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Karlsruhe Unternehmer Kai Gruber im Interview: "Das würde ich als KSC-Präsident anders machen"

Der 57 Jahre alte Kai Gruber, Vater von zwei Kindern, ist seit längerem Sponsor beim KSC. Jetzt will der studierte Maschinenbauingenieur Präsident des Karlsruher Traditionsvereins werden. Peter Putzing sprach mit dem Unternehmer und Unternehmensberater über seine Pläne und Visionen.

Herr Gruber, aus welcher Motivation heraus wollen Sie Präsident des KSC werden? 

Ich bin seit Jahren bei Spielen des KSC, mit Leidenschaft, auch auswärts, wenn es möglich ist. Ich bin bei Heimspielen auch immer gerne ins Clubhaus gegangen, habe mich dort unterhalten, habe die Fans lieben und schätzen gelernt. Es ist mir daher schon lange ein Anliegen, etwas für und mit dem KSC zu machen.

Und welche Qualifikation für diesen Job bringen Sie mit?

Die wirtschaftliche und soziale Kompetenz, die ich habe. Dies muss man auch vor dem Hintergrund sehen, was in den letzten Jahren geschah. Die Wertschätzung der Gönner und Sponsoren, aber auch der Fans, war nicht korrekt.

Sie wollen einen Verein führen. Haben Sie darin Erfahrung? 

Ich war viele Jahre in der Vorstandschaft des Tennisclubs Blau-Gold Rastatt. Seit einiger Zeit arbeite ich als Vorstand auch beim FV Steinmauern, dem Fußballverein in meinem Wohnort, mit.

Der größte Teil des KSC ist die Fußballabteilung. Haben Sie Fußball gespielt?

In der Jugend beim SV 08 Kuppenheim, dann bin ich zum Tennis gewechselt, war dort auch ziemlich erfolgreich. Es ging in der Jugend nur eines - da ich im Tennis besser war, fiel die Entscheidung pro Tennis.

Was gefiel Ihnen am KSC, seit Sie sich mit einer Kandidatur beschäftigten?

Der Schuldenberg wurde reduziert und auch daher finden sich immer wieder neue Sponsoren, die Interesse am Verein zeigen. Der Klassenerhalt wurde geschafft, was einen Neuanfang erleichtern wird! Ich bemerke eine positive Stimmung - die will ich noch verstärken.

Was wollen Sie noch verstärken, was verändern? Was sind die Ziele?

Wir müssen den Verein Schritt für Schritt wirtschaftlich sauber aufstellen. Dann brauchen wir unbedingt ein Umfeld, in dem es möglich ist, die Jugendspieler wieder näher an die Profis heranzuführen. Es war ein großer Fehler die zweite Mannschaft abzumelden. Wenn das mit der Annäherung der Jugend gelingt, kommen wir sportlich weiter.

Kai Gruber | Bild: privat

Mein Ziel ist es, so hat es auch der SC Freiburg für sich definiert: Der KSC soll zu den besten 20 Vereinen in Deutschland gehören. Da muss dann alles so aufgestellt sein, dass man auch einmal einen Abstieg wieder in die zweite Liga verkraften kann.

Ein Zitat von Ihnen: "Durch den Wegfall der 2. Mannschaft entstand eine Lücke, die wir füllen müssen!" Wie soll das geschehen?

Das wird ein weiter Weg, aber den muss man gehen. Es gibt die Möglichkeit, eine gut durchdachte und organisierte Partnerschaft mit einem anderen Bundesliga-Verein einzugehen. Unsere Spieler sollen dort Praxis sammeln.

Sie sind Mitglied beim "KSC Freundeskreis" - somit auch Sponsor. Gehören Sie auch dem "Bündnis KSC" an?

Dem Bündnis gehöre ich nicht an. Aber ich kenne die Mitglieder.

Sind Sie der Kandidat des Freundeskreises. Wurden Sie von dort ermutigt?

Nein! Ermutigt wurde ich von vielen Seiten. Aber es ist mir wichtig klarzustellen, dass ich ein unabhängiger Kandidat bin. Ich kandidiere für keine Interessenvertretung, keine Gruppe. Ich will für den KSC arbeiten und wirtschaften. Ein Wort zum Freundeskreis: Der hilft dem KSC, verhält sich aber immer neutral - das schätze ich.

Bei Ihrer Wahl würden Günter Pilarsky und Holger Siegmund-Schultze Vizepräsidenten bleiben. Kämen Sie damit zurecht?

Ich käme mit beiden bestens zurecht. Wir kennen uns und hatten immer angenehme Gespräche.

Bei der letzten Wahl zum Vizepräsidenten scheiterten Sie knapp an Siegmund-Schultze. Ärgert Sie das heute noch?

Eigentlich war es damals so, dass nur Holger Siegmund-Schultze und ich kandidierten. Dann kam kurzfristig Edgar Schmitt hinzu. Da haben sich wohl einige Stimmen für mich unglücklich verteilt. Aber ich habe mich damals gefreut.

Ich war zu diesem Zeitpunkt bei den Fans und vielen Mitgliedern total unbekannt, dann dennoch gegen den amtierenden Vize-Präsident solch ein sehr respektables Ergebnis zu erzielen, das freute und freut mich. Das war mehr als beachtlich.

Sie hatten Treffen mit Sponsoren und auch mit den Supporters. Wie war da das Feedback?

Ich wurde von allen Seiten angehalten, mich zu bewerben.

Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein?

Gut!

Würden Sie sich in den sportlichen Bereich einbringen?

Ich bin der absoluten Überzeugung, dass sich Spitzengremien eines Vereins - dazu gehört der Präsident - nicht in den sportlichen Bereich einmischen sollten. Das ist der Bereich des Sportdirektors. Aber: Der Geschäftsführer Sport ist allein auf weiter Flur.

Kai Gruber | Bild: privat

Michael Becker, der andere Geschäftsführer, hat auch Kompetenz um sich, er nutzt den Rechts- und den Steuerberater. Warum haben wir nicht auf dem sportlichen Bereich solch eine Beratung?

Sie erklärten, dass Sie einen "sportlichen Beirat" installieren wollen. Warum? Und wer soll dem angehören? Ist das eine Konsequenz aus der Feststellung von KSC-Legende Edgar Schmitt, der dem aktuellen Präsidium fehlende Fußball-Fachkompetenz vorwarf?

Der sportliche Bereich soll und kann die Kompetenz erhöhen. Der Sportdirektor Oliver Kreuzer hat eine Meinung - und das ist mir zu wenig. Mehrere Meinungen ergeben ein runderes Bild. Es gab namhafte Personen, die angeboten haben zu helfen.

Es gibt sicher gute Leute. Ich werde mich in dieses Thema, was mögliche Personen angeht, einarbeiten. Das sehe ich als eine große Chance für den KSC, die Kompetenz und so den Erfolg nach oben zu schrauben.

Oliver Kreuzer darf kommende Saison Sportdirektor bleiben. Wäre es gegenüber dem neuen Präsidenten nicht respektvoller gewesen, mit dieser Entscheidung zu warten, bis der im Amt ist?

Oliver Kreuzer hat einen Vertrag, der besteht. Man muss ihn bei all den Entscheidungen, die er in der Vergangenheit getroffen hat, sicher hinterfragen. Warum hat er wen zu welchem Preis geholt? Das war nicht alles gut.

Aufgrund seiner Entscheidungen ist der Kader so besetzt, wie er besetzt ist. Aber nochmals: Er hat einen Vertrag. Ich erwarte von einem Sportdirektor, dass er jährlich zwei Konzepte darlegt. Ein defensives und ein offensives, bezogen auf die Tabellensituation.

Was würden Sie anders machen als Ihr Vorgänger Ingo Wellenreuther?

Ich gehe auf jeden zu. Sponsor, Gönner, Anleger und vor allem: Mitglieder. Alle werden von mir eine gleiche Wertschätzung erfahren. Bei großen Verträgen möchte ich dabei sein, nicht, weil ich die gestalten will, sondern aus Wertschätzung dem "Geber" gegenüber. Dass der sieht und sagt: 'Gut, der KSC-Präsident steht dahinter.'

Dann sind für mich Kommunikation und Transparenz enorm wichtig, Schon jetzt rede ich mit den Leuten, reagiere auf Anschreiben. Ich höre alles an, beurteile es und versuche alles zu einer Lösung zu führen, die dem KSC nützt.

Dann: Wir müssen vermeiden, solche Kosten zu produzieren wie es mit den vielen Prozessen geschehen ist. In kniffligen Fällen muss man das Gespräch suchen.

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Kommentare (30)
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  •   steely
    (236 Beiträge)

    07.07.2020 18:37 Uhr
    Nix populistisches
    In diesem Interview,nur klare Fehleranalyse und eine hoffentlich ehrlich gemeinte Offenheit. Meine Stimme hätte er.
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  •   fidelitas1894
    (6 Beiträge)

    06.07.2020 08:58 Uhr
    Zurückhaltung und Demut
    Ich wünsche mir einen Präsidenten der zurückhaltend, rational und sachlich agiert. Das Interview ist mir zu populistisch. Wenn ich auf Stimmenfang bin, würde ich diese Themen auch bespielen (2. Mannschaft, Kreuzer, Sponsoren- und Fanpflege etc.). Ich kann mir auch nicht vorstellen dass Pilarsky Gruber möchte. Er wünscht sich ja Müller als Vize (ich hoffe er bewirbt sich). Ich habe bei Gruber kein gutes Gefühl, es ist aber ehrlich gesagt ein Bauchgefühl. Kennt jemand sein Unternehmen? Bei der Wahl im Oktober hat er gegen Euro Eddy verloren, der dann haushoch gegen Siegmund-Schultze verloren hat. Ich tendiere zu Siegmund-Schultze. Es ist wohltuend wie er agiert, nicht im Mittelpunkt. Seine Kommentare lassen schließen, dass er u.a. Kreuzer sehr kritisch sieht. Kreuzer hat Aufgaben bekommen die er kurzfristig lösen muss. Heißt für mich nichts anderes wie entweder er kriegt die Kurve oder muss gehen. Siegmund-Schultze hat auch die schwierige MV sehr souverän geleitet.
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  •   Gevatter
    (372 Beiträge)

    06.07.2020 16:37 Uhr
    Kann man so sehen,
    nur war HSS ein Teil vom System IW. Und was daran populistisch sein soll, wenn man klare Fehler aufzeigt, die gemacht wurden, wie z.B die 2. Mannschaft abzumelden, erschließt sich mir nicht. Dies gehört zu einer Demokratie dazu, in der Politik wird auch nichts anderes gemacht.

    HSS steht für mich für ein weiter so, für was anderes waren seine Ausführungen zu vage.
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  •   brosi13
    (519 Beiträge)

    08.07.2020 12:20 Uhr
    So ist es...
    ...HSS war, und wird es nicht so ohne Weiteres ablegen können, Teil des Systems von IW zu sein.
    Und dafür stehen absolut sinnlose Ausgaben, die den Verien noch immer schwerst belasten: Prozesse gegen den Vermarkter Lagardere z.B.!
    Hätte er (HSS) das nicht für gut und sinnvoll empfunden, hätte er durchaus zurücktreten können und nicht IW den Rücken freihalten oder gar noch stärken müssen. Ich verweise hier nur auf Helmut Sandrock. Er hat die Konsequenzen aus diesen ganz üblen Spielchen gezogen.
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  •   fidelitas1894
    (6 Beiträge)

    06.07.2020 17:11 Uhr
    Dann war Eichner
    Teil des Systems von Alois. Pilarsky war 10 Jahre Teil des Systems von IW und das bis auf die jüngste Vergangenheit mit Vehemenz. Das ist mir zu einfach. HSS zeigt und lebt vor, dass er einer von 5 im Beirat ist. Wie eng intern über Dinge diskutiert wird, bleibt geheim. Das kontrovers diskutiert wird, ist offensichtlich. Soll er als Interimspräsident oder Sprecher des Präsidiums Interna preisgeben. Bitte nicht! Er hat in meiner Wahrnehmung klare Strukturen und Visionen. Ich möchte aber nicht, dass er in der Öffentlichkeit über Mitarbeiter spricht, außer er hat das Mandat vom Beirat. Mir reicht als kritische Botschaft, dass Kreuzer klare Aufgaben kurzfristig zu lösen hat. Da verliert keiner das Gesicht!
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  •   schwarzvoraugen
    (3575 Beiträge)

    05.07.2020 16:41 Uhr
    Vorsichtiges Herantasten an die kritischen Fragen
    bisher die inhaltsreichsten Ansagen aller Kandidaten. HSS viel zu angepasst, da wird sich nicht viel ändern. Unser Netzwerker, viel heisse Luft, wenig Substanz. Unsere Ginkönigin sieht in der Aufgabe wohl eher eine Abwechslung zum Beamtenalltag, nehme Ihre Bewerbung nicht wirklich ernst. Tja und Dohmen könnte als Vize hinter H. Gruber eine gute Rolle spielen.

    Ob er aber die Durchschlagskraft die eingefahrene Spur zu verlassen und den Karren wieder auf korrekten Kurs zu bringen da hab ich so meine Zweifel. Von einem Tennisclub auf dem Lande ist ein weiter Weg bis zu unserem KSC mit den eingefharenen Seilschaften. Diese gilt es zu kappen, bin mir nicht sicher, ob er dieser Aufgabe gewachsen sein wird.

    Von den bisherigen Aussagen her sicherlich der beste Kandidat.
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  •   Ichregmichnemmeuff
    (348 Beiträge)

    05.07.2020 22:24 Uhr
    Joooooo.....
    ...aber besser als der Background des vorherigen Präses allemal! Denn der hatte noch nicht mal einen Krnickelverein zuvor geführt! SVA Du verkennst da etwas. Einen Tennisclub wie Rastatt Rot-Gold als Präsident vorzustehen ist manchmal auch kein Zuckerschlecken. 18 Mannschaften, davon eine Herrenmannschaft in der Oberliga sagt schon etwas aus! Da ist auch viel Geld im Umlauf! Der Mann hat die richtige Einstellung. Ein Üräse soll sich erst einmal nicht in den sportlichen Bereich einmischen! Richtig! Er hat erst einmal den Verein zu repräsentieren und Vertrauen zu den Sponsoren , Gönnern und Mitgliedern herzustellen! Mein Mann!
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  •   RainerBu
    (1204 Beiträge)

    05.07.2020 13:42 Uhr
    Träumereien
    zu den besten 20 ? Erste Liga ? man sollte mal auf dem Teppich bleiben und froh sein wenn der KSC sich in der Zweiten hält was schwer genug wird und wahrscheinlich nicht immer klappen wird.
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  •   steely
    (236 Beiträge)

    07.07.2020 18:42 Uhr
    Wen man keine Visionen hat
    Dann kann so ein Amt vergessen. Soll er sagen dass er nicht absteigen will... Mittelfeld besetzen will mit mittelmäßigen Spielern?...dann braucht er nicht antreten. Ich find das was er sagt vertretbar und realistisch
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  •   Markymark
    (474 Beiträge)

    05.07.2020 18:15 Uhr
    Jep
    Dafür bräuchte man einen Investor und ein kluges Management mit richtigen Entscheidungen. Geld allein bringt’s nicht siehe Uerdingen oder 1860. für nächstes Jahr sollte das Ziel sein den Klassenerhalt schon am 33. Spieltag zu sichern und erstmal wieder unter den besten 32. Teams zu sein. Dann wäre man wieder in der 1.Pokal Runde gesetzt. Alles drüber hinaus wird man sehen. Von langfristigen Zielen halt ich in Fußball wenig. Im Prinzip erstmal das letzte Jahr bestätigen und wenn möglich verbessern....
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