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Karlsruhe Harrys KSC-Sportschau: Kommt die Videoüberwachung im Wildpark?

Es ist wieder Mittwochnachmittag: Zeit für "Harrys KSC-Sportschau" - der KSC-Kolumne auf ka-news. Wie hoch wird die Strafe für den Karlsruher SC vor dem Sportgericht ausfallen? Kommen auf den badischen Sportverein neue Sicherheitsauflagen zu, wird es beispielsweise mehr Kameras geben? Ist das der richtige Weg oder sind nicht viel mehr die Fans gefragt? Diese Fragen stellt sich Harald Linder in seiner heutigen Kolumne.

Liebe Fußballfreunde,

ob das DFB-Sportgericht neben den Vorfällen in Kaiserslautern auch die Pyro-Aktion in Darmstadt in seinem Urteil gegen den KSC schon mit berücksichtigt hat, war zum Zeitpunkt der Entstehung dieses Textes, ebenso unklar wie die genaue Höhe und der Umfang der zu erwartenden Sanktionen.

Videoüberwachung im Wildpark?

Wie ka-news aber erfuhr, soll vor dem Sportgericht, neben der schon letzte Woche benannten fünfstelligen Geldstrafe und einem möglichen Teilausschluss von Zuschauern, auch darüber verhandelt worden sein, dass der KSC zukünftig eine weitere Sicherheitsauflage erfüllen müsse. Und zwar in Form von zusätzlichen Kameras, die der KSC installieren soll, um seine Fans besser zu überwachen.

Abgesehen davon, dass mir unklar ist, wie dies bei Auswärtsspielen geschehen soll, bei denen der KSC nicht der Hausherr ist, hätte ich bei einer solchen Maßnahme auch im eigenen Stadion allerdings erhebliche Bauchschmerzen. Das bedeutet nicht, Prügeleien wie in Kaiserslautern oder die Pyroaktion in Darmstadt zu tolerieren. Beides ist abzulehnen und auch zu sanktionieren.

Daraus aber eine Totalüberwachung abzuleiten, geht meiner Meinung nach nicht. Wenn im Namen der Sicherheit der Datenschutz immer mehr ausgehebelt wird, löst das erstens nicht das Problem und stößt zweitens die Tür zu einer Generalüberwachung noch weiter auf.

Schon einmal ging es um "Gesichtsscanner", die eingesetzt werden sollten, um sogenannte Gewalttäter schon beim Stadioneintritt zu identifizieren. "Parallele Gesichtserkennung in Videoströmen (PaGeVi)" hieß das Projekt, das vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entwickelt wurde und nicht nur bei Datenschützern auf heftigen Protest stieß.

KSC-Fans müssen sich von "Zündlern" und "Schlägern" distanzieren

Zu Recht, wie ich meine, denn alleine die Definition, wer sich als "Gewalttäter" in der entsprechenden Datei wiederfindet, obliegt nicht unbedingt einer objektiven Beurteilung. Da halte ich es für viel wichtiger, dass unter den KSC-Fans selbst endlich dafür gesorgt wird, dass diejenigen, die nicht nur dem Verein, sondern auch der gesamten Fanszene schaden, zur Rechenschaft gezogen werden.

Ein erster Schritt in diese Richtung hat der Vorstand der "Supporters" (Dachverband der KSC-Fanclubs) gemacht, als er die die Pyro-Aktion in Darmstadt auf der Homepage von "Faszination Fankurve" öffentlich kritisierte. "Wir verurteilen die Pyro-Aktion und fordern diejenigen, die diese Aktion durchgeführt haben, zu einem Umdenken auf", schreibt der Supporters-Vorstand dazu. Und auch die lange Zeit falsch verstandene Solidarität mit Zündlern und Schlägern scheint zu bröckeln.

Im "KSC-Stammtisch" des Lokalsenders Baden TV nach dem Braunschweig-Spiel benannte ein KSC-Fan auch eindeutig den Namen eines "Fanclubs", dessen Mitglieder für die Aktion in Darmstadt verantwortlich gewesen seien. Diesen "Fanclub" sowohl aus den Supporters auszuschließen und seine Mitglieder vom Verein mit einem Stadionverbot zu belegen und gegebenenfalls - so es zu beweisen ist - in Regress zu nehmen, würde ich für die richtige Maßnahme halten, um von Fanseite und Verein ein deutliches Zeichen zu setzen.

Dazu braucht es aber weder zusätzlicher Kameras und schon schon gar nicht einer möglichen neuen Debatte um die "parallele Gesichtserkennung in Videoströmen", sondern lediglich Zivilcourage und konsequentes Handeln.

Meint jedenfalls Ihr Harald Linder.

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ka-news-Kolumne: Harrys KSC-Sportschau: Jeden Mittwochnachmittag beleuchtet unser Autor Harald Linder in der ka-news-Kolumne "Harrys KSC-Sportschau" verschiedene Themen rund um den Karlsruher SC. Der einstige Chefredakteur des Kurier ist nach seiner Pensionierung mittlerweile als freier Publizist, unter anderem auch für ka-news, tätig und hat für seine Sportkommentare, die sich überwiegend mit dem KSC beschäftigen, schon einige Auszeichnungen erhalten.
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Kommentare (23)
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  •   andi79
    (2997 Beiträge)

    10.12.2014 15:54 Uhr
    das
    war ein extrembeispiel für der zweck heiligt die Mittel, hatte nichts mit einer DFB Strafe zut un.

    @Schadensersatz: so einfach ist es eben nicht. die Strafe des DFB ist als Schadensersatz nicht geltend machbar da es für diese keine rechtliche Grundlage gibt (sie wäre selbst zwischen KSC und DFB IMHO nicht rechts da Vertragsstrafen klar definiert sein müssen und nicht verhandelt werden können). Geltend gemacht werden können Schäden wie z.B. Sachschäden oder Personenschäden.

    Anderes Beispiel (völlig anderer Bereich):

    Person P hat Schulden bei Anbieter A, der beauftragt Inkasso I die Schulden einzutreiben, I stellt A daraufhin eine Rechnung über 1 Mio Euro (übertrieben zur Verdeutlichung), A will diese jetzt von P als Schadensersatz haben.... das Gericht sagt es ist wurscht was A und I vereinbart haben, der Schaden ist nicht durchsetzbar.

    Genau so verhält es sich bei DFL Strafen. Denke das Prinzip warum es nicht geht wird mit obigen Beispiel deutlich.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (487 Beiträge)

    10.12.2014 17:10 Uhr
    Quelle?
    " die Strafe des DFB ist als Schadensersatz nicht geltend machbar da es für diese keine rechtliche Grundlage gibt"
    Gibt es dazu Quellen oder Präzedenzurteile?

    Und wäre das lösbar, wenn man auf das in den AGB des Kartenkaufs regeln würde?
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  •   andi79
    (2997 Beiträge)

    10.12.2014 17:44 Uhr
    man müsste
    Abwälzung auf Fans:

    Vertragsstrafen gegen Privatpersonen sind generell nicht gültig (nichtmal seperat unterzeichnet, in der AGB schon gar nicht). Und Schadensersatzforderungen müssen belegt werden (und nicht mit Vertragsstrafen)

    Zwischen KSC und DFB: ich denke nicht das das ganze rechtlich haltbar wäre. Vertragsstrafen sind wie der Name schon sagt im Vertrag klar definiert (z.B. 1x Zünden -> X€), das da jemand verhandelt und im nachhinein bekommt man gesagt es kostet 50.000€ dürfte schwer durchsetzbar sein).

    Das ganze Ligaprinzip ist ja auch eine Anerkennung des DFB/DFL ausgelegt. So lange es alle anerkennen und nicht den Gerichtsweg gehen funktioniert das ganze. So war das z.B. mal mit der Ausländerregelung und Transfersummen nach Vertragsende (bosmann urteil). Aus meiner Sicht sind sehr viele Dinge nur in dieser "Anerkennungsgemeinschaft" Bundesliga gültig und möglich.

    So zumindest meine rechtliche Einschätzung.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (487 Beiträge)

    11.12.2014 07:24 Uhr
    Fakt und Einschätzunh
    Ich fasse zusammen: Es scheint keinen Präzedenzfall zu geben, daher könnte es ein Verein mal versuchen (eventuell unerstützt von DFB/DFL als Musterprozess)...

    Es ist also kein "Fakt", sondern eine "persönliche rechtliche Einschätzung" (wie sie es jetzt auch gekennzeichnet haben).
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  •   andi79
    (2997 Beiträge)

    11.12.2014 07:41 Uhr
    Einschätzung
    korrekt. Im Fußballumfeld wurde es meines wissens nie versucht. Fakt ist das es in anderer Konstellation (siehe z.B. das Beispiel) nicht durch geht, daher gehe ich davon aus das es analog dazu nicht durchgeht.

    Ich erinnere mich z.B. an den Fall des "Elfmeterpunktdiebes" beim dem Aufstiegsspiel... da wurde auch gleich von wg. Schadensersatz geredet, passiert ist aber meines wissens nix zivilrechtliches obwohl er (genau wie in vielen anderen Fällen) die Leute identifiziert waren.

    Das war übrigends auch der Zeitpunkt bei dem die Ultras als "Talliban der Fans" und Co. in die Medien kamen und verteufelt wurden. Interessanterweise wurden die Ultras nach den Hogesa Sachen als Heilsbringer hingestellt. Hat jetzt zwar überhaupt nix mit dem rechtlichen Thema zu tun, aber ist mir zu dem Theme gerade noch eingefallen wie schnell Medien ihre Meinung wechseln können wenn es gerade in die Story passt grinsen
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (487 Beiträge)

    11.12.2014 09:16 Uhr
    Elfmeterpunktdieb
    siehe http://www.derwesten.de/staedte/duesseldorf/verfahren-gegen-elfmeterpunkt-dieb-aus-skandalspiel-fortuna-gegen-hertha-eingestellt-id8107184.html
    Er hat wohl 2000€ an die Fortuna gezahlt - aber wenn ich den Artikel richtig verstehe "ohne Urteil", außerdem hat er 150€ und 50 Sozialstunden akzeptiert. Hier kommt aber hinzu, dass er ja wirklich "einen Schaden" angerichtet hat, da das Rasenstück ja ersetzt werden musste (wobei ein Stück Rasen wohl deutlich weniger als 2000€ kosten sollte).
    Was sich daraus jetzt alles ableiten lässt weiß ich nicht zu sagen.
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  •   andi79
    (2997 Beiträge)

    11.12.2014 22:34 Uhr
    die 150€ + sozialstunden
    waren ja der strafrechtliche teil. Der Zivilrechtlich durchbringbare Teil war wirklich der Rasen, ich würde jetzt aber einfach pi nach Schnautze behaupten mehr wie 100€ Schadensersatz für das neu pflanzen wären nicht drin gewesen. Er hat sich halt freiwillig drauf eingelassen aus Angst eine größere Strafe zu bekommen, und Fortuna hat ein bischen gezeigt was zu machen.

    Interessant wäre es einfach mal davon auszugehen das es doch umgelegt werden könnte.... da käme gleich das nächste Problem. Wie wird die Gesamtstrafe verteilt wenn nur ein teil erwischt werden. Auch da würde es dann vermutlich dran scheitern. Ich denke aber die Tendenz ist klar.

    Viel interessanter fände ich das ganze im Verhältniss zwischen Vereinen und dfb/dfl. Selbst wenn Pyrotechnik von Verein gewollt gezündet wird und dafür sogar eine seperate Veranstaltung angemeldet wird ermittelt der DFB... die große Frage ist in wie weit das DFB Konstrukt der paraleljustiz zusammenbrechen würde wenn mal einer klagt.
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  •   andi79
    (2997 Beiträge)

    10.12.2014 17:45 Uhr
    was bleibt
    ist der strafrechtliche Aspekt wg. Pyrotechnik ohne behördliche Genehmigung. Das ist aber ein ganz anderer Stiefel.
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  •   Borgi
    (44 Beiträge)

    10.12.2014 20:29 Uhr
    Wer sind die Opfer?
    Um pauschal auf die vorangegangen, unter zivil- und strafrechtlich recht interessanten Beiträge zu antworten: Mir würde es bei der Videoüberwachung nur teilweise um den KSC als Geschädigten gehen und viel mehr um Personen (also betroffene Dritte), die von Vorkommnissen wie in Kaiserslautern oder Darmstadt betroffen (also echte Opfer) sind: Gehör- und Augenschäden, Verbrennungen, Prellungen, blaue Flecken, Verstauchungen, Kleiderschäden usw. Von solchen Menschen bei eindeutiger Video-Beweislast vor den zivilrechtlichen Kadi gebracht und zu kräftigen Schadenersatz und Schmerzensgeldzahlungen verurteilt zu werden, würde möglicherweise oder hoffentlich die Zahl der Randalierer und Chaoten reduzieren. Spätestens am eigenen Geldbeutel tut's richtig weh. Der KSC hätte unabhängig davon die Möglichkeit, gezielter als bisher Haus-, sprich Stadionverbote auszusprechen.
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  •   andi79
    (2997 Beiträge)

    10.12.2014 14:46 Uhr
    auch hier
    will ich nochmal anbringen das es eben nicht möglich ist Einzelpersonen, und schon gar nicht Gruppen als Gesamtheit in Regress zu nehmen über den Rahmen eines Sachschadens. Es ist eine einfache Forderung, aber rechtlich eben nicht machbar dar die DFB Strafen willkürlich verhandelt werden und vor einem ordentlichen Gericht nicht stand halten würden (als Schadensersatz gegenüber einen dritten). Hier muss es andere Lösungen geben.
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