Karlsruhe KSC-Held Kurt Sommerlatt – "Der Mann mit dem Hammerschuss!"

Die Gratulanten werden am ersten Weihnachtsfeiertag in Blankenloch Schlange stehen. Denn dann feiert eine "Legende des deutschen Fußballs" seinen 89. Geburtstag. Kurt Sommerlatt – der deutsche Pokalheld schlechthin. Sommerlatt ist einer der ganz Großen der langen Pokalgeschichte des DFB, ist Mitglied der "Hall of Fame" in Berlin. Lesen sie hier Teil eins der großen ka-news-Story zum Jubiläum.

Ein Länderspiel absolvierte er nie. Am damals besten Halbstürmer Fritz Walter kam Sommerlatt nicht vorbei. Aber im Pokal war er erfolgreicher als der große Walter, auch erfolgreicher als die Weltstars Franz Beckenbauer oder Lothar Matthäus. Im Pokal ist er eine deutsche Fußballlegende. Der gebürtige Karlsruher, trotz seiner fast 89 Jahre noch immer fit, ist der einzige Deutsche, dem es gelang, drei Pokalsiege in Serie zu feiern. 1955 und 1956 mit dem Karlsruher SC, im Jahr danach gelang ihm dieses Kunststück mit dem FC Bayern München.

Apropos Bayern: Hin und wieder wird er von den Münchnern samt Ehefrau Friedlinde eingeladen, dann wenn die Bayern im Finale stehen. Egal wo er spielte: Sommerlatt war der Denker und Lenker seiner Mannschaft. In Karlsruhe nannten sie den bekennenden Badener sogar "Spiritus Rector" –  führender, lenkender Geist. Bei all den Triumphen, den vielen Lobeshymnen: Sommerlatt blieb immer bescheiden, blieb bodenständig. Ein Tag mit der Familie war ihm immer mehr wert – als ein Pressetermin.

Sommerlatts Siegesserie von 1955 – 1957

Und sollte er den Rekord jemals verlieren? "Dann wäre das eben so. Dann gratuliere ich. Mir ist das nicht so wichtig", sagt er und zuckt mit den Schultern. "Da gibt es doch Schlimmeres, oder?" Dass der einstige Offensivspieler erfolgreicher ist als zum Beispiel der aktuelle Superstar Thomas Müller, der zwar vier Pokalsiege auf seinem Konto hat, aber eben keine drei in Serie, ist für Sommerlatt "wirklich nicht wichtig. Das alles hat sich eben so ergeben", sagt der Mann, mit der damals fast einzigartigen, enormen Schuhgröße 45. Wichtiger ist ihm "Gesundheit für die Familie".

Kurt Sommerlatt war ein Stratege, einer der das Offensivspiel organisierte - aber auch ein Spieler, der nach hinten rannte und für seine Mannschaft arbeitete. Die Karlsruher Presse beschrieb ihn damals als "einen Athleten mit Pferdelunge". Den ersten Pokalerfolg schaffte er 1955. "Das Wunder von Braunschweig", als dort der "kleine" KSC den "großen" FC Schalke 04 mit 3:2 besiegte. "Das hatte keiner erwartet. Ich habe mich über alle Pokalsiege gefreut, aber das war der erste und irgendwie der schönste Sieg." Der Pokalheld erinnert sich mehr als 60 Jahre danach noch exakt an einige Spielszenen – zum Beispiel an seinen Treffer zum 2:2.

Ablösesumme in Flutlicht investiert

"Ernst Kunkel hatte links den Ball. Ich rief: Her damit. Der Ball kam, ich nahm ihn aus über 20 Metern direkt - drin war er." Überschrift in der Zeitung am Tag danach: "Der Mann mit dem Hammerschuss!" Im Jahr darauf war das Pokalfinale im heimischen Wildpark gegen den Hamburger SV. Damals variierte der Spielort. Berlin war noch nicht der Pokalfixpunkt, das Mekka des DFB Pokals. "Obwohl das ein Heimspiel war, Favorit waren wir wieder nicht, aber...", sagt er, lächelt, macht eine kleine Pause ehe er schmunzelt, beifällig nickt und dann fortfährt: "Wir haben den Großen wieder besiegt. 3:1 gegen den HSV." Diese Partie wurde im Fernsehen übertragen. "Das Finale im Jahr zuvor nicht."

Seriensieg Nummer zwei war perfekt. Es folgten Unstimmigkeiten mit dem KSC, der lieber auf auswärtige als auf eigene Akteure setzte. Daher wechselte Sommerlatt zum FC Bayern München, der schon lange um ihn buhlte. "Ich dachte, das geht einfach so. Aber ich habe später erfahren, dass der FC Bayern Ablöse gezahlt hat. Der KSC hat von meinem Geld die Flutlichtanlage im Wildpark bezahlt." Prompt gelang ihm mit dem FCB erneut die Pokalfinalteilnahme. Im Augsburger Rosenaustadion vor 44.000 Zuschauern gegen Fortuna Düsseldorf. Bayern gewann mit 1:0. Gefeiert hat er all die Sieg nie sonderlich heftig. "Kleiner Autokorso, dann Einladung zum Essen, ein paar Reden - das war es. Da gab es kein großes Gelage."

Als der dritte Pokalsieg in Folge in trockenen Tüchern war, hatte Kurt Sommerlatt den Rekord (für die Ewigkeit?) aufgestellt. Dennoch blieb der Rekordinhaber bescheiden, bodenständig, ist ein rundum zufriedener und zurückhaltender Mensch. "Sicher freuen mich die Erfolge, aber abheben? Nie!" Rummel um seine Person – das braucht er nicht. 

Hier geht's zu Teil 2 der Historie um Kurt Sommerlatt.

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