15  

Karlsruhe Harrys KSC-Sportschau: Was ist dran am "Heimspielscheiß"?

Es ist wieder Mittwochnachmittag: Zeit für "Harrys KSC-Sportschau" - der KSC-Kolumne auf ka-news. Heute beschäftigt sich Harald Linder mit dem "Gerede von dem ganzen Heimspielscheiß'". Am Sonntag holte der KSC nach langer Zeit mal wieder einen Heimsieg gegen Erzgebirge Aue. Doch trotz Überlegenheit taten sich die Blau-Weißen schwer - aber warum? Was ist dran am "Heimspielscheiß"?

Liebe Fußballfreunde,

wie sehr die unbefriedigende Heimbilanz des KSC auch an den Nerven von Cheftrainer Markus Kauczinski gezerrt hatte, wurde in der Pressekonferenz nach dem 1:0-Sieg gegen Erzgebirge Aue deutlich. Da hörte man dem KSC-Übungsleiter an, wie erleichtert er darüber war, dass "das Gerede von dem ganzen Heimspielscheiß jetzt endlich aufhört", wie er es drastisch formulierte.

Überlegenheit nicht in Tore umgemünzt

Dass es dennoch erst eines Handelfmeters bedurfte, den übrigens auch nicht jeder Schiedsrichter pfeift, um die haushohe Überlegenheit in Zählbares umzumünzen, machte aber erneut deutlich, wo beim KSC der Schuh drückt. Da spielten die Blau-Weißen die meiner Meinung nach beste erste Halbzeit in dieser Saison, stürzten ihren Gegner von einer Verlegenheit in die nächste, verstanden es aber nicht, aus dieser Überlegenheit Kapital zu schlagen.

Sicher hatten die Sachsen einen erstklassigen Torhüter zwischen den Pfosten und sicher fehlte auch das nötige Quäntchen Glück, als der Ball zweimal von der Linie gekratzt wurde, aber mit zunehmender Spieldauer beschlich einen doch wieder das Gefühl, dass es mit dem "Heimspielscheiß" gerade so weitergehen könnte, wie schon in einigen Begegnungen zuvor, als der KSC oftmals nicht imstande war, seine große Überlegenheit in Tore umzumünzen.

KSC fehlt ein echter "Knipser"

Einer der Gründe dafür ist, dass dem KSC ein echter "Knipser" fehlt, was deutlich wurde, als Ilian Micanski in der Schlussminute alleine auf das gegnerische Tor zulief, aber nicht entschlossen den Ball im Auer Gehäuse unterbrachte, sondern beim Versuch, den Torhüter zu umspielen, an diesem hängen blieb. Das Fehlen eines echten Torjägers begleitet den KSC schon die gesamte Saison. Hiroki Yamada, mit fünf Treffern bester Torschütze ist ein Mittelfeldspieler, ebenso wie Reinhold Yabo, der vier Tore beisteuerte.

Auf diese Quote kommt auch Ilian Micanski als nomineller Stürmer, der allerdings nach seinem Dreierpack im zweiten Spiel beim FSV Frankfurt nur noch einmal erfolgreich war. Rouwen Hennings, der in den letzten Begegnungen im Angriff gesetzt war, hat bislang nur einmal getroffen und Koen van der Biezen, in der letzten Saison noch eine feste Größe im Sturmzentrum, kommt kaum noch zum Zuge, was auch ein Zeichen dafür ist, dass der KSC auf dieser Position nicht so besetzt ist, wie es nötig wäre, um die Möglichkeiten, die in den allermeisten Spielen immer da sind, auch zu verwerten.

Immerhin: Defensive steht sicher

Allerdings kann sich der KSC (zumeist jedenfalls) wieder auf seine Defensive verlassen. Mit nur elf Gegentoren nach 14 Spieltagen verfügt die Mannschaft von Markus Kauczinski neben Tabellenführer Ingolstadt über die zweitbeste Abwehr der Liga (nur Leipzig steht mit zehn Gegentoren besser da) und wenn man die "Fußballweisheit" denkt, dass die Offensive zwar Spiele gewinnt, die Defensive aber Meisterschaften, wäre der KSC ein ernsthafter Titelanwärter.

Sollte es am Freitagabend gelingen, in Darmstadt, dessen Stadion am Böllenfalltor (Jahrgang 1952) einen ähnlich morbiden Charme versprüht wie das Wildparkstadion, den fünften Auswärtssieg einzufahren, könnten die Blau-Weißen diese These dahingehend unterstreichen, dass sie (je nach Ausgang des Heidenheim-Spiels) zumindest für einen Tag auf einen Aufstiegsplatz springen würden.

Schafft es der KSC auf einen Aufstiegsplatz?

Allerdings steht auch die Mannschaft von Dirk Schuster recht stabil in der Abwehr (zwölf Gegentore) und verfügt zudem in Dominik Stroh-Engel, der schon acht Mal erfolgreich war, im Gegensatz zum KSC über einen echten Torjäger. Wenn die KSC-Defensive aber erneut so agiert, wie in den beiden letzten Auswärtsspielen bei St. Pauli und in Fürth, ist diese - vor ein paar Wochen noch für unmöglich gehaltene - Konstellation durchaus drin, was wiederum deutlich macht, wie eng es in dieser Liga zugeht.

Eine Liga, in der sich der Aufsteiger aus Darmstadt bisher glänzend verkauft, der bei mir - nicht nur wegen Dirk Schuster - dessen Spielphilosophie der von Markus Kauczinski ähnelt, große Sympathien genießt. Dies deshalb, weil die "Lilien", im Gegensatz zu ihren Mitaufsteigern aus Leipzig und Heidenheim, arme Schlucker sind, was die finanziellen Möglichkeiten anbelangt, die sogar noch unter denen des KSC liegen.

Was sie daraus gemacht haben, verdient großen Respekt und ist ein durchaus erfrischender "Ausreißer" in einem Geschäft, in dem normalerweise am Ende zumeist nur das Geld über Erfolg oder Misserfolg entscheidet.

Ihr Harald Linder

Mehr zum Thema
ka-news-Kolumne: Harrys KSC-Sportschau: Jeden Mittwochnachmittag beleuchtet unser Autor Harald Linder in der ka-news-Kolumne "Harrys KSC-Sportschau" verschiedene Themen rund um den Karlsruher SC. Der einstige Chefredakteur des Kurier ist nach seiner Pensionierung mittlerweile als freier Publizist, unter anderem auch für ka-news, tätig und hat für seine Sportkommentare, die sich überwiegend mit dem KSC beschäftigen, schon einige Auszeichnungen erhalten.
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (15)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   patrickkk
    (2144 Beiträge)

    27.11.2014 12:45 Uhr
    Also
    Alles in allem bin ich mit Herr. Lindner einer Meinung. Nur das hier stört mich mittlerweile wirklich: "Dass es dennoch erst eines Handelfmeters bedurfte, den übrigens auch nicht jeder Schiedsrichter pfeift". Es gab davor 3 Situationen, bei dennen es hätte Elfmeter geben können, 2 von dennen hätten sogar Elfmeter sein MÜSSEN.

    Dann spielt ein Auer den Ball auf 1.90m mit ausgestreckter Hand im Strafraum, und der muss nicht gegeben werden? Also bitte... Es mag stimmen, dass nicht jeder Schiedsrichter den gibt... Schiedsrichter sind auch nur Menschen, und machen Fehler. Doch dann darauf zu verweisen das andere Fehler machen, wenn der Schiedsrichter es richtig macht, halte ich für unangemessen. Vor allem wenn damit suggestiert wird, dass der KSC Glück gehabt hätte.

    Hätte der KSC Glück gehabt, hätte Nazarov nen Elfer Hattrick geschossen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Celtic
    (198 Beiträge)

    27.11.2014 08:48 Uhr
    Kein Aufreger
    Mittlerweile rege ich mich über die Ergüsse von Herrn Linder nicht mal mehr auf, das belanglose Geschwätz langweilt mich nur.

    Was an der Sache mit dem "Heimspielscheiß" dran ist? Nix. Gar nix. Nachdem Herr Linder in den vergangenen Wochen richtig analysiert hat, dass die Gäste im Wildpark meist tief stehen und der KSC sich schwer tut, die Überlegenheit in Tore umzumünzen, wiederholt er sich diese Woche. Dass dem KSC ein treffsicherer Stürmer fehlt, ist jedem KSC-Fan schon lange aufgefallen.

    Dass letzten Sonntag ein überragender Martin Männel im Tor von Aue stand und zweimal der Ball von der Linie geköpft wurde - auch das haben wir bereits alles ausgiebig wiederholt und in Zeitlupe gesehen.

    Was gibt es da zu interpretieren? Es gibt ein schönes Buch "Manchmal gewinnt der Bessere", das sich mit den Gesetzmäßigkeiten der Physik und des Zufalls beim Fußball beschäftigt. Sollten wir Herrn Linder unter den Weihnachtsbaum legen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Mozzer
    (2070 Beiträge)

    27.11.2014 11:30 Uhr
    wenn Sie....
    ...das "Geschwätz" von Herrn Linder doch so dermaßen langweilt, dann verwundert es doch sehr, daß Sie es wohl immer wieder lesen. Wenn es nach Ihnen ginge, müsste man wohl alle Stammtischgespräche verbieten. Nicht falsch verstehen, ich bin kein ausgewiesener Freund von Herrn Linder. Aber er macht auch nichts anderes als wir KSC- und im Allgemeinen Fußballinteressierten tun. Nur tut er es halt im öffentlichen Raum. In diesem Sinne......Forza KSC
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Celtic
    (198 Beiträge)

    27.11.2014 17:34 Uhr
    Warum?
    Warum sollte ich nur lesen, was mir persönlich gefällt?? Wer sich für ein Thema interessiert, der liest normalerweise alles, was ihm dazu angeboten wird. Und erst recht, wenn sich Journalisten oft an dem Beteiligen, was man gemeinhin "Meinungsmache" nennt.

    Dass bei den Kommentaren teilweise unterstes Stammtischniveau herrscht, wundert mich nicht. Das kann und möchte ich auch nicht verbieten. Die Welt ist bunt und die Anzahl der intellektuellen Tiefflieger recht hoch. Jeder hat das Recht, sich zu äußern - in der Form, die ihm angemessen erscheint.

    Von jemandem, der sich Journalist nennt und Artikel in einer Zeitung veröffentlicht, erwarte ich mehr als Stammtischniveau.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   schwarzvoraugen
    (4129 Beiträge)

    27.11.2014 01:01 Uhr
    Ganz sicher fehlt uns ein Torjaeger
    mit Konstanz, der es am Ende der Saison auf 15+ Tore bringt. Der fehlet ohne jeden Zweifel.

    Hinzu kommt die Schwaeche bei Standards, die wir besonders nach dem Ausfall von Traut haben. 2 von 3 Ecken sind zum Vergessen, Freistoesse selbst aus zentraler Position werden klaeglichst vergeben. Gerade dann, wenn sich die Mannschaft aus dem Spielverlauf her schwer tut Tore zu schiessen, wiegen die ungefaehrlichen Standards doppelt schwer.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Schmarow
    (1051 Beiträge)

    27.11.2014 09:38 Uhr
    Lösung: LGK
    als Techniktrainer engagieren. Da gab es immer massig Kopfballtore, weil der nur Standards trainiert hat.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Raul-Brasil
    (122 Beiträge)

    26.11.2014 22:13 Uhr
    Was ist denn das für ein Ton hier?
    "..Ich schlage vor..."
    "...Er hat gewiss nicht unrecht..."
    "...Ich würde Linder widersprechen..."
    Bin ich jetzt im falschen Film? Verkommt das hier zum VHS Debatierklub? Wo bleibt das
    "...so ein blödes Gelaber..."
    "...du Vollhorst..."
    "...der Linder ist so ein Dummschw...."
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   sauerbraten
    (2266 Beiträge)

    26.11.2014 20:37 Uhr
    Das mit dem Knipser ist wohl nicht ganz falsch,
    trifft aber den Kern trotzdem nur zum Teil. Grundsaetzlich finde ich es gar nicht so schlecht, dass sich bei uns die Tore auf mehrere Leute verteilen und mit insgesamt 20 Kisten sind wir ja vorne mit dabei. Das Problem ist eher ein Mentales, tritt hauptsaechlich im Wildpark auf und hat vielmehr mit Spielgestaltung gegen tief stehende Gegner, Praezision beim entscheidenden Ball zuhause und Laufwegen zu tun. Wir entwickeln daheim einfach zu wenig Torgefahr und das hat nicht wirklich was mit "knipsen" zu tun. Auswaerts bei Kontern funktionierts doch ganz ordentlich.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   ElKonsolero
    (982 Beiträge)

    26.11.2014 21:26 Uhr
    Ich würde Linder widersprechen
    uns fehlt in meinen Augen kein Knipser sondern ein Brecher. Jemand wie Kennedy damals, der über seine körperliche Präsenz Räume schafft oder der eben auch ma ne Flanke verwerten kann - oder jemand der über seine Geschwindigkeit und Ballbehandlung auch ma nen Verteidiger auspissen kann, im Prinzip so jemand wie Torres nur als Mittelstürmer mit gescheitem Abschluss.

    Ein Knipser bringt auch net viel gegen tief stehende Gegner, wenn dem Mittelfeld mal wieder nix einfällt wie man den Ball ins Tor bugsieren könnte.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Mozzer
    (2070 Beiträge)

    27.11.2014 14:53 Uhr
    Kennedy....?
    Oh, ich weiß nicht, da vielen die Tore auch nicht gerade im 4-Minuten-Takt.
    Kann sich hier noch jemand an Andrei Christea erinnern? Der hatte uns in der Saison 2010/2011 am letzten Spieltag gegen Union daheim mit 2 Toren vor dem Abstieg gerettet. Leider hatter er sich schwer verletzt und hat dann irgendwann wieder in Rumänien gekickt. Der konnte einen Ball nach Abstoß des eigenen Torhüters erkämpfen, abschirmen und dann nach vorne marschieren. Souveräne Ballbehandlung....so einen könnten wir gebrauchen und keinen Hennings, der vorgezogene Abwehrspieler oder einen hölzernen VdB.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 (2 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.