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Karlsruhe KSC-Fans erzählen, was sie in Stuttgart erlebt haben: "Sie sagten, ich soll mir in die Hose machen - wir waren alle einfach hilflos!"

Auch zwei Tage nach dem baden-württembergischen Derby kochen die Emotionen der KSC-Fans noch hoch, noch immer ist für viele unverständlich, was da in Stuttgart passiert ist. Mehrere Fans haben sich an die ka-news.de-Redaktion gewandt und erzählen ihre Geschichte.

Da wäre ka-Reporter Alexander und am Sonntag mitten im Polizeikessel. "Ich schreibe als Fan und Geschädigter", beginnt er seine Mail an die Redaktion. "Ich bin 22 Jahre alt und kann mich nicht erinnern, je einen schlimmeren Tag gehabt zu haben. Wir wurden eingekesselt von allen Seiten, egal ob Männer, Frauen oder Kinder", schreibt Maik weiter. Er vergleicht die Situation vor dem Stadion wie mit der von Tieren, die von einem Rudel gejagt werden.

 

"Das verstößt gegen meine Menschenwürde!"

Er beschreibt weiter, wie er dringend auf die Toilette musste, aber keiner der Beamten habe sich geregt. "Ich habe einen der Beamten gebeten, mich auf die Toilette zu lassen, denn ich hatte Magenprobleme und ich konnte es nicht mehr aushalten. Als Antwort kam, dass ich erwachsen genug sei und mir in die Hose machen soll, wenn es gar nicht mehr geht!"

Und weiter: "Das verstößt gegen meine Menschenwürde und ich und etwa 400 andere waren einfach nur hilflos! Wir hatten keine Chance auf Essen, Trinken oder eben Toilettengänge! Fünf Stunden lang! Das waren extreme Kollektivstrafen , die es in einem Land wie Deutschland nicht geben darf! Ich bin einfach nur extrem erschüttert vom unmenschlichen Verhalten der Polizei! Denn so eine Aktion war geplant von denen, das sagte mir im Nachhinein ein Beamter!"

 

 

Ein anderer Fan, Michael aus dem Landkreis Karlsruhe, hofft immer noch, aus einem Traum aufzuwachen. "Aber leider ist das, was da am Sonntag passiert ist, Realität", schreibt er in einer Mail an die ka-news.de-Redaktion. Er beginnt seine seine Geschichte mit der Abfahrt zum Stadion, wie er und drei Kumpels mit dem Auto nach Stuttgart wollten. "Wir wollten der Fantrennung helfen, also wollten wir der Faninfo folgen und am Parkhaus P7 am Stadion parken", schreibt Michael weiter.

Derby Stuttgart Einsatz
Bild: ka-Reporter Sascha

"Als wir auf die Benzstraße abgebogen sind, standen wir vor einer Absperrung. Ein Polizist hatte allerdings aufgrund unserer frühen Anreise und der Tatsache, dass VfB-Fans in der Nähe waren, nur die Möglichkeit die Absperrung auf die Seite zu räumen. So fuhren wir die Benzstraße entlang und wurden dann ins Parkhaus gewunken. Im Parkhaus, es kam mir schon bei der Einfahrt komisch vor, haben wir dann festgestellt, dass es wohl nicht P7 war sondern ein Parkhaus für Stuttgart-Fans. Also sind wir nach zwei Minuten wieder rausgefahren!" 

"Keine Polizei in Sicht"

Michael und seine Kumpels haben sich dann, so schildert er den weiteren Verlauf am Sonntag, einen Parkplatz bei den Karlsruher Fanbussen gesucht. "Von dort aus sind wir, neutral gekleidet, in Richtung Gästeeingang gelaufen. Ich war verwundert: Erstens befand sich der Parkplatz auf der Seite der Heimfans, wir liefen mit anderen VfB-Fans auch am besagten Parkhaus vorbei. Der Weg führte an einer Baustelle entlang - mit besten Wurfmaterial - und vorbei an einer Gaststätte oder einem Bistro mit Außenbewirtung und VfB-Fans. Polizei war weit und breit nicht in Sicht.

Derby Stuttgart Einsatz
Bild: ka-Reporter Sascha

Nach dem Spiel sind wir aus dem Stadion. Dort wurden wir mit Lautsprecherdurchsagen empfangen. Wir mussten nach links in Richtung der Autos und Busse. Die Dame an der Durchsage war komplett unfähig. Originalton: 'Bitte gehen sie aus dem Schlauch raus und nach links in Richtung Untertürkheim.' Außer, dass Untertürkheim rechts war und sie aus ihrer Sicht die Seiten beschrieben hat sind wir natürlich, wie zahlreiche andere Fans,  nach links gegangen.

 

"Die Lage war kurz vor dem Eskalieren"

Danach die Aussage: 'Seien Sie vernünftig und gehen Sie nach links.' Ja da standen wir an einer Polizeikette zusammen mit mittlerweile mindestens 500 anderen Fans. Da sich aber niemand nach rechts in Richtung Untertürkheim bewegte, war die Lage kurz vor dem Eskalieren. Nach weiteren ewigen Minuten des Wartens kam die Durchsage. 'Es stehen noch drei Busse am Parkplatz, die Polizeikette wird gleich aufgemacht.'

Also ging die Polizeisperre auf und 500 bis 700 Fans bewegten sich in Richtung Busse und Autos. Und jetzt wird es interessant. Natürlich kamen wir an der Gaststätte mit den VfB-Fans vorbei und Provokationen von beiden Seiten blieben nicht aus. Aus meiner Sicht allerdings zuerst von Stuttgartern ausgehend, da angesichts dem Erlebten - Niederlage und Polizeieinsatz - wollte eigentlich jeder nur nach Hause. Polizei war ja keine da", erklärt Michael.

Polizei soll ohne Vorwarnung auf KSC-Fans eingeschlagen haben

Das scheint sich dann geändert zu haben: "Plötzlich kam eine Staffel ihrer Kollegen angerannt und schlugen ohne Vorwarnung mit Schlagstöcken auf die KSC-Fans ein, ohne Rücksicht auf Alter, Geschlecht und ob an Provokationen beteiligt. Das ging dann auch noch beim Parkhaus so. Naja, war wohl Kollateralschaden. Sind ja selbst Schuld, die dummen Fußballfans", so der KSC-Fan in seiner Schilderung. 

Er beschreibt abschließen die chaotische Abfahrt vom Busparkplatz am Stadion: "Am Auto durften wir dann nochmal 'ne Stunde warten, bis wir abfahren konnten, denn offensichtlich fehlte auch hier ein Konzept. Mit vier Polizisten konnte ich auch noch reden, die angesichts des heutigen Einsatzes total sprachlos waren. Hier wurden echt Polizeikräfte aufgrund mangelnder Einsatztaktik verheizt.

Ich erwarte eigentlich nur, dass sich jemand hinstellt und sich in aller Form bei den diensthabenden Beamten und bei den Fans des KSC entschuldigt und von der schlechten Einsatzplanung für die Zukunft lernt", fordert Michael von der Polizei Stuttgart.

Von den Vorkommnissen vor dem Spiel hat er nur am Rande mit bekommen, "wir waren ja frühzeitig im Stadion", erklärt Michael. "Ich habe mich nur gewundert, dass die ganze aktive Fanszene noch nicht im Stadion ist!" 

"Das war schon Polizeigewalt!"

Schon als ka-news.de am Montag, einen Tag nach dem Derby, mit einem KSC-Fan spricht, erhebt der die gleichen Vorwürfe. Er bestätigt, dass die Fans am Bahnhof von der Polizei zum Stadion eskortiert werden sollten. "Es war in der Tat so, dass eine größere Gruppe gesondert festgehalten wurde von der Polizei", beschreibt er gegenüber ka-news.de.

"Wie wir gehört haben, ist ein Teil dann doch ins Stadion gekommen, der Großteil jedoch nicht. Das war schon Polizeigewalt und das Konzept war so auch nicht im Vorfeld mit den Fanbetreuern abgesprochen, das war ganz klar!" 

Derby Stuttgart Einsatz
Bild: ka-Reporter Sascha

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  •   Laetschebachschorsch
    (3153 Beiträge)

    29.11.2019 08:52 Uhr
    S chwäbisch - badisches Verhältnis
    Sehr geehrter Herr Kretschmann!
    Ich frage sie als Dienstherr der Landespolizei wie bei solchen Maßnahmen von der Landespolizei die Abneigungen zwischen Baden und Schwaben überwunden werden sollen. Ich garantiere ihnen, dass das was bisher aufgebaut wurde auf viele Jahre wieder zerstört wurde. So baut man keine Abneigungen ab - egal ob auf dem Sportplatz oder auf der Straße. Ist dies mit ihrer volksnahen Politik vereinbar? Wenn nicht, dann unternehmen sie was dagegen. Oder man muss annehmen, dass sie das unterstützen und aus ihrem Mund nur leere Worte kommen.
    Zur Klarstellung: Ich bin kein KSC-Fan, sondern erfreue mich nur an guten sportlichen Leistungen, egal von welcher Seite und in welcher Sportart. Und Schwaben sind mir genauso lieb wie Pfälzer, Saarländer, Ostfriesen oder Bayern.
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  •   Avatar
    (260 Beiträge)

    29.11.2019 15:58 Uhr
    Herr Kretschmann
    wird sicherlich ka news lesen 🤣😃
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  •   Laetschebachschorsch
    (3153 Beiträge)

    29.11.2019 20:04 Uhr
    Er nicht,
    aber seine Helferlein bestimmt. Das gehört zu deren Aufgabe. Und er ist nun einmal oberster Dienstherr seiner Polizei. Letztlich trägt er auch die politische Verantwortung.
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  •   Weichei
    (444 Beiträge)

    28.11.2019 18:16 Uhr
    Absolut off Topic
    Wer von Euch merkt eigentlich wie Ihr Meinungsfesseln bei dieser Seite angelegt bekommt?
    Fussball, da schreckt man auch nicht davon zurueck gegenseitige Hasstyraten zu erlauben. Jedoch wird Alles unterbunden das Kritik an den sozialen Verklemmtheiden im heutigen Deutschland betrifft.
    Beispiel nur Eines von Vielen:
    Urteil gegen Schwimmlehrer in Baden-Baden rechtskräftig: 12 Jahre Haft wegen Kindesmissbrauch.
    Kein Kommentar moeglich.
    Fast schon wie bei Xi in China.
    Selbst in der Suedafrikanischen Zeit der Apartheid waren kritische Berichte der Presse nicht zensiert.
    OK mein Kommentar hier wird zweifelohne schnellsten geloescht.
    Aber was solls, hauptsache die Gegner im Fussball duerfen belabert werden und nackte Maenner auf Betonsockeln mit wilden vergeltungssuechtigen Kommentaren sind zugelassen.
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  •   silberahorn
    (9999 Beiträge)

    29.11.2019 05:38 Uhr
    ? Zensur
    ist das weniger, als im Fall des Kindesmissbrauchs auch die Umsicht, dass auch für Geschädigte verletzliche Meinungen verbreitet werden können. Dazu noch: Nicht jedem Geschädigten gefällt es, wenn radikale Gruppierungen versuchen auf diese Weise Anhänger zu generieren.

    Das funktioniert von deren Seite, wie verabredet, dann zur gleichen Zeit massenhaft, so dass Löschungen und Verfolgungen wegen Beleidigung dieser Meinungen schwierig sind. Gleich Zensur zu unterstellen wirkt paranoid. Denn immerhin kann man seine Meinung in Büchern oder sonstwie ungehindert von sich geben, wenn man die Inhalte so darstellt, dass es im Anschluss möglichst keine Gerichtsstreitigkeiten geben kann.
    Bei einigen Veröffentlichungen von Medien werden zuvor deshalb sogar deren Anwälte zur Prüfung herangezogen.
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  •   smuudo
    (208 Beiträge)

    28.11.2019 12:54 Uhr
    Geht zum Handball...
    ...da funktionierts ohne Gewalt, außer manchmal auf dem Spielfeld.
    1. keine Polizeipräsenz
    2. Löwen vs. Stuttgart, keine beleidigende Fangesänge
    3. keine Absperrungen zw. den Lägern
    4. Gute Stimmung
    5. keine Mimis auf dem Platz, da wird hingelangt und wieder aufgestanden
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  •   karlsruher1955
    (1195 Beiträge)

    28.11.2019 06:57 Uhr
    Alte Weisheit
    Wer sich wissentlich in Gefahr begibt kann darin umkommen.
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  •   kscgrufti
    (3703 Beiträge)

    28.11.2019 09:24 Uhr
    Du meinst
    jetzt im Verkehr auf der Anreise zum Stadion ?
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  •   Maverick
    (77 Beiträge)

    27.11.2019 22:05 Uhr
    Seltsam.....
    die Bagatellisierer, die sonst immer von "bedauerlichen Einzelfällen" reden, und dafür plädieren, nicht Alle über einen Kamm zu scheren, sind jetzt plötzlich Pro Sippenhaft. Looool.
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  •   schmidmi
    (2090 Beiträge)

    28.11.2019 12:55 Uhr
    Fast richtige Erkenntnis
    Alle, die von Untergang des Abendlandes reden, wenn sie irgendwo 3 Ausländer entdecken, haben kein Problem mit Horden von teutonischen Krawallmachern und Gefährdern von Menschenleben im Umfeld eines Fußballspiels.
    Ich frage mich nur, warum. Weil das Fußballspiel zur Christlich Abendländischen Kultur gezählt wird, oder weil man Probleme sieht, diese Leute irgendwohin abzuschieben?
    Fragen über Fragen....
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