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Karlsruhe Vom Maurer zum Hüter des heiligen Rasens: Jürgen Wiedemann pflegt das Spielfeld des KSC - und dazu gehört mehr als nur Rasenmähen

Jürgen Wiedemann kümmert sich bereits seit knapp 15 Jahren um die Pflege des Rasenplatzes. Es ist nun bereits sein vierter Platz im Wildparkstadion, den er hegt und pflegt. Und das so gut, dass das Spielfeld sogar eine Auszeichnung bekommen hat. Die Arbeit in Stadion ist für den gelernten Maurer ein absoluter Traumjob.

Momentan ruht der Ball noch, aber der KSC hat einen vollen Terminkalender, um bestens auf die kommende Saison in der 2. Fußball-Bundesliga vorbereitet zu sein. Bereits am kommenden Sonntag starten die Blau-Weißen in die Vorbereitung - un auch das Stadion putzt sich für die neue Saison raus. Das erste Mal auf dem neuen Rasen im Wildparkstadion geht es für die Profis dann, wenn das Jubiläumsturnier mit Sturm Graz und Hertha BSC am Samstag, 13. Juli, ansteht.

Platz gesperrt
Der Fußballplatz im Wildparkstadion ist aktuell noch gesperrt. | Bild: Ingo Rothermund

Bis dahin sollen die rund 8.000 Quadratmeter Rasen - die Kosten belaufen sich auf etwas mehr als 140.000 Euro - die erst vor Kurzem neu verlegt wurden, wettkampftauglich sein. Aktuell ist noch die Firma aus der Nähe von Heidelberg, von der der Rasen stammt, für die Pflege verantwortlich. Doch bald kümmert sich Jürgen Wiedemann mit seinen beiden Kollegen wieder fast rund um die Uhr um den Platz, damit dieser den hohen Anforderungen des Profifußballs gerecht wird.

Nicht nur der Rasen, sondern das ganze Stadion

Dazu gehört nicht nur das Mähen, er braucht mehr Pflege. Arbeiten wie das Düngen, das Besanden und das Aerifizieren, so wird das Lüften des Grüns bezeichnet, gehören zu den Aufgaben. Zudem ist er Herr über 24 Rasensprenger, die das heilige Grün bewässern. Doch nicht nur mit der Unterhaltung des Rasens beschäftigt sich der 55-Jährige.

Jürgen Wiedemann
Bereits seit 2005 kümmert sich der gelernte Maurer um das heilige Grün im Wildparkstadion. | Bild: Ingo Rothermund

Als Betriebsstellenleiter des Eigenbetrieb Fußballstadion im Wildpark (EiBS) ist er auch für Technik- und Wartungsarbeiten rund um das Stadion zuständig. Zudem nimmt er an Sicherheitsbesprechungen teil und ist bei jedem Heimspiel im Wildpark und fiebert mit seinem Verein mit. "Vor allem das Relegationsspiel gegen den HSV, auch wenn das schlecht für uns ausgegangen ist, ist mir in Erinnerung geblieben", sagt Wiedemann. "Sonst erinnere ich mich gerne an jeden Aufstieg, auch den jetzt wieder zurück in die zweite Liga!" 

 

Seit fast 15 Jahren arbeitet der gelernte Maurermeister im Wildpark. "Die Firma, bei der ich war, hat Konkurs angemeldet und ich habe mich auf gut Glück beim Eigenbetrieb Wildpark beworben - und wurde glücklicherweise angenommen", sagt der Karlsruher. 

Ein Traumjob für Jürgen Wiedemann: "Ich bin jeden Tag im Stadion, ich finde es toll, für den Wildpark verantwortlich zu sein", sagt er im Gespräch mit ka-news - mitten auf dem heiligen Rasen. "Das ist einfach ein besonderer Arbeitsplatz!" 

Ersatzrasen lagert für die großen Löcher

Seine Aufgaben nimmt Wiedmann sehr ernst: Was alles gemacht wird, hält er bereits seit Beginn seiner Tätigkeit in einem Tagebuch fest. "Ich notiere alles, was erledigt wurde, auch wenn der Rasen nur kurz nachgemäht wurde", sagt er. Das Führen eines Tagebuches ist nichts Neues: "Schon während meiner Arbeit als Maurer habe ich ein Baustellentagebuch geführt", so Jürgen Wiedemann. 

Die größten Arbeiten standen wohl 2007 an: Aus dem Naturrasen wurde ein Rollrasen und eine von der DFL geforderte Rasenheizung wurde installiert - dafür wurde der gesamte Platz verrückt. "Der Rasen wanderte rund zehn Meter in Richtung der Haupttribüne", sagt Wiedemann. Die Sache mit dem Rollrasen findet er sinnvoll, immerhin kann der schneller verlegt werden. "Bis ein Naturrasen nach der Aussaat wächst, würde es Monate dauern - so viel Zeit bleibt in der Sommerpause einfach nicht", so Wiedemann gegenüber ka-news.

 

Nach Heimspielen des Karlsruher SC - sind je nach Beanspruchung und Zustand des Platzes - bis zu sechs Leute damit beschäftigt, den Rasen auszubessern. "Große Löcher werden mit neuem Grün wieder ausgebessert", sagt Wiedemann. Knapp 60 Quadratmeter "Ersatzrasen" haben er und sein Team für solche Fälle in einem Bauhof ganz in Stadionnähe gelagert. Der bekommt im übrigen die gleiche Aufmerksamkeit und Pflege wie der 8.000 Quadratmeter große Bruder im Stadion, immerhin darf sich ein ausgebessertes Stück nicht vom Spielfeld unterscheiden. 

Neuer Rasen im Wildpark.
Die Grashalme sind aktuell noch zu lang und müssen für den Spielbetrieb auf mindestens 3,8 Zentimeter gekürzt werden. | Bild: Ingo Rothermund

Das Spielfeld selbst bekommt vor jedem Heimspiel eine besondere Behandlung: Der Rasen muss immer so geschnitten sein, dass Linien sichtbar werden. "Das erleichtert die Arbeit der Schiedsrichter", erklärt er. Das Geheimnis ist die Mähtechnik. "Dass die Abschnitte unterschiedlich aussehen hat einen einfachen Grund: Auf dem einen Abschnitt sind die Grashalme in die eine Richtung gebogen, auf dem nächsten dann in die andere", so Jürgen Wiedemann gegenüber ka-news. 

Ausbildung zum Greenkeeper braucht er nicht - der Erfolg gibt ihm recht

Unkraut findet man auf dem Platz von Jürgen Wiedemann keines, nur kleine Pilze sind ab und an auf dem Platz zu sehen. "Viele denken, dass diese schädlich sind, doch es ist ganz anders", erklärt der Rasenexperte. "Der Pilzbewuchs spricht für die Qualität des Rasens", so Wiedemann gegenüber ka-news. Und die ist so gut, dass der Platz in der Saison 2014/2015 offiziell von der DFL als "Pitch of the Year" ausgezeichnet wurde. "Das hat mich schon sehr stolz gemacht", so der 55-Jährige mit leuchtenden Augen.

Urkunde "Pitch of the Year"
Für die Saison 2014/2015 wurde der Rasenplatz des Karlsruher SC von der DFL zum Besten der zweiten Liga gekürt. | Bild: Ingo Rothermund

Dabei hat sich Jürgen Wiedemann fast alles selbst beigebracht, denn er ist eine Besonderheit: Eigentlich sind die ausgebildeten Greenkeeper immer beim Verein direkt angestellt, Wiedemann allerdings bei der EiBS und der gehört zur Stadt Karlsruhe. Auch ohne die anderthalbjährige Ausbildung ist der gelernte Maurermeister immer auf dem neuesten Stand in Sachen Rasen.

"Regelmäßig treffen sich die Platzverantwortlichen der ersten und zweiten Liga, dann tauschen wir uns aus", sagt er im Gespräch mit ka-news. "Die letzten zwei Jahre war ich zwar nicht dabei, aber ich bin trotzdem 'up to date'. Denn mir war es immer wichtig, dass das Spielfeld weiterhin auf hohem Niveau war - denn nur weil der Verein abgestiegen ist, heißt das für mich nicht, dass der Platz an Qualität verliert!" 

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Kommentare (8)
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  •   hansfranz12
    (341 Beiträge)

    19.06.2019 20:39 Uhr
    ksc
    hallo kanewsde ist euch zu heiß heute?wie den studierten ?
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  •   Karlsruhaa
    (19 Beiträge)

    19.06.2019 10:01 Uhr
    Teuer?
    Also ich muss mich in vielen Belangen beim KSC im Umgang mit Finanzen wundern, kostet in Frankfurt der Rasen 100.000 Euro, ebenso in München - und ist wohl beide Male für Erstliga-Belastung ausreichend - kostet er in Karlsruhe 140.000 € ???

    Und wenn man liest, es ist in knapp 15 Jahren sein 4 Rasen, ist der Tauschturnus auch nicht anders wie bei den Erstligisten, die vermutlich doppelt so viele Spiele haben....

    Wenn man überall so verhandelt mit den Preisen, wundert mich eigentlich nichts mehr....
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  •   Rundbau-Gespenst
    (11475 Beiträge)

    19.06.2019 09:37 Uhr
    "dafür wurde der gesamte Platz verrückt"
    reicht es nicht, wenn die Zuschauer auf den Rängen verrückt spielen?

    grinsen
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  •   KlausKalle
    (380 Beiträge)

    19.06.2019 07:06 Uhr
    Plus
    Wäre das nicht ein geeigneter plus Artikel?
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  •   ALFPFIN
    (6843 Beiträge)

    19.06.2019 07:38 Uhr
    Im Ernst?
    Wäre das nicht ein geeigneter plus Artikel?

    Da müsste man aber noch gründlicher recherchieren, wie arbeitet den so ein Rasenmäher genau, wissen vielleicht auch nicht alle Leute. Ist das ein Mehrzwecktraktor, kann man das Mähgerät abhängen und zum Beispiel eine kleine Kartoffelerntemaschine dranhängen, also nicht das man im Wildpark jetzt Kartoffeln anbauen sollte. Ich habe Hoffnung, dass der KSC eine Weile in der zweiten Liga verbleibt, aber wenn nicht, gut, dann kann man sich das mit dem Kartoffelanbau ja noch mal überlegen.
    Also es gibt viele Gedanken zu einer tiefgründigen Recherche für einen Artikel gegen cash. 😊

    Die Arbeit des Herrn Wiedemann will ich damit aber nicht kritisieren. 👍
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  •   pearly1465
    (86 Beiträge)

    18.06.2019 22:39 Uhr
    Hauspostille?
    Ist ka-news neuerdings zur Hauspostille des KSC avanciert. Täglich mehrere Artikel. Spielen andere sportliche Ereignisse im Raum Karlsruhe keine Rolle? Zum Beispiel findet diese Woche in Mörsch beim MSC Taifun die Europameisterschaft der Motoballer statt. Internationale Gäste und ein lokales Engagement vieler Vereine mit insgesamt 250 Helfern sind ka-news keine Zeile wert. Ein Armutszeugnis.
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  •   UngueltigDannZuLang
    (36 Beiträge)

    19.06.2019 13:35 Uhr
    Warum so ungehalten?
    Haben Sie ka-news auf das Ereignis aufmerksam gemacht und wurde ignoriert? Oder maulen Sie hier nur rum? Nach meinem Verstaendnis wuerde man bei ka-news mit sachlichen Hinweisen auf regionale Ereignisse offene Tueren einrennen. Sozusagen.
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  • unbekannt
    (1273 Beiträge)

    19.06.2019 11:35 Uhr
    Dann bewerbe Dich doch...
    als KA-News Reporter und schon haben alle etwas davon.
    Nach dem Motto: Uns interessiert, was Sie interessiert.
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