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Karlsruhe Harrys KSC-Sportschau: Fußball-Kommerz - welche Wirkung hat der Leipzig-Boykott der Fans?

Es ist wieder Mittwochnachmittag: Zeit für "Harrys KSC-Sportschau" - der KSC-Kolumne auf ka-news. Heute beschäftigt sich Autor Harald Linder mit dem Auswärtsspiel-Boykott der KSC-Fans in Leipzig. Der Grund: Die Kommerzialisierung des Fußballs in Form gesponserter Vereine ist für viele Fans ein rotes Tuch. Gerade der "RB Leipzig" treibe diese Eigenschaft auf die Spitze, so die Meinung der KSC "Supporters". Doch ist diese Kritik gerechtfertigt - beziehen nicht auch zahlreiche "Traditionsvereine" Sponsorengelder?

Liebe Fußballfreunde,

wenn der KSC heute Abend in Leipzig versucht, auch im siebten Spiel der neuen Saison ungeschlagen zu bleiben und dort vielleicht sogar zu gewinnen (was ich durchaus für möglich halte), muss er dies ohne Unterstützung seiner Anhänger bewerkstelligen, denn nur eine Handvoll Fans werden die Mannschaft in der "Red Bull-Arena" anfeuern.

KSC-Fans boykottieren Red-Bull-Arena

Nach Mitteilung der KSC-Presseabteilung waren im Vorfeld der Begegnung lediglich 56 Tickets verkauft worden. Der Grund für die Abstinenz ist der Protest der "Supporters" gegen die zunehmende Kommerzialisierung im Fußball, die nach Meinung der Fans ihren krassesten Ausdruck in Leipzig findet, wo der von Red Bull gesponserte "Rasen Ball" mit Millionen-Geldern des österreichischen Brause-Herstellers so schnell wie möglich in der Bundesliga etabliert werden und auch dort eine feste Größe werden soll.

Für viele Anhänger sogenannter "Traditionsvereine", zu denen sich auch der KSC zählt, ist diese Art, sich in den Profifußball einzukaufen, ein rotes Tuch. Sie sehen darin - nicht zu Unrecht - nicht nur einen erheblichen Wettbewerbsvorteil gegenüber all denen, die nicht mit den Millionen eines großen Geldgebers rechnen können, sondern auch das Ende einer Fußballtradition, die einen großen Teil der Identität eines Vereins ausmacht.

Fans spenden "Ticketgeld" an Jugend

So gesehen, ist der Protest der KSC-Fans nachvollziehbar, die Begegnung in Leipzig zu boykottieren und stattdessen das Spiel lieber im KSC-Clubhaus zu verfolgen und das Geld für ein symbolisches Ticket in Höhe von fünf Euro der KSC-Jugend zukommen zu lassen. In Leipzig wird dies naturgemäß anders gesehen. Dort freut man sich darüber, dass nach dem Niedergang der Traditionsclubs "Sachsen" und "Lokomotive" endlich wieder Fußball auf nationalem Niveau geboten wird.

Zumal die dortige "Red Bull-Arena", wie das einstige Zentralstadion heißt, schon zu Drittliga-Zeiten bei entsprechenden Spielen rund 40.000 Besucher verbuchen konnte. Eigentümer dieses Stadions ist übrigens ein gewisser Michael Kölmel , an den der KSC auch heute noch jedes Jahr rund zehn Prozent seiner TV-Einnahmen abdrücken muss, weil ihm Kölmel vor vielen Jahren einmal mit 7, 5 Millionen Euro aus der finanziellen Patsche geholfen hat.

Jeder Verein braucht Sponsoren

Und damit kommen wir zu den "Traditionsvereinen", von denen auch nur die wenigsten im bezahlten Fußball ohne die finanzkräftige Unterstützung von Sponsoren auskommen. Bei den allermeisten ist dies allerdings nicht so offensichtlich ausgeprägt wie in Leipzig, wo der Kommerz schon beinahe als Philosophie eines erfolgreichen Sportkonzepts gelebt wird, wie dies auch - wenn auch nicht in dieser beinahe schon schamlosen Art und Weise wie bei RB Leipzig - in Hoffenheim, Leverkusen oder Wolfsburg der Fall ist.

Und haben nicht auch die großen Traditionsclubs Dortmund oder Schalke einige Großinvestoren im Kreuz, die ihr Engagement bei diesen Vereinen vor allem als eine reine Marketingstrategie sehen? Der Profifußball ist ein Geschäft. Er ist vor allem ein Geschäft. In England, Spanien, Italien oder Frankreich noch deutlicher als hierzulande. Red Bull macht in Deutschland nur vor, was in diesen Ländern schon längst Normalität ist.

Es bleibt kein Platz für "Traditionsvereine"

Für "Traditionsvereine" bleibt in diesem Geschäft auf Dauer kein Platz, es sei denn, man findet einen Investor, in dessen Marketingstrategie ein solcher Verein gerade passt. Und ich weiß nicht, wie die Fans eines solchen Vereins dann reagieren würden, wenn sie die Wahl hätten, dass durch ein solches Engagement ihr Club die Chance bekäme, vielleicht auch einmal ganz oben mitzuspielen.

Auf den KSC bezogen, sicher eine (zumindest zurzeit) sehr hypothetische Frage und deshalb will ich sie auch nicht weiter vertiefen. So bleibt mir nur, meinen großen Respekt vor der heutigen Aktion der KSC-Fans auszudrücken, auch wenn dieser Protest am Ende leider im Sande verlaufen wird, denn auch der DFB, der genau so kapitalorientiert ist wie die Uefa oder die Fifa, wird der weiteren Kommerzialisierung keinen Einhalt gebieten, da gehe ich jede Wette ein.

Und so bleibt am Ende doch nur die (für alle Fußball-Traditionalisten) resignierende Erkenntnis, dass Tradition eben auf Dauer keine Tore schießt. Geld dagegen schon. Meint jedenfalls

Ihr Harald Linder

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ka-news-Kolumne: Harrys KSC-Sportschau: Jeden Mittwochnachmittag beleuchtet unser Autor Harald Linder in der ka-news-Kolumne "Harrys KSC-Sportschau" verschiedene Themen rund um den Karlsruher SC. Der einstige Chefredakteur des Kurier ist nach seiner Pensionierung mittlerweile als freier Publizist, unter anderem auch für ka-news, tätig und hat für seine Sportkommentare, die sich überwiegend mit dem KSC beschäftigen, schon einige Auszeichnungen erhalten.
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Kommentare (26)
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  •   Celtic
    (198 Beiträge)

    25.09.2014 15:06 Uhr
    Respekt, Herr Linder
    ... das ist der zweite respektable Artilel in Folge.

    Ohne zahlungskräftige Sponsoren geht im Profifussball nichts. Sogar unser KSC ist finanziell von wenigen Sponsoren und Einzelpersonen abhängig.

    Was RB Leizig aber von anderen Vereinen wie Schalke, Wolfsburg oder dem FC Bayern unterscheidet ist, dass Leipzig einzig und allein als Werbeträger (um nicht zu sagen: Marketing-Gag) für die gleichnamige koffeinhaltige Brause großgezogen wird. Dort gibt es kein Vereinsleben (wie auch, bei nur wenigen stimmberechtigten Mitgliedern, die zufällig alle Führungskräfte aus Mateschiz' Limo-Imperium sind), keinen Breitensport, ... nichts. Nur Werbung.
    Außerdem baut sich Red Bull ein Parallel-Universum im Fußball auf, indem Spieler zwischen Leipzig, Salburg, New York und anderen Red-Bull-Clubs hin- und her transferiert werden können. Das ist Wettbewerbsverzerrung, so ein System hat noch nicht mal ein FC Bayern.

    "Tradition" ist zwar schön kuschelig, hat aber keinen Wert an sich.
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  •   tomkscole
    (361 Beiträge)

    24.09.2014 19:08 Uhr
    scheiss RB
    und der Schiedsrichter + dieser Sky Reporter sind auch schon gekauft.

    Ich könnte Kot.....
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  •   tomkscole
    (361 Beiträge)

    24.09.2014 18:51 Uhr
    was ist mit Todt
    beim Traditionsverein VfBääääääääh im Gespräch.

    Das würde zu diesem Tag heute noch passen
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  •   80er
    (6068 Beiträge)

    24.09.2014 18:42 Uhr
    Um die Eingangsfrage....
    ...zu beantworten: Nix!
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  •   bluhdworschd
    (72 Beiträge)

    24.09.2014 18:35 Uhr
    Willkomen
    ... im Kapitalismus - leider stehen manche immer noch am Bahnhof und warten auf die gute alte Dampflok.

    Sodele, weiter gehts - wird schwer genug....
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (5411 Beiträge)

    24.09.2014 17:26 Uhr
    quatschikado 0,00 bringt´s,
    dann müsste das immer auch gegen SAP Hoffene, Bayer Lever, VW Wolfsburg, Audi Ingold, VfB Daimler und und und gehen, nicht nur der Fussballsport auf nationale rund internationalen hochkommerziell, that´s life !
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  •   peddersenn
    (1033 Beiträge)

    24.09.2014 16:34 Uhr
    tja
    Ein Fußballclub, der es nicht schafft, den Betrieb mit Eintrittskarten, Fernsehgeldern und Werbeeinnahmen an Mann und Bande grinsen zu betreiben, hat seine Aufgabe verfehlt.

    Einfach ne Mark weniger ausgeben als man einnimmt, dann klappt das.

    Kann natürlich sein, daß die Spieler dann 10 000 Öre im Monat kriegen und man NICHT in der Champignonsleague spielt. Aber das muß der Fan entscheiden.

    Es geht eben nicht, die Kommerzialisierung anzuprangern und gleichzeitig oben mitturnen zu wollen. Das ist auch nicht die Aufgabe: die ist eher, mit den VORHANDENEN oder mit den mit vertretbaren Mitteln ZU ERWIRTSCHAFTEN GELD einen Betrieb zu führen.

    Wie gesagt, das hängt auch am Fan. Ob er Klasse 3 anguckt und sich freuen kann, wenns gut läuft und er nen schönen Nachmittag im Stadion verbracht hat - oder ob er Interesse am Spiel in einer möglichst hochklassigen Liga hat. Was im Prinzip den Unterschied im zwischen Sportliebhaber bzw. Tabellenonanist und Erbsenzähler darstellt.
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  •   lynx1984
    (3429 Beiträge)

    24.09.2014 15:22 Uhr
    Selbstbestimmung des Vereins!
    Es geht hier auch um die Selbstbestimmung des Vereins und seiner Mitglieder. In Karlsruhe wird der Präsident von den Mitgliedern gewählt - über seine Arbeit legt er den MITGLIEDERN Rechenschaft ab.

    Wie funktioniert dies wohl in Leipzig?
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  •   Faecherstadt_Guerilla
    (4092 Beiträge)

    24.09.2014 15:50 Uhr
    Richtig, ...
    außerdem ist es ein Unterschied, ob ein Verein durch sportliche Attraktivität Sponsorengelder generiert, oder ob sich zuerst ein Sponsor eine Lizenz erschleicht (wie in diesem Fall die von Markranstädt), um seinen "Verein" sportlich attraktiv zu machen.
    Am schlimmsten finde ich, daß der DFB das hat durchgehen lassen.
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  •   Rundbau-Gespenst
    (12575 Beiträge)

    24.09.2014 16:46 Uhr
    war beim DFB vielleicht
    eine Bierfrage...

    grinsen
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