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Karlsruhe/Brüssel Meister-Interview mit Ex-KSC-Profi Marcel Mehlem: "Viel feiern ging ja nicht"

Nach 17 Jahren Karlsruher SC verabschiedete sich Marcel "Cello" Mehlem 2018 aus dem Wildpark und heuerte bei Royal Union Saint-Gilloise. Mit dem belgischen Zweitligisten feierte Mehlem kürzlich den Aufstieg in die erste belgische Liga. Für Peter Putzing ein Grund mit dem Mittelfeldspieler in Erinnerungen zu schwelgen, über die aktuelle Entwicklung des KSC zu sprechen und auf die bevorstehende Erstliga-Saison zu blicken.

Beim Karlsruher SC träumen seit Jahren alle nur von einem: Dem Aufstieg in die erste Liga! Für Ex-KSC Profi Marcel Mehlem wurde der Traum "Erste Liga" wahr! "Cello", wie ihn alle nur rufen, ist mit Royal Union Saint-Gilloise in Belgiens erste Liga, die "Jupiler Pro League", aufgestiegen. Und das, schon sechs Spieltage vor Ende der Saison.

"Viel feiern ging ja nicht"

"Viel feiern ging ja wegen Corona nicht, aber wir haben das Beste daraus gemacht", sagt der KSC-Profi, der noch immer glühender Fan des Wildparkclubs ist. Schmunzelnd fügt er flugs ehrlich hinzu, dass ihm "Bier einfach nicht schmeckt." Und das in Belgien, dem Land der tausend Biersorten.

Marcel Mehlem
Marcel Mehlem | Bild: Tim Carmele | TMC-Fotografie

"Es war Zeit, dass wir es schaffen, ich musste drei Jahre darauf warten", bekennt der Mittelfeldspieler. Nach seinem Wechsel vom Wildpark nach Saint-Gilloise, einer Gemeinde in der Nähe der Hauptstadt Brüssel in Belgien, nannten ihn auch dort alle bald: "Die Kampfmaschine!" Dazu sagt der 176 Zentimeter große, 73 Kilo-Muskel-Mann: "Ich liebe Zweikämpfe."

Daher wurde der im Wildpark ausgebildete 26-Jährige, lauf- und kampfstarke Profi, im defensiven Mittelfeld des belgischen Teams sofort Stammkraft, trug gar oft die Kapitänsbinde. Bis ihn Ende 2020 eine heftige Corona Erkrankung aus dem Rhythmus brachte. "Nach einem Spiel war plötzlich körperlich absolut Feierabend. Ich war völlig fertig. Es hat mich richtig hart erwischt, ich lag zwei Wochen mit ziemlich hohem Fieber im Bett. Körperlich bin ich wieder fit, aber Geschmacks- und Geruchssinn sind noch nicht tipptopp", verrät er.

Mehlem hatte mit Corona zu kämpfen

Die Corona Erkrankung hat ihn etwas aus der Bahn geworfen. "Die Jungs haben sehr erfolgreich gespielt, da musste ich mich nach dem wochenlangen Ausfall erst einmal hinten anstellen." Das sei zwar "okay gewesen", aber dieser Zustand "ist bald Vergangenheit. Ich war Stammspieler und ich werde wieder Stammspieler sein, auch in der ersten Liga", gibt er sich selbstbewusst. "Ich habe richtig Bock auf diese Liga, die sehr attraktiv ist. Mit tollen Clubs, tollen Stadien. Wenn die Fans kommen dürfen dann wird das super."

Marcel Mehlem am Ball
Marcel Mehlem am Ball | Bild: Tim Carmele | TMC-Fotografie

17 Jahre trug er das Trikot der "Blau-Weißen." Dann verließ er seinen "Herzensclub" in Richtung Belgien. Auch, weil ihm seitens der sportlichen Leitung die Wertschätzung fehlte. Wie übrigens auch bei Bruder Marvin, der beim SV Darmstadt 98 unter Vertrag steht.

Marvin Mehlem (l) spielte fast seine gesamte Jugendzeit beim KSC.
Marvin Mehlem (l) spielte fast seine gesamte Jugendzeit beim KSC. | Bild: Thomas Frey/dpa

Obwohl beide Mehlems beim Karlsruher SC ausgebildet wurden und in der Saison 2016/17 zum Profikader gehörten, standen sie dort nie gemeinsam auf dem Feld. Dass "Cello" den KSC verfolgt "ist absolut logisch. Ich schaue jedes KSC-Spiel an und drücke die Daumen." Trainer Christian Eichner war zu der Zeit, als er für den KSC in der 2. und 3. Liga 35 Spiele absolviert, dabei zwei Treffer erzielte und zwei Tore vorbereitete, Co-Trainer.

Eichner "macht einen guten Job"

"Er macht einen guten Job. 'Eiche' weißt immer daraufhin, dass in der zweiten Liga in Deutschland, jeder jeden schlagen kann. Ich hoffe, dass sie bis zum Ende Saison vorne dabeibleiben. Dann schauen wir was dabei rauskommt", so Mehlem.

Bild: Carmele | TMC-Fotografie

Zurück nach Belgien, die neue Heimat von Marcel Mehlem, in der er konstant gute Leistungen ablieferte. Daher gab es einige Anfragen aus der 2. Bundesliga - "durchaus interessante." Aber: Durch den Aufstieg hat sich Mehlems Vertrag um ein Jahr verlängert, läuft bis 2022 - zu verbesserten Konditionen. "Und diese erste Liga ist reizvoll."

Er glaubt, dass er in Belgiens Fußballoberhaus noch besser zur Geltung kommt. "In Liga zwei waren wir dominant, jetzt ein Klasse höher sind meine Qualitäten als Abräumer mehr gefragt. Da werde ich noch besser zur Geltung kommen." Er habe viel gelernt, sich gut entwickelt. "Ich beschäftige mich mehr mit der Spieleröffnung, nicht mehr nur mit der reinen Zerstörung des gegnerischen Spiels."

Wiedersehen mit Timon Wellenreuther

In Belgiens Eliteliga trifft er auf einen guten, alten Bekannten, aus gemeinsamen Zeiten im NLZ - dem Nachwuchsleistungszentrum des KSC: Timon Wellenreuther. Der ist die Nummer eins im Tor des Renommierclubs RSC Anderlecht. Zuvor hatte der Sohn von Ex-KSC-Präsident Ingo Wellenreuther im Trikot des FC Schalke 04 gar Champions League Luft geschnuppert.

Matthias Bader (l.) und Marcel Mehlem
Matthias Bader (l.) und Marcel Mehlem | Bild: Carmele | TMC-Fotografie

Wellenreuther hat übrigens wie Mehlem auch schon eine Corona-Erkrankung hinter sich. Kürzlich spielten die beiden Ex-KSC-Spieler im belgischen Pokal gegeneinander. Daran erinnert sich Mehlem nur sehr ungern. "Wir kassierten da eine heftige Klatsche, die haben uns mit 0:5 aus dem eigenen Stadion geballert. Jetzt muss gegen Timon Wiedergutmachung betrieben werden.“

Danach könne man "über alte Zeiten reden." Apropos reden: In Brügge wird französisch gesprochen. Daran arbeitet er noch. "Sprechen ist das eine - verstehen das andere. Ich verstehe alles - langsam kann ich mich auch ganz gut unterhalten." Die freie Zeit nutzt er, um zu lernen, nicht für Tripps zur Familie ins heimische Blankenloch, dem Vorort von Karlsruhe. "Der Club hat wegen der Corona-Infektionsgefahr Reisen ins Ausland untersagt."

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  •   jojo
    (848 Beiträge)

    27.03.2021 15:23 Uhr
    Die beiden Brüder
    wären genau die richtigen Ergänzugen für den Kader in der neuen Saison. Leider aber wohl nicht realisierbar. Schade, dass wir sie damals nicht halten konnten.
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