Herr Wellenreuther, Sie waren selbst zwei Tage im Trainingslager des KSC in Österreich. Alle schwärmen von dort. Sie auch?

Ja, es herrschte dort eine überragend gute Stimmung, obwohl richtig hart trainiert wurde. Das erlebt man nicht so oft. Unser Trainerteam arbeitet mit viel Leidenschaft und Begeisterung. Das steckt alle an. Es werden aber auch Schwachstellen aufgedeckt und diese intensiv und konzentriert bearbeitet. Das gefiel mir auch sehr gut. Auch, dass viel für die körperliche Fitness getan wurde, ist prima. Harte Arbeit - gute Kameradschaft. Das ganze Paket hat dort einen guten Eindruck hinterlassen.

Sie  sprechen von einem Paket. Das Paket ist aber hinsichtlich des Kaders noch nicht ganz komplett. Welche Vorgaben gab es bei den Neuzugängen?

Unsere gemeinsame Analyse vor Monaten hatte schon klar ergeben, dass wir im defensiven Mittelfeld, in der Innenverteidigung und im offensiven Bereich mindestens drei überdurchschnittliche Spieler brauchen. Das war der Auftrag an unseren Sportdirektor Jens Todt.

Mit Moritz Stoppelkamp und Franck Kom haben wir eine sehr gute Lösung gefunden. Und wir glauben, dass wir durch die Verpflichtung von Jordi Figueras, einem starken Innenverteidiger, auch diese Baustelle schließen konnten.

In ein paar Tagen startet die Saison. War das nicht ein bisschen eng, um einen Abwehrchef zu holen? Trainer Tomas Oral muss doch Automatismen erarbeiten. Meinen Sie nicht, dass das alles etwas spät über die Bühne ging?

Klar, wir hätten nichts dagegen gehabt, wenn es früher geklappt hätte. Aber wir sind zuversichtlich, dass das alles so in Ordnung ist. Jordi Figueras ist ein Spieler, der voll im Training ist und Klasse hat. So geht die Integration ins Team schnell.

Die nächste Baustelle ist das defensive Mittelfeld, auch weil der KSC Grischa Prömel für die Teilnahme an den Olympischen Spielen freigestellt hat. Das ist menschlich prima, aber doch sportlich für den KSC bedenklich, oder? Der FC Schalke 04 hat Ihren Sohn, Timon Wellenreuther, nicht freigegeben. Hat Sie das beeinflusst, Grischa Prömel freizustellen?

Nein, wir haben unabhängig von Schalke entschieden, Grischa freizustellen. Unserer Meinung nach sollte man einem jungen Spieler solch eine einmalige Chance nicht verbauen. Unser Kader muss in der Lage sein, das aufzufangen. Trainer und Sportdirektor sehen das genauso.

Man hört, auch wegen der Nominierung von Timon Wellenreuther wurde die Bekanntgabe des DFB-Kaders für Rio sogar um einen Tag verschoben. Stimmt das?

Ja, das waren noch lange Verhandlungen. Der DFB wollte Timon unbedingt dabei haben, er ist schließlich Stammtorhüter der deutschen U21. Aber Schalke wollte nicht auf ihn verzichten, weil sich Fabian Giefer verletzt hat. Deshalb wurde lange telefoniert.

Ist das für einen jungen Spieler nicht schwer zu verkraften?

Klar, das war für Timon nicht einfach und musste er auch erst einmal verarbeiten. Auf der einen Seite wird die Chance auf eine Olympiateilnahme nicht ein zweites Mal kommen, auf der anderen Seite ist die Wertschätzung von Schalke 04 sehr positiv zu bewerten.

Welche Ziele hat der KSC in dieser Saison?

Drei Ziele darf ich formulieren: Erstens soll der KSC einen attraktiven Fußball spielen, damit viele Zuschauer ins Stadion kommen. Zweitens soll am Ende der Saison kein Verein vor uns stehen, der einen kleineren Lizenzspieleretat hat als der KSC. Drittens wollen wir alle baden-württembergischen Duelle gewinnen. Wenn diese drei Ziele realisiert werden, wird es eine gute Saison. Wir freuen uns darauf!