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Karlsruhe Tradition, Finanzen, Mitspracherecht: Was die Ausgliederung für KSC-Fans bedeutet

Der Karlsruher SC beschäftigt sich derzeit mit der Ausgliederung seiner Profi-Fussballabteilungen. Man möchte sich wirtschaftlich für die Zukunft rüsten und neu aufstellen. Er ist nicht der erste Verein, der diesen Weg geht - laut Geschäftsführung sprechen viele Gründe dafür. Aber was verändert sich für die KSC-Fans - wie viel "Tradition" bleibt dem Verein dann noch und wie viel Mitspracherecht haben künftig noch die KSC-Mitglieder?

Was verändert sich für die Mitglieder?

Die Sorgen der Mitglieder, durch die Ausgliederung an Mitspracherecht, zu verlieren, ist unbegründet. "Alle Mitglieder behalten ihre traditionellen Rechte", sagt Markus Schütz, Rechtsanwalt und Mitglied im Ausgliederungsausschuss des KSC. 

Rechtsanwalt Markus Schütz
Markus Schütz ist Mitglied im Ausgliederungsausschuss des KSC. | Bild: privat

Dazu gehört die Wahl aller Vereinsorgane, insbesondere Präsidium und Verwaltungsrat, aus deren Reihen dann auch fünf der neun Mitglieder des Beirats der KSC Management GmbH, entsandt werden und dort dann immer die Mehrheit bilden. "Eine dieser drei Personen muss außerdem zwingend ein Fanvertreter sein", so Schütz.

Grundstruktur KSC GmbH & Co. KGaA
So soll sich die KSC GmbH & Co. KGaA strukturieren, falls die Mitglieder die Ausgliederung absegnen. | Bild: Schütz RA

Die Fans aber bleiben Entscheidungsträger bei großen Entscheidungen. "Die KSC-Mitglieder werden auch die alleinige Entscheidungshoheit bei größeren Anteilsverkäufen haben", sagt Markus Schütz. Um mehr als 25 Prozent der Anteile verkaufen zu können, ist vorab die Zustimmung der Mehrheit der Mitglieder notwendig. Wenn es um mehr als 50 Prozent der Anteile geht benötigt es eine Zweidrittelmehrheit bei einer Mitgliederversammlung. 

50+1 beim KSC bleibt, egal was der Verband sagt

Die 50+1-Regel, die besagt, dass der Verein immer die Mehrheit an der KG halten muss, wird in den Statuten des KSC verankert. "Diese Regel gilt beim Karlsruher SC, unabhängig davon, ob diese Regel in den Verbandstatuten zukünftig noch Bestand haben wird", so Schütz. Mögliche Sorgen der Mitglieder, dass das Logo oder der Vereinsname geändert werden, sind unbegründet: "Alle entsprechenden Rechte bleiben beim KSC e.V.", sagt der Rechtsanwalt.  

Warum wurde die Neustrukturierung nicht schon früher gewagt?

"Es gab in den letzten Jahren immer wieder Überlegungen dazu. Eine Ausgliederung bedarf aber einer intensiven Analyse und Vorbereitung", sagt Markus Schütz. "Durch die notwendige Befassung mit anderen wichtigen Themen, wie dem Stadionneubau, blieben keine ausreichenden Kapazitäten", so Schütz gegenüber ka-news weiter. 

Und welche Vereine haben bisher schon die Ausgliederung vollzogen?

Die meisten Vereine in der Bundesliga haben bereits ihre Profiabteilung ausgegliedert. Nur einige wenige, etwa Fortuna Düsseldorf, der SC Freiburg oder Mainz 05, halten weiterhin am eingetragenen Verein fest. Doch Letzterer hatte bereits Probleme mit dem Registergericht Mainz. Das hat den Verein aufgefordert, sofort seine Profimannschaft auszugliedern. Doch der Verein erklärt, dass er an der bisherigen Struktur festhalten möchte.

Beispielsweise der VfL Bochum, Preußen Münster oder der 1. FC Kaiserslautern haben erst in den vergangenen zwei bis drei Jahren ihre Ausgliederung vollzogen. "Ebenso die Mitglieder von Hansa Rostock oder Unterhaching", sagt Schütz, "diese haben die Ausgliederung auf ihren Mitgliederversammlungen bereits beschlossen."

Nicht nur bei den Fußballvereinen ist dieser Schritt vollzogen worden. "In der Deutschen Eishockey Liga müssen alle Klubs Kapitalgesellschaften sein, um am Spielbetrieb teilnehmen zu dürfen", sagt Markus Schütz. Auch im Hand- und Basketball findet sich kaum noch ein eingetragener Verein.

Welche Argumente gibt es gegen eine Ausgliederung?

Viele Argumente gegen eine Ausgliederung gibt es nicht. "Es sprechen nur emotionale Gründe dagegen", so Schütz. Auch Michael Becker, Geschäftsführer des Karlsruher SC sieht keine Nachteile einer Ausgliederung. 

KSC-Geschäftsführer Michael Becker
KSC-Geschäftsführer Michael Becker ist seit 2018 im Amt. | Bild: Karlsruher SC

Wie ist die finanzielle Situation beim KSC?

Laut KSC sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seit vielen Jahren nicht einfach. Der Abstieg in die dritte Liga tat dazu sein Übriges. Insbesondere die Reduzierung der TV-Gelder von knapp 10 Millionen Euro in der zweiten Liga auf rund 800.000 Euro in der Dritten fällt ins Gewicht.

Die Schulden des KSC beliefen sich im September vergangenen Jahres auf weniger als fünf Millionen Euro. Darüber hinaus bestehen laut Verein Rückstellungen in Höhe von rund einer Million Euro. Zudem existieren Besserungsscheine: Personen und Unternehmen haben dem Karlsruher SC Gelder zur Verfügung gestellt und auf deren Rückzahlung verzichtet. Eine Rückzahlungsverpflichtung würde erst bei positivem Eigenkapital plus bilanziellem Gewinn entstehen.

 

ka-news-Hintergrund

Am 6. Juni 1894 wurde der "Karlsruher FC Phönix" gegründet, er fusionierte am 6. Juli 1912 mit dem 1897 gegründeten "Karlsruher FC Alemannia" zu "Karlsruher FC Phönix" (Phönix-Alemannia). Am 16. Oktober 1952 schloss sich der KFC Phönix mit dem VfB Mühlburg zusammen - zum heutigen Karlsruher SC. Seit jeher ist der KSC ein eingetragener Verein. Nach dem Willen des Präsidiums soll sich das bald ändern, die Profis sollen ausgegliedert werden. An folgenden Terminen können sich Mitglieder und Fans über die geplante Ausgliederung informieren:

Donnerstag, 9. Mai, 18 Uhr im Klubhaus Wildparkstadion 
Mittwoch, 15. Mai, 18 Uhr im Klubhaus des SV Sinzheim
Mittwoch, 22. Mai, 18 Uhr im Klubhaus des FC Germania Singen
Donnerstag, 23. Mai, 18 Uhr im Klubhaus Wildparkstadion

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  •   patrickkk
    (1222 Beiträge)

    09.05.2019 15:08 Uhr
    Naja
    Es sprechen nur emotionale Gründe dagegen stimmt so nicht. Schaut man nach Kaiserslautern sieht man einen stolzen Verein der momentan zu 10% nicht genannten (dem Vorstand selbst xD) unbekannte Investoren gehört.

    Sollte ein KSC Vorstand 10% des KSC verkaufen um wie dort geschehen die eigene Inkompetenz zu übertünchen und ein strukturelles Defizit zu bedienen hoffe ich dass er aus Karlsruhe gejagt wird.
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