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Karlsruhe Derby-Kessel: Welche Folgen der Polizeieinsatz in Stuttgart für KSC-Fans haben kann

Gut eine Woche nach dem KSC-Derby in Stuttgart schlägt der Polizeieinsatz im Vorfeld des Spiels noch immer große Wellen. So große, dass die Fanhilfe Karlsruhe nun einen Infoabend für die betroffenen Fans veranstaltet hat. Denn der Einsatz könnte gravierende Folgen haben, nicht nur für die Polizeibeamten in Stuttgart, sondern auch für die Fußball-Fans, die stundenlang im Polizeikessel ausharren mussten.

"Ich kann mich nicht erinnern, je einen schlimmeren Tag gehabt zu haben" oder: "Das verstößt gegen meine Menschenwürde" - die Reaktionen der KSC-Fans zu dem "unverhältnismäßigen Einsatz hatten im Großen und Ganzen den selben Tenor. Mittlerweile haben sich über 200 Fans an die Fanhilfe Karlsruhe gewandt und sogenannte Gedächtnisprotokolle, also ihre Eindrücke von den Vorkommnissen im Polizeikessel, abgegeben. 

Rund 60 Personen den Toilettengang verwehrt

Laut Angaben der Fanhilfe wurden in dem Polizeikessel acht Personen verletzt und 60 Fans der Gang zur Toilette verwehrt. Zudem befanden sich mindestens zwölf Minderjährige in der Polizeimaßnahme. 

Der Andrang im Fanzelt am Wildparkstadion am Montagabend ist groß: Es finden sich bei der Infoveranstaltung so viele KSC-Anhänger ein, dass die Sitzplätze nicht ausreichen, die Stimmung ist bedrückt.

Doch Martin Winter, Abteilungsleiter der Fanhilfe, und Benedikt Klas, Rechtsanwalt im Ehrenamt bei der Fanhilfe, wollen den Betroffenen aufzeigen, was aus juristischer Sicht auf die etwa 600 Fans zukommen kann  - aber auch, wie sie ihrerseits gegen die Stuttgarter Polizei vorgehen können. 

Fanhilfe Karlsruhe Infoabend
Volles Haus bei dem Infoabend im Fanzelt am Wildparkstadion. | Bild: ka-news

Zu Beginn beruhigt Martin Winter die Anwesenden: "Für das 'reine dabei sein' im Polizeikessel sollte es keine Strafe geben, jedoch muss jeder, der in der Menge stand, mit einer Anzeige wegen Landfriedensbruch rechnen", führt er aus. Aus Erfahrung weiß er aber, dass diese Verfahren meist im Sande verlaufen.

Daten der Fans könnten in Gewalttäter-Datei landen

Was aber passieren kann: "Wir vermuten, dass die Fans, deren Daten im Polizeikessel aufgenommen wurden, in der Gewalttäter Sport-Datei landen werden", sagt Winter im Rahmen der Infoveranstaltung. Um sicher zu gehen, ob das der Fall ist, sollen die Betroffenen ein Datenabfrageformular ausfüllen und an die Polizei schicken, weiß Anwalt Klas.

Fanhilfe Karlsruhe Infoabend
Die Fanhilfe Karlsruhe erklärt den Betroffenen die möglichen Folgen des Polizeikessels in Stuttgart. | Bild: ka-news

Der Eintrag in die Datei kann durchaus Folgen haben, auch im Alltag der Betroffenen. "Verkehrskontrollen können länger dauern oder bei der Ausreise ins Ausland könnten ausführliche Fragen an die Betroffenen gestellt werden", so Martin Winter weiter.

"Fünf Jahre dauert es bis zur Löschung der Daten aus der Datei - ein Antrag auf Löschung hat meistens keinen Erfolg, auch wenn man bewiesen unschuldig ist", sagt Winter, das mit Kopfschütteln Anwesenden quittiert wird. 

Anzeige bei ungerechter Behandlung

Jeder KSC-Fan, der sich bei der Polizeimaßnahme in Stuttgart ungerecht behandelt gefühlt hat, soll eine Anzeige aufgeben. Jedoch hätten laut Fanhilfe einige Beamte die Aufnahme einer Anzeige gegen die Stuttgarter Kollegen verweigert. "Das ist nicht rechtens!" 

Derby Stuttgart Einsatz
Bild: ka-Reporter Sascha

"Gegen den Einsatzleiter der Polizei Stuttgart kann zudem eine Anzeige wegen Freiheitsberaubung gestellt werden. Diejenigen, die Schlagstöcke oder Pfefferspray abbekommen haben, oder denen der Gang zur Toilette verwehrt wurde, sollten Anzeige wegen Körperverletzung gegen Unbekannt stellen", appelliert Benedikt Klas während des Informationsabends an die Fans.

Unterstützung vom Verein

Auch Ingo Wellenreuther, Präsident des Karlsruher SC, ist um Aufklärung bemüht: "Ich habe persönlich mit den Innenminister von Baden-Württemberg telefoniert und den Sachverhalt aus unserer Sicht geschildert. Einige Dinge sind offenbar nicht angemessen abgelaufen. Der Minister hat mir Aufklärung zugesagt", so der 59-Jährige gegenüber ka-news.de.

Ausgliederung_Mitgliderversammlung am 29.06.2019 in Karlsruhe (Wildparkstadion), Germany
Ingo Wellenreuther ist selbst Mitglied bei den Supporters Karlsruhe. | Bild: Tim Carmele | TMC-Fotografie

"Es ist vollkommen nachvollziehbar, dass sich unsere Fans ungerecht behandelt fühlen und Ansprüche auf Schmerzensgeld geltend machen möchten", so Wellenreuther, der selbst Mitglied bei den Supporters Karlsruhe ist. 

Fans können Strafantrag stellen

Nun müssen der Verein und die Fanhilfe sowie die Betroffenen abwarten, wie es weitergeht. "Unsere Fans haben bis zu drei Monate nach der Tat die Möglichkeit einen Strafantrag zu stellen", sagt Martin Winter.

Ob und wie die Polizei in Stuttgart reagiert, bleibt abzuwarten. "Es ist juristisch möglich, dass die 591 Fans ein Stadionverbot erhalten, jedoch sehr unwahrscheinlich", so Winter weiter. "Dafür müsste die Polizei beim VfB Stuttgart für jede Person einzeln einen Antrag stellen."

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  •   Amerikaner_mit_Zuggerguss
    (46 Beiträge)

    05.12.2019 00:27 Uhr
    Ich kann es nicht mehr hören
    Da schreien die Pyroaffen nach Rechtstaatlichkeit, Recht und Gesetz, Sind aber nicht in der Lage, sich selbst an Gesetze zu halten. Diese ganze Diskussion wäre nicht da, wenn diese Hohlköppe nict andere Leute durch ihr Fehlverhalten in die Bredouille bringen würden.
    Habt Eier in der Hose Ihr sogenannten Ultrafußballfans, macht ne Selbstanzeige und entlastet die mehreren hundert unschuldigen Festgenommenen.
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  •   schmidmi
    (2103 Beiträge)

    04.12.2019 21:20 Uhr
    Ein Gejammere der Fußballfans
    wie in einer Mädchenschule!
    Beim Bund habe ich meinen Rekruten immer folgendes gesagt (und so gehandelt):
    „Wer bescheißt, wird bestraft. Wer nicht bescheißt, wird auch bestraft, damit er weiß, wie das ist, wenn er bescheißt.“
    Wurde weiter gemeckert, gab es noch einen Rat:
    „Sie können sich gerne bei meinem Vorgesetzten beschweren. Das wird Ihnen, außer mir, niemand übel nehmen.“
    Was soll ich sagen? Es gab nie eine Beschwerde😝
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  •   patrickkk
    (1428 Beiträge)

    05.12.2019 08:02 Uhr
    ...
    Du wolltest mir doch zeigen wie man die Chaoten entfernt. Hast dann aber vergessen zu Antworten wann. Also am 14.12 dann?
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  •   patrickkk
    (1428 Beiträge)

    04.12.2019 14:50 Uhr
    ...
    Wie sich hier alle Polizeifanatiker an der Pyro aufgeilen ist schon amüsant. Komplett am Thema vorbei, aber auch egal, macht das große Vorbild ja auch zwinkern.

    Keine Pyro dieser Welt ist so gefährlich wie 600 Leute auf engen Raum in panik zu versetzen unter der annahme es wären 1/3 dessen. Das ist grobe Fahrlässigkeit und hätte leicht zu schwer Verletzten und Toten führen können.

    Aber Rauchbombe bla bla.
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  •   Mitbuerger
    (34 Beiträge)

    05.12.2019 07:55 Uhr
    Pyro
    nicht gefählich? Du hast anscheinend keine Ahnung von Sprengstoff! Hoffentlich fackelst Du bei der nächsten Benutzung von Pyro nicht mit ab.
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  •   patrickkk
    (1428 Beiträge)

    05.12.2019 07:58 Uhr
    ...
    Habe ich nicht gesagt, und bitte unterlasse deine Unterstellungen.

    Wenn du der Meinung bist ich hätte irgendwas gemacht dann zeige dafür bitte Beweise oder zumindest Hinweise. Sonst ist es einfach nur üble Nachrede.
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  •   Micha
    (28 Beiträge)

    04.12.2019 12:47 Uhr
    Ich stimme eigentlich...
    beiden Lagern zu. Ich stehe jedes Spiel im N3 und motze über A... von Ultras die ihre Pyro abfackeln. Gerade gegen Regensburg war das voll daneben - Hirn zuhause gelassen! Man beschwert sich über die gewalttätige Polizei und macht dann das was den Ultras vorgeworfen wird - das ist hirnlos!
    Aber auf der anderen Seite müssen nicht über 500 Leute festgehalten werden. Wenn man die in die Datei Gewalttäter Sport setzt - gehären alle beiteiligten Polizisten und vor allem der Einsatzleiter ebenfalls da drauf!
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  •   Samoht500
    (761 Beiträge)

    04.12.2019 11:17 Uhr
    Es muss sich etwas
    ändern! Immer wieder nutzt ein kleiner Teil der Ultraszene die Masse zur Begehung ihrer Straftaten. Im Stadion werden Riesenfahnen gezogen um darunter die Pyrotechnik zu zünden. Danach heißt es "keine Kollektivstrafen"...wobei die Masse letztendlich doch mitmacht. In Kürze wird wohl das Abbrennen von Pyrotechnik im Stadion von einer Ordnungswidrigkeit zur Straftat hochgestuft. Endlich! Die Vorfälle in fast jedem Spiel nehmen drastisch zu. Fast kein Spiel mehr ohne Gefährdung von Unbeteiligten. Minutenlange Sichtbeeinträchtigungen. Spielverzögerung. Ich bin es so leid, wie ein paar Selbstdarsteller so den Fussballbesuch kaputt machen. Letztendlich waren es diese Typen die den Polizeieinsatz in S -aufgrund der Vorfälle vor 2 Jahren- provozierten. Dafür mussten hunderte Unschuldige unter einem missratenen Polizeieinsatz leiden. Deshalb sollte sich die "Ultraszene" mal endlich selbstkritisch hinterfragen, wie lange sie dem Verein und Unbeteiligten noch schaden will!
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  •   Jan-Hannya
    (57 Beiträge)

    04.12.2019 17:20 Uhr
    Volle Zustimmung!
    Volle Zustimmung! Sortiert endlich die 30-40 Ultras aus und schon wird der Rest es leichter haben in Zukunft.
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  •   andi79
    (2868 Beiträge)

    04.12.2019 12:52 Uhr
    in kürze
    " In Kürze wird wohl das Abbrennen von Pyrotechnik im Stadion von einer Ordnungswidrigkeit zur Straftat hochgestuf"

    Steht wo? Man kann so was nicht aufs Stadion beschränken und wenn man aus der heutigen Owig eine Straftat macht hat man hunderttausende neue Straftäter jedes jahr... egal ob jetzt bei einer Hochzeit, einigen runden Geburtstagen oder hundertausende von jugendlichen die auch schon mal am 29. Dez böllern... alles Straftäter. Egal woher die Idee kommt... sie ist Schwachsinn.
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