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Karlsruhe KSC-Neuzugang Fabio Kaufmann: "Alle sagten, ich soll das Autohaus meines Vaters übernehmen - aber ich wollte mich als Profi durchsetzen"

Im Moment hat Fabio Kaufmann einen vollen Terminkalender. Der Neuzugang des KSC, der aus Braunschweig kam und für die rechte offensive Außenbahn eingeplant ist, trainiert täglich im Wildpark, dazu muss er sich um die Wohnungsauflösung in Braunschweig kümmern, den Umzug ins Badische organisieren und eine neue Wohnung in Karlsruhe finden. Neben dem KSC hilft ihm ein Ex-Mitspieler aus gemeinsamen Zeiten in Aalen: Sascha Traut. Der lebt nach Beendigung seiner Profikarriere wieder in der Fächerstadt und hilft mit seinen vielen Kontakten. Mit Kaufmann spricht Peter Putzing.

Herr Kaufmann, Sie sind ein gestandener Zweitligaspieler. Da ist sicher der Stammplatz das Ziel.

Natürlich will jeder Fußballer immer spielen. Aber: das Wort Stammplatz mag ich nicht so sehr. Für mich ist es elementar, sich jede Woche im Training seinen Platz im Team, seine Nominierung zu erarbeiten. Ich will zeigen, dass ich ein gestandener Zweitligaprofi bin, dass ich die Qualität dazu habe und immer arbeite. Ich will mir beim KSC weitere Spiele erarbeiten.

Fabio Kaufmann (KSC 37) am Ball.
Fabio Kaufmann (KSC 37) am Ball. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Sie waren, nachdem Sie bei Erzgebirge Aue spielten, einige Monate vereinslos. Wie beurteilen Sie rückblickend diese Zeit?

Ich habe damals meinen Vertrag bewusst aufgelöst und ich war da kurz davor, den Profifußball gänzlich hinter mir zu lassen. Ich hatte Anfragen, aber ich war bewusst sechs Monate vereinslos. In dieser Zeit habe ich mir gesagt: Ich mache nur etwas, mit dem ich mich zu hundert Prozent identifizieren kann. Wenn ich den Schritt in den Profifußball nochmals gehe – dann mit allem was ich habe, mit aller Konsequenz.

Die Neuzugänge des KSC Fabio Kaufmann (KSC 37), Christian Eichner (KSC Trainer), Lazar Mirkovic (KSC 40) links unten Leon Jensen (KSC 6), Lucas Cueto (KSC 17)
Die Neuzugänge des KSC Fabio Kaufmann (KSC 37), Christian Eichner (KSC Trainer), Lazar Mirkovic (KSC 40) links unten Leon Jensen (KSC 6), Lucas Cueto (KSC 17) | Bild: Carmele/TMC-Fotografie.de

Dann ging es nach Würzburg. Da habe ich mich etabliert, wir sind aufgestiegen. Danach nach Braunschweig, zu einer Zeit als dort Mannschaft und das Trainerteam neuformiert wurden. Ich habe dort konstant gute Leistungen gebracht. Ich habe über 70 Zweitligaspiele, weil ich weiß, wie man sich das erarbeitet, weiß dass man "Gras fressen" muss. Das werde ich beim KSC auch tun.

Sie sprechen von Qualität, haben beim KSC einige Trainingseinheiten absolviert. Ihre Einschätzung des Kaders?

Die vergangene Saison hat gezeigt, wie viel Potenzial im Kader steckt. Aber: Es ist schwieriger so eine starke Saison zu bestätigen, als das einmal abzuliefern. Die zweite Liga ist so stark besetzt wie noch nie in ihrer Geschichte. Wir haben Potential, sind absolut konkurrenzfähig. Wenn wir das zeigen, dann spielen wir eine sorgenfreie Saison. Aber das gelingt nur, wenn jeder Vollgas gibt. Hängt nur einer durch, dann schaffen wir das nicht.

Kann man den KSC mit Braunschweig oder Würzburg vergleichen?

In Braunschweig war ein großer Umbruch als ich dahin kam. Hier ist eine Mannschaft die sich gefunden hat. Hier sind Strukturen da, die muss man weiterentwickeln. Aber eine gute Basis ist, dass Automatismen da sind.

Ist irgendwas völlig anders? Trainer? Stadt?

Nein, bis darauf, dass der KSC in der Region, im ganzen Süden Deutschlands eine große Nummer ist. Und man merkt: Das Trainerteam hat selbst Fußball gespielt, die wissen, wie es geht.

Neuzugang Fabio Kaufmann (KSC 37)
Neuzugang Fabio Kaufmann (KSC 37) | Bild: Carmele/TMC-Fotografie.de

Ihre Selbstbeschreibung? Stärken und Schwäche?

Das mache ich sehr ungern. Ich bin ein Eins-gegen-Eins-Spieler, der durch seine Dynamik, sein Tempo, seinen Zug zum Tor gefährlich wird. Schwächen gibt’s genug - sonst würde ich nicht in der 2. Liga spielen. Ich bin ein Spätzünder im Profibereich, auch daher weiß ich: Ich kann mich immer noch weiter positiv entwickeln. Ich kann vom KSC profitieren, aber auch die Mannschaft kann von meinen Qualitäten profitieren.

Und als Mensch…?

Bin ich bodenständig und kommunikativ. Ich bin zudem sehr demütig. Als Halbitaliener bin ich lebensfroh, habe Temperament. Daher ist Fußball auch für mich vor allem: Emotion und Leidenschaft! Ich sage immer: Wenn ich nicht für den Fußball brenne – dann kann ich bei niemand anderem ein Feuer entzünden.

Fabio Kaufmann (KSC 37) im Angriff gegen Lukas Hoffmann (Freiberg 25)
Fabio Kaufmann (KSC 37) im Angriff gegen Lukas Hoffmann (Freiberg 25) | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Es ist viel Konkurrenz da. Thiede, Kother, Lorenz, eventuell Cueto und Batmaz.

Das will ich haben. Konkurrenz ist wichtig, um das Leistungsniveau Woche für Woche nach oben zu schrauben. Wenn ein Club nur elf, zwölf gleichwertige Spieler hat, dann ist das wesentlich schlechter. Wichtig ist: Hier ist der Kampf positiv, jeder gibt das Maximum - offen und ehrlich.

Könnten Sie auch links spielen?

Sicher, das habe ich auch schon. Zudem habe ich in einer Fünferkette rechts gespielt. Im 4-2-3-1 rechts, im 4-4-2 war ich auch schon die zweite Spitze. Ich bin variabel, fühle mich aber auf der rechten Mittelfeldposition am wohlsten.

Sie sind bodenständig, haben auch einen Hang zum Perfektionismus. Leben Sie gesund? Machen Sie Zusatztraining?

In meiner vereinslosen Zeit habe ich viel geändert – seither lebe ich noch gesünder und trainiere regelmäßig zusätzlich. All das hilft mir, mich besser zu fühlen, besser zu sein. Und: Seither bin ich sehr selten verletzt. Ich habe mich oft hinterfragt. Mein Vater hat ein großes Autohaus, alle sagten: Dir geht’s gut, da kannst du einsteigen, kannst den Laden vom Papa übernehmen. Aber ich wollte etwas Eigenes erreichen, wollte mich als Profi durchsetzen.

Fabio Kaufmann hier noch für Braunschweig gegen den KSC im Einsatz.
Fabio Kaufmann hier noch für Braunschweig gegen den KSC im Einsatz. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Beim KSC arbeitet inzwischen ein Psychologe. Werden Sie den konsultieren?

Ich bin mental sehr stark, aber klar: Wenn ich es brauche, werde ich zu ihm gehen. Es ist gut so etwas zur Verfügung zu haben. Es ist ein Angebot und es hilft schon, wenn man bemerkt, dass man ihn nicht braucht.

Sie sind Halbitaliener. Wäre es bei der EM zu einem Spiel zwischen Deutschland und Italien gekommen, wem hätten Sie die Daumen gedrückt?

Ganz klar - Deutschland. Mein Herz schlägt Schwarz-Rot-Gold! Ich bin hier geboren, wurde immer - wie meine Mutter, die Italienerin ist - wunderbar behandelt, habe mich immer wohlgefühlt. Ich habe diesem Land viel zu verdanken und bin stolz Deutscher zu sein. Bei einem solchen Spiel will ich, dass Deutschland gewinnt.

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Kommentare (3)
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  •   schwarzvoraugen
    (4273 Beiträge)

    05.07.2021 00:45 Uhr
    Bitte nicht in diesem frühen Stadium bereits CE Leier nachsingen
    Ambition hochhalten und Punkteergebnis der Vorsaison als Mindestziel setzen.

    Ein etablierter Zweitligaspieler ist dann schon für 10 Scorerpunkte gut. Daran werden wir ihn messen.

    Viel Erfolg!
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  •   Schmarow
    (1109 Beiträge)

    04.07.2021 20:27 Uhr
    John Turturro Double?
    Scheint ein intelligenter Spieler zu sein, der sich auch über Dinge abseits des Spielfelds Gedanken macht, wie seine Karriere weitergehen könnte. Von ihm erhoffe ich mir am meisten in der kommenden Saison, neben Schleusener, bei dem man noch gar nicht sagen kann, ob er seine alte Form erreicht oder eher wie die letzten 2 Jahre spielt.
    Kaufmann war schon in Braunschweig einer der besten Spieler. Hoffentlich bleiben äußerliche Ähnlichkeiten zu John Turturro und Elia Soriano nicht die einzigen Dinge, an die man sich erinnern wird, nach seiner Zeit beim KSC. Viel Erfolg und natürlich mehr Glück als bei Braunschweig!
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  •   Rundbau-Gespenst
    (12814 Beiträge)

    04.07.2021 08:25 Uhr
    viva la mamma!
    grinsen
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