo
    (736 Beiträge)

    15.10.2020 07:38 Uhr
    Sehr richtig!
    Ich möchte sogar noch weiter gehen: Wer dies verbrochen hat, muss unter Berücksichtigung aller zulässigen juristischen Mittel zur Verantwortung und gegebenenfalls auch zum Schadenersatz herangezogen werden.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Gelegenheits-Kommentator
    (22 Beiträge)

    15.10.2020 12:50 Uhr
    Man kan nur hoffen,
    daß für die handelnden Akteure eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung abgeschlossen wurde. Wenn diese nicht leistet, sind wieder die kompetenten KSC-Juristen gefragt ...................
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Gevatter
    (385 Beiträge)

    14.10.2020 18:51 Uhr
    Zwei, die mit IW das Präsidium gestellt haben,
    sind immer noch im Präsidium. Einer HSS ist sogar Präsident. Es ist keiner von denen wirklich IW entgegen getreten. Ich kann mir schlecht vorstellen, dass IW dies ohne Rücksprache initiiert hat.

    Jedenfalls ist die Aufbruchstimmung entgültig im Keller. Falls es ja zu der Zahlung von 9 Millionen Euro kommen sollte, war es das mit dem KSC. Und selbst wenn es eine gütliche Einigung geben sollte, die wird nicht billig. Von den Gerichts - und Anwaltskosten bei so einem Streitwert wollen wir erst gar nicht reden.

    Die Ablösung von IW kam zu spät.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Heisenberg
    (129 Beiträge)

    15.10.2020 13:56 Uhr
    Völlig richtig!
    Allerdings wie Holger-Sigmund-Schultze gestern in der Versammlung zu Protokoll gab, hat er die Kündigung an Lagardère nicht unterschieben, da er mit der Art und Weise der Kündigung nicht einverstanden war.
    Wellenreuter und Pilarsky haben die Kündigung unterschrieben.
    Die unrechte Kündigung wird den KSC insgesamt mit ca. mit 1,5 Millionen - 2 Millionen € Mehrausgaben teuer zu stehen kommen.

    Das vergangene Präsidium wurde gestern von den Mitgliedern entlastet, was eine persönliche Rechenschaft für die handelnden Personen unmöglich macht.
    Ingo Wellenreuther hätte es zwar verdient hier persönlich Rechenschaft über diese fatale Fehleinschätzung zu leisten.
    Allerdings wäre dann mindesten Pilarsky auch im Boot gesessen und das geht einfach nicht.
    Man kann den Mann der so viel für den KSC in der Vergangenheit gegeben hat nicht angreifen, man beißt nicht die Hand die einen Füttert.

    Wellenreuthers Glück, ansonsten hätte ich Persönlich für eine nicht Entlastung des Präsidiums gestimmt!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Reger
    (315 Beiträge)

    14.10.2020 17:00 Uhr
    Überflüssig
    Klar dieses Urteil. Bloß, das ganze wäre nicht nötig gewesen, zumal Geld nicht im Überfluss vorhanden ist.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 (4 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.