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Karlsruhe/Dortmund So viel Karlsruhe steckt im neuen Deutschen Fußballmuseum!

Am 25. Oktober wird das Deutsche Fußballmuseum in Dortmund eröffnet. Autor Thomas Alexander Staisch konnte vorab für ka-news einen Blick in das Museum werfen. Ältester Film, Goldpokal, Siegestelegramm, Wildpark: So viel Karlsruhe steckt im neuen Deutschen Fußballmuseum!

Wenn sich junge KSC-Fans in Zukunft vielleicht nicht mehr an den guten alten Wildpark erinnern werden (und in einem Neubau jubeln) - im neuen Deutschen Fußballmuseum in Dortmund hat das Kult-Stadion vermutlich einen Platz für die Ewigkeit. Blau-weiße Besucher aufgepasst: Wenn man mit der Rolltreppe (!) von der Arena im Eingangsbereich zur eigentlichen Ausstellung in den ersten Stock fährt (begleitet von Schlachtgesängen vom Band), kann man auf der linken Seite nicht nur KSC-Fans mit Fahnen, sondern auch das Wildparkstation samt "Nacktem Mann" entdecken - gemalt von der Illustratorin Diana Köhne.

Extra-Ausstellung über  KFV-Stürmerstar Julius Hirsch

Der Schwerpunkt der Karlsruher Exponate liegt zum einen im "Zeit-Raum", in dem die Geschichte des deutschen Fußballs von den Anfängen gezeigt wird. Hier stößt der badische Fan auf eine Original-Abbildung der legendären "Karlsruher Kickers" von 1895 - einer der ersten deutschen Fußballmannschaften mit Sport-Pionier Walther Bensemann. Der Wahl-Karlsruher gründete auch das Fachblatt "Kicker" - im Museum ist der erste Titel von 1920 zu bestaunen, mit den Teams der "Karlsruher Kicker" und dem Karlsruher FV auf dem Cover.

Die "Wir-sind-Fussball"-Installation im Eingangsbereich: Dort erscheinen auf drei Laufbändern alle 25.000 Vereine des DFB.

Eine kleine Extra-Ausstellung zeigt das tragische Leben von KFV-Stürmerstar Julius Hirsch, unter den vielen privaten Dokumenten findet sich auch sein KFV-Mitgliedsausweis und das Foto der "Jungs vom Engländerplatz" - auf dem neben Hirsch auch Phönix-Kapitän Arthur Beier abgebildet ist. An einer speziellen Medienstation ganz in der Nähe kann man dann Ausschnitte aus dem ältesten Film im deutschen Fußball anschauen - die Kommentare über das legendäre Karlsruher Derby KFV gegen Phönix vom 1. Mai 1910 (2:1) gibt's per Kopfhörer dazu.

Siegermedaille vom Kronprinzenpokal 1912

Die zweite große Fundgrube für Karlsruher Fußball-Fans im Museum ist der Bereich "Vereinsfußball" im 1. Obergeschoss: Neben "neueren" Stars wie Oliver Kahn und dem KSC in der Bundesliga bietet auch hier wieder die Frühzeit des Fußballs spektakuläre Einblicke. So ist dort die Sammlung der 37 Club-Anstecker und -Nadeln von abermals Julius Hirsch zu bestaunen. Darunter sind nicht nur seltene Pins von Phönix und natürlich seinem Stammverein KFV, sondern auch seine Siegermedaille vom Kronprinzenpokal 1912.

Der Goldpokal: Phönix Karlsruhe gewann 1910 ein Turnier ein Mannheim - aus dem Besitz des KSC. Damals soll der Pokal 150 Mark wert gewesen sein, heute ist er unbezahlbar.

Generell scheinen die Kicker der Kaiserzeit mit einer Nummer kleiner zufrieden gewesen zu sein. Beweis: Sowohl die Medaille als auch der Kronprinzenpokal selbst (der ein paar Vitrinen weiter steht) würden heutige Fußballer wegen ihrer geringen Größe mit Sicherheit zum Lachen bringen.

Die imposante "Viktoria" – Vorgängerin der "DFB-Salatschüssel". Darauf sind natürlich auch die Meisterschafts-Plaketten von KFV und Phönix von 1910 und 1909 angebracht.

Im gleichen Raum können Fußballbegeisterte einen seltenen Blick auf die einzigartige "Viktoria" werfen – die riesige Bronze-Statue der Siegesgöttin, die in den Anfangsjahren den Deutschen Meistern überreicht – und auch schon mal "Victoria" und sogar "Germania" genannt wurde. Übrigens: Auch aktuellen Meistern wird noch eine Kopie der Viktoria geschenkt - zumeist von der Presse völlig unbeachtet. Auf dem neuen Sockel (der alte wurde aus Platzmangel ausgetauscht) sind (vorne, mittig) die schönen Plaketten der Karlsruher Sieger 1909 (Phönix) und 1910 (KFV) zu erkennen. Und auch ein paar Meter weiter, bei seinem Nachfolger - der DFB-Meisterschale - braucht man gute Augen: Am unteren Rand sind mittig die beiden Lokalrivalen für die Ewigkeit eingraviert.

Der älteste Film im deutschen Fußball - das Halbfinale um die Meisterschaft 1910 zwischen KFV und Phönix.

Besser erkennbar sind zwei ausgestellte "Spezialaufnahmen", wiederum vom Spiel KFV gegen Phönix von 1910. Das Besondere: Beim "ersten Lokalderby in der Geschichte der Endrunden" (Museumstext) wurden Überblicksbilder angefertigt (u.a. vom Dach der KFV-Tribüne aus), auf denen fast alle Spieler auf einen Blick zu sehen sind - damals einmalig. So ließ das zweite Bild erstmals Spielanalysen zu, während auf dem ersten Elfmeterschütze Max Breunig vom KFV beim Erzielen des Tores (1:0) und die Zuschauer gleichzeitig eingefangen wurden.

Original-Siegestelegramme von "Papa Phönix"

Nur bei Experten bekannt und deshalb richtig interessant ist ein beeindruckender Goldpokal im gleichen Ausstellungsbereich: Den Siegescup aus dem Besitz des KSC gewann Vorgängerverein Phönix im Jahre 1910 – bei einem Turnier in Mannheim. Was das Fußballmuseum nicht weiß: Der Kicker-Wettbewerb, laut Pokal-Inschrift am 8. Mai bei Union Mannheim ausgespielt, taucht in keiner Statistik auf und war deshalb auch nicht belegt. Schuld war der Großherzog: Denn die königliche Hoheit wollte am gleichen Tag lieber ein Pferderennen besuchen, so wurde das Turnier mit dem späteren Sieger Phönix trotz fertiggestellter Siegerpreise kurzerhand auf den 29. Mai verlegt. Der Cup soll damals 150 Mark gekostet haben, heute ist er unbezahlbar.

Die Original-Meisterschale – mit den eingravierten Siegern Phönix und KFV (oben, Mitte).

Neben einer raren Zeitungsanzeige zum Finale um die Meisterschaft 1910 zwischen dem KFV und Holstein Kiel (wiederum Breunig erlöste die Karlsruher in der 114. Minute durch einen Elfmeter), darf sich der deutsche Fußball-Anhänger über spektakuläre "Meistergrüße" eines Karlsruhers freuen: Das Museum zeigt eines der Original-Siegestelegramme, die "Papa Phönix" Arthur Beier an Pfingsten 1909 aus einem Telegrafenamt in Breslau in die Heimat schickte - an den "verehrlichen Stadtrat der Haupt- und Residenzstadt Karlsruhe". Ob Beier beim fehlenden "h" in seinem Vornamen Geld sparen wollte oder es nur ein schnöder Fehler des Beamten war, bleibt trotzdem ungeklärt.

Nationalspieler von Phönix und KFV in "Hall of Fame"

Was in ihrer Heimatstadt (trotz Anregung des Autors beim Oberbürgermeister) noch nicht realisiert wurde, schafft der Dortmunder Fußball-Tempel: Zwar sind auch hier keine Straßen nach den Karlsruher Kaiserzeit-Kickern wie Karl Wegele, Emil Oberle oder Robert Neumaier (alle Phönix Karlsruhe) benannt, dafür tauchen alle Nationalspieler von Phönix und KFV in einer "Hall of Fame" auf - ihre Namen bilden den Umriss eines Fußballers.

Kaum zu glauben, aber wahr - und für jeden Fan tröstlich: Im Deutschen Fußballmuseum ist jeder Karlsruher Verein vertreten. Origineller Grund: In der Installation "Wir sind Fußball" in der Eingangshalle, die gleichzeitig eine Multifunktionsarena (mit Tribüne und Spielfeld!) darstellt, werden an der "Vereinswand" alle über 26.000 DFB-Clubs genannt - über drei LED-Laufbänder.

Weitere Infos über das Deutsche Fußballmuseum finden Sie hier: www.fussballmuseum.de

Der Autor an der Medienstation mit "seinem" Film, den ältesten Aufnahmen im deutschen Fußball, die er für das Museum organisiert hat. Der Film zeigt das Spiel Karlsruher FV gegen Phönix Karlsruhe (2:1) aus dem Jahr 1910 - über einen Kopfhörer erhält man alle Infos.

Der Autor durfte u.a. als Entdecker des ältesten Fußball-Films, den er für das Museum organisiert hat, die Ausstellung noch vor der offiziellen Eröffnung besuchen. Thomas Alexander Staisch hat über den KSC-Vorgängerverein Phönix Karlsruhe das Buch "Die Deutschmeister 1909 - eine vergessene Meisterschaft" geschrieben. Das Buch können Sie direkt bestellen unter t.staisch@heute.at

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  •   80er
    (6014 Beiträge)

    23.10.2015 21:38 Uhr
    Kann man....
    ...in dem Museum auch die Pressekonferenz von Niersbach sich noch mal reinziehen?
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  •   silberahorn
    (10817 Beiträge)

    25.10.2015 09:31 Uhr
    Als Vorbild oder
    um zu zeigen, dass man so etwas hier auch kann?
    Pressekonferenz mit Wolfgang Niersbach
    - äh, äh,
    - Das ist eine Frage, die ich nicht beantworten kann.
    - Das entzieht sich meiner Kenntnis.
    - Ich wäre froh, wenn ich es selber für mich auch präziser wüsste.
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  •   mk1978
    (168 Beiträge)

    23.10.2015 13:59 Uhr
    Dafür hat KA kein Geld
    .
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  •   till
    (941 Beiträge)

    23.10.2015 11:48 Uhr
    Eine
    Schande, dass das Museum nicht in Karlsruhe steht. Stichwort Bensemann, Engländerplatz,
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