74  

Karlsruhe KSC-Vize-Kandidat Martin Müller: "In der Vergangenheit zu wühlen - das haben andere in Perfektion beherrscht. Nicht mein Ding"

Martin Müller scheiterte bei der Wahl zum KSC-Präsidenten knapp an Ingo Wellenreuther und trat dann ins "Bündnis KSC" ein, das Wellenreuther zum Rücktritt zwang - auch mit den Millionen Euro, die Müller in KSC-Aktien investierte. Jetzt will der Unternehmer KSC-Vize-Präsident werden. Im Interview erklärt er, warum er sich damit "begnügt" und was er von der bisherigen Vereinsspitze hält.

Herr Müller, Sie sind bei der Wahl zum Präsidenten des KSC knapp an Ingo Wellenreuther gescheitert. Nun begnügen Sie sich damit, als Vize-Präsident zur Wahl zu stehen. Warum?

Weil ich damals nur als Präsidentschaftskandidat antrat, weil es keinen anderen gab, der bereit war, sich dem Druck und Stress auszusetzen, gegen Ingo Wellenreuther anzutreten. Es war für mich damals klar, dass Veränderungen herbeigeführt werden müssen. Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, war für mich die Klage gegen die Stadt Karlsruhe. Ich habe damals als Verwaltungsrat nur zwei Minuten vor der Presse von dieser Klage erfahren.

Da hatte ich nur zwei Möglichkeiten: Entweder ziehe ich mich beim KSC ganz raus - oder ich arbeite für eine Veränderung. Ich sprach einige Personen an, ob sie bereit wären gegen Herrn Wellenreuther anzutreten - es war keiner bereit, das wollte sich keiner antun. Dann sagte ich: Flucht gibt es nicht - ich versuche das Unmögliche, trete gegen Wellenreuther an. Das war der Hintergrund, nicht, dass ich eine kostenlose Dauerkarte wollte.

Es ging und geht um den KSC, daher ist es nicht wichtig, ob Präsident oder Vize. Den bisher einzigen Nachteil in meiner Kandidatur als Vize sehe ich darin, dass mir - im Gegensatz zu den Präsidentschaftskandidaten - nur fünf Minuten Redezeit eingeräumt wurden, während den Präsidentschaftskandidaten zehn Minuten Redezeit zur Verfügung standen. Da ich möglichst viele programmatische Inhalte mitteilen wollte, ist die mittels Videos aufgezeichnete Rede natürlich etwas gehetzt - ich hoffe, dass Inhalte vorgehen.

Sie treten nicht gegen Holger Siegmund-Schultze an, Kai Gruber zog seine Kandidatur als Vize zurück, weil er nicht gegen Sie antreten will. Ist das demokratisch? Haben die Mitglieder die freie Wahl? Das klingt nach Klüngel, nach Absprachen und erinnert daran, als die Mitglieder das Präsidium nur "im Paket" wählen konnten...

Davon kann überhaupt keine Rede sein, wir haben fünf Kandidaten für das Amt des Präsidenten. Eine honorige Anzahl. Es stimmt, dass ich Holger Siegmund-Schultze aus meiner Tätigkeit als KSC-Verwaltungsrat gut kenne und ihn damals sehr schätzen gelernt habe. Mit den anderen Kandidaten habe ich noch nicht zusammengearbeitet und möchte mir daher keine Beurteilung zu diesen erlauben.

Bild: Hammer Photographie

Worauf läge als Vize Ihr Hauptaugenmerk?

Ich will im Beirat umsetzen, dass eine finanzielle seriöse Geschäftspolitik betrieben wird. In den letzten zehn Jahren wurden rund 20 Millionen Euro Schulden angehäuft - ohne, dass wir uns sportlich verbessert haben. Diese Schulden haben wir durch den Einsatz vom Bündnis, mit sechs Millionen Euro Eigenkapital, fast wegbekommen.

Aber wir sind dennoch nicht richtig weitergekommen. Durch das Bündnis kamen wir gerade einmal auf den Stand, auf dem wir vor zehn Jahren waren. Sportlich sind wir nicht weiter. Eines will ich klarstellen: Das neue Stadion bekommen wir auch durch den Einsatz von Herrn Siegmund-Schultze und Herrn Pilarsky. Das weiß ich aus der Zeit als Verwaltungsrat.

Sie erwähnen den Beirat. Fast alle der Mitglieder sind seit Jahren beim KSC in der Verantwortung. In dieser Zeit stieg der Club zweimal in Liga drei ab, häufte Schulden an. Warum glauben Sie, dass es mit den gleichen Entscheidern besser wird? War der erzwungene Rücktritt von Wellenreuther ein Bauernopfer?

Grundsätzlich gebe ich Ihnen recht. Man muss schon hinterfragen, was deren Intention des Handelns war. Zu Herrn Pilarsky: Ich kenne ihn sehr gut, ich schätze ihn sehr. Er ist ein extrem loyaler Mensch, der sich aus dieser Tugend heraus manchmal vor einen Karren spannen lässt. Seine große Menschlichkeit, die er in sich hat - wurde vielleicht ausgenutzt, wurde zum Verhängnis, das war definitiv der Fall.

Bild: Hammer Photographie

Ich bin weit davon entfernt, Herrn Pilarsky Vorwürfe zu machen. Das einzige was man sagen kann: 'Lieber Günter - du warst zu lange zu gutmütig.' Zu Holger Siegmund-Schultze - er hat viel Positives angestoßen, auch wenn es nicht so nach außen gedrungen ist. Wir müssen froh sein, dass er im Präsidium mindestens ein bisschen gegensteuern konnte.

Sie machen sich Hoffnung, mit "den Alten" etwas Neues zu erreichen?

Absolut.

Sie sagen nichts zum Verwaltungsratschef Michael Steidl. Es ist bekannt, dass er ein Privatdarlehen bei Herrn Pilarsky hat, man munkelt, er hätte auch eines von Ihnen erhalten. Stimmt das? Das wäre eine komische Situation bei der Wahl...

Es stimmt, Michael Steidl bekam von einer meiner Gesellschaften, als ich Verwaltungsrat war, ein Privatdarlehen im unteren fünfstelligen Bereich. Das ist längst fällig gestellt, noch nicht zurückgezahlt. Es wird seit Monaten mehrfach angemahnt. Wir erachten es nicht für sinnvoll und unmenschlich, Herrn Steidl deswegen gegebenenfalls in die Insolvenz zu treiben.

Sie können sich aber ganz sicher sein, dass ich Herrn Steidl niemals wegen dieses Darlehens etwas abverlangen werde, außer dieses endlich zu tilgen und seine Zinsen bis zur Tilgung weiterhin zu bezahlen.

Ihr Konkurrent Kai Gruber möchte einen Beirat, um die sportliche Kompetenz beim KSC zu verbessern. Rolf Dohmen hält das für überflüssig. Wie stehen Sie dazu?

Ich würde unter anderem ein Fußballkompetenz-Team (FKT) als Berater des Präsidiums und des Beirats der KGaA, bestehend aus maximal vier ehemaligen Profis und Trainern des KSC, einrichten. Der KSC hat aber in diesem Bereich hauptamtlich Beschäftigte, daher soll das FKT wirklich nur beratend zur Seite stehen.

Ich denke auch darüber nach, dass man dieses FKT am Erfolg beteiligen könnte. Eventuell, wenn dadurch ein Jugendspieler den Durchbruch zum Profi schafft, aber auch bei Neuzugängen, falls es Wertsteigerungen gibt. Erfolg ist messbar. Wenn der KSC Geld verdient, sollen die Helfer daran etwas partizipieren. Der Fokus muss auf der Entwicklung der Spieler aus der U17 und U 19 liegen.

Ihre Nähe zu Edgar "Euro Eddy" Schmitt ist bekannt. Wäre der ein Kandidat?

Selbstverständlich, er hat große Sportkompetenz, hat viel Erfahrung, ein großes Wissen. Seine berufliche Expertise ist beeindruckend. Er war erfolgreicher Fußballprofi, ist Fußballlehrer und hat Sportökonomie studiert. Beide Prüfungen hat er mit einer eins vor dem Komma abgeschlossen.

Bild: Hammer Photographie

Würden Sie beim KSC darauf drängen, einen Betriebsprüfer einzusetzen, um zu klären, wer für die rund 20 Millionen Schulden verantwortlich ist?

Der KSC war "Ein-Personen-fixiert", das wissen wir alle. Ich bin dem Bündnis beigetreten, als dort das finanzielle Engagement mit der Rücktrittsforderung Wellenreuthers verknüpft wurde. Es ist bekannt, dass ich Herrn Wellenreuthers Management-Qualitäten für nicht ausreichend halte, um ein Unternehmen wie den KSC zu führen. Ich sagte: Geht der Kopf oben weg - bin ich dabei.

Nochmals: Werden Sie versuchen jemand in Haftung zu nehmen und so dem KSC eventuell Geld zuführen?

Ich glaube nicht, dass man Verfehlungen feststellen könnte, die eine Haftung begründen. Ich glaube nicht, dass jemand so weit gegangen ist und strafbare Handlungen unternahm. Und: Der Verein würde nicht zu Ruhe kommen, wenn man zu sehr in der Vergangenheit wühlt.

Bild: Hammer Photographie

Ich verwende meine Energie, um nach vorne zu schauen, und um Verbesserungen zu erreichen. In der Vergangenheit zu wühlen - das haben andere in Perfektion beherrscht. Nicht mein Ding. Ich hoffe ins Präsidium zu kommen, um dort zu helfen, um dort etwas zu bewirken.

Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (74)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Skorphy01
    (32 Beiträge)

    24.07.2020 20:35 Uhr
    weiter so Herr Müller...
    endlich mal einer der den Finger in die Wunde legt und aufräumt!! Es wird Zeit für einen Umbruch und der führt nur über Schultze,Müller,Pilarsky!!Bitte dann noch den Winnie ,Eddy und sobald die möglich besteht Kwasniok ins Boot holen!!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Gevatter
    (373 Beiträge)

    23.07.2020 17:37 Uhr
    Wenn die Kommentare hier einen Querschnitt der Meinungen
    von den Mitgliedern des KSC's darstellt, frage ich mich, wie Ruhe in den Verein reinkommen soll. Dies geht nur, wenn auch die, die jemand anderen gewählt haben, dies akzeptieren, und wenn auch kritisch, diese unterstützten.

    Nur sieht dies hier leider nicht so aus. Wenn man tief genug in der Vergangenheit gräbt, wird man immer, bei jedem etwas finden. Denn der ideale Vorstand, der alle befriedigt, der muss erst gebacken werden.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   anwalt123
    (105 Beiträge)

    23.07.2020 17:03 Uhr
    Am Ende entscheiden nur die Mitglieder und das ist gut so.
    Was mich hier wundert sind Äußerungen wie: „Was der KSC braucht ist Kohle...!“

    Warum werden dann Leute wie Hopp in den Stadien angefeindet?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   kommentar4711
    (2741 Beiträge)

    23.07.2020 19:16 Uhr
    ANTWORT AUF "AM ENDE ENTSCHEIDEN NUR DIE MITGLIEDER UND DAS IST GUT SO."
    Na ja, die Leute wollen halt Kohle die vom Himmel fällt...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   andi-b7
    (3276 Beiträge)

    23.07.2020 12:58 Uhr
    wie singen die Fans immer auf Auswärtsspielen ?
    Asozialer Karlsruher SC , nie war es so wahr wie heute traurig
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Heisenberg
    (129 Beiträge)

    22.07.2020 22:03 Uhr
    Müller über Seidel
    Sicher waren die Aussagen von Herrn Müller über Herr Seidel nicht gerade bedacht.
    Aber ich verstehe, dass bei Herrn Müller alle Alarmglocken angehen und er in den Verteidigungsmodus übergeht. Nach all den Unterstellungen die ihm gemacht wurden, er möchte die Vereinsgremien unterwandern und den KSC übernehmen....
    Verstehe ich ihn, dass er mit Nachdruck zum Ausdruck bringen wollte, dass der Seidel nicht von ihm geschmiert ist, sonder er auf die Rückzahlung des Darlehns pocht um die wirtschaftliche Verbindung zu Herrn Seidel und so mit zu Verwaltungsrat zu beenden.

    Sicher kommt Herr Seidel in dem Interview nicht gut weg, und man hätte die Thematik auch schonender mit weniger Details zu Protokoll geben können. Aber wie das nunmal in so einem Interview ist, bleibt nicht viel Zeit über jede Antwort lange nachzudenken.
    Die Dinge ehrlich beim Namen zu nennen ist erstmal nichts verbotenes. Auch wenn es für manche Unbequem sein mag.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Schneekoenig
    (431 Beiträge)

    22.07.2020 23:46 Uhr
    Aber nicht so
    ...man bekommt alles - wenn man will - zum Gegenlesen und da hätten eben auch die Alarmglocken ganz laut läuten müssen, wenn Hr. Müller ein Sinn für Empathie hätte die es ganz besonders in einem solchen Amt bedarf. Er hat hier eine Grenze überschritten, die er hätte nicht dürfen.
    So hat es etwas von Gassip und Trash Talk ... Made in USA. Nicht mein Ding.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   kommentar4711
    (2741 Beiträge)

    22.07.2020 23:08 Uhr
    ANTWORT AUF "MÜLLER ÜBER SEIDEL"
    Die Aussagen sind trotzdem sehr fragwürdig. Klar gilt in dem Fall kein Bankgeheimnis, aber die "feine Englische Art" ist es sicher nicht.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (3017 Beiträge)

    23.07.2020 07:10 Uhr
    Müller schafft Fakten und geht das Thema
    ganz gezielt an - somit ist der Steidl mit dem Hintergrund auf dem aktuellen Posten vollkommen unglaubwürdig und nicht mehr haltbar -er täte gut daran, von ganz alleine zurück zu treten. Der Filz beim KSC ist tiefer als man es von Aussen betrachtet vermutet - das war sicher nicht die letzte Meldung, die zu solchen Themen hochkommen wird.
    Allerdings habe ich bei Müller kein wirklich gutes Gefühl - es erinnert mich zu Vieles bei ihm an die Eigenheiten von der abgetretenen Ego-Welle. Fachlich ist Müller sicherlich als Vize oder Präsi uneingeschränkt ok - allerdings braucht der KSC aktuell auch einen Präsidenten, der zwischen den total verfeindeten Lagern vermitteln & befrieden kann. Und genau diese Eigenschaft sehe ich bei Müller eben nicht
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Ichregmichnemmeuff
    (350 Beiträge)

    22.07.2020 21:19 Uhr
    Joooooo.....
    ...und das war es dann auch, für den Verwaltungsratchef Steidl! Schön weggemoppt......
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 5 6 7 8 (8 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.