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Karlsruhe Derby-Drama geht weiter: Polizei soll KSC-Fans Anzeige verweigert haben - was ist dran an den Vorwürfen?

Die Vorfälle beim Südwest-Derby zwischen dem Karlsruher SC und dem VfB Stuttgart sorgen auch knapp eine Woche später noch für Schlagzeilen. Nun steht die Polizei in der Kritik: Sie soll sich nach Angaben der Fanhilfe Karlsruhe geweigert haben, die Anzeigen einiger KSC-Fans aufzunehmen. Der Grund: zu geringe Relevanz. Was ist dran an den Vorwürfen?

Was in Stuttgart am vergangenen Sonntag passiert ist, erhitzt immer noch die Gemüter zahlreicher KSC-Fans. Sie waren am Tag des Südwest-Derbys von der Polizei nicht zum Spiel ins Stadion gelassen worden, mussten zum Teil mehrere Stunden im Polizeikessel ausharren. Der Karlsruher SC selbst gab an, den Vorfall aufarbeiten zu wollen.

"Ihr seid im Recht!"

Doch damit scheint die Angelegenheit noch nicht beendet zu sein. Nun wurde Kritik an der Polizei laut: Sie soll mehrere Anzeigen der KSC-Fans bezüglich der Derby-Vorkommnisse abgelehnt haben. Das gibt die Fanhilfe Karlsruhe bereits am Mittwoch auf ihrer Website bekannt. Die Vereinsabteilung der Supporters Karlsruhe unterstützt KSC-Fans, die im Zusammenhang mit ihrem Fandasein in juristische Konflikte geraten sind.

Derby Stuttgart Einsatz
Bild: ka-Reporter Sascha

"Hallo KSC-Fans, leider erreichen uns einige Berichte von Betroffenen des Derbykessels, bei denen sich die Polizei weigert, die Anzeige aufzunehmen. Das ist nicht rechtens! Die Polizei ist verpflichtet, eure Anzeige aufzunehmen. Lasst euch nicht einschüchtern, ihr seid im Recht!", heißt es in der Stellungnahme. 

In ihrer Begründung bezieht sich die Fanhilfe auf Paragraph 158, Absatz 1 der Strafprozessordnung. Diese besagt: "Die Anzeige einer Straftat und der Strafantrag können bei der Staatsanwaltschaft, den Behörden und Beamten des Polizeidienstes und den Amtsgerichten mündlich oder schriftlich angebracht werden."

Süd-Derby
Für die Partie Stuttgart gegen Karlsruhe werden nur etwa 400 bis 600 Beamte eingesetzt. | Bild: Sebastian Gollnow/dpa

"Dass Anzeigen abgewiesen werden, ist grundsätzlich möglich"

Die Polizei selbst sieht das aber ein wenig anders: "Grundsätzlich ist es möglich, dass Anzeigen abgewiesen werden, wenn kein Strafgrund vorliegt", erklärt Polizeisprecherin Christina Krenz auf Nachfrage von ka-news.de.

 

Die Vorwürfe seien ihr aber bekannt: "Vor zwei Tagen wurde die erste Frage diesbezüglich an uns herangetragen. Seitdem haben wir mit verschiedenen Revieren Rücksprache gehalten, dass Anzeigen tatsächlich abgewiesen wurden, ist uns bislang nicht bekannt." Und weiter: "Wir wissen leider nicht, wo diese Anzeigen angeblich nicht aufgenommen wurden."

Im Gegenteil: Allein gestern seien im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Karlsruhe über zehn Anzeigen in Bezug auf das Derby angenommen worden. "Im Verlauf des heutigen Tages sind noch einige hinzugekommen", so Krenz.

Derby Stuttgart Einsatz
Bild: ka-Reporter Sascha

Mindestens acht Fans sollen betroffen sein

Martin Winter, Abteilungsleiter der Fanhilfe Karlsruhe, überzeugt das aber nicht: "Bei der Polizei hat es heute angeblich eine interne Dienstanweisung gegeben, alle Anzeigen im Bezug auf das Derby explizit aufzunehmen. Wir wissen aber von rund acht Personen, deren Anzeige abgewiesen wurde", erklärt er im Gespräch mit ka-news.de.

Die Begründung der Polizeisprecherin ist nach Ansicht von Winter hier unwirksam: "Die Polizei darf Anzeigen abwehren, aber nur, wenn erwiesenermaßen kein Straftatbestand vorliegt. Die Polizei kann sich in diesem Fall kaum aus der Affäre ziehen."

KSC äußert sich nicht

Ein Richter sollte seiner Meinung nach hier ein neutrales Urteil fällen: "Die Polizei befindet sich hier in einem Interessenkonflikt. Sie ist gewissermaßen selbst beschuldigt und in diesem Fall muss ein Gericht entscheiden.“ Wann und ob das passieren wird, ist allerdings nicht bekannt. Der Karlsruher SC wollte sich zu den Vorwürfen gegenüber ka-news.de nicht äußern.

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  •   malerdoerfler
    (5899 Beiträge)

    30.11.2019 09:27 Uhr
    Geht es hier eigentlich nicht um Fußball?
    ?????
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  •   andi79
    (2868 Beiträge)

    29.11.2019 19:46 Uhr
    und wie immer heißt es
    genau aufzupassen. normale taktik ist 9 monate zu warten und dann abzuwürgen... siehe stuttgart 2008 bei dem die Polizei ganz klar mehrerer direkter Falschaussagen überführt wurde und der Fall dennoch eingestellt wurde.... oder aktuell der Balljungenfall. Daher immer wieder nachfragen und das ganze in der Öffentlichkeit halten.

    Aktuelle "Falschaussagen": Es gab ab 12:30 Toiletten.... die gab es zwar, allerdings nicht erreichbar bevor man nicht durch die Videokontrollen war... das war für den Großteil erst nach dem Spiel möglich und damit stunden nach beginn der Maßnahme... somit war es eben nicht so dass um 12:30 Toiletten bereitgestellt wurden.

    Getränke waren wohl wenige da, allerdings lang nicht ausreichend so dass diese sofort aus waren (und auch erst später und evt. auch nur im 2. Kessel)

    Jugendliche angeblich nur 7 stück, das widersprich aber allen Aussagen der Leute im kessel. Möglichkeit: es wurden nur die jugendlichen in der 2. Videokontrolle gezählt...
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  •   andi79
    (2868 Beiträge)

    29.11.2019 19:53 Uhr
    auch zu klären
    ist noch die änderung der Begründung für das Umleiten der Busse... zunächst war es noch der pyrofund am Vortag.... nach dem Spiel plötzlich angebliche Erkenntnisse über pyrotechnik und vermummungsgegenstände in einem Bus.Die erste begründung war ja schon Blödsinn nachdem rausgekommen ist dass es sich um rote rauchtöpfe gehandelt hat und damit stuttgart zuzuordnen ist... und die 2... wenn man jetzt davon ausgeht dass da aus Polizeisicht ein Bus mit kriminellen bekannt ist diese in eine viel größere gruppe zu stecken anstatt den Bus direkt zu kontrollieren.... da müsste wirklich dem letzten auffallen dass es blödsinn ist und man einfach zwanghaft eine neue Begründung benötigt hat nachdem die vom Vortag schwammig wurde (weil bekannt wurde dass es roter rauch war).

    Diese Dinge sind def. noch zu klären. Dazu kommt dass auch Freiburg sich zu wort gemeldet hat denen es Anfang des Jahres ähnlich ging und dort unglaubliche justizpossen abgelaufen sind.
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  •   silberahorn
    (9999 Beiträge)

    30.11.2019 03:45 Uhr
    Dienst nach Vorschrift
    ist eine Erklärung. Ein Polizeibeamter der Personalien aufnimmt muss erst mitgeteilt bekommen wo die WC-Anlage ist. Wenn das keiner der Kollegen macht kann er es nicht wissen und macht das, was er kann und machen muss. Er selbst war sicher auch schon in einer Lage, dass die Hose voll wurde.

    Es hat wenig Sinn sich juristisch da reinzusteigern, weil es ein bundesweites Problem ist, das noch schlimmer auftritt, wenn Polizeistellen verschiedener Länder zusammenarbeiten müssen. Zwischen Baden und Würtemberg kann es sogar schon in einem Bundesland Abstimmungsdefizite geben.
    Die Polizei auf einem Revier für Bürger hat auch überhaupt nichts mit der Kripo zu tun. Manchmal müssen sie trotzdem zusammenarbeiten, weil die Streifenbesatzung zuerst vor Ort ist. Und auch das ging schon in zahlreichen Fällen schief.

    Ball flach halten, tief durchatmen und sich auf den Weihnachtsmann freuen, wäre mein Ratschlag für euch.
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  •   patrickkk
    (1424 Beiträge)

    01.12.2019 17:10 Uhr
    ...
    Unglaublich so einen Rat zu geben. Wenn sie selber keinen Mut haben ist das eine Sache. Aber anderen aktiv dazu zu raten feige zu sein ist besonders beschämend.
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  •   andi79
    (2868 Beiträge)

    30.11.2019 12:22 Uhr
    muss ich ebenfalls wiedersprechen
    lässt man dies einmal zu wird es so weiter gehen oder schlimmer werden. In Bayern könnte man 3 Monate ohne Richter und unbegrenzt ohne Prozess eine inhaftierung anordnen... hier in BaWü vermutlich in Zukunft auch (Stichwort neues Polizeigesetz). Um es klar zu sagen... wenn die Polizei recht bekommt mit dieser Kontrolle hätte sie künftig auch das recht leute nach belieben zu inhaftiren. Grenzen müssen gezogen werden, unbedingt. Da genügt es nicht einfach zu sagen es ist eh schon rum. Freiburg hatte im März ähnliche Probleme.... und es wurde sogar jemand verurteilt die nachweislich gar nicht vor Ort war (sondern 150km entfernt in Freiburg). Wer da nicht hellhörig wird muss schon extrem naiv sein.
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  •   Schlappedengler
    (320 Beiträge)

    30.11.2019 08:57 Uhr
    Sehe ich komplett anders!
    Ich würde sagen: „Jetzt zeitnah mit allem dagegenhalten was aufzubieten ist“. Du hast vermutlich Recht, dass es nichts bringt, aber das ist doch alles besser als Duckmäusertum! Die heilige Stuttgarter Polizei wird ihren Filz schon nutzen, um das im Sande verlaufen zu lassen. Gegen willkürliche Polizeigewalt!
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  •   citizentm
    (1342 Beiträge)

    30.11.2019 08:17 Uhr
    Leider ein sehr ...
    ... Schwacher Ratschlag. Auffirderung zum Duckmäusertum.
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