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Karlsruhe Harrys KSC-Sportschau: "Pyro-Show" ist keine Fankultur

Vor wenigen Wochen startete ka-news mit "Harrys KSC-Sportschau" eine neue KSC-Kolumne, die zukünftig jeden Mittwochnachmittag erscheint. Autor dieser Kolumne ist Harald Linder. Thema heute: Der Karlsruher SC muss für die Düsseldorfer "Pyro-Show" seiner "Fans" 30.000 Euro Strafe bezahlen. Unser Kolumnist kritisiert die "Brandstifter-Fraktion". Diese sollte mal darüber nachdenken, ob das, was sie da tun, tatsächlich zur so gerne beschworenen Fankultur gehört.

Liebe Fußballfreunde,

21 Spieltage sind in der zweiten Liga gespielt und der KSC rangiert mit 33 Punkten auf Rang fünf der Tabelle, lediglich zwei Zähler hinter dem Relegationsplatz und nur drei Punkte hinter einem direkten Aufstiegsplatz. Sportlich ist dies, bislang jedenfalls, weit mehr als das, was man dem Aufsteiger zu Saisonbeginn zugetraut hatte und auch finanziell hat es sich für den Sportclub bisher gelohnt, sich im oberen Tabellendrittel der Liga festgesetzt zu haben. Wie Sie vielleicht wissen, werden die Fernsehgelder, die ein Verein erhält, im Rahmen einer Fünfjahreswertung ermittelt und da spielt natürlich jeder Tabellenplatz eine Rolle, wenn es um diese Prämien geht. Mit diesen verbesserten TV-Einnahmen hat der Sport-Club einen etwas größeren Spielraum, wenn es beispielsweise darum geht, in den Nachwuchs zu investieren oder vielleicht sogar bei den Profis für Verstärkung im Hinblick auf die kommende Spielzeit zu sorgen

Eine prima Geschichte sollte man meinen, aber der KSC hat, wie zu lesen war, einen anderen Verwendungszweck für diese Einnahmen gefunden, wenn auch nicht ganz freiwillig. Rund 30.000 Euro musste der Verein im Nachhinein für ein Feuerwerk bezahlen, das beim 2:0-Sieg am 29. November vergangenen Jahres in Düsseldorf im KSC-Fanblock abgebrannt wurde. Die Vereinsführung hatte dieses Feuerwerk allerdings überhaupt nicht bestellt, wie sie dem Verfasser dieser Zeilen glaubhaft versicherte. Offenbar war die auf YouTube zu bestaunende "Pyro-Show" die Eigeninitiative einiger so genannter Fans, die damit möglicherweise ihre glühende Liebe zum Verein bekunden wollten. Nun ist ja gegen Eigeninitiative eigentlich nichts einzuwenden und dass die Liebe, oder was manche darunter verstehen, viele Facetten haben kann, wurde ja gerade dieser Tage wieder publik. Der eine findet im Betrachten von Fotos nackter Kinder seine Befriedigung, ein anderer eben beim Abbrennen eines Feuerwerks im Stadion. Aber ich will dieses Thema jetzt nicht weiter vertiefen, sondern wieder zu der eingangs erwähnten Verwendung von Fernsehgeldern zurückkehren.

Und da stellt sich mir im Zusammenhang mit der Rechnung für die Düsseldorfer "Pyro-Show" dann doch die Frage, weshalb deren Initiatoren diese nicht auch selbst begleichen. 30.000 Euro für ein Feuerwerk sind kein Pappenstil und abgesehen davon war das, was in Düsseldorf geboten wurde, rein pyroshowtechnisch gesehen, dieses Geld auch nicht wert. Für diesen Betrag kriegt man normalerweise ein Brillantfeuerwerk mit Sternen, Kometen, Lichtblitzen und Feuerkaskaden am Himmel und nicht nur ein paar Bengalos und jede Menge Rauch. Gut, man muss in diese Rechnung auch noch die Zerlegung zweier Kassenhäuschen nebst Ordnern, die als Rahmenhandlung bei dieser Pyro-Show als stilbildendes Element einbezogen wurden, berücksichtigen, was die Kosten natürlich ebenso erhöht hat wie die kunstvollen Gesichtsmasken derer, die sich da als Pyrotechniker  - oder sollte men eher sagen Brandstifter - versuchten.

Aber o.k. bleiben wir nochmals bei den Kosten. Diese bleiben am Verein hängen, weil er dafür haftbar gemacht wird, wenn seine Anhänger Dinge tun (und dazu gehört eben der Einsatz von Pyrotechnik im Stadion), die nicht erlaubt sind, unabhängig davon, wie man dieses Verbot bewertet. Und so geht ein nicht geringer Teil der TV-Gelder, die durch die starken Leistungen der Mannschaft eingespielt wurden, im wahrsten Sinne des Wortes in Rauch auf. Die Brandstifter-Fraktion wird dies allerdings kaum stören. Sie wird ja nicht zur Kasse gebeten und dass es natürlich weit mehr Spaß macht, das Geld von anderen, statt des eigenen zu verbrennen, ist nicht erst seit der Bankenkrise hinlänglich bekannt. Ob die stolzen Maskenträger mit ihren Bengalofackeln darüber mal nachdenken werden, ob das, was sie da tun, tatsächlich zur so gerne beschworenen Fankultur gehört, wage ich allerdings zu bezweifeln, denn wie sagte Albert Einstein doch schon so treffend: "Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher." Wer wollte ihm da auch widersprechen.

Ihr Harald Linder

Jeden Mittwochnachmittag beleuchtet ab heute unser Autor Harald Linder in der ka-news-Kolumne "Harrys KSC-Sportschau" verschiedene Themen rund um den Karlsruher SC. Der einstige Chefredakteur des Kurier ist nach seiner Pensionierung mittlerweile als freier Publizist, unter anderem auch für ka-news, tätig und hat für seine Sportkommentare, die sich überwiegend mit dem KSC beschäftigen, schon einige Auszeichnungen erhalten. So wurde er 2007 im Rahmen der Karlsruher Sportlerehrung mit der "Gläsernen Pyramide" als "Sportjournalist des Jahres" ausgezeichnet und 2012 war er Preisträger beim regionalen Ehrenabend des Verbandes Deutscher Sportjournalisten (VDS), wo er den zweiten Preis in der Kategorie "Kommentar/Glosse" erhielt. Alle bisher bei ka-news erschienenen KSC-Kolumnen von Harald Linder finden Sie hier!

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Kommentare (61)
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  •   haku
    (4056 Beiträge)

    19.02.2014 15:15 Uhr
    Oha!
    May the shitstorms begin!

    Couch, Cola, Erdnüsse.

    Zurücklehn.
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