Karlsruhe KSC-Coach Christian Eichner im großen Abschlussinterview: "52 Punkte sind großartig, aber..."

Für den Karlsruher SC war es eine turbulente und ereignisreiche Saison 2020/21. Da war das Wechseltheater um Torjäger Philipp Hofmann, Serien von Niederlagen und Siegen wechselten sich regelmäßig ab, die Corona-Pandemie mitsamt Quarantäne und eine leere Wildpark-Baustelle. Doch trotz aller Widrigkeiten, der KSC beendet die Saison mit 52 Punkten auf Rang sechs der Tabelle. Zeit auf die etwas andere Spielzeit zurückzublicken. Peter Putzing macht genau dies und blickt im ersten Teil des Interviews mit Cheftrainer Christian Eichner zurück auf die abgelaufenen 34 Spieltage.

Herr Eichner, welche Szene, Situation oder Ereignis ist rückblickend sofort in ihrem Kopf?

Der Abend vor dem Hannover-Spiel und der verschossene Elfmeter in Regensburg.

Am Abend vor dem Hannover-Spiel erklärte Philipp Hofmann, dass er nicht in der Lage sei zu spielen. Können Sie bitte Ihre beiden Erinnerungen etwas erläutern?

Die Hannover-Erinnerung stimmt. In Regensburg hatten wir die schlechteste Halbzeit der Saison gespielt, hatten zuvor drei Spiele verloren und hatten dann die Möglichkeit, durch einen Elfmeter in die Saison zu kommen. Wir brauchten ein Tor - als das zwei Wochen später gelang, hat man gesehen, was möglich ist. Nach dem verschossenen Elfer saß ich draußen und dachte: Das muss sich doch jetzt endlich einmal drehen.

Christian Eichner (KSC Trainer) kommt vor Spielbeginn ins Stadion.
Christian Eichner (KSC Trainer) kommt vor Spielbeginn ins Stadion. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Es war zu lesen, dass Sie mit der abgelaufenen Saison "zufrieden" seien. Nur zufrieden? Oder auch: Stolz?

Vor dem Hintergrund, was die Saison zuvor abgelaufen ist, sind 52 Punkte natürlich großartig. Für mich sind vor allem zwei Dinge wichtig: Die Mannschaft hat gesehen was notwendig ist, damit sie gewinnen kann. Und: Sie war eigentlich jedem Spiel in der Lage, Punkte zu holen.

Die größte positive und die größte negative Überraschung?

Positiv gab es einiges. Es gab viele Spieler, die sich individuell sehr gut weiterentwickelt haben. Die Mannschaft hat den Teamerfolg über alles gestellt. Das ist einfach schön. Negativ gab es nichts, was mir dauerhaft in Erinnerung geblieben ist. Klar ist, dass wir in vielen Bereichen in der neuen Saison die Möglichkeit haben, uns weiter zu verbessern.

v.l. Oliver Kreuzer (Sportdirektor des KSC), Zlatan Bajramovic (KSC Co-Trainer), rechts Christian Eichner (KSC Trainer)
v.l. Oliver Kreuzer (Sportdirektor des KSC), Zlatan Bajramovic (KSC Co-Trainer), rechts Christian Eichner (KSC Trainer) | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Negativ war aber der Start mit vier Pflichtspielen in Folge ohne Sieg. Was ergab die Analyse? Was werden Sie als Ergebnis dieser Analyse in der kommenden Vorbereitung ändern?

Die Mannschaft hat auch da nicht durchgängig schlecht gespielt. Wir waren gegen Hannover und Union Berlin ebenbürtig.

Nochmals, was muss man aufgrund der Analyse konkret verändern. Zum Beispiel die Laufleistung? In dieser Rangliste ist der KSC in der 2. Bundesliga weit hinten platziert.

Das ist sicher ein Bereich, in dem wir zulegen können. Wir hatten in dem ein oder anderen Spiel hierbei noch Luft nach oben.

Sie erwähnen die "vielen Verbesserungsmöglichkeiten." Die anderen liegen konkret wo? Werden Sie das Lauftraining intensivieren, mehr Spielsituationen integrieren?

Verbesserungspotential sehe ich vor allem beim Spiel in Richtung gegnerisches Tor. Da müssen wir die Lücke zu den besten Teams kleiner werden lassen. Wir müssen mit Ball besser, klarer und cleverer Fußball spielen. Vor allem im Übergang ins vordere Drittel.

Jubelt Philipp Hofmann auch zukünftig im Wildpark? Der KSC hat dem Stürmer auf jeden Fall ein neues Angebot unterbreitet. Hinzu kommt: Ein Wechsel innerhalb der 2. Liga kommt für Hofmann nicht mehr infrage.
Jubelt Philipp Hofmann auch zukünftig im Wildpark? Der KSC hat dem Stürmer auf jeden Fall ein neues Angebot unterbreitet. Hinzu kommt: Ein Wechsel innerhalb der 2. Liga kommt für Hofmann nicht mehr infrage. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Sie sprachen es an - Hannover, als Hofmann sich nicht in der Lage fühlte zu spielen, war schlimm. Die Zeit ohne "Hoffi" war Horror. Es könnte sein, dass es eine Saison ganz ohne Philipp Hofmann gibt. Droht dann eine Horrorsaison?

Zunächst sehe ich aktuell nicht die Gefahr, dass "Hoffi" geht. Ich bin sehr positiv gestimmt, was seinen Verbleib betrifft.

Das heißt: Sie gehen nicht von einem Abgang aus?

Stimmt. Ich beschäftige mich dennoch mit dieser Position im Sturm, da uns ja Babacar Guèye verlässt.

Ist es nicht sehr riskant, fast fahrlässig - von einem Spieler derart abhängig zu sein?

Eichner: Auf den ersten Blick mag das so aussehen - auch weil wir des Öfteren nur mit einem Angreifer im Zentrum gespielt haben. Aber: Robin Bormuth hat vier Treffer erzielt, Marco Thiede drei, und auch Wanitzek, Gondorf, Kobald, Choi und einige andere haben getroffen.

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