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Karlsruhe KSC-Vize-Kandidat Martin Müller: "In der Vergangenheit zu wühlen - das haben andere in Perfektion beherrscht. Nicht mein Ding"

Martin Müller scheiterte bei der Wahl zum KSC-Präsidenten knapp an Ingo Wellenreuther und trat dann ins "Bündnis KSC" ein, das Wellenreuther zum Rücktritt zwang - auch mit den Millionen Euro, die Müller in KSC-Aktien investierte. Jetzt will der Unternehmer KSC-Vize-Präsident werden. Im Interview erklärt er, warum er sich damit "begnügt" und was er von der bisherigen Vereinsspitze hält.

Herr Müller, Sie sind bei der Wahl zum Präsidenten des KSC knapp an Ingo Wellenreuther gescheitert. Nun begnügen Sie sich damit, als Vize-Präsident zur Wahl zu stehen. Warum?

Weil ich damals nur als Präsidentschaftskandidat antrat, weil es keinen anderen gab, der bereit war, sich dem Druck und Stress auszusetzen, gegen Ingo Wellenreuther anzutreten. Es war für mich damals klar, dass Veränderungen herbeigeführt werden müssen. Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, war für mich die Klage gegen die Stadt Karlsruhe. Ich habe damals als Verwaltungsrat nur zwei Minuten vor der Presse von dieser Klage erfahren.

Da hatte ich nur zwei Möglichkeiten: Entweder ziehe ich mich beim KSC ganz raus - oder ich arbeite für eine Veränderung. Ich sprach einige Personen an, ob sie bereit wären gegen Herrn Wellenreuther anzutreten - es war keiner bereit, das wollte sich keiner antun. Dann sagte ich: Flucht gibt es nicht - ich versuche das Unmögliche, trete gegen Wellenreuther an. Das war der Hintergrund, nicht, dass ich eine kostenlose Dauerkarte wollte.

Es ging und geht um den KSC, daher ist es nicht wichtig, ob Präsident oder Vize. Den bisher einzigen Nachteil in meiner Kandidatur als Vize sehe ich darin, dass mir - im Gegensatz zu den Präsidentschaftskandidaten - nur fünf Minuten Redezeit eingeräumt wurden, während den Präsidentschaftskandidaten zehn Minuten Redezeit zur Verfügung standen. Da ich möglichst viele programmatische Inhalte mitteilen wollte, ist die mittels Videos aufgezeichnete Rede natürlich etwas gehetzt - ich hoffe, dass Inhalte vorgehen.

Sie treten nicht gegen Holger Siegmund-Schultze an, Kai Gruber zog seine Kandidatur als Vize zurück, weil er nicht gegen Sie antreten will. Ist das demokratisch? Haben die Mitglieder die freie Wahl? Das klingt nach Klüngel, nach Absprachen und erinnert daran, als die Mitglieder das Präsidium nur "im Paket" wählen konnten...

Davon kann überhaupt keine Rede sein, wir haben fünf Kandidaten für das Amt des Präsidenten. Eine honorige Anzahl. Es stimmt, dass ich Holger Siegmund-Schultze aus meiner Tätigkeit als KSC-Verwaltungsrat gut kenne und ihn damals sehr schätzen gelernt habe. Mit den anderen Kandidaten habe ich noch nicht zusammengearbeitet und möchte mir daher keine Beurteilung zu diesen erlauben.

Bild: Hammer Photographie

Worauf läge als Vize Ihr Hauptaugenmerk?

Ich will im Beirat umsetzen, dass eine finanzielle seriöse Geschäftspolitik betrieben wird. In den letzten zehn Jahren wurden rund 20 Millionen Euro Schulden angehäuft - ohne, dass wir uns sportlich verbessert haben. Diese Schulden haben wir durch den Einsatz vom Bündnis, mit sechs Millionen Euro Eigenkapital, fast wegbekommen.

Aber wir sind dennoch nicht richtig weitergekommen. Durch das Bündnis kamen wir gerade einmal auf den Stand, auf dem wir vor zehn Jahren waren. Sportlich sind wir nicht weiter. Eines will ich klarstellen: Das neue Stadion bekommen wir auch durch den Einsatz von Herrn Siegmund-Schultze und Herrn Pilarsky. Das weiß ich aus der Zeit als Verwaltungsrat.

Sie erwähnen den Beirat. Fast alle der Mitglieder sind seit Jahren beim KSC in der Verantwortung. In dieser Zeit stieg der Club zweimal in Liga drei ab, häufte Schulden an. Warum glauben Sie, dass es mit den gleichen Entscheidern besser wird? War der erzwungene Rücktritt von Wellenreuther ein Bauernopfer?

Grundsätzlich gebe ich Ihnen recht. Man muss schon hinterfragen, was deren Intention des Handelns war. Zu Herrn Pilarsky: Ich kenne ihn sehr gut, ich schätze ihn sehr. Er ist ein extrem loyaler Mensch, der sich aus dieser Tugend heraus manchmal vor einen Karren spannen lässt. Seine große Menschlichkeit, die er in sich hat - wurde vielleicht ausgenutzt, wurde zum Verhängnis, das war definitiv der Fall.

Bild: Hammer Photographie

Ich bin weit davon entfernt, Herrn Pilarsky Vorwürfe zu machen. Das einzige was man sagen kann: 'Lieber Günter - du warst zu lange zu gutmütig.' Zu Holger Siegmund-Schultze - er hat viel Positives angestoßen, auch wenn es nicht so nach außen gedrungen ist. Wir müssen froh sein, dass er im Präsidium mindestens ein bisschen gegensteuern konnte.

Sie machen sich Hoffnung, mit "den Alten" etwas Neues zu erreichen?

Absolut.

Sie sagen nichts zum Verwaltungsratschef Michael Steidl. Es ist bekannt, dass er ein Privatdarlehen bei Herrn Pilarsky hat, man munkelt, er hätte auch eines von Ihnen erhalten. Stimmt das? Das wäre eine komische Situation bei der Wahl...

Es stimmt, Michael Steidl bekam von einer meiner Gesellschaften, als ich Verwaltungsrat war, ein Privatdarlehen im unteren fünfstelligen Bereich. Das ist längst fällig gestellt, noch nicht zurückgezahlt. Es wird seit Monaten mehrfach angemahnt. Wir erachten es nicht für sinnvoll und unmenschlich, Herrn Steidl deswegen gegebenenfalls in die Insolvenz zu treiben.

Sie können sich aber ganz sicher sein, dass ich Herrn Steidl niemals wegen dieses Darlehens etwas abverlangen werde, außer dieses endlich zu tilgen und seine Zinsen bis zur Tilgung weiterhin zu bezahlen.

Ihr Konkurrent Kai Gruber möchte einen Beirat, um die sportliche Kompetenz beim KSC zu verbessern. Rolf Dohmen hält das für überflüssig. Wie stehen Sie dazu?

Ich würde unter anderem ein Fußballkompetenz-Team (FKT) als Berater des Präsidiums und des Beirats der KGaA, bestehend aus maximal vier ehemaligen Profis und Trainern des KSC, einrichten. Der KSC hat aber in diesem Bereich hauptamtlich Beschäftigte, daher soll das FKT wirklich nur beratend zur Seite stehen.

Ich denke auch darüber nach, dass man dieses FKT am Erfolg beteiligen könnte. Eventuell, wenn dadurch ein Jugendspieler den Durchbruch zum Profi schafft, aber auch bei Neuzugängen, falls es Wertsteigerungen gibt. Erfolg ist messbar. Wenn der KSC Geld verdient, sollen die Helfer daran etwas partizipieren. Der Fokus muss auf der Entwicklung der Spieler aus der U17 und U 19 liegen.

Ihre Nähe zu Edgar "Euro Eddy" Schmitt ist bekannt. Wäre der ein Kandidat?

Selbstverständlich, er hat große Sportkompetenz, hat viel Erfahrung, ein großes Wissen. Seine berufliche Expertise ist beeindruckend. Er war erfolgreicher Fußballprofi, ist Fußballlehrer und hat Sportökonomie studiert. Beide Prüfungen hat er mit einer eins vor dem Komma abgeschlossen.

Bild: Hammer Photographie

Würden Sie beim KSC darauf drängen, einen Betriebsprüfer einzusetzen, um zu klären, wer für die rund 20 Millionen Schulden verantwortlich ist?

Der KSC war "Ein-Personen-fixiert", das wissen wir alle. Ich bin dem Bündnis beigetreten, als dort das finanzielle Engagement mit der Rücktrittsforderung Wellenreuthers verknüpft wurde. Es ist bekannt, dass ich Herrn Wellenreuthers Management-Qualitäten für nicht ausreichend halte, um ein Unternehmen wie den KSC zu führen. Ich sagte: Geht der Kopf oben weg - bin ich dabei.

Nochmals: Werden Sie versuchen jemand in Haftung zu nehmen und so dem KSC eventuell Geld zuführen?

Ich glaube nicht, dass man Verfehlungen feststellen könnte, die eine Haftung begründen. Ich glaube nicht, dass jemand so weit gegangen ist und strafbare Handlungen unternahm. Und: Der Verein würde nicht zu Ruhe kommen, wenn man zu sehr in der Vergangenheit wühlt.

Bild: Hammer Photographie

Ich verwende meine Energie, um nach vorne zu schauen, und um Verbesserungen zu erreichen. In der Vergangenheit zu wühlen - das haben andere in Perfektion beherrscht. Nicht mein Ding. Ich hoffe ins Präsidium zu kommen, um dort zu helfen, um dort etwas zu bewirken.

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Kommentare (74)
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  •   Ichregmichnemmeuff
    (364 Beiträge)

    22.07.2020 21:43 Uhr
    Joooooo.....
    ..weggemobbt!!! grinsen
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  •   Nyarlathotep
    (8 Beiträge)

    22.07.2020 20:34 Uhr
    überflüssig
    Naja, musste er jetzt unbedingt den Steidl bloßstellen? Das hätte meines Erachtens jetzt nicht unbedingt sein müssen!
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  •   Skorphy01
    (32 Beiträge)

    22.07.2020 19:53 Uhr
    Schultze,Müller,Pilarsky die Zukunft des KSC
    "Der Verwaltungsrat berät das Präsidium in allen wirtschaftlichen und rechtlichen Angelegenheiten. Er überwacht das Präsidium des Vereins und genehmigt dessen Geschäftsordnung" so steht es in der satzung!!wenn steidl schon als privatperson seine finanzen nicht im griff hat,ist es absurd ihn in einer Tätigkeit die zur Aufgabe hat ua.die finanziellen Angelegenheiten zu regeln,dann ist er als Mitglied im Verwaltungsrat untragbar!Ausserdem hat Müller nichts selber Publik gemacht es war schon bekannt!
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  •   kommentar4711
    (2812 Beiträge)

    22.07.2020 23:11 Uhr
    ANTWORT AUF "SCHULTZE,MÜLLER,PILARSKY DIE ZUKUNFT DES KSC"
    Dass es wohl private Kredite gab war bekannt. Dass diese fällig gestellt wurden und nicht bezahlt werden dagegen nicht. Das ist eine ganz andere Hausnummer. BTW, seinen Laden hat Steidl wohl so wie es aussieht 2015 auch verkauft. Stimmt auf jeden Fall, nicht jemand der über die Finanzen wachen sollte.
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  •   Karlsruher
    (253 Beiträge)

    22.07.2020 19:11 Uhr
    jetzt
    als ich das Interview nochmals in Ruhe gelesen habe, muss ich sagen er hat in fast allen Punkten Recht. Allerdings ob man Steidl so bloßstellen muss? Und Edgars Fähigkeiten kann ich nicht beurteilen. Wie wir wissen war sein Auftritt bei der letzten Wahl alles andere als Souverän.
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  •   Tyr
    (600 Beiträge)

    22.07.2020 17:26 Uhr
    Hr. Müller hätte als einziger das Format zum KSC-Chef
    alle anderen, einschließlich der Vice-Abnicker sind Luftpumpen
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  •   brosi13
    (524 Beiträge)

    22.07.2020 23:11 Uhr
    Daumen hoch...
    ...auch meine Meinung!!!!!!!!!!
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  •   Urbadner
    (133 Beiträge)

    23.07.2020 15:44 Uhr
    das passt zu Euch,
    mit dieser Luftnummer geht es noch weiter bergab!

    "in der Vergangenheit zu wühlen" und dann mit Dreck werfen!
    Passt zu diesem Schaumschläger, hätte er Charakter, dann wäre er zu Steidl, hätte persönlich ein Gespräch mit Ihm gesucht und Ihm nahegelegt, dass Amt niederzulegen. Ohne "Öffentlichkeitsarbeit"
    Ich kann nur hoffen, dass diese Person kein wichtiges Amt übernimmt!
    Dann geht der Klüngel gerade weiter wie gehabt. Posten zuschustern und als weiter so!

    Alleine seine Milchmädchenrechnung:

    "In den letzten zehn Jahren wurden rund 20 Millionen Euro Schulden angehäuft - ohne, dass wir uns sportlich verbessert haben. Diese Schulden haben wir durch den Einsatz vom Bündnis, mit sechs Millionen Euro Eigenkapital, fast wegbekommen."
    Er sollte vielleicht nochmal zur Schule gehen und rechnen lernen!!!
    Zwei Drittel der Schulden sind immer noch da und es ist alles fast weg, als hätte Mr. Black alles weggezaubert, Respekt!
    Für mich ein Blender und unwählbar, Dohmen oder Gruber sollten sein.
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  •   jojo
    (744 Beiträge)

    22.07.2020 16:21 Uhr
    Demaskiert
    Die Aussagen zu Herrn Steidl sind vertraulich und gehören nicht in die Öffentlichkeit. Wir Leser können den Wahrheitsgehalt nicht beurteilen. Letztlich könnten sie rufschädigend, geschäftsschädigend und evtl. auch strafrechtlich relevant sein. Letztendlich sagen sie viel über den Menschen Müller aus. So einen in einem Führungsgremium des Vereins kann niemand mittragen. Unabhängig von der tatsächlichen Situation ist so ein Stil unerträglich.
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  •   brosi13
    (524 Beiträge)

    22.07.2020 23:15 Uhr
    Quatsch...
    ...das ist doch schon längst bekannt bevor es Martin Müller sagte...!! Nur dass das Darlehen von Müller stammte, wußte ich nicht. Ich dachte es sei von G. Pilarsky.
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