88  

Karlsruhe Kritische Fragen, dann aber doch eine große Mehrheit: KSC macht den Weg für neues Stadion endgültig frei

Am Montagabend sind die Mitglieder des Karlsruher SC zur jährlichen Versammlung geladen - und rund 600 sind gekommen. Zentrale Themen in der Badnerlandhalle, über die besonders intensiv gesprochen wurde war die Finanzlage des Vereins und natürlich den Neubau des Stadions in Karlsruhe.

Die Woche der Entscheidungen ist gekommen: Kippt das Projekt Stadion-Neubau in allerletzter Sekunde? Die Anzeichen vor der morgigen Gemeinderatssitzung sprechen nicht dafür. Dennoch ist das Thema auch bei der Mitgliederversammlung des KSC das zentrale Thema. Neben diesem Punkt standen unter anderem der Jahresabschluss und die Planung, die Profiabteilung des Vereins auszugliedern, auf dem Programm. Nicht äußern wollten sich die Verantwortlichen zum 2:5-Debakel am Vortag.

Bevor sich der KSC-Präsident Ingo Wellenreuther dem Thema "Stadion" widmete, sah er sich in der Pflicht, einige Berichte aus den vergangenen Wochen zu widersprechen. So sei es "unverantwortlich, von einer Zahlungsunfähigkeit zu sprechen", so Wellenreuther. "Der KSC war zu jeder Zeit zahlungsfähig." Zum Stand 30. Juni 2018 habe der Verein Verbindlichkeiten in Höhe von 5 Millionen Euro gehabt, zu einem größeren Teil in Form von Besserungsscheinen, die aber erst bei einer besseren wirtschaftlichen Situation fällig werden.

KSC will Germania-Flächen pachten

Und mit dieser deutlichen Betonung steigt Wellenreuther in den Bericht zum aktuellen Stand der Stadionplanung ein. Ein erster Erfolg sei ein anstehender Pachtvertrag mit der Germania Karlsruhe gewesen, der bereits seit geraumer Zeit vermutet wurde. Dadurch will der Verein seine Flächen vergrößern, "dann haben wir einigermaßen angemessene Trainingsbedingungen", so Wellenreuther weiter. Die Germania erhält im Gegenzug Trainingsmöglichkeiten und eine finanzielle Unterstützung durch den KSC.

Bild: Thomas Riedel

Als Knackpunkt der Abstimmung der rund 600 Vereinsmitglieder entwickelte sich das neue Parkhaus. Ursprüngliche Planungen sahen vor, dass dieses zusammen mit dem Stadion gebaut werden soll. Da jedoch Kosten bei der Stadt gespart werden sollen, wurde dieser Punkt aus der Funktionalen Leistungsbeschreibung entnommen - genauso wie das Abtragen der Wälle. Die Kosten für die Wälle übernimmt nun die Stadt, ohne eine spätere Einrechnung in die Rückzahlung des Vereins. Der KSC dafür verpflichtet sich in den kommenden Jahren, das rund 7 bis 8 Millionen Euro teure Parkhaus zu bauen.

Mangelnde Transparenz und hohe Kosten in der Kritik

Und genau diese Kosten sind vielen Mitgliedern aufgestoßen. Vor allem die Fragen, ob und wie sich das Parkhaus refinanziert, wie der Verein den Bau überhaupt finanzieren will und warum nun der Verein und nicht mehr die Stadt das kommende Stadion finanziert standen zur Debatte. Doch die Rechtfertigung durch Wellenreuther schien zu überzeugen. Mit nur einer Gegenstimme und 21 Enthaltungen stimmte die große Mehrheit für die neue Beschlussvorlage, die den Bau des Parkhauses beim KSC vorsieht, und machte so den Weg vonseiten des Vereins frei.

Nun fehlt für das Stadion "nur" noch die Vergabe durch den Gemeinderat am morgigen Dienstag. Wenn es hier grünes Licht gibt, dann werden die Bauarbeiten am Sonntag, 4. November beginnen. Für das dann letzte Heimspiel im baustellenfreien Wildparkstadion verspricht der KSC am 3. November rund um das Spiel gegen die Würzburger Kickers ein "Abschiedsfest".

Dieser Artikel wurde nachträglich bearbeitet.

Mehr zum Thema
KSC-Stadion: Aktuelle Nachrichten zum KSC-Stadion und dem geplanten Um- und Neubau im Wildpark. Alle Informationen zu Fläche, Miete und Größe und alle Neuigkeiten zum städtischen Eigenbetrieb und dem Vergabeverfahren.
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (88)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Stutenseeler
    (58 Beiträge)

    23.10.2018 11:47 Uhr
    Steuergelder
    Es gibt über 80 Millionen Deutsche... das Stadion kostet 122 Mio...
    Würde man sich das Stadion sparen bliebe also jedem Deutschen ein Betrag von 1,50 €.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Gravity
    (65 Beiträge)

    23.10.2018 12:13 Uhr
    Geldverschwendung und Inkompentenz im ganz großen Stil
    Wenn es nur dieses neue Stadion wäre, wo immens viel Steuergeld sinnlos und gegen jede Vernunft möglicherweise jetzt wieder verbrannt wird und das für einen drittklassigen Provinzclub. Ich rufe in Erinnerung: BER, S21, Transrapid, Elphilparmonie, Airbus A400 Transporter inkl. Drohnendesaster usw. - alles Projekte der ELITEN, die dem Normalbürger in seiner täglichen Lebensrealität nichts nutzen und ihn nur viel Geld kosten. Der Bürger jettet nicht ständig in diesen fliegenden umweltzerstörenden Blechsärgen durch die Gegend, weil er gar nicht das Geld dafür hat, er braucht im Schwabenkessel keinen Milliarden Euro teuren unterirdischen Bahnhof, nur um 10 Minuten früher in Ulm zu sein, welcher dazu bei der Untertunnelung auf einen natürlichen Untergrund stößt, der völlig ungeeignet ist für den Tunnelbau und zukünftig weitere immense Kosten verursacht.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Gravity
    (65 Beiträge)

    23.10.2018 12:27 Uhr
    Teil 2
    Der Transrapid war bereits bei Start eine Totgeburt und Stoibers bayerisches Prestigeobjekt. Einzig die Elbphilharmonie hat es nach langer Bauverzögerung und immensen Kostensteigerungen bisher geschafft, an den Start zu gehen, dient aber großteils auch wieder dem wohlhabenderen Teil der Bevölkerung, weil nur diese die meist teuren Eintrittskarten überhaupt nachfragen können.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Gravity
    (65 Beiträge)

    23.10.2018 13:00 Uhr
    Was viel wichtiger wäre als ein neues Stadion
    Was wir tatsächlich brauchen ist bezahlbarer Wohnraum, welchen sich auch ein Normalverdiener in einer Stadt noch leisten kann, einen gut ausgebauten und preisgünstigen öffentlichen Nahverkehr, damit viele vom PKW auf Bus und Bahn umsteigen können und es sich nicht mehr lohnt, den PKW zu benutzen, den flächendeckenden Ausbau von Radwegen, die Sanierung und Ausstattung von Schulen und Kindergärten, die Verbesserung der Sozialsysteme im Falle von drohender Krankheit, Pflege und Arbeitslosigkeit, so wie wir es vor der rot-grünen Agenda 2010 Abbaureform hatten. Die Bekämpfung von Altersarmut und Sicherung der Sozial- und Rentensysteme. Es gebe so viel sinnvolles zu tun und zu investieren, aber dann bitte richtig und gesellschaftskonform, nicht nur für ein paar tausend KSC- und Fußballfans, die das neue Stadion bei KSC Heimspielen eh nur alle 14 Tage für 90 Minuten besuchen. An 300 Tagen im Jahr findet überhaupt kein Spielbetrieb statt und das Stadion bleibt leer.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   marchh
    (170 Beiträge)

    23.10.2018 18:23 Uhr
    Heul doch...
    ...du Lappen, heul nochn bisschen mehr rum, verhindern wirst du Wicht es trotzdem nicht zwinkern Ich freu mir ^^
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    23.10.2018 22:42 Uhr
    Ich habe
    so den Verdacht der gravity heisst in Wirklichkeit gar nicht so. Es liegt nahe, dass sich sein richtiger Name irgendwie griechisch anhört.
    Zumindest würde das zu diesem Wohnraum- und Rezessionsgeschwafel passen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   ImZeichendesPhoenix
    (172 Beiträge)

    23.10.2018 09:41 Uhr
    Revolution
    für alle. Wer kein steuergeldfinanziertes Stadion will hätte eben anders wählen müssen.
    So funktioniert Demokratie.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Gravity
    (65 Beiträge)

    23.10.2018 09:57 Uhr
    Kumpanei ist Lumperei!
    Bisher ging ich in unserem Rechtsstaat davon aus, das aufs Grundgesetz vereidigte Politiker Entscheidungen „zum Wohle des deutschen Volkes“, also allen Bürgern dieses Landes treffen sollten und zwar unabhängig und frei nach bestem Wissen und Gewissen. Reine Klientelpolitik wird zunehmend vom Wähler abgestraft. Genau daran scheitert es bereits, weil jede Partie (außer der SPD, die seit Jahren völlig außer Rand und Band agiert und deshalb zurecht abgestraft wird) nur noch ihre Klientel bedient, aber das Allgemeinwohl dabei vollkommen aus den Augen verliert. Rechtes und linkes Ideologiedenken sind heute nicht mehr zeitgemäß. Wir brauchen einen gesellschaftlichen Konsens, der über reine Parteiinteressen und politische Ideologien hinausgeht. Kumpanei ist Lumperei!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Gravity
    (65 Beiträge)

    23.10.2018 09:58 Uhr
    Amtseid
    Der Amtseid lautet:

    „Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.“

    Der Eid kann auch ohne religiöse Beteuerung geleistet werden (Art. 56 Satz 2 GG).
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   ImZeichendesPhoenix
    (172 Beiträge)

    23.10.2018 10:23 Uhr
    Ich verstehe was du meinst.
    Aber 1. wird das von ganz oben vorgelebt, oder war Merkels Entscheidung zur Grenzöffnung 2015 ausschliesslich zum Wohle des deutschen Volkes? 2. sind Fussballfans auch Teil des Volkes und 3. wird es immer so dargestellt als bekommt der KSC das Stadion geschenkt. Es darf bezweifelt werden, ob der Verein je in der Lage ist die Summe zurückzuzahlen, aber vielleicht ja doch? In die Zukunft sehen kann eben keiner von uns.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 5 6 7 8 9 (9 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.