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Karlsruhe 120 Jahre KFC Phönix: "Der KSC sollte seine Fußball-Helden feiern"

Vor 120 Jahren wurde der Karlsruher FC Phönix 1894 in Karlsruhe gegründet. Der Fußballclub war der Vorgängerverein des Karlsruher SC. Heute vor 105 Jahren (am 30. Mai 1909) gewann der KFC die Deutsche Meisterschaft. Der Karlsruher Thomas Staisch hat mit "Die Deutschmeister" jetzt ein Buch über die Gründung, die Anfänge und die frühen Erfolge des Vereins geschrieben. Mit ka-news sprach der Autor über Fußball-Heroen, aufwendige Recherchen und wie viel KFC Phönix heute noch im KSC steckt.

Herr Staisch, Sie bringen pünktlich 120 Jahre nach der Gründung des KFC Phönix, dem Vorgängerverein des Karlsruher SC, ein Buch über die Geschichte des Vereins heraus. Warum haben Sie dieses Buch geschrieben?

"Die Deutschmeister" soll - als erstes Werk über die Gründung, die Anfänge und die frühen Erfolge des KSC - eine historische Lücke schließen. Das wurde aus meiner Sicht notwendig, da das Archiv des Vereins bekanntlich vernichtet wurde. Mein Ziel war es, eine einmalige Fußball-Geschichte - den sensationellen Weg der Phönix-Kicker bis hin zum Gewinn der Deutschen Meisterschaft 1909 und ihre Folgen - zum Leben zu erwecken und für heutige Fans "schmackhaft" zu machen. Ein Traditionsverein wie der KSC sollte seine ehemaligen Fußball-Heroen feiern können - wie beispielsweise die Nationalflügelspieler Wegele und Oberle, die Kapitän-Legende Beier, das gefürchtete Verteidiger-Duo Karth/Neumaier oder die "bombenden Brüder" Reiser.

Woher haben Sie denn die vielen historischen Fotos und Informationen?

Meine Recherche umfasste Stadt-, Landes-, und Staatsarchive in London, Karlsruhe, Berlin, Hamburg, Hamm, Mannheim, Frankfurt und Köln sowie private Archive von einem Dutzend Fußballvereinen, Sammlern und Fußballexperten. Ich bekam Infos von Auktionshäusern, den noch lebenden Verwandten der Spieler, allen verfügbaren Online-Medien - und vor allem aus der damaligen Sportpresse. Einige Ausgaben der alten Zeitungen, wie etwa die "Süddeutsche Sportzeitung", gibt es zum Teil nur noch ein einziges Mal in Deutschland, sie werden nicht verliehen und zerfallen bei der Durchsicht fast unter den Fingern, viele sind verschollen.

War die Recherche aufwendig und schwierig?

Die dreijährige Arbeit war mühsam, hat aber immer Spaß gemacht. Ein Beispiel: Man hat damals in der Zeitung auf Namen und Daten kaum Wert gelegt. Folge: Selbst von Nationalspielern tauchten überwiegend nur die Nachnamen und dann in verschiedenen Schreibweisen auf, Vornamen wurden ganz weggelassen, oftmals druckte man sogar nur Künstler- und Spitznamen ab! Zum Endspiel habe ich Berichte aus über 20 Zeitungen ausgewertet, um halbwegs den tatsächlichen Spielverlauf zu erfahren: Bei Torschützen, Spielminuten, der Zuschauerzahl und sogar der Aufstellung wurde da wild spekuliert und fabuliert. Auch bei der Bebilderung gab es Probleme: Es wurde vor 100 Jahren zwar viel Wert auf Mannschaftsfotos gelegt (und dafür sogar häufig das Spiel später angepfiffen), aber die Qualität ließ natürlich zu wünschen übrig. Deshalb bin ich glücklich und stolz, dass wir im Buch sagenhafte 300 Bilder zeigen können - darunter auch viele Original-Fotos aus privaten Fotoalben - , die zu 99 Prozent noch nirgends zu sehen waren!

Gibt es denn überhaupt noch Zeitzeugen?

Zeitzeugen im herkömmlichen Sinne gibt es natürlich nicht mehr. Ich habe Angehörige von fünf Phönix-Spielern gefunden, was nach mehr als 100 Jahren schon außergewöhnlich ist. Sie haben mir einige schöne Anekdoten über ihre Väter und Opas erzählt. Aber die dankbarsten "Zeitzeugen" waren die Reporter der damaligen Sportzeitungen, die fast immer seitenlang, in blumigster Sprache und manchmal sogar in Gedichtform über ein Spiel oder einen Spieler berichtet haben.

Gab es bei der Recherche eine Begegnung, die Sie besonders berührt hat?

Es ist schon toll, wenn man im Auto angerufen wird und ein Unbekannter erklärt einem mal eben, dass er der Sohn des Meisterschafts-Torwarts von 1909 ist! Ich habe damals vor Freude beinahe einen Unfall gebaut. Wunderbar ist auch, wenn man Angehörigen Fotos oder Dokumente zurückbringen kann, die als verloren galten. Oder Geschichten über den Vater erzählen darf, die selbst die Familie noch nicht kannte.

In zwei Sätzen: Warum fasziniert Sie die Geschichte des KFC Phönix so stark?

Karlsruhe ist meine Heimat. Der KSC ist mein Verein. Vor 100 Jahren galt unsere Stadt als Hochburg im deutschen Fußball, Phönix als eine der besten Mannschaften Europas, die Kaiserslautern mit 16:0, Bayern München und Inter Mailand mit jeweils 7:1 besiegt hat. Über die Blütezeit und die einzige Meisterschaft meines Vereins will ich alles wissen!

Wie viel KFC Phönix steckt denn heute noch im KSC?

Leider nicht mehr viel. Aus schwarzblauen Trikots wurden blauweiße, das runde KSC-Logo löste die Phönix-Schwinge ab. Wenn man allerdings die Höhen und Tiefen der KSC-Geschichte betrachtet, könnte man zu dem Schluss kommen, dass die Gründerväter ihrer Zeit voraus waren. Sie wählten das Phönix-Symbol ja ganz bewusst und vertrauten darauf, dass der Verein aus jedem Absturz gestärkt hervorgehen würde - was auch nach mehr als 100 Jahre noch stimmt.

Hat Sie der KSC bei Ihrem Vorhaben unterstützt?

Sagen wir es so: Ich habe gelernt, dass Fußballvereine - und das ist jetzt unabhängig vom KSC - in erster Linie an der Gegenwart und Zukunft interessiert sind, weniger an der Vergangenheit. Ich habe im Wildpark keine offenen Türen eingerannt, wurde punktuell unterstützt. Ein Ziel meines Projektes war es deshalb auch, Vereine von der Wichtigkeit ihrer Tradition und des sportlichen Erbes zu überzeugen. Viel mehr echte Hilfe für mich als Autor und die Verantwortlichen Marco Garreis und Matthias Liesch vom BadnerBuch Verlag kam dagegen von den Fans und vor allem von den KSC-Supporters – vielen Dank dafür!

Der KSC ist ein Verein mit großer Tradition. Finden Sie es schade, dass es bisher noch kein Vereinsmuseum gibt?

Mit Sicherheit! Ich habe viele Original-Exponate gefunden, die KSC-Anhänger unbedingt sehen sollten. Die Besitzer sind sehr vorsichtig, diese einmaligen Stücke und Fotos - oder sogar Tagebücher - aus der Hand zu geben, aber für ein öffentliches Museum ließe sich sicher der eine oder andere begeistern. Andererseits ist es traurig, wie viele Schätze in unseren Archiven verstauben und dass kaum Versuche gemacht werden, sie der Öffentlichkeit zu präsentieren. Und es ist schon ein wenig sonderbar, dass Karlsruher Fans bis nach Dortmund fahren müssen, um blauweiße Erinnerungsstücke zu bestaunen - nämlich im Deutschen Fußballmuseum, das nächstes Jahr eröffnen soll. Dort wird übrigens auch derälteste Film im deutschen Fußball zwischen Phönix und dem KFV von 1910gezeigt - das wurde nach Gesprächen mit dem Museumsleiter beschlossen.

Fragen: Moritz Damm

"Die Deutschmeister. 1909 - eine vergessene Meisterschaft" von Thomas Alexander Staisch ist ab 30. Juni für 24,80 Euro im Handel erhältlich. Bei Bestellungen bis zum 18. Juni kostet es den Jubiläumspreis von 18,94 Euro. Das Buch erscheint beim BadnerBuch Verlag, ISBN 978-3-944635-09-5, Infos unter: www.facebook.com/diedeutschmeister und www.badnerbuch.de

120 Jahre Karlsruher FC Phönix 1894: Der Vorgängerverein des Karlsruher SC feiert am 6. Juni Jubiläum. Anlass für ka-news in der Vergangenheit zu graben. Ab Montag, 2. Juni, greifen wir daher in die historische Fotokiste: Täglich präsentieren wir Ihnen hier historische Fotos garniert mit spannenden Anekdoten aus der Geschichte des Karlsruher FC Phönix 1894. Reinschauen lohnt sich!

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  •   roland
    (91 Beiträge)

    09.06.2014 11:03 Uhr
    ksc-mitarbeit skandalös
    natürlich werde ich auch Käufer des buches sein, dessen Autor nicht genug zu loben ist. die mitarbeit des ksc, wohl in erster Linie die von öffentlichkeitsarbeiter bock, ist gelinde gesagt skandalös. dies galt auch für die jahrelange nicht- Kooperation mit dem heldenmagazin von dreisigacker. zur geschichte eines vereins gehört nicht nur Zukunft und Gegenwart, sondern auch Vergangenheit. ist herr bock zu faul, zu dumm oder nur inkompetent, dies zu kapieren?
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (5411 Beiträge)

    30.05.2014 16:17 Uhr
    tolle Idee
    und Respekt ob der Mammutaufgabe,danke !!!

    Was andere Bundesliga-Vereine und Ausländische schon lange haben, nämlich ein Vereinsmuseum/Rihmeshalle, das sollte sich der KSC analog des Stadionausbaus ganz kritisch und feste ins Auge fassen, Präse Wellenreuter ein Fall für Sie !!!
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (73 Beiträge)

    30.05.2014 16:07 Uhr
    ...und natürlich super
    ...das sich der Badnerverlag der Sache abgenommen hat!
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (73 Beiträge)

    30.05.2014 12:15 Uhr
    super buch und tolle sache
    freue mich sehr auf das buch!!!
    hab zum erstamal vor einem jahr davon gehört und grossratig das es nun edlich bestellbar ist...
    DANKE!!!!
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  •   Petrolhead
    (972 Beiträge)

    30.05.2014 11:40 Uhr
    Respekt Herr Staisch
    es ist mal wieder mehr als bezeichnend, dass in unserer "weiss-der-Teufel-was-auch-immer-Hauptstadt" nur durch privates Engagement derart umfassende sowohl stadtgeschichtlich, wie auch fussballhistorisch relevante Fakten zusammen getragen wurden.

    Schliesslich sind die Urprünge des deutschen Fussball in Karlsruhe am ehesten vergleich und untrennbar verbunden, wie vielleicht noch in Leipzig. Also ein mehr oder weniger Alleinstellungsmerkmal. Aber weder das Stadtmarketing, noch beispielsweise der KSC hat sich jemals die Mühe gemacht, hieraus etwas werblich zu entwickeln oder sich gar der Einmaligkeit dieses Umstandes mit Stolz bewusst zu sein.

    Sollte man sich darüber Gedanken machen ? Ich glaube nein - leider ...

    P.S. wäre übrigens auch ein Thema für den Stadtgeburtstag (gewesen), weil allemal interessanter und bürgernäher als irgendwelcher abstrakter schweineteurer Installationsfirlefanz mit kurzer Halbwertzeit für eine kleine Bildungselite mit summa cum laude Anspruch
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  •   Waterman
    (6557 Beiträge)

    30.05.2014 13:30 Uhr
    Engländerplatz
    Wenigstens gibt es noch den Engländerplatz, einer der ersten Fußballplätze in Deutschland.
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  •   Petrolhead
    (972 Beiträge)

    30.05.2014 13:50 Uhr
    Ja und nein
    spätestens seit dem Umbau 2006 ist von der historischen Substanz nicht mehr viel übrig geblieben. Mal ganz abgesehen davon - gibt es dort einen Hinweis auf dessen Besonderheit ? Ich meine "nein".
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  •   master-of-comment
    (3857 Beiträge)

    30.05.2014 10:49 Uhr
    Und dank Conchita Wurst ...
    gibt es nun auch das passende Vereinslied ... zwinkern
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (2 Beiträge)

    30.05.2014 11:05 Uhr
    Na dann...
    (:
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  •   Waterman
    (6557 Beiträge)

    30.05.2014 10:38 Uhr
    Interessantes Buch
    Einen weiteren Käufer habt ihr.
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