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Karlsruhe 3.000 Euro Strafe für Abschiedsshow im Wildpark: KSC will Berufung einlegen, Supporters sprechen von "Doppelmoral"

Der Karlsruher SC stand am Donnerstag vor dem Sportgericht des Deutschen Fußballbundes (DFB) in Frankfurt. Es geht um die Veranstaltung am 3. November im Wildparkstadion - mit leuchtenden Fackeln hatte der Fan-Dachverband "Supporters Karlsruhe" die alte Gegengerade verabschiedet, die im Zuge des Stadionumbaus weichen musste. Was genau der DFB anklagte, wurde nach Abschluss der Verhandlung bekannt. Entgegen erster Erwartungen war es nicht der Einsatz von Pyro-Technik - sondern eine fehlende Genehmigung.

Organisiert wurde die Pyro-Show von den Supporters Karlsruhe - sie war behördlich genehmigt und eine vom vorhergehenden Fußballspiel getrennte Veranstaltung. Da die Supporters jedoch nicht dem DFB zugehörig sind, muss sich der KSC vor dem Sportgericht verantworten.

DFB versus KSC Gerichtsverhandung
Bild: Marco Fuchs

"Uns gegenüber müsste der Verband vor ein ordentliches Gericht ziehen und hätte schlicht keine stichhaltigen Beweggründe eine Klage anzustreben", so die Supporters in einer aktuellen Pressemeldung, "stattdessen muss für die Machtspiele des mächtigen Fußballverbandes der Karlsruher Sport-Club herhalten, der rechtlich für diese Veranstaltung jedoch keinerlei Verantwortung zu tragen hat."

Die Supporters werden bei der Verhandlung in Frankfurt mit ihrem Vorstand als Zuschauer anwesend sein. Weiterhin wird 1. Vorsitzender Marco Fuchs vom Karlsruher SC als Zeuge aufgerufen werden. Zuvor hatten die Supporters kritisiert, vom DFB nicht zur Sache gehört zu werden.

Marco Fuchs
Marco Fuchs, Vorsitzender der Supporters Karlsruhe | Bild: ps

"Wir könnten Auskunft erteilen, aber dazu müssten wir gefragt werden. Wir haben dem DFB im November, als klar war, dass er Ermittlungen aufnimmt, in einer öffentlichen Stellungnahme aufgefordert, dass sie uns ansprechen sollen. Wir als Veranstalter könnten Licht in das Dunkle bringen", so Marco Fuchs Ende Juli im Gespräch mit ka-news.de. Sollte es zu einer Verurteilung vor dem Sportgericht kommen, könnte die Strafzahlung bis zu 70.000 Euro betragen.

+++ 14.51 Uhr: Pause im Gerichtssaal +++

Aktuell befindet sich die Gerichtsverhandlung in der Pause. "Im Anschluss wird das Urteil verkündet", so Marco Fuchs auf Nachfrage von ka-news.de.

+++ 16.02 Uhr: Geldstrafe steht fest +++

Der Karlsruher SC wurde zu einer Geldstrafe von 3.000 Euro verurteilt, das teilt der Sportclub in einer aktuellen Pressemeldung mit. Gegenstand der Anklage sei nicht das Abbrennen der Pyrotechnik (sogenanntes Zuschauerfehlverhalten) gewesen, so der Verein weiter, sondern eine fehlende Anmeldung und Genehmigung der Veranstaltung beim DFB. 

"Der KSC hält dies für eine Kompetenzüberschreitung des DFB und wird deshalb gegen das Urteil Berufung beim DFB-Bundesgericht einlegen", so der Karlsruher Sportclub.

+++ 16.25 Uhr: Supporters sind enttäuscht +++

Marco Fuchs ist enttäuscht vom Urteil: "Es entspricht nicht unserer Rechtsauffassung", sagt der 1. Vorsitzende der Supporters Karlsruhe, im Gespräch mit ka-news.de. "Die Veranstaltung war behördlich genehmigt, es gab keinen Grund, die Veranstaltung vom DFB genehmigen zu lassen", so Fuchs, "die Richtlinien des DFB finden bei der Veranstaltung eines Dritten keine Anwendung, er hat hier keine Kompetenz."

+++ 17 Uhr: Geteilte Stimmung bei KSC-Präsident Wellenreuther +++

"Wir hätten uns gefreut, wenn sich der DFB unsere Rechtsauffassung angeschlossen hätte", teilt Ingo Wellenreuther, Präsident des KSC, knapp zwei Stunden nach der Urteilsverkündung auf Nachfrage von ka-news.de mit.

Präsident Ingo Wellenreuther
Präsident Ingo Wellenreuther | Bild: Hammer Photographie

"Was ich als positiv erachte ist jedoch, dass der DFB anerkennt, dass es sich bei der Abschiedsfeier um eine eigene Veranstaltung der Supportes und nicht des KSC gehandelt hat!" Dennoch wertet der DFB beides als "verbundene Veranstaltungen" und das hätte nach Meinung des DFB eine Genehmigung seitens des Fußball Bundes gebraucht. 

DFB versus KSC Gerichtsverhandung
Bild: Marco Fuchs

"Selbst wenn im Anschluss an das Spiel der Hundezüchterverein sein Jahresfest gegeben hätte, verlangt der DFB, dass eine Erlaubnis bei ihnen eingeholt wird - und diese Argumentation überzeugt uns nicht", so Wellenreuther weiter. 

"Nun haben wir sieben Tage Zeit, um in Berufung zu gehen", so Ingo Wellenreuther. Wie lange es dann dauert, bis die Urteilsbegründung vorliegt, kann er noch nicht sagen. Die Berufung wird vor dem Bundesgericht des DFB verhandelt werden.

+++ Freitag,  9. August +++

Die Supporters begrüßen in einer offiziellen Pressemeldung, dass erstmals Fanvertreter an einer Verhandlung des DFB-Sportgerichts gehört wurden. Zeitgleich kritisieren sie, dass ihre Ausführungen zur Vorbereitung, Genehmigung und Ablauf der Veranstaltung keine Berücksichtung im Urteil gefunden hätten.

Sie betonen erneut die "Kompetenzüberschreitung" des DFB-Kontrollausschusses und bezeichnen das DFB-Vorgehen als Doppelmoral. Wörtlich heißt es: "Wurde gegen den Karlsruher Sport-Club wenige Wochen nach der Veranstaltung noch wegen des 'Zündens von Pyrotechnik' ermittelt, kommt der Verband heute zu der überraschenden Erkenntnis, dass es sich bei der gezeigten Pyroaktion durchaus um eine 'ansehnliche und emotional ergreifende Veranstaltung' gehandelt habe. Im Umkehrschluss sind wir uns aufgrund der heutigen Argumentation des Verbandes sicher, wäre der Wildpark ohne Pyrotechnik verabschiedet worden, hätte der DFB im Nachgang wegen einer fehlenden Genehmigung der Veranstaltung gar nicht erst ermittelt, was aus unserer Sicht tief in die Doppelmoral des Verbandes blicken lässt."

 

ka-news-Hintergrund

Die mündliche Verhandlung gegen den KSC fand am 8. August vor dem Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) im Frankfurter Hermann-Neuberger-Haus in Frankfurt statt. Mündlich wird die Sportstrafsache gegen Zweitliga-Aufsteiger Karlsruher SC verhandelt.

Geleitet wurde die Verhandlung von Stephan Oberholz, dem stellvertretenden Vorsitzenden des DFB-Sportgerichts. Zur Verhandlung kommen die Geschehnisse nach dem Drittligaspiel gegen die Würzburger Kickers am 3. November 2018.

"Im Rahmen der Verabschiedung des alten Wildparkstadions wurden seinerzeit auch pyrotechnische Gegenstände gezündet. Fraglich ist insbesondere, ob der Karlsruher SC in diesem Zusammenhang gegen formelle Genehmigungspflichten verstoßen hat", so der DFB auf seiner Homepage.

Der Artikel wurde nachträglich aktualisiert.

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  •   runeb68
    (2 Beiträge)

    10.08.2019 13:05 Uhr
    3000 Euro - Nebenkosten? - Rechtsverlust?
    Moin

    Wegen der 3000 Euro sollte ein Verein der sich das leisten kann vielleicht auf Einspruch verzichten.
    Wichtiger sehe ich da schon die Nebenkosten, zumindest wenn man ein normales Verfahren verliert muß man die Kosten tragen.

    Der andere Punkt ist ob man sich selbst oder andere Vereine rechtlich schwächt wenn man das Urteil akzeptiert (Präzedenzfall). Von daher ist es eventuell wichtig die Forderung wegen der Sache abzuwehren.
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  •   max
    (184 Beiträge)

    09.08.2019 15:21 Uhr
    Typisch DFB oder besser ausgedrückt M....?
    Punkt 1 das Stadion gehört der Stadt Karlsruhe; Pächter der KSC
    Punkt 2 diese Show wurde ordnungsgemäß bei der Behörde der Stadt Karlsruhe angemeldet
    Punkt 3 das Spiel war zu Ende; die Zuschauer haben auf das Ereignis gewartet. Zu Recht.
    Punkt 4 Wenn dem so ist, wie der DFB in seiner Begründung abgibt, dann sollte er, nein dann muss er
    dem KSC und der Stadt Karlsruhe für den Umbau Geld zur Verfügung stellen, aber nicht als
    Geldeintreiber gungieren. Schlicht und einfach: Schämt euch. Wer selbst im Glashaus sitzt
    sollte nicht mit Steinen auf andere werfen. Pfui Teufel
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  •   ka-lex
    (1640 Beiträge)

    09.08.2019 12:16 Uhr
    Peinlich, was der DFB da abliefert.
    Erst ermittelt man wegen der Pyro-Show, dann merkt man, dass da alles in Ordnung geht und nix zu holen ist und dann sucht man krampfhaft nach irgendwas "Bestrafbarem" um sein Gesicht nicht zu verlieren.
    DFB, ihr habt euer Gesicht längst verloren! traurig
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  •   Winston_Smith
    (594 Beiträge)

    09.08.2019 08:12 Uhr
    3.000 Euro als Minimum des Entgegenkommens?
    Wir haben Euch schon das Dach der Gegentribüne geschenkt, und jetzt schon wieder eine Verhandlung, ohne auch nur ein klein bisschen zu verdienen? Die paar Kröten reichen doch grad mal für den Edelitaliener...

    Wenn der Präsident mit seiner Erfahrung zwiegespalten ist, könnte ich mir vorstellen, dass er vielleicht an mögliche zukünftige Retourkutschen denkt, wenn man gar nichts geben mag. Einen aktuellen Eindruck möglicher richtig schmerzhafter Einflussmöglichkeiten gabs beim nichtgegebenen Tor gegen DD.

    Der DFB war parallel zur Politik bei der Verbuntung™ und pathologischen Moralisierung von Schland vorne mit dabei. Insofern ist die Gutsherrenart bei der Anwendung bzw. Auslegung von Normen so unverständlich nicht. Findet man sich da doch in guter Gesellschaft mit manch führenden Politikern. Und man kommt ja offensichtlich durch damit.
    Ich würde denen zustimmen, die sagen: Kein Nachgeben mehr.
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  •   Rechtschaffer
    (1 Beiträge)

    08.08.2019 23:38 Uhr
    DFB macht sich lächerlich
    Traurig, dass der DFB seine eigenen Richtlinien nicht kennt.

    In § 24 der „Richtlinien zur Verbesserung der Sicherheit bei Bundesspielen“ (man beachte hier schon genau den Bezug) lesen wir unter Absatz 1 folgendes:

    § 24
    Verbot des Einbringens und Abbrennens von Pyrotechnik
    1. Der Verein sorgt im Rahmen seiner Möglichkeiten dafür, dass keine Pyro- technik und vergleichbare Gegenstände in die Platzanlage eingebracht, abgebrannt oder verschossen werden.

    Dann lesen wir weiter unter Absatz 3 folgendes:

    Eine Befreiung des in Absatz 1 geregelten Verbots gemäß § 34 kann grundsätzlich nur für behördlich genehmigte Feuerwerke oder ähnliche Veranstaltungen, die von einer Fachfirma durchgeführt werden sollen, erteilt werden. Die Alleinverantwortung für die Veranstaltung verbleibt in jedem Fall beim Verein.

    Der DFB moniert die fehlende Genehmigung, liegt aber hiermit falsch, wenn man § 1 den Geltungsbereich der Richtlinie und §§ 41, 42 DFB Spielordnung dem Wortlaut nach auslegt.
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  •   Schattegustl
    (135 Beiträge)

    09.08.2019 19:30 Uhr
    Fakten
    Super recherchiert. Fakten anstatt Diskussion. Danke
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  •   Chris23
    (295 Beiträge)

    08.08.2019 23:10 Uhr
    Naja
    ""Selbst wenn im Anschluss an das Spiel der Hundezüchterverein sein Jahresfest gegeben hätte, verlangt der DFB, dass eine Erlaubnis bei ihnen eingeholt wird - und diese Argumentation überzeugt uns nicht", so Wellenreuther weiter. "

    Wenn der KSC seine Tickets bewirbt, mit bleiben sie danach noch gleich zur Pudelshow mag er recht haben.
    Es gibt sonst eine räumliche oder zeitliche Trennung, wenn ich beim Konzert von A bin und kurz darauf kommt B auf die Bühne, und ich werde nicht gebeten zwischenzeitlich raus zu gehen und ein neues Ticket zu holen dann war es wohl die Vorband zwinkern Ich kenne ehrlich gesagt keine Veranstaltungen die separat laufen, die so nah verzahnt sind. Sonst läßt der KSC bald in Vorfeld Markisen aufstellungen laufen, bei dem alle Fans durchmüssen sind ja seperate veranstaltungen.
    Was mich eher wundert, vorher wurde ja immer über die Pyros geredet war das offiziell schon länger ein Thema?
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  •   andi79
    (2767 Beiträge)

    08.08.2019 23:07 Uhr
    zur DFB Sichtweise
    einer verbundenen Veranstaltung.... der DFB möge begründen warum er z.B. bei unserer Aufstiegsfeier nach dem Spiel (welche ja sogar vom Verein selbst veranstaltet wurde) kein Ermittlungsverfahren eingeleitet hat... folgt man der DFB Logik wäre das ja eine gewesen (wie in unzähligen anderen Fällen auch).
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  •   kommentar4711
    (2284 Beiträge)

    09.08.2019 12:27 Uhr
    ANTWORT AUF "ZUR DFB SICHTWEISE"
    Na ja, die Aufstiegsfeier war aber ja nicht im Stadion. Da musstest Du sich als Zuschauer hin bewegen.
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  •   mhek2001
    (28 Beiträge)

    09.08.2019 10:20 Uhr
    Nach der DFB "Logik"...
    ... wenn man bei dem Verein noch von Logik reden kann ist das aber tatsächlich nachvollziehbar. Die Aufstiegsparty fand nicht im Stadion statt sondern auf einem Nebenplatz statt. Hätten wir vor der Pyroshow erst alle das Stadion verlassen, um dann wieder unsere Plätze einzunehmen, wäre der es nach deren "Logik" des DFB auch in Ordnung. Versehen muss man das nicht wirklich. zwinkern
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