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Karlsruhe Niederlage vor Gericht: KSC weiterhin an alten Vermarkter gebunden - und wird "sehr wahrscheinlich" Berufung einlegen

Nachdem der Karlsruher SC Ende 2018 seinen Vertrag mit dem Vermarkter Lagardère Sports gekündigt hat, hat der Vermarkter geklagt. Da bisher keine Einigung erzielt werden konnte, ging der Fall vor Gericht. Am heutigen Freitag steht nun fest: Der KSC ist weiterhin an die Agentur gebunden. Nun gibt der Verein selbst bekannt: Eine Berufung beim Oberlandesgericht sei "sehr wahrscheinlich".

Am Landgericht Karlsruhe wurde der Fall verhandelt und die  Kündigung, die der KSC an Lagardère  ausgesprochen hat, ist unwirksam. Der Agenturvertrag bestehe weiterhin und der "KSC muss zudem mögliche Schäden ersetzen, wobei bislang kein konkreter Betrag eingeklagt wurde", schreibt das Landgericht in einer Pressemeldung. Das Urteil wird wie folgt begründet: 

Landgericht
Bild: Clara Wolf

"Das Landgericht hat beide Kündigungen des KSC für unwirksam erklärt. Die erste Kündigung vom Dezember 2018 greift nicht, weil die Parteien dieses Kündigungsrecht in ihrem Vertrag wirksam ausgeschlossen haben. Zwar kann die Kündigung wegen Vertrauensverlusts in der Regel nicht durch allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) ausgeschlossen werden. Die entsprechende Klausel hatten KSC und der Vermarkter aber individuell ausgehandelt. Deshalb stellt der vereinbarte Kündigungsausschluss keine AGB dar und bindet KSC und Agentur.

Supporters KSC Graffiti
(Archivbild) | Bild: Paul Needham

Die zweite Kündigung des KSC blieb ohne Wirkung, weil dem KSC die Fortsetzung des Vertrags durchaus zumutbar sei, so das Landgericht Karlsruhe. Den Vorwurf des Vertragsbruchs habe der KSC selbst "provoziert", weil er – zu Unrecht – das Ende des Vertrags gegenüber Geschäftspartnern und Werbekunden verkündet hatte."

Außerdem muss der Karlsruher SC laut Pressemeldung für Schäden haften, die durch die Kündigungen und die Nachricht an die Geschäftspartner und Werbekunden entstanden sind. "Die Agentur müsste aber, um Schadenersatz zu bekommen, konkrete Schäden – gegebenenfalls im Rahmen einer neuen Klage – beziffern und belegen", schreibt das Landgericht in seiner Pressemeldung weiter. Heißt: Das kann im Nachgang für den KSC teuer werden.

Gerichtssaal
(Symbolbild) | Bild: Thomas Riedel

Einen Teil der Klage hat das Gericht trotzdem abgewiesen: die Agentur wollte festgestellt haben, dass der Vertrag bis zu seinem Auslaufen gilt. Dies war nicht möglich, weil – auch für das Gericht - nicht sicher zu sagen ist, ob der Vertrag aus anderen Gründen eines Tages vorzeitig vom KSC oder der Agentur beendet werden kann.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig, daher können beide Parteien am Oberlandesgericht (OLG) Berufung einlegen. Ob der KSC von diesem Recht Gebrauch machen möchte, ist noch nicht bekannt, der Verein war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. 

Aktualisierung, 14.34 Uhr: KSC will "sehr wahrscheinlich" Berufung einlegen

Nun meldet sich auch der Karlsruher SC zur Entscheidung des Landgerichts zu Wort: "Der Karlsruher SC hatte den Vermarktungsvertrag mit Lagardère zunächst im Dezember 2018 und erneut im Februar 2019 jeweils zum 31. März 2019 vorzeitig gekündigt. Daraufhin erhob Lagardère Klage beim Landgericht Karlsruhe mit dem Ziel, die Unwirksamkeit der Kündigungen feststellen zu lassen. Das Landgericht Karlsruhe hat der Klage heute stattgegeben", schreibt der Verein in einer entsprechenden Pressemeldung.

"Nach Auffassung des Gerichts stand dem Karlsruher SC zwar ein Kündigungsrecht gemäß § 627 BGB grundsätzlich zu, da es sich bei dem geschlossenen Vermarktungsvertrag um Dienste höherer Art handelt. Dieses Kündigungsrecht habe Lagardère aber nach Ansicht des Gerichts individualvertraglich wirksam ausgeschlossen".

Darüber hinaus habe es nach Aussage des KSC von Seiten des Gerichts zwar auch Gründe für eine außerordentliche Kündigung gegeben, eine Fortsetzung des Vertrages sei aber vorliegend dennoch zumutbar gewesen, so die Vorsitzende Richterin in ihrer kurzen mündlichen Entscheidungsbegründung.

Vorstellung neue KSC-Präsidentschaftskandidaten
KSC-Präsident Ingo Wellenreuther | Bild: Hammer Photographie

"Wir sind natürlich sehr enttäuscht über diese Entscheidung und wir sind weiterhin der Auffassung, dass der KSC rechtmäßig von ihm zustehenden Kündigungsrechten Gebrauch gemacht hat. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Dass wir Berufung einlegen werden, ist sehr wahrscheinlich. Wir werden dies Anfang der kommenden Woche mit unseren Gremien erörtern", so Präsident Ingo Wellenreuther und die beiden Vizepräsidenten Günter Pilarsky und Holger Siegmund-Schultze sowie Geschäftsführer Michael Becker und der Beirat der KSC Management GmbH laut der Meldung abschließend.

Mehr zum Thema: 

KSC kündigt Vertrag mit Vermarkter Lagardère - droht ein Rechtsstreit?

Nach Vertragskündigung des KSC: Vermarkter Lagardère reicht Klage beim Landgericht Karlsruhe ein

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  •   Garrincha
    (506 Beiträge)

    17.11.2019 10:36 Uhr
    ein Millionenschaden droht dem KSC
    durch dieses Urteil, weiter so ihr Prozesshanseln und wieder zurück in die 3 Liga mit eurem Ingo, da gehört ihr hin.
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  •   Reger
    (3 Beiträge)

    16.11.2019 19:11 Uhr
    Kündigung
    Also jetzt müsste der Präsident wenn er ein Ehrenmann ist, seinen Rücktritt erklären. Er ist immerhin Jurist und ihm hätte dieser Fehler nicht passieren dürfen.
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  •   brosi13
    (305 Beiträge)

    17.11.2019 15:02 Uhr
    Wenn er einen Funken...
    ...von Charakter hätte, wäre er nach diesem "Schlag ins Kontor" zurückgetreten. Aber dieses Wort kennt er garnicht...oder er interpretiert es ganz anders, wie so viel was er tut...! Nein, nein, es wird weiter prozessiert! Ich frage mich nur immer wieder: Wieso machen das die anderen Präsidiumsmitglieder sowie die Mitglieder des Verwaltungsrats mit? Da scheint aber offensichtlich keinerlei Kontrolle mehr, vor allem kritische Kontrolle,vorhanden zu sein. Wie würde Oli Kahn sagen: Da hat keiner Eier in den Hosen!!!
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  •   Samoht500
    (761 Beiträge)

    16.11.2019 12:50 Uhr
    Tolle Zukunftsaussichten....
    Völlig zerrüttetes Verhältnis zur Stadt. Völlig zerrüttetes Verhältnis zum Vermarkter, der das vertraglich auch noch lange bleiben wird und zu guter Letzt eine Ultraszene die nur noch durch Straftaten auffällt.
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  •   haku
    (4105 Beiträge)

    16.11.2019 12:17 Uhr
    Der KSC will in Berufung gehen?
    Wo sind jetzt die Leute die sich empörten, als die Stadt es wagte gegen den KSC in Berufung zu gehen?
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  •   sauerbraten
    (1883 Beiträge)

    16.11.2019 08:48 Uhr
    Will mal so sagen - solche Urteile
    taugen nicht wirklich dazu, Vertrauen in die Qualifikation unseres Praesidenten als Jurist zu schaffen, aber wenn es denn in eine naechste Instanz geht, kann man ja jetzt noch nicht ausschliessen, dass dann vielleicht doch anders entschieden wird. Sicher ist allerdings, dass nix billiger wird, wenns ein weiteres mal schief geht. Die Mannschaft sollte sich deshalb schon mal darauf einstellen, dass Saarbruecken moeglicherweise nicht reichen wird und noch ein paar weitere Pokal-Stationen gebraucht werden, um zusaetzliche unplanmaessige Einnahmen zu generieren. Am aktuellen Praesi-Bashing will ich mich nicht beteiligen, denn die letzte MV liegt ja kaum 4 Wochen zurueck. Er wurde wieder gewaehlt, also hat der KSC genau den Praesi, den er wollte und somit auch verdient hat.
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  •   sodbrenner59
    (309 Beiträge)

    16.11.2019 09:41 Uhr
    Joooooo.....
    ..ich könnts nicht besser beschreiben!
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  •   teflon
    (2724 Beiträge)

    16.11.2019 09:15 Uhr
    Ich bin zudem gespannt, was man als neue
    Beweise in der Revision auf den Tisch legen will, um das Ruder herumzuwerfen - IMO ist das bestehende Urteil sehr deutlich in seiner Begründung und die Sachlage wegen des Vertrages glasklar - ich gehe nicht davon aus, dass sich das in der nächsten Instanz nochmals ändert. Mal sehen, ob die dann aufgerufene Summe zusammen mit den anderen anstehenden & zu begleichenden Verbindlichkeiten einen Einfluss auf die Spiellizenz 20/21 hat. Jetzt versteht man auch, warum ein Sandrock so blitzartig hingeworfen hat - er war sich einfach zu schade , um solche Welle Hasadeurspielchen zu decken. Seit gestern dürften einige der Wellewähler ihr Kreuzchen vor 4 Wochen bitter bereuen - wir werden sehen, wie die KSC-Gremien das Geschehene beurteilen-das wird sehr sicher nicht so einfach unter den Tisch gekehrt werden und Welle wird ziemlichen Gegenwind bekommen. Für den KSC gilt der Spruch vom Metzger & den dummen Schafen leider nur allzu deutlich.
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  •   brosi13
    (305 Beiträge)

    17.11.2019 12:05 Uhr
    Gegenwind?
    Diese Hoffnung habe ich (fast) aufgegeben. Ich denke die Blinden sterben nicht aus...!
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  •   Provinzverein
    (1 Beiträge)

    16.11.2019 08:39 Uhr
    Provinzverein
    Mich wundert das alles gar nicht! Ich bin in Karlsruhe geboren und gestehe: Ich schaue jedes WE nach ob der KSC verloren hat. Ehrlich gesagt: Bin ich dann öfters enttäuscht wenn das nicht der Fall ist. Aber ein Unentschieden ist ja auch nicht so schlecht. Der KSC gehört in die 3. Liga. Das ganze Gehabe ist doch zum kotzen. Der Präsi ist total unsymbadisch. Mir denkt es noch als die den Hopp nicht wollten. Die ganzen größenwahnsinnigen Projekte in Ka... Eine U Strab z.B. Ich bin froh 2 mal dagegen gestimmt zu haben. Wenn der so nötige Umbau des KSC dann fertig ist könnte es das modernste Stadion eines 3. Liga Vereins werden. Das wäre doch toll! Genauso wie die kürzeste U Bahn der Welt. Super. Genauso wie die ständg überfüllten Strombüchsen wo man/frau fasst auf dem Schoß seines Nachbarn sitzt. Oder die tollen Wartehäuschen die einen überhaupt nicht vor dem Wetter schützen. Und im Vierortsbad haben die Trottel den Whirpool abgeschafft. Eine Stadt voller Idioten.Mir inklusive.
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