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Karlsruhe Kommt jetzt die Ausgliederung der KSC-Profis? Erstes Treffen mit Präsident Wellenreuther

Immer wieder kommt das Thema Ausgliederung beim Karlsruher SC auf - und nun werden Fakten geschaffen. Zum ersten Mal kam der neu gebildete Ausgliederungsausschuss am Mittwochabend zusammen. 20 Vertreter aus verschiedenen Gruppen rund um den Verein haben gemeinsam mit Ingo Wellenreuther eine mögliche Ausgliederung der Profis diskutiert.

Zum ersten Mal kam am Mittwoch der neugegründete Ausgliederungsausschuss des Karlsruher SC zusammen, das teilt der Verein in einer Pressemeldung mit. Unter der Leitung von Präsident Ingo Wellenreuther waren über 20 Vertreter aus verschiedenen Interessensgruppen zusammen, um gemeinsam über das Thema Ausgliederung zu sprechen. 

"Wir wollen eine breite Diskussion über dieses Thema mit allen Vereinsorganen, Mitgliedern, Fachleuten und Vertretern aller Interessensgruppen", betonte KSC-Präsident Ingo Wellenreuther in seiner Begrüßung. Mitglieder sollen sich in dieser Zukunftsfrage des Vereins engagieren können. Bis Mitte des nächsten Jahres soll dann ein Ergebnis feststehen und eine Empfehlung an das Präsidium erfolgen. "Wir wollen hier vor allem ergebnisoffen diskutieren, um die beste Lösung für den KSC zu erreichen", wird Wellenreuther in der Pressemeldung zitiert.

Die richtige Rechtsform muss gefunden werden

Stefan Ludwig, Leiter Sportbusiness bei der Firma Deloitte, der bereits verschiedene Vereine bei Themen rund um die Ausgliederung der Profiabteilung betreut hatte, gab zunächst Einblicke in mögliche Rechtsformen. "Es gibt kein richtig und kein falsch", erläuterte Ludwig und zeigte anhand von Beispielen der ersten drei Profiligen unterschiedliche Unternehmensformen. Bereits hier wurde klar, dass es nicht nur auf die Wahl der Rechtsform ankommt, sondern auch auf die konkrete Ausgestaltung und Struktur.

Ausgliederung Treffen Ausschuss KSC
Bild: KSC

Die sogenannte "50+1 Regelung", die der Karlsruher SC zusätzlich auch in seiner Satzung verankert hat, gewährleistet auch in Zukunft das Einflussrecht des Vereins und seiner Mitglieder, "selbst wenn die Liga oder der DFB die Regelung irgendwann mal kippen sollte", erläuterte Rechtsanwalt Markus Schütz, der den Verein seit über zehn Jahren in Rechtsfragen berät. "An der '50+1 Regelung' wird der KSC auf jeden Fall festhalten', so Ingo Wellenreuther. Des Weiteren erklärte Rechtsanwalt Schütz, dass eine Ausgliederung den eingetragenen Verein mit seinen Abteilungen sogar im Bestand schützen kann.

Der richtige Zeitpunkt Stadionneubau?

Nach intensiver Diskussion war am Ende des Abends allen Beteiligten klar: Eine Ausgliederung und die Beschaffung von Kapital sind zwei verschiedene Prozesse. "Den Prozess der Ausgliederung kann man zu jedem Zeitpunkt machen. Wichtig ist auch hier ein gemeinsamer, transparenter Prozess, um den richtigen Zeitpunkt festzulegen. Der Bau eines Stadions könnte beispielsweise ein gutes Momentum sein", führte Ludwig an.

Ausgliederung Treffen Ausschuss KSC
Bild: KSC

Auf Frage aus dem Fanbereich in Bezug auf die Kapitalbeschaffung, ob der KSC sich nicht unter Wert verkaufe, wenn er zu einem Zeitpunkt, zu dem er sich noch in der 3. Liga befinde, Anteile veräußere, erläuterte Ludwig, dass dies eine andere Frage und davon zu trennen sei. Er stimmte zu, dass es sinnvoll sei, einen günstigen Zeitpunkt abzuwarten, wann Anteile eines solchen Unternehmens veräußert werden. Dies hänge mit Fragen der Bewertung des Unternehmens KSC zusammen.

Außerdem stellte Ludwig die Voraussetzungen einer Ausgliederung vor. So muss beispielsweise die auszugliedernde Gesellschaft in der 3. Liga ein Mindestkapital von 1 Millionen Euro und in der 2. Liga von 2,5 Millionen Euro aufweisen. Geschäftsführer Michael Becker wies darauf hin, dass eine Beteiligung durch Finanzpartner oder Kapitalgeber bei einem eingetragenen Verein nicht möglich sei. Ob man nach einer Ausgliederung Anteile veräußere, könne man immer noch entscheiden. Wichtig sei, dass man mit guten Strukturen die prinzipielle Voraussetzung dafür schaffe. Weiter wurde durch Ludwig ausgeführt, dass eine Ausgliederung die Professionalisierung der Aufbau- und Ablauforganisation innerhalb des Vereins weiter unterstützen könnte.

Das weitere Verfahren

Die Firma Deloitte wurde am Ende der Sitzung einvernehmlich mit einer Ist-Analyse des Karlsruher SC beauftragt, um eine Basis für den weiteren Austausch zu schaffen. Es wurde vereinbart, dass sich der Ausgliederungsausschuss das nächste Mal am 19. Dezember zu einem längeren Zukunftsworkshop trifft, bei dem unter anderem auch die verschiedenen möglichen Rechtsformen näher dargestellt und miteinander verglichen werden sollen. Michael Becker informierte, dass Vertreter des KSC verschiedene andere Vereine besuchen werden, die bereits eine Ausgliederung vollzogen haben, um weitere Einblicke in den Ablauf und die Einbindung der Mitglieder zu bekommen.

Auch in den weiteren Schritten wird der initiierte, offene Dialog und konstruktive Prozess fortgesetzt und die Ergebnisse zukünftiger Sitzungen auf einer extra eingerichteten Homepage veröffentlicht, um allen Beteiligten und Interessenten gute Einblicke in den Prozess einer möglichen Ausgliederung der Profiabteilung zu gewähren.

Vom Präsidium und der Geschäftsleitung wurden eingeladen: Vertreter aller fünf Vereinsorgane: Präsidium, Verwaltungsrat, Vereinsrat, Wahlausschuss, Ehrenrat, Geschäftsführer und Sportdirektor des KSC, Vertreter der organisierten Fanszene - Supporters und Ultras - die Revisoren des Vereins, ein Vertreter des Freundeskreises des KSC, drei weitere Vereinsmitglieder mit besonderen Verdiensten und die langjährigen externen Fachberater des Vereins, wie Rechtsanwalt, Steuerberater und Wirtschaftsprüferin. Außerdem waren zwei Berater der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft der Deloitte Sport Business Gruppe bei diesem Treffen.

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Kommentare (22)
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  •   DonHasi
    (975 Beiträge)

    19.11.2018 07:37 Uhr
    Fette Managergehälter
    Die Ausgliederung dient meines Erachtens nur dazu, dass sich die handelnden Personen nicht mehr im "Ehrenamt" verdingen müssen, sondern nun endlich ein entsprechendes "Geschäftsführergehalt" für ihr totales Versagen einstreichen können. Das bedeutet letzendlich der Verein geht über den Rhein und die "ausgegründete" Gesellschaft nach ein paar Jahren gepflegt über die "Wupper". Ob die Stadt Karlsruhe bei diesem für mich offensichtlich veranstalteten "Betrugsversuch" zu Lasten der Allgemeinheit noch ein Stadion bauen sollte, muß jeder für sich selbst beantworten. Verein bleibt Verein und daran wird auch nicht gerütttelt.
    Wer gutes tun will muß sich dafür nämich nicht hinter einer Rechtsform "verstecken" Sondern kann morgen damit anfangen.
    Blau-Weiß , solange die Sterne noch stehen....
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  •   IchKA
    (718 Beiträge)

    18.11.2018 08:26 Uhr
    Die letzten Jahre haben gezeigt
    dass eine Professionalisierung der Vereinsführung unabdingbar ist und zeigt zugleich, dass diese Vereinsführung ohne teuere externe Berater keinen wirklichen Plan hat und aufgeschmissen ist.
    Aber Rechtsanwalt Schütz bringt es auf den Punkt, "dass eine Ausgliederung den eingetragenen Verein mit seinen Abteilungen sogar im Bestand schützen kann." Mit anderen Worten: Lasst uns einen Plan B im Falle einer Insolvenz erarbeiten. Ich weiß nicht, was die Freiburger besser machen. Es ist ein kleiner eingeschworener Verein voller Leidenschaft für Fußball, sie spielen 1. Liga, haben ihre Finanzen im Griff, bauen ihr Stadion selbst und bleiben trotzdem ein Verein im klassischen Sinn und sind kein durchgetaktetes Wirtschaftsunternehmen, sondern ein Verein mit Badischer Seele.
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  •   teflon
    (2652 Beiträge)

    18.11.2018 10:54 Uhr
    Freiburg und Hoffenheim haben in den
    letzten 2,5 Jahrzehnten deutlich erfolgreicher gewirtschaftet , ihre Strukturen optimiert und das zahlt sich jetzt aus.Der KSC ist in der Ba-Wü-Top10 irgendwo auf Platz 8 oder tiefer angekommen - da hilft auch nicht,dass man jetzt den Profibereich ausgliedern will. Die Mio´s von Pilarsky sind in den letzten 7 Jahren einfach nur verpufft und das wird bei dem Präsidium so auch weiter geschehen- wirklich erfolgreich war dieser Club nur Mitte der 1990ziger und das lag primär an 3 Personen & deren Handeln. Der KSC ist durch die schiere Summe der Besserungsscheine hoffnungslos überschuldet und sucht meiner Meinung nach noch vor Einreichung der Lizenzunterlagen für 19/20 eine Möglichkeit, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Sollte nämlich die DFL das Schuldenthema mit oder ohne Bilanzierung anders interpretieren, wird es ganz fix zappenduster im Wildpark
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  •   Eckfaehnchen
    (2681 Beiträge)

    18.11.2018 15:02 Uhr
    Freiburg und Hoffenheim
    kann man beim besten Willen nicht vergleichen. Hoffenheim wurde von Herrn Hopp ab A-Klasse bis in die 1.BL hochfinanziert. Erst kam das Dietmar-Hopp-Stadion in Hoffenheim selbst mit Trainingsplätzen und dem Internat für die vielen Jugendspieler, danach das Stadion in Sinsheim mit den grandiosen Trainingsmöglichkeiten im Nachbarort Zuzenhausen. Dort fehlen nur noch die goldenen Wasserhähne !! Sonst
    ist dort alles vom Feinsten. Alles professionell gemacht vom Macher Dietmar Hopp.Geld dürfte da nie eine Rolle gespielt haben. Der Dorfclub ist ihm zu ewigem Dank verpflichtet.

    Wie Freiburg alles hinbekommen hat ist mir ein Rätsel. Ich ziehe vor dieser Leistung den Hut.
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  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    19.11.2018 00:03 Uhr
    Immerhin
    war und ist Dietmar Hopp bei und voll hinter der Sache und er hat den Verein langsam mit Augenmaß und Weitsicht aufgebaut. Und da er ja auch sonst in seiner Heimatregion sehr grosszügig ist und sich nie in den Vordergrund hebt ist und bleibt er für mich absolut seriös.
    Eigentlich ein Kandidat fürs DFB Präsidentenamt.
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  •   Karlsruh1976
    (285 Beiträge)

    17.11.2018 22:51 Uhr
    Nein zur Ausgliederung!
    Wir sind der Verein! Wir, die Mitglieder! Das dürfen wir uns nicht nehmen lassen! Wenn wir Anteile an eine Firma verkaufen, verkaufen wir unser Seele! Noch vor kurzem wurde sich doch zusammengesetzt, um darüber zu diskutieren für was dieser Verein eigentlich steht. Stehen wir etwa für Kommerzialisierung im Fußball? Ich bin Fan eines VEREINES und nicht einer Aktiengesellschaft. Sollten diese Pläne tatsächlich irgendwann einmal konkreter werden, und es eine positive Mitgliederabstimmung dazu geben, wäre der KSC für mich leider gestorben! Freiburg, Schalke, Mainz, Düsseldorf und Nürnberg schaffen es auch als FußballVEREIN in der Bundesliga zu stehen. Bei einer Ausgliederung müsste ich wohl oder übel meine langjährige Mitgliedschaft kündigen!
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  •   A320
    (312 Beiträge)

    17.11.2018 23:16 Uhr
    .
    Ich halte nichts von so einer einseitigen Argumentation.
    Es gibt genügend Wege um eben einen geeigneten Investor zu finden, der den Verein nicht als sein Spielzeug sieht. Zumal der Verein immer die Mehrheit der Anteile halten würde, und man daher "nicht seine Seele verkauft". Mit einer Ausgliederung alleine wird der KSC nicht erfolgreich sein, aber hätte es wesentlich einfacher.
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  •   Karlsruh1976
    (285 Beiträge)

    17.11.2018 23:32 Uhr
    Eben das ist der Grund!
    Wo bleibt dann überhaupt noch der Reiz des Erfolges? Durch die Ausgliederung wird, wie du es gesagt hast, vieles vereinfacht. Aber das will ich doch gar nicht! Wie soll ich mich zum Beispiel über einen Aufstieg freuen, wenn ich weiß, dass es aufgrund des finanziellen Vorteils Pflicht ist? Das macht doch überhaupt gar keinen Spaß mehr. Das macht den Fußball kaputt! Als Beispiel dieses Jahr die Relegation Kiel gegen Wolfsburg. Denkst du, die Kieler wären so unfassbar euphorisch gewesen wenn sie einen Hopp im Rücken hätten, der sie mit Geld vollpumpt? Nein, denn dann wäre es selbstverständlich gewesen und der Aufstieg Pflicht! Siehst du was ich meine? Ich brauche keine teuren Transfers, ich möchte einfach eine leidenschaftliche Truppe (die wir zurzeit haben) die sich den Erfolg erarbeitet, ein Verein der durch ehrliche Arbeit wieder nach oben kommt! Sonst nichts!
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  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    18.11.2018 00:11 Uhr
    Dann musst du
    zu den Amateuren gehen, da kriegst du sowas vielleicht noch. Der Profifussball wurde ja nicht erst gestern dem Geld geopfert, da hast du nur zwei Möglichkeiten. Mitmachen oder bleiben lassen.
    Und die 11 Freunde geschichte ist sowieso pure Romantik die es noch nie gab.
    Wenn sich schon in einer durchschnittlichen Viermann Rockcombo die Mitglieder spätestens nach der zweiten Platte spinnefeind sind, wie soll das dann bei 20 Mann funktionieren?
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  •   A320
    (312 Beiträge)

    17.11.2018 23:40 Uhr
    .
    Kann deine Ansicht verstehen. Aber dann wird das mit der 2. Liga viel schwieriger, denn dort schafft man es entweder nur mit einem Konzept, das zu 100% aufgeht, oder man hat genug Geld. Und sorry, aber dann darf man das neue Stadion nicht bauen. Ich bin auch Mitglied, möchte aber den Profifußball in Karlsruhe weiterhin erhalten haben. Und ich bin der Meinung, das man eben nicht jeden x-beliebigen Investor nehmen sollte, sondern auch einen, der etwas mit der Region zu tun hat und eben auch das Beste für den KSC will.
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