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Karlsruhe Prekäre Finanzlage des KSC: Gehen im Karlsruher Wildpark bald die Lichter aus?

Auf dem Platz läuft es für den Karlsruher nicht rund, und am Spielfeldrand auch nicht. Immer wieder stand in den letzten Tagen das Präsidium und der Verwaltungsrat in der Kritik, sie seien nicht transparent genug, die Schulden würden den Verein auffressen und man hätte sich schlichtweg verkalkuliert, so dass sogar der Stadionneubau in Gefahr sein könnte. Peter Putzing weiß mehr.

Die Ansichten, über den Ist-Zustand und die Zukunftsfähigkeit des KSC gehen auseinander. Die "Badische Neusten Nachrichten" schreiben über die Finanzsituation des Traditionsvereins: "Der Karlsruher SC ringt unter erschwerten Bedingungen in der Dritten Liga um sein wirtschaftliches Überleben im Profifußball." Heftig. Denn das, formuliert vom wirtschaftlich verbandelten und immer gut informierten "Medienbegleiter", impliziert durchaus, dass im Wildpark gar die Lichter im Profifußball ausgehen können.

Ingo Wellenreuther
Karlsruhes Präsident Ingo Wellenreuther. | Bild: Thomas Eisenhuth/Archiv

KSC-Präsident Ingo Wellenreuther sieht das ganz und gar nicht so: "Es gibt keine dramatischen Finanzprobleme!" Detailliert will Wellenreuther auf Finanzfragen mit dem Vorstand am 22. Oktober auf der Mitgliederversammlung antworten.

Fehlende Einnahmen durch fehlende TV-Gelder

Aber: Fakten belegen eine furchterregende Finanzlage. Auf der Einnahmeseite fehlen durch den sportlichen Absturz Millionen. So gibt es in der Dritten Liga rund 800.000 Euro aus dem TV-Topf, in der Zweiten Liga wären es fast zehn Millionen. Dies ist ein Grund für die prekäre Situation.

Bild: Peter Eich

Aber Gründe, dass die KSC-Kasse leer ist, obwohl seit 2013 über 16 Millionen an Transfereinnahmen für verkaufte KSC-Talente eingenommen wurden, gibt es viele. Da sind zum Beispiel Abfindungen, die in den vergangenen Jahren bezahlt wurden, diese belasten die ohnehin klamme KSC-Kasse enorm. Man denke an die Trainer, die allesamt frühzeitig gehen mussten: Markus Schupp, Jörn Andersen, Uwe Rapolder, Rainer Scharinger, Tomas Oral, Mirko Slomka, Marc-Patrick Meister…

Auch die Trennung von Sportdirektoren (Arnold Trentl, Jens Todt) war nicht kostenneutral, sondern teuer. Ganz zu schweigen von Auflösungsverträgen mit Spielern, die die Erwartungen nicht erfüllten: Andreas Hofman, Kai Bülow, Nathaniel Amamoo, Oguzhan Aydogan, Severin Buchta… Auf der teuren Abschiebeliste stehen noch Dominik Stroh-Engel und Alexander Siebeck.

Erst vor wenigen Tagen die Trennung vom in der Branche hoch geschätzten Medienchef Jörg Bock. Nach 15 Jahren, die Kosten dafür sollen im sechsstelligen Bereich liegen. All das addiert - da kommen schnell Millionen zusammen.

Einsparung durch Abmeldung

Dennoch: Der aktuelle Etat ist wieder hoch. Der KSC liegt in Liga drei mit 4,7 Millionen Euro ganz vorne. Man wollte zwar kürzen, aber so schnell geht das nicht. Der Etat ist so hoch, weil es bei den Blau-Weißen nach dem Abstieg bei Neuzugängen keine kurzfristig laufenden, leistungsbezogenen Verträge gab - sondern man hat älteren Akteuren wie Bülow, Stroh-Engel, Hofman & Co. Mehrjahresverträge gegeben. Daher konnte der Etat aktuell gar nicht wesentlich verringert werden. Um doch etwas einzusparen wurde - entgegen etlicher Ratschläge - die U 23 abgemeldet.…

Bisher stopfte Vize-Präsident Günter Pilarsky mit bewundernswerter Geduld immer wieder auftauchende "Millionenlöcher". Der 80-Jährige scheint nach BNN-Informationen nicht mehr gewillt, immer und immer wieder die Fehler anderen auszugleichen. Das könnte schon für das laufende Geschäftsjahr zutreffen. Da rechnet man mit einer Unterdeckung von über zwei Millionen Euro.

Pilarsky - der Retter in der Not? 

"Günter Pilarsky steht zu uns und hilft!", wehrt sich Wellenreuther gegen die Gerüchte über ein mögliches Ende der Finanz-Kooperation. "Das ist an den Haaren herbeigezogen!" Und wenn nicht? Dann wird jedem um den KSC Angst und Bange… Durch Pilarskys Finanzeinsatz betrug der tatsächliche Fehlbetrag des vergangenen Geschäftsjahrs nicht wie geplant 1,8 Millionen Euro, sondern hält sich mit angeblich knapp 85.000 Euro in Grenzen.

Hohe Schulden werden erst in "guten Zeiten" beglichen

Aber: Das große finanzielle Engagement von Pilarsky und anderen Kreditgebern basiert meist auf "Besserungsscheinen". Soll heißen: Geht es dem KSC wirtschaftlich besser, sind diese Schulden zu begleichen. Diese Verbindlichkeiten sollen sich inzwischen auf rund 13 Millionen Euro belaufen, so vermeldeten die "Badischen Neuesten Nachrichten".

Doch Präsident Ingo Wellenreuther sieht das anders. Für ihn sind Besserungsscheine aus vielerlei Gründen "keine Verbindlichkeiten". Daher würden die Verbindlichkeiten des KSC "weniger als fünf Millionen Euro und zirka eine Million Rückstellungen" betragen. Wer etwas anderes behaupte, sei nicht richtig informiert, nicht ausreichend sachkundig oder wolle dem Verein schaden.

Wildparkstadion 6
(Symbolbild) | Bild: Paul Needham

Zu den erwähnten 13 Millionen kommen weitere 7,5 Millionen Euro. Mit denen steht der KSC bei der "Kinowelt" in der Kreide. Doch auch das seien, so der KSC-Präsident, keine Verbindlichkeiten, erklärte er gegenüber den BNN.

Abschreibung oder cleverer Invest von Pilarsky? 

Mitte 2019 könnte der KSC sich vom teuren Kontrakt mit der Kinowelt freikaufen, dieses "Rest-Darlehen" über 7,5 Millionen Euro ablösen. Doch woher diese Summe nehmen? Ob die Banken die Börse öffnen? Schwer vorstellbar. Ob sich Mäzen Pilarsky nochmals durchringt, in solch einer Größenordnung zu helfen?

Geld
(Symbolbild) | Bild: Julia Wessinger

Allerdings: Finanzexperten sagen, es könnte ein Engagement "mit einer interessanten Rendite" sein. "Rechnet man mit fünf Prozent Zins, sogar dann ist das günstiger als an die Kinowelt zu bezahlen", erklärt ein Fachmann. Ligaabhängig sind die Abgaben - von den Fernsehgeldern und anderen Einnahmen - unterschiedlich. In Liga drei sollen das rund 200.000 Euro jährlich sein, in der 2. Liga steigt diese zu bezahlende Summe auf etwas mehr als eine Million Euro. Bei Nichtablösung läuft das alles so lange weiter, bis der Restbetrag von 7.5 Millionen Euro getilgt ist.

Stadionneubau in Gefahr? 

Bei all diesen Ungereimtheiten, bei all den unterschiedlichen Definitionen was denn nun "Verbindlichkeiten" sind, ist die Haltung des Verwaltungsrats nur schwer nachvollziehbar. Statt für die von vielen Fangruppen eingeforderte Transparenz zu sorgen und für Klärung beizutragen, mauert dieses Kontrollgremium, will sich bisher öffentlich nicht äußern.

Aufgrund all dieser Finanzprobleme schwebt jetzt das Damoklesschwert mit der Aufschrift: "Stadionneubau gefährdet!" über den Vereinsbossen. Sollte der Neubau tatsächlich in Gefahr geraten, wäre das für die aktuellen Entscheidungsträger ein enormer Rückschlag.

Das Wildparkstadion aus der Luft
(Symbolbild). | Bild: Peter Eich

Oberbürgermeister Frank Mentrup will nun einige Fragen stellen: Wie sieht der Verein aktuell seine gemachten Planungen, dass er von zehn Jahren zwei Jahre in der Bundesliga, sieben in der Zweiten und nur eines in der Dritten Liga spielen muss? Interessieren würde Mentrup, mit welcher Strategie der Karlsruher SC wieder höherklassig werden will. Das wolle und müsse er wohl dem Gemeinderat bekannt geben.

Das hört sich nach Zweifeln an. Ob der 130 Millionen Euro-Bau im Wildpark wegen dieser prekären Finanzsituation wackelt? Die Vergabeentscheidung des Gemeinderats über den Umbau des Wildparkstadion ist für den 23. Oktober vorgesehen. Ein spannendes Datum für die KSC-Bosse. Und all die vielen Fans…

Mehr zum Thema: 

Mittlerweile liegt eine offizielle Stellungnahme des Präsidiums zur aktuellen wirtschaftlichen Lage des Karlsruher SC vor: "Die Gerüchte sind schlichtweg falsch": KSC-Verantwortliche beziehen Stellung zur aktuellen Situation

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Kommentare (156)
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  •   Consigliere
    (286 Beiträge)

    15.09.2018 06:35 Uhr
    Bilanzrechtler Tideman bewertet die Ausgangslage des KSC kritisch
    steht in der heutigen BNN, bitte lest das mal dann wird euch Himmelangst um unseren KSC.
    Er schreibt u. a. "Besserrungsscheine werden in der Regel zur Abwendung einer Überschuldung und bei Sanierungen mit teils akuten Zahlungsschwierigkeiten genutzt."
    Das spricht doch Bände und ist ein Alarmzeichen!
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  •   Lipa
    (509 Beiträge)

    16.09.2018 10:21 Uhr
    Bilanzrechtler
    der Bilanzrechtler muß nun seinen Senf auch noch dazu geben. Ich glaube, jeder Vernünftige weiß, wie es um den KSC bestellt ist, JEDER weiß das. Brauche keinen RECHTLER. BITTE zeigt doch endlich Lösungen, wie der KSC da raus kommt, ohne gleich Insolvenz zu präferieren.
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  •   citizentm
    (1273 Beiträge)

    15.09.2018 11:39 Uhr
    Ja, schon...
    Alarmierend. Aber nicht unbekannt. Da brauchte es keinen Bilanzrechtler.
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  •   Garrincha
    (421 Beiträge)

    15.09.2018 08:56 Uhr
    alles ist noch viel schlimmer wie schon vermutet
    den Artikel habe ich auch gelesen, darin steht auch, wenn der KSC bis zum 30.6.2019 seine Schulden von 7,7 Millionen € nicht an Kölmel zurückzahlen kann, läuft dessen Vertrag weiter und Kölmel erhält bis zur Deckelungssumme 21 Millionen €.
    Ich frage mich nur woher soll dieses viele Geld bis 2019 für den KSC kommen, die Kassen sind doch jetzt schon leer?
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  •   Markymark
    (251 Beiträge)

    15.09.2018 12:30 Uhr
    aussichtslos
    denke die Situation ist aussichtslos. Die Alt Verträge und die Besserungsscheine
    geben dem KSC den Rest nach dem sportlichen Abstieg als 3. Ligist.

    Bleibt der Kölmel Vertrag, wird der KSC immer zahlen müssen, dann noch die Besserungsscheine.
    Besser kann man die Zukunft nicht verkaufen.

    Manchmal ist doch eine Insolvenz besser, hätte man vor 20 Jahren die Insolvenz angenommen, und nicht das Kölmel Geld genommen, würde der KSC vielleicht jetzt schon wieder besser da stehen.

    Anders gesagt, welcher Geldgeber würde beim KSC einsteigen wollen bei so einer Hyptothek? Kein Wunder, dass die Liste immer geringer wird. Wenn jetzt weiter der sportliche Erfolg ausbleibt, wird es Angst und Bange. Hoffentlich merkt das zusammengewürfelte Söldner Team, dass sie eigentlich um ihr Leben rennen müssen, wenn sie ihren Verein retten wollen...daran fehlt mir der Glaube.
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  •   teflon
    (2562 Beiträge)

    15.09.2018 07:37 Uhr
    Das stimmt ja auch- nur
    das Problem ist umso grösser, wenn die Pilarsky-Geldquelle aufhört zu existieren. Seine Söhne werden das ganz fix zu einem reinen Privathobby von ihrem alten Herren machen und die eigene Firma aus dem Sumpf heraushalten. Dann ist Schluss mit lustig, weil ich mir kaum vorstellen kann, dass ein Pilarsky weiterhin sein Privatvermögen in dieses Faß ohne Boden werfen wird- ob nun mit oder ohne Welle als Grüssaugust - grad egal. Auch der DFB wird sich bei der nächsten Lizenzvergabe dieses überschuldete Konstrukt sehr genau betrachten und eine weitere Lizenzerteilung halte ich dann für ein Wunder- wenn nicht der KSC schon von selbst das Licht auslöscht und Insolvenz anmeldet - je weniger Pilarsky, umso schneller insolvent. Aber vielleicht ist das der einzige Weg, um einen sauberen Neuanfang zu generieren.
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  •   Malerdoerfler
    (4601 Beiträge)

    14.09.2018 22:10 Uhr
    Dann wird es wohl so kommen.......
    ...vielleicht ist noch genügend Zeit das Steuer herum zu reissen.
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  •   Garrincha
    (421 Beiträge)

    14.09.2018 08:07 Uhr
    was geschieht bei einem Abstieg in die 4 Liga?
    welche Alternativen gibt es dann überhaupt noch für diesen verschuldeten KSC?
    Der KSC-Vorstand muss endlich mit der ganzen Wahrheit herauskommen
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  •   citizentm
    (1273 Beiträge)

    15.09.2018 11:42 Uhr
    Der Vorstsand...
    ...hat alles auf das Stadion gesetzt. Das war in LIGA 2 noch eine riskante aber nicht chancenlose Strategie. Doch leider glaubte dieser Vorstand und Präsi auch sportlich Ahnung zu haben und hat konsequent die Falschen verpflichtet - ODER - ein Umfeld bereit gestellt in dem die Spieler und Trainer schlechter wurden.
    Das führte nun zum 2. Jahr Dritte Liga - und ist existenzbedrohend für den Verein und ein Damokles Schwert für das Stadion.
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  •   Kopfschüttler
    (157 Beiträge)

    13.09.2018 20:54 Uhr
    Der Präsus hat gesprochen!!!!
    Schuldenstand unter 5 Mio.
    Das ist ja wohl ein Muckenschiß.
    Die Stadt soll das Konto sofort glattstellen. Wenn man bedenkt wie viel 100 Mio. die U-Strab mehr kostet
    ganz zu schweigen die Kosten für die Renovierung des B. Staatstheaters oder der Flughafen in Berlin. Mal ganz abgesehen von den hunderten von Mrd. Euros die KA auch anteilmäßig zu entrichten hat, für die Bürger die noch nicht solange in Deutschland leben.
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