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Karlsruhe KSC-Kandidatin Dorotheé Springmann: "Ich habe mich in die Höhle des Löwen gewagt - und das ziehe ich durch"

Dorothée Springmann, Polizeibeamtin in Offenburg, kandidiert für das Präsidentschaftsamt des Zweitligisten Karlsruher SC. Die 37-jährige Mutter, in der Vergangenheit die einzige weibliche Personenschützerin in Baden-Württemberg, ist ein "KSC-Fan mit Herz". Die Ex-Fußballerin und Hobby-Schauspielerin hofft, als Außenseiterin überraschen zu können. Ihr Motto: "Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!"

Frau Springmann, Präsidentin oder Vize-Präsidentin - welchen Posten hätten Sie lieber?

Natürlich würde ich lieber Präsidentin werden. Doch ich habe starke Mitbewerber. Als Außenseiterin würde ich mich natürlich freuen, wenn es klappt. Falls nicht, wäre ich auch gewillt, den Verein als Vize-Präsidentin zu unterstützen. Denn das ist es, worum es eigentlich geht: Den Verein in seinem Aufstreben weiter voranbringen!

Was hat sich seit Ihrer Kandidatur verändert?

Der Medienrummel hat enorm zugenommen. Zuvor hat mich auf der Straße nur der eine oder andere "Tatort-Fan" erkannt. Seit der Kandidatur werde ich öfters angesprochen.

Springmann stand schon für den Tatort vor der Kamera. | Bild: Thomas Riedel

...Tatort-Fan?

Ich bin unter anderem bei den Dreharbeiten "Tatort Ludwigshafen" dabei, hatte da schon kleinere Rollen. Des Weiteren war ich vor der Kamera zum Beispiel auch als "SEK" im Einsatz.

Hat sich seit Ihrer Kandidatur Ihre Ansicht über den KSC verändert?

Verändert nicht, aber ich bekomme nach und nach Einblicke in vereinsinterne Angelegenheiten. Da haben die Konkurrenten vermutlich bessere Voraussetzungen. Das ist möglicherweise ein Nachteil für mich. Ich sehe es aber auch als Chance an, die Dinge durch keine Brille zu sehen. Ich bin völlig frei von eventuell eingefahrenen Mustern und Denkweisen.

Zu internen betriebswirtschaftlichen und kaufmännischen Vorgehensweisen kann ich derzeit noch nicht so gezielt Stellung nehmen, wie jemand, der seit Jahren mitbestimmt. Es ist aber durchaus umsetzbar, sich in adäquater Zeit einzuarbeiten und entsprechende Entscheidungen fällen zu können.

Wie gut sind Sie vernetzt? Haben Sie Kontakte zu Bündnismitgliedern?

Kommende Woche ist eine Vorstellungsrunde geplant, an der ich selbstverständlich teilnehmen werde. Bisher gab es lediglich per Mail oder telefonisch Kontakte.

Feiernde KSC-Fans in Aalen
Feiernde KSC-Fans. | Bild: Reisenauer

...und Kontakte zu den Fans?

Ja, zu Marco Fuchs, dem Vorstand der Supporters. Es gab einen Terminvorschlag für ein Treffen mit Fans und Mitgliedern. Allerdings kollidiert der - mit meiner Hochzeit. Und die ist schon lange geplant.

Der Termin mit den Fans der "Gegengerade" wäre mir mitunter einer der Wichtigsten, denn ich glaube, dass ich auf dieser Ebene einen großen Rückhalt bekommen würde. Ich werde versuchen, da zumindest online für Fragen zur Verfügung zu stehen, damit sich jeder einen angemessenen Eindruck von mir verschaffen kann.

Wären das Amt der Präsidentin und Ihr Beruf zeitlich vereinbar?

(lacht) Das wurde ich auch beim Wahlausschuss gefragt. Es gibt bei der Polizei unterschiedliche Sparten. Als ich noch im Personenschutz tätig war, wäre das nicht gegangen, da war ich viel auf Reisen. Jetzt arbeite ich Tagschicht und habe an den Wochenenden meist frei. Sollte es mal gar nicht mit dem KSC passen, kann ich die Schicht tauschen - in Absprache mit den Vorgesetzten. Die zeitliche Komponente stellt absolut kein Hindernis dar.

Der kommunale Ordnungsdienst (KOD).
(Symbolbild) | Bild: Archiv/Paul Needham

Einige Fans ließen verlauten, sie seien gegen eine Polizistin als Präsidentin…

Einige sind skeptisch. Auch daher sind mir vorab die Gespräche wichtig. Ich habe mich auch in meiner Rede, die für die Mitgliederversammlung online gestellt wird, dazu speziell geäußert. Mein Beruf als Polizeibeamtin erfordert sehr viel menschliches Geschick und Verantwortungsbewusstsein und ist niemals gegen Menschen gerichtet, die sich für ihren Verein mit Hingabe einsetzen. Ganz im Gegenteil, unser Sport lebt von der Fankultur und der Stimmung in den verschiedenen Stadien.

Eine Grundsatzfrage: Warum kandidieren Sie?

In erster Linie aus der Leidenschaft für den Fußball, zu meinem Lieblingsverein KSC. Dann möchte ich mit aller Kraft mitwirken, die "Marke KSC" wieder größer zu machen. Durch gute Außendarstellung sind neue Sponsoren leichter zu begeistern. So fließen Gelder leichter.

Dorotheé Springmann
Dorotheé Springmann kandidiert für das Amt der KSC-Präsidentin. | Bild: Springmann

Dann: Das Nachwuchsleistungszentrum muss noch mehr gefördert werden, die KSC-Jugend braucht eine bessere Perspektive. Es muss noch besser funktionieren, dass Talente aus der eigenen Jugend in den Profikader kommen und dann auch eine bessere Perspektive haben, länger dem Verein erhalten zu bleiben.

In der Vergangenheit klappte das schon besser, als es noch eine zweite Mannschaft gab. Wir müssen wieder attraktiv sein für Nachwuchsspieler und diese behutsam in eigenen Reihen aufbauen für große Aufgaben. Es muss von jedem das Ziel sein, die eigenen Talente lange in eigenen Reihen zu halten. So wird die Qualität wieder von unten heraus gesteigert.

Ein Blick zurück: Seit wann kommen Sie in den Wildpark?

Mit Dauerkarte länger als zehn Jahre.

Die KSC-Fans im Jubel.
Springmann besucht seit vielen Jahren das Wildparkstadion. | Bild: Carmele | TMC-Fotografie

Sie gaben Ihre Bewerbung relativ spät ab. Warum?

Ich habe mir das lange und intensiv überlegt. Ich habe nur mit einem ganz kleinen Personenkreis darüber geredet. Mein zukünftiger Mann, mein Vorgesetzter - dann habe ich alles abgewogen. Und: Es kommt nicht jeden Tag vor, dass man eine Bewerbung auf solch einem hohen Niveau formuliert.

Wo und wie haben Sie den Klassenerhalt des KSC gefeiert?

Wir haben hier in der Offenburg, bei meinem zukünftigen Schwiegervater, gegrillt - wobei das Grillen zweitrangig war. Wir haben das Spiel gegen Fürth angeschaut, gezittert, gejubelt und dann gefeiert.

Was sind Ihre Ziele mit dem KSC?

Zunächst muss sich der KSC in der 2. Liga etablieren. Dazu muss man den Kader verstärken und dazu wiederum muss man neue Einnahmequellen erschließen. Mit dem aktuellen Etat ist das schwierig. Außerdem liegt auch hier ein Hauptaugenmerk auf der Integration der Eigengewächse in den Profikader. Der KSC soll wieder die Talentschmiede werden, die er zu Zeiten Oliver Kahns und Mehmet Scholls war.

Willi Wildpark motiviert die Fans.
Willi Wildpark motiviert die Fans. | Bild: Tim Carmele | TMC-Fotografie

Ich will versuchen die Mitgliederzahl weiter zu steigern und die Anzahl der Sponsoren zu erhöhen. Der Aktienverkauf ist ein guter Ansatz, der muss weiter forciert werden. Das Stadion muss optimal vermarktet werden. Aber: All das geht nur mit attraktivem und erfolgreichem Fußball und den treuen Fans, die den Verein weiter unterstützen.

Sie sagten, die Konkurrenz sei "alteingesessen" - Sie würden dagegen auf Ihre Weise punkten. Was heißt das konkret?

Dass ich mit Charme an die Sache gehe, dass ich neuen, frischen Wind in den Verein bringe. Eine junge, weibliche Präsidentin an der Vereinsspitze - das hat wenig Antiquiertes. Ich habe andere Ansichten als ein Alteingesessener, der lange dabei ist. Ich habe andere Perspektiven. Ich bin unvoreingenommen und nicht von Mustern belegt.

Dorotheé Springmann
Dorotheé Springmann | Bild: privat

Es ist mir sehr wichtig, dass die Gremien wieder an einem Strang ziehen und nicht wie zuletzt zum Teil gegeneinander arbeiten. Es ist wie auf dem Platz - nur wenn alle zusammenarbeiten, ist ein gutes Ergebnis möglich. Der Teamspirit steht ganz oben.

Schätzen Sie: Ihre Chancen stehen bei wie viel Prozent?

Zu Prozenten kann und will ich nichts sagen. Ich lasse mich überraschen und ich habe nichts zu verlieren. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Ich habe den Schritt gewagt, in die Höhle des Löwen zu treten. Das ziehe ich durch. Nach der Wahl wird man dann sehen, wie ich meinen Verein unterstützen darf.

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  •   brosi13
    (561 Beiträge)

    17.07.2020 14:05 Uhr
    Mit riesig großem Abstand...
    ...hat sich Holger Siegmund-Schultze als eindeutig bester in seinem Bewerbungsvideo präsentiert. Während alle anderen "vom Blatt ablesen" mussten - bei Axel Kahn hat man so gut wie kein Gesicht gesehen, so tief hat er in seinen vorgefertigten Text geschaut - hat HSS direkt, frei und ohne jegliche Vorlage sich präsentiert. Sehr stark das - auch inhaltlich. Noch überzeugender seine Vorstellung heute in den BNN.
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  •   Kraichgauer80
    (175 Beiträge)

    18.07.2020 12:06 Uhr
    Axel Kahn,
    also bei einer knapp 10 Min. Präsentation sollte man erwarten können, dass derjenige so gut vorbereitet ist, um diese nahezu frei Präsentieren zu können.
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  •   melotronix
    (3351 Beiträge)

    17.07.2020 17:54 Uhr
    ich schätze HSS
    ....allerdings weiss niemand ob er einen Teleprompter vor sich stehen hatte.
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  •   andi-b7
    (3307 Beiträge)

    17.07.2020 19:31 Uhr
    Wieso wählt ihr nicht den Kahn ?
    Vielleicht kommt dann nach4 Wochen ein Bündniss un bietet 10Mio das er geht 😂😂😂
    Müllerchen kanns ja wieder einfädeln 🙏
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  •   Karlsruher
    (253 Beiträge)

    18.07.2020 12:35 Uhr
    du
    kommst bestimmt auch noch über Welles Rücktritt hinweg grinsen
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  •   quicksilver
    (79 Beiträge)

    17.07.2020 13:13 Uhr
    bemerkenswert
    doch leider hat sie (lt. obigem interview) keine neuen Ideen vorgebracht... auch fehlt es am Netzwerk im Fußball.... wäre natürlich schöne die männerdomäne zu durchbrechen aber Chancen hat sie keine... seit 10 jahren ne Dauerkarte alleine reicht eben nicht aus um Präsident zu werden... vor allem noch keine Gespräche mit den Protagonisten geführt (Fanszene usw.)...
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  •   Schneekoenig
    (457 Beiträge)

    17.07.2020 11:54 Uhr
    Wünsche ihr ein Achtungserfolg
    ...denn ich finde es bewundernswert, net nur zu bruddle sondern etwas zu tun.
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  •   ALFPFIN
    (7543 Beiträge)

    17.07.2020 10:58 Uhr
    Mutig ist sie schon
    aber chancenlos, sich in diesem Fall einer reinen Männerdomäne zu stellen. Und dann müsste sie ja auch um Sponsoren werben, das Stadion optimal vermarkten, wie sie selbst angibt, also "Geldwirtschaft" betreiben.
    Als Beamtin geht das schon einmal gar nicht. Entweder müsste sie sich dann vom Polizeidienst freistellen lassen, sofern der Dienstherr das Amt des KSC (Vice) Präsidenten als Freistellungsgrund ansieht. Schließlich müsste ihre Stelle ja dann auch frei gehalten werden. Der Gehalt wird dann nicht weiter bezahlt. Das müsste sie als Polizeibeamtin eigentlich wissen.
    Ich glaube nicht, dass sich da etwas geändert hat.
    Das Präsidentenamt ist ein Ehrenamt.
    Möglicherweise meint sie es wirklich ernst, dann ist es mutig. Wenn nicht, na ja ......😉
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  •   Rundbau-Gespenst
    (12174 Beiträge)

    17.07.2020 09:42 Uhr
    wie nun, liebe Redaktion:
    "Dorotheé" oder "Dorothée"?

    oder gar akzentfrei???
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  •   melotronix
    (3351 Beiträge)

    17.07.2020 08:46 Uhr
    sie hat andere
    ..Ansichten und Perspektiven im Gegensatz zu den Alteingesessenen...na dann aber mal raus damit.
    Nochmal: ich finde es mutig das sie sich bewirbt. Das ringt mir Respekt ab.
    Ich werde allerdings den Eindruck nicht los, da möchte jemand unbedingt ins Rampenlicht. Geschlecht aussen vor gelassen! Sie weiss aber selbst, dass sie es schwer haben wird. Eine Chance gewählt zu werden geht gegen null.
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