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Karlsruhe "Die Gerüchte sind schlichtweg falsch": KSC-Verantwortliche beziehen Stellung zur aktuellen Situation

Seit einigen Tagen sieht sich das Präsidium des Karlsruher SC heftigem Gegenwind ausgesetzt. Nicht nur sportlich scheint einiges in Schieflage geraten zu sein bei dem Karlsruher Traditionsverein. Auch wirtschaftlich sieht es angeblich nicht ganz so gut aus. Aufgrund dieser Berichte sah sich das Präsidium nun zu einer Klarstellung gezwungen.

Wie viel Geld hat der Karlsruher SC wirklich auf der hohen Kante, wie hoch sind die Schulden des Vereins und was hat es mit den Besserungsscheinen auf sich? Schon seit Tagen geistern Gerüchte durch Karlsruhe, mit denen möchte das Präsidium und der Verwaltungsrat des KSC nun aufräumen. Dazu gab es aus dem Wildpark nun eine Presseerklärung, hier im Wortlaut: 

1. Aktuelle wirtschaftliche Lage

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des KSC sind bekanntermaßen seit vielen Jahren nicht einfach. Der Abstieg in die 3. Liga im Jahr 2017 tat dazu sein Übriges. Insbesondere fällt hier die Reduzierung der TV-Gelder von knapp 10 Millionen Euro auf rund 800.000 Euro ins Gewicht. Nach dem Abstieg waren sich alle Gremien des Vereins einig, den sofortigen Wiederaufstieg unter Einsatz erheblicher Mittel anzustreben. Der geplante und tatsächlich entstandene operative Verlust wurde dann - wie vereinbart - von verschiedenen Unterstützern ausgeglichen, unter anderem maßgeblich durch Vizepräsident Günter Pilarsky. Der tatsächliche bilanzielle Verlust liegt lediglich bei rund 85.000 Euro.

Wellenreuther und Pilarsky
Ingo Wellenreuther und Günter Pilarsky in Flachau | Bild: Linder

Weiterhin ist festzustellen, dass nach dem leider knapp verpassten Wiederaufstieg es erneut gelungen ist, eine Lizenz für die 3. Liga vom DFB zu erhalten. Dies war möglich, weil unsere Hausbanken uns weiterhin finanzieren und Sponsoren, Freunde sowie Unterstützer dem KSC weiterhin zur Seite stehen. Wir können deshalb bestätigen, dass die laufende Saison durchfinanziert und abgesichert ist. Dies sieht auch der DFB so. Dazu haben auch Transfereinnahmen in Höhe von rund 2,7 Millionen Euro beigetragen.

Anderslautende Gerüchte und Medienberichte zur aktuellen wirtschaftlichen Lage sind schlichtweg falsch.

1.1 Höhe der Verbindlichkeiten

Ebenso nichtzutreffend sind die in einigen Medienveröffentlichungen genannten Zahlen hinsichtlich der Verbindlichkeiten des KSC. Richtig ist, dass die Verbindlichkeiten weniger als 5 Millionen Euro betragen. Darüber hinaus bestehen Rückstellungen in Höhe von rund 1 Million Euro.

SG Dynamo Dresden - Karlsruher SC
Präsident Ingo Wellenreuther (r) spricht vor dem Anpfiff mit Sportdirektor Oliver Kreuzer. | Bild: Thomas Eisenhuth

1.2 Vertrag mit Michael Kölmel

Der KSC hat aus dem Jahr 2000 einen Vertrag mit dem Medienunternehmer Michael Kölmel, der durch einen Vergleich im Jahr 2010 durch das damalige Präsidium geändert wurde. Der Verein ist demnach verpflichtet, bis zu einer Höchstgrenze von 21 Millionen Euro jedes Jahr einen prozentualen Anteil aus den Einnahmen aus audiovisuellen Rechten an Herrn Kölmel zu zahlen. Ein vorzeitiger Ausstieg ist ab dem kommenden Jahr gegen eine Einmalzahlung möglich, aber nicht verpflichtend. Somit ist diese Ausstiegsmöglichkeit des KSC keine Verbindlichkeit für den Verein. 

1.3 Besserungsscheine

Zudem existieren einige Besserungsscheine, welche ebenfalls keine Verbindlichkeiten darstellen. Personen und Unternehmen haben dem Verein Gelder zur Verfügung gestellt und auf deren Rückzahlung verzichtet. Dies ist eine seit mehreren Jahrzehnten geübte Praxis, nicht nur beim KSC. Eine Rückzahlungsverpflichtung würde erst bei positivem Eigenkapital plus bilanziellem Gewinn entstehen.

Wildparkstadion
Das Wildparkstadion in Karlsruhe. | Bild: Peter Eich

2. Zukunftskonzept des KSC

Das von Geschäftsführung und Präsidium ausgearbeitete und im Frühjahr gemeinsam mit dem Verwaltungsrat verabschiedete Zukunftskonzept ist personenunabhängig die Basis für die Arbeit der kommenden Jahre. Dieses Konzept beinhaltet unter anderem mögliche Pläne für eine Ausgliederung der Lizenzspielerabteilung mit dem vorrangigen Ziel, weitere externe Kapitalgeber für den KSC zu gewinnen, allerdings unter Beibehaltung der 50+1 Regel.

Ingo Wellenreuther
Bild: Reiff

Die rechtliche Prüfung der Ausgliederung ist bereits im Gange. Der Prozess zur Findung einer Markenidentität ist ebenso eingeleitet und soll Anfang des kommenden Jahres abgeschlossen sein. Unabhängig vom Ausgliederungsprozess soll im Interesse von Präsidium und Verwaltungsrat bereits bei der Mitgliederversammlung am 22. Oktober 2018 eine Satzungsänderung beschlossen werden, die dem Geschäftsführer mehr Kompetenzen einräumt.

Zu den beschlossenen Restrukturierungsmaßnahmen zählen auch eine deutliche Reduzierung der Ausgaben um rund 2,5 Millionen Euro. Dies betrifft sowohl Sach- als auch Personalkosten. Beim Personal hat dies neben dem Lizenzspielerbereich auch den Verwaltungsbereich betroffen. Hierbei ist das Präsidium den Vorschlägen des damaligen Geschäftsführers gefolgt. Der laufende Geschäftsbetrieb ist auch nach den personellen Änderungen voll funktionsfähig und wird unter Geschäftsführer Michael Becker stetig weiterentwickelt.

3. Stadion-Neubau

Ganz entscheidend für die Zukunft des KSC ist der Bau des neuen Stadions im Wildpark. Ohne ein neues Stadion wird es dauerhaft keinen Profifußball in Karlsruhe geben. In dieser Frage ziehen der Verein und die Stadt Karlsruhe mit dem Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup an der Spitze an einem Strang.

Pressegespräch zum Stadionneubau
Bild: ka-news

Am Rande eines persönlichen Gesprächs am vergangenen Mittwoch, 5. September 2018 zum Stadionneubau, haben das KSC-Präsidium sowie Geschäftsführer Michael Becker mit dem Oberbürgermeister Fragen zur wirtschaftlichen und sportlichen Situation sowie zum Wechsel in der Geschäftsführung besprochen. Vereinbarungsgemäß wird der Verein dem Oberbürgermeister diese Fragen auch noch schriftlich beantworten.

Stadion KA_v3-2_3.jpg
Bild: AS&P

4. Rolle des Verwaltungsrats

Der Verwaltungsrat nimmt seine Aufgabe, das Präsidium in allen wirtschaftlichen und rechtlichen Angelegenheiten zu beraten und dessen Geschäftsführung zu überwachen, vollumfänglich wahr. Eine Berichtspflicht besteht nach der Satzung nur gegenüber der Mitgliederversammlung.

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Kommentare (33)
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  •   melotronix
    (2611 Beiträge)

    12.09.2018 10:45 Uhr
    jetzt mal..
    .."Butter bei die Fische". Wer glaubt ein Dohmen oder ein anderer imaginärer Präsidentschaftkandidat hätte auf einmal das Rad neu erfunden, der irrt gewaltig. Die Brüllklappe ist so leicht geöffnet und befreit ja ungemein.
    Aber das Problem ist mit nichten, auch nur in kleinesten Teilen dadurch angegangen.

    Wo nichts ist, kann nichts generiert werden. Aus einem Feld ohne Samen kommt nur Unkraut zustande.
    Was macht man also...man versucht den bisherigen Schaden erstmal so weit wie möglich zu glätten...in die Zukunft zu schieben um Räume zu schaffen um in der Zwischenzeit durch geschicktes Handeln und auch mit Glück den Karren wieder so anzuschieben, dass man in ruhigeres Fahrwasser gerät.
    Es gibt keinen Tischlein-deck-dich-Investor. Und aus Mist ist auch noch kein Gold entstanden. Es riecht eben nur erbärmlich.
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  •   melotronix
    (2611 Beiträge)

    12.09.2018 10:46 Uhr
    ...
    ...der momentane Job eines Präsidenten ist wirklich nicht zu beneiden. Aber ich wähle gerne einen in der langen Reihe der Brüllaffen...solange eingesehen wird, dass Stroh nicht zu Gold gesponnen werden kann!
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  •   Markymark
    (251 Beiträge)

    12.09.2018 11:10 Uhr
    naja
    niemand zwingt ihn diesen Job zu machen. Ich würde es sicher nicht tun wollen.

    Der KSC ist nun in einer Situation zwischen Pest und Cholera. Risiko nehmen und Insolvenz riskieren um wieder in die 2. Liga aufzusteigen oder den Verein finanziell stabilisieren aber damit aus dem KSC endgültig ein Liga 3 Club machen. Allerdings droht dann auch ein weiterer Abstieg.

    Ich würde eher den Verein erst mal finanziell stabilisieren, um nochmal Zeit zu gewinnen, weil ich glaube einfach nicht (auch mit Muslija, Mehlem etc.), dass der KSC überhaupt eine Chance auf den Aufstieg diese Jahr gehabt hätte. Fürchte dafür muss erst auf anderer Ebene was passieren....Unter AS gab es keine Weiterentwicklung. Er hat es auch nicht geschafft Schleusener und Mehlem zu halten und sich durchzusetzen. Alles so Alibi Mässig irgendwie (kann man ja nichts machen, ist halt so). Jetzt jammern dass einige Leistungsträger gingen. Er hätte davor auf den Tisch hauen sollen.
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  •   Eckfaehnchen
    (2463 Beiträge)

    12.09.2018 11:32 Uhr
    Zu deiner Kritik an AS
    muß ich doch etwas sagen. Was kann der Alois dafür , dass Schleusener nur für ein Jahr aus Freiburg ausgeliehen werden konnte und zurück mußte ? Und für das Halten von Mehlem hat das Geld gefehlt, im Gegenteil, man war auf den Erlös angewiesen, der dieser Wechsel gebracht hat. Hätte der Wechsel vom Uphoff nach Ingolstadt geklappt, wäre wahrscheinlich Muslija gehalten worden (eventuell). Der Schwartz hat jetzt das Problem, dass er fünf ! gute Stammspieler verloren hat und deren Ersatz in die neue Mannschaft integrieren mußte. So etwas geht nicht von heute auf morgen. Laßt mal den Trainer in Ruhe, der macht was er kann. Wenn er fürs Mittelfeld einen richtigen Spielmacher bekommen hätte, sähe die Sache auch besser aus.Drücken wir dem KSC mal die Daumen dass sie eine Serie hinlegen Richtung Tabellenspitze.
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  •   IchKA
    (589 Beiträge)

    11.09.2018 15:57 Uhr
    Schönfärberei und mangelnde Transparenz
    wie kann es sein, dass der KSC versucht sich von den Bürgern ein Stadion alimentieren zu lassen und das durch abstruse völlig unrealistische und geschönte Wirtschaftlichkeitsberechnungen, unterfüttert mit fragwürdigen bezahlten Gefälligkeitsgutachten zum Imagegewinn für die Stadt. Sportliche, und wirtschaftliche Performance ist nicht abhängig von einem neuen Stadion, siehe viele andere Vereinen in der BRD. Zugleich herrscht völlige Intransparenz, von einem Club, der Kredit verlangt. Jede Stadionfinanzierung durch eine Bank würde eine völlige Offenlegung erfordern. Nicht so für die Bürger. Niemand erfährt was die zusammengekaufte Söldnertruppe plus den Trainern, Sportdirektoren, mit den ganzen Abfindungen überhaupt verdienen und wie professionell da gewirtschaftet wird, jetzt wo bereits das Tafelsilber verhökert wird und sogar der Pressemann rausgekickt wird. Fuchtelfrank Mentrup zeigt jetzt spät immerhin Verantwortung und wirft wichtige Fragen in den Ring. Höchste Zeit. Endlich !
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  •   Lipa
    (509 Beiträge)

    12.09.2018 16:19 Uhr
    Schönfärberei...
    zum ersten Satz des Kommentar: "wie kann es sein, dass der KSC versucht sich von den Bürgern ein Stadion alimentieren zu lassen und das durch abstruse völlig unrealistische und geschönte Wirtschaftlichkeitsberechnungen, unterfüttert mit fragwürdigen bezahlten Gefälligkeitsgutachten zum Imagegewinn für die Stadt." möchte ich anmerken, dass Fußball immer noch ein Städtewettbewerb darstellt.
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  •   Shmuel_K
    (321 Beiträge)

    11.09.2018 12:55 Uhr
    Was ist das denn für eine blödsinnige Aussage?
    "Ganz entscheidend für die Zukunft des KSC ist der Bau des neuen Stadions im Wildpark. Ohne ein neues Stadion wird es dauerhaft keinen Profifußball in Karlsruhe geben. "

    Was soll denn ein neues Stadion an der Spielqualität der Mannschaft ändern? Oder an der finanziellen Situation?
    Es werden möglicherweise bei den ersten Spielen im neuen Gewand ein paar Leute kommen um den Neubau anzusehen. Das war es dann aber.
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  •   edda
    (232 Beiträge)

    12.09.2018 09:16 Uhr
    Un warum sollen
    die Bürger der Stadt Karlsruhe das Stadion bezahlen?

    Wenn der KSC eine moderne Betriebsstätte benötigt, in dem er dann einen modernen erfolgreichen Fußball spielen wird, dann soll er dies bitte auch selbst finanzieren.

    Die Stadt bzw. der Gemeinderat wird hier dem KSC sicherlich helfen und Ihm das Gelände für den symbolischen Euro überlassen.
    Dann hat die Stadt nur in der Infrastruktur nachzubessern und das ist mit Kosten um die 20 Millionen realisierbar.

    Der KSC wird leider, auch wenn er irgendwann mal wieder in der 1. Bundesliga spielen wird, kein Wirtschaftsfaktor mehr werden. Diese Zeit ist wegen dem Onlinehandel leider vorbei.
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  •   Lipa
    (509 Beiträge)

    12.09.2018 16:21 Uhr
    un warum
    sorry, was hat Fußball mit Onlinehandel zu tun?
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  •   edda
    (232 Beiträge)

    13.09.2018 09:06 Uhr
    Das ist ganz einfach
    Früher sind die Fans vom Land vor dem Spiel in die Stadt zum einkaufen gefahren und haben dort Geld liegen lassen.
    Heute kommen die Fans vom Land direkt zum Stadion.
    Und die Waren (Elektronik und Mode) wird im Internet gekauft.
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