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Karlsruhe KSC berät "intensiv" über Insolvenzverfahren: Mitglieder sollen abstimmen dürfen

Der Karlsruher SC berät derzeit nach eigenen Angaben "intensiv" darüber, ob und wann ein Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt werden sollte. Auch Mitglieder sollen in die Entscheidung einbezogen werden.

Geprüft wird ein entsprechendes Verfahren für die Karlsruher SC GmbH & Co. KGaA, welche man Ende September 2019 durch die Ausgliederung gegründet hatte. Der Karlsruher SC e.V. sowie andere KSC-Gesellschaften wären von der Eigenverwaltung nicht betroffen. 

Die Verantwortlichen des KSC hatten erste Meldungen am Anfang dieser Woche zu einer Insolvenz zunächst bestritten. Am Mittwochabend hatte ein Gespräch zwischen Stadt und KSC stattgefunden - über den möglichen Inhalt wurde Oberbürgermeister Frank Mentrup über die Medien informiert.

Er könne sich jetzt ärgern, aber das bringe schlussendlich ja nichts, reagierte das Stadtoberhaupt auf Pressenachfragen bei einer virtuellen Konferenz am Mittwochmittag. Das Gespräch sei "offen" verlaufen, äußerte sich KSC-Präsident Ingo Wellenreuther im Anschluss."Wir haben dargelegt, welche Optionen wir prüfen", sagte der KSC-Präsident.

Mitglieder sollen abstimmen dürfen

Laut Informationen der Badischen Neuesten Nachrichten (BNN) sollen die Mitglieder in einer außerordentlichen Versammlung über eine Planinsolvenz abstimmen. Die Einladungen dazu sollen Anfang der kommenden Woche verschickt werden.

Der KSC schreibt auf seiner Homepage, dass man weitere Szenarien prüfen wolle. Eine außerordentliche Mitgliederversammlung sei unter Wahrung des in der Satzung des Karlsruher SC e.V. festgelegten Einladungsverfahrens ab Anfang Mai möglich. "Sollte es kurzfristig zu neuen Entwicklungen kommen, muss die Ausgangslage selbstverständlich neu bewertet werden", so der Verein.

Die Vorgehensweise entspricht dem Anliegen des KSC, im Fall einer Planinsolvenz alle Interessensgruppen des KSC in das Verfahren mit einzubinden. Neben den Mitgliedern gehören hierzu Hauptgläubiger, Partner, Fans und Investoren. 

Insolvenzplan wird aufgestellt

Stimmen die Mitglieder einer geplanten Insolvenz zu, so wird der Verein nach einem entsprechenden Antrag, einen Insolvenzplan erstellen, diesen bei Gericht einreichen und ihn mit Gläubigern abstimmen.

"In der Regel erfolgt danach eine positive Abstimmung des Plans mit der Gläubigerversammlung und schlussendlich unter Berücksichtigung üblicher Fristen der erfolgreiche Abschluss des Verfahrens", so der Verein auf seiner Homepage. Dieser Prozess kann Wochen und Monate in Anspruch nehmen - der KSC rechnet zwischen vier bis sechs Monaten.

Keine Auswirkungen auf Spielbetrieb

Auswirkungen auf den Geschäfts- und Spielbetrieb soll die Eigenverwaltung nicht haben: 

"Der Geschäftsbetrieb und die aKAdemie des KSC würde auch im Rahmen einer Eigenverwaltung unter Berücksichtigung der Corona-bedingten Einschränkungen weiterlaufen. Der Spielbetrieb in der 2. Bundesliga würde nach der Zwangspause durch COVID-19 fortgeführt werden.

Durch die Änderung der Statuten der DFL aufgrund der Viruspandemie im Rahmen der Mitgliederversammlung vom 31. März 2020 hätte der Antrag auf das Eigenverwaltungsverfahren auch keine Auswirkung auf den möglichen sportlichen Verbleib in der 2. Bundesliga sowie die Zweitligalizenz für die kommende Saison. Auch die Lizenzerteilung für die 3. Liga ist im laufenden Verfahren möglich."

Die Deutsche Fußballliga hatte am Dienstag neben der Aussetzung des Spielbetriebs bis Ende April auch beschlossen, bei einer etwaigen Insolvenz-Anmeldung wegen des Coronavirus und seinen Folgen nicht neun Punkte Abzug für die kommende Saison, sondern nur drei auszusprechen.

Keine Auswirkungen auf Stadionbau

Auch auf den Stadionbau soll sich das Insolvenzverfahren nicht auswirken:  Da die Verträge mit der Stadt mit der "KSC Betriebsgesellschaft" und nicht mit der von der Insolvenz betroffenen GmbH geschlossen wurde.

Die vereinbarten Pachtzahlungen seien erst nach Fertigstellung des Stadions fällig - bis dahin scheint der Verein zuversichtlich, diese leisten zu können.

Warum keine normale Insolvenz?

Was ein Eigenverwaltungsverfahren von einer "normalen" Insolvenz unterscheidet, erklärt der KSC auf seiner Homepage:

"Die Eigenverwaltung ist ein modernes Instrument zur Unternehmenssanierung und bietet die Chance, Unternehmen in Abstimmung mit allen wesentlichen Beteiligten zukunftsfähig aufzustellen. Der wesentliche Unterschied zu einer „normalen“, fremdverwalteten Insolvenz und auch ein entscheidender Vorteil ist, dass die Gesellschaft bei einem Eigenverwaltungsverfahren weiterhin eigenverantwortlich die wesentlichen Entscheidungen treffen kann. Das zuständige Amtsgericht stellt dem Unternehmen dann anstelle eines Insolvenzverwalters einen sogenannten Sachverwalter zur Seite, der die Geschäftsführung während der weiteren Restrukturierung beaufsichtigt und Gläubigerinteressen wahrt."

13 von 36 Profivereinen droht Insolvenz

Der KSC ist nicht der einzige Verein, welchem in der Corona-Krise die Insolvenz droht.  Wie der "Kicker" berichtet, droht 13 der 36 Profivereine - darunter vier Erstligisten - wegen der Corona-Pandemie die Insolvenz noch in dieser Saison.Das Fachmagazin beruft sich auf Zahlen, die auf der Video-Mitgliederkonferenz der Deutschen Fußball Liga (DFL) am Dienstag den Vertretern der Profivereine mitgeteilt worden seien.

Das erschreckende Ergebnis resultiere aus der Bestandsaufnahme der 36 Vereine, die sie zu ihrer aktuellen Lage bei der DFL hinterlegten. Um diese hatte die DFL die Clubs zuvor gebeten.

Detaillierte Fragen zur Fananleihe und zum Aktienkauf beantwortet der KSC auf seiner Homepage.

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  •   Gevatter
    (216 Beiträge)

    07.04.2020 08:20 Uhr
    Soweit ich dies verstanden
    habe, nicht direkt. Allerdings kann der Verein bis zu 5 Jahre danach mit in Haftung genommen werden. Wie gesagt, ein kompliziertes Verfahren. Und das will man den Mitgliedern abstimmen lassen? Wahnsinnig
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  •   schmidmi
    (2526 Beiträge)

    06.04.2020 14:52 Uhr
    Fehlendes Verständnis
    Ich verstehe die Konstruktion noch nicht.
    Der e.V. ist lt. Webseite des KSC zu 100% der Komplementär der Kommanditgesellschaft.
    Das bedeutet doch aber auch, dass der e.V. vollständig dafür haftet. Oder nicht?
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  •   sodbrenner59
    (660 Beiträge)

    06.04.2020 13:49 Uhr
    Joooooo.....
    ...mal ne Frage in die Runde....es soll als nur ein Insolvenzantrag für die Karlsruher SC GmbH&Co.KGaA gestellt werden. Im Grunde der einer Firma! Der KSC e.V. und andere Konstrukte wären also nicht davon betroffen. Weshalb sollten denn dann die Mitglieder des KSC e.V. darüber abstimmen, ob die Gmbh & Co.KG aA Insolvenz anmeldet? Wurden mit der Gründung der GmbH die Mitgliedschaft automatisch darin übertragen? Muss dann der KSC e.V. die Rendite für die Fananleihe erwirtschaften? Fragen über Fragen....
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  •   Garrincha
    (580 Beiträge)

    05.04.2020 14:42 Uhr
    Verantwortungslos
    erst lässt sich Wellenreuther von den Vereinsmitgliedern zum KSC Boss wählen und dann wenn es Ernst wird drückt er seine Verantwortung für den KSC an die Nitglieder ab.
    Woher sollen den die Vereinsmitglieder das Wissen und die Tragweite einer Insolvenz für den KSC auf einmal herhaben?
    Für diese komplizierte Rechtsverfahren hat die "KSC-Führung" laut BNN bereits mehrere Wochen mit Rechtsanwälten für Insolvenzverfahren beraten und nun sollen die Mitglieder darüber entscheiden!
    Das ist doch ein Skandal wie er nicht schlimmer mehr geht.
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  •   ALFPFIN
    (7159 Beiträge)

    05.04.2020 17:06 Uhr
    I.W.
    Der Traum OB ist ausgeträumt, ob er nochmal in den Bundestag gewählt, weiß er zwar noch nicht, wenn nicht wird für ihn das Engagement für den KSC eher uninteressant werden, denn Wählerstimmen müssen dann keine mehr "eingefangen" werden.
    Ich habe jetzt so meine Zweifel, ob er beim Engagement der letzten Jahre für den KSC nicht in erster Linie
    sein Bundestagsmandat und die Wählerstimmen im Auge hatte.
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  •   Kopfschüttler
    (200 Beiträge)

    05.04.2020 11:21 Uhr
    AKTIEN
    Kauft Aktien, kauf Aktien, 15 % Dividendenrendite zu erwarten. 5% davon gibt's als Naturalrabatt in Form von Gutscheinen (Bratwurst, CDU Mitgliedsbeitragsrabatt, Fahnen, Kappen usw.
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  •   sodbrenner59
    (660 Beiträge)

    05.04.2020 21:13 Uhr
    Jetzt gehts dahin...
    Schmuckurkunden, Du hast die Schmuckurkunden vergessen! grinsen

    Lesenswert auch das hier; https://www.welt.de/sport/fussball/article138882048/Wie-sich-die-Fussballklubs-an-ihren-Fans-bereichern.html

    Eines dürfte auch klar sein, sollte die Fananleihe perdu sein, braucht der KSC garantiert bei diesen Käufern nicht mehr anklopfen! Obwohl...jeden Morgen steht ein.......
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  •   Kopfschüttler
    (200 Beiträge)

    05.04.2020 21:35 Uhr
    Genau so ist es
    alles Lug und Betrug.
    Mir tun die Investoren der Fananleihe schon
    ein bisschen leid. Für das Wertpapier a1n3g1 Ölzertifikat gab es in den letzten 5 Tage real 30 % Rendite. Ohne Gutscheine usw.
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  •   Gevatter
    (216 Beiträge)

    05.04.2020 09:49 Uhr
    Die Insolvenz wäre Fakt,
    spätestens beim Abstieg in Liga 3. Es ist legitim, dass man versucht nun durch eine Planinsovenz aus dem Dilemma herauszukommen. Nur soll man nicht denken, da nach läuft alles wie zuvor. Nein, man kann nämlich nur das investieren und ausgeben was man einnimmt. Und da waren IW und Ok nicht gerade vorbildlich um es gelinde auszudrücken. Das Problem ist, dass es für starke Persönlichkeiten oder Leute mit anderer Meinung schwierig ist mit IW zusammen zu arbeiten. Das war wahrscheinlich mit ein Grund von dem Abgang von Sandrock, er wird dem Sonnenkönig in manchen Dingen widersprochen haben. Auch werden die 49%, die damals für Müller gestimmt haben, sicherlich schon die Messer setzen. Die fühlen sich bestätigt. Denn IW kam zu diesem Zeitpunkt noch ein Umstand zu gute, der KSC stand noch relativ gut da in der 2. Liga. Dieser Bonus ist nun auch dahin. Es hilft da nur noch ein kompletter Neuanfang auch in der Führungsebene. Sonst wird das nichts.
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  •   Samoht500
    (864 Beiträge)

    05.04.2020 09:38 Uhr
    Konsequenzen...
    wie auch immer das ganze hier die nächsten Monate endet. Auf alle Fälle muss ein personeller Neuanfang her und zwar auf Seiten des Präsidiums und des sportlichen Leiters. Wellenreuther hat vor einigen Jahren viel dazu beigetragen den KSC nach der Metzger Posse zu retten und wieder in Spur zu bringen. Aber seit rund Jahren befindet sich der Verein unter seiner Führung und seinen Personalentscheidungen im freien Fall. Dies gilt auch für den sportlichen Leiter Kreuzer, der seit Jahren mit seinen Transfers in der Regel falsch liegt und Unsummen für Spieler / Tainer / Scouts ausgab und ausgibt, deren Fähigkeiten -wir wissen es alle- extrem limitiert waren und sind.
    Noch ein Wort zu der aktuellen Situation: Es ist so augenscheinlich, dass man die "Gunst der Stunde" nutzen will...vielleicht richtig. Die Art der Veröffentlichung/Diskussion ist allerdings beschämend und dem Verfahren und den Gläubigern gegenüber schlichtweg unverschämt, respektlos und unverantwortlich, Herr Präsident!
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